Hallöchen,
ich schreibe diese Woche eine Klassenarbeit im Fach VWL und
hätte da noch zwei Fragen zum Mindestreservesatz…
daß ich das noch erleben darf: In einer Schule wird VWL unterrichtet. Ich bin begeistert.
- Warum ist dieser heute kein geldpolitisches Instrument der
EZB mehr?
- Warum bleibt der Mindestreservesatz auf 2 % und wird in
Zeiten schlechter Konjunktur nicht gesenkt?
Erst einmal die Seite der Bundesbank zu dem Thema:
http://www.bundesbank.de/gm/gm_mindestreserven.php
Der Wikipedia-Artikel:
http://de.wikipedia.org/wiki/Mindestreserve
Und auch die FAZ hat eine Meinung zu dem Thema:
http://boersenlexikon.faz.net/mindestr.htm
Und dann noch jemand, der weiß wovon er redet:
http://www.fh-nuernberg.de/fhn/service/03_anlaufstel…
(entscheidend ist hier Seite 4)
Zu Deinen Fragen:
ad 1. Eigentlich war die Mindestreserve in der Praxis noch nie ein geldpolitisches Instrument (ob Du mit der Aussage bei Deinem Lehrer gut ankommst, weiß ich nicht). Die Idee, daß die Mindestreserve das Kreditvolumen beeinflußt, ist eine nette, aber eine, die nur von Leuten kommen kann, die eher in der theoretischen Welt leben. In der Praxis wird das Kreditvolumen einer Bank vom Gesetzgeber und von der Eigenkapitalausstattung bestimmt.
Eine Bank muß jeden Kredit mit 8% Eigenkapital unterlegen, damit liegt das maximale Kreditvolumen beim 12,5 fachen des Eigenkapitals. Bei einem Mindestreservesatz von 2% beläuft sich das denkbare Kreditvolumen auf das 5000fache der Einlagen. Also ist klar, daß das Kapital die Restriktion darstellt.
ad 2. Siehe 1. Wenn die MR keinen meßbaren Einfluß auf die Kreditvergabe hat, braucht man MR-Satz auch nicht zu senken, wenn man die Konjunktur anschieben will: Es bringt ja nix.
Im übrigen ist die EZB (ebenso wie früher die Bundesbank) primär der Preisstabilität verpflichtet. Die Unterstützung der Wirtschaftsploitik ist ihr nur dann erlaubt, wenn das Ziel der Preisstabilität dadurch nicht beeinträchtigt wird (Art. 105 EU-Vertrag).
Gruß,
Christian