Fragen zum Thema 'Kinofilme in den 50er jahren'

Guten Abend,
Ich präsentiere demnächst ein Projekt zum Thema „kinofilme in den 50er jahren“ und brauche da noch ein paar Informationen die ich so jetzt nicht im Internet gefunden habe.

Ich wollte die Genres:
horror/thriller
Western
Komödien
Kriegsfilme

vorstellen, und wollte hier jetzt mal Fragen: Warum sah man sich solche Filme damals an?

Bei Western kann ich mir vorstellen weil die Männer auch cool sein wollten mit Männlichkeit, Waffen, Rauchen und so. Jedoch finde ich nichts zu den anderen Genres und kann mir jetzt nichts Vorstellen dazu warum man sowas sah. Ich hoffe sehr dass ihr mir weiter helfen könnt und wäre sehr dankbar dafür.

Mfg: Wasterius

Hallo Wasterius,

frag mich nicht warum, aber Science Fiction-Filme waren damals auch schon der Renner.

Gruß
moritzbock

Heimatfilme nicht zu vergessen, die zu dieser Zeit ihre Hochblüte hatten.

Heimatfilme habe ich bereits, dennoch weiß ich nicht genau warum man sich die anderen Genres ansah. SCi-fi schau ich nochmal, das wusste ich nicht vielen dank.

Hallo,

ich glaube, dass man nicht so sehr nach den Genres gehen kann (ok, bei Kriegsfilmen kann ich absolut nicht nachvollziehen, wieso die sich jemand antut, der ja gerade einen miterlebt hat. Aber da kann ich nicht wirklich mitreden).

Man muss aber insgesamt daran denken, warum die Menschen ins Kino gingen; das unterscheidet sich ja immens von den heutigen Gründen.
Viele hatten noch gar keinen Fernseher und ein Theater gab es in der Stadt vielleicht nicht; darüber hinaus bekam man im Kino ja auch Nachrichten präsentiert (mit der Wochenschau). Im Fernsehen gab es nur 2 oder 3 Programme…
Das Kino war also nicht nur zum Filme ansehen da, sondern eine Gelegenheit, abends weg zu gehen und andere zu treffen.
Meine Mutter hat mir erzählt, dass sie in der Zeit oft im Kino war.

Und was bietet sich zum Zeitvertreib an? Eine Komödie lenkt auch ab von den Alltagsproblemen, Western sind für viele bestimmt gleich bedeutend mit dem Amerikaner gewesen, über den man vielleicht mehr erfahren wollte.

Gruß

Hai!

Im Fernsehen gab es nur 2 oder 3 Programme…

Maximal eins.

Das Erste Programm (ARD) startete 1954, das Zweite (ZDF) folgte
1963.

Von daher, es gab noch keine Alternativen zu Kino.

Der Plem

1 „Gefällt mir“

Hallo :smile:

Na ja, grundsätzlich haben sich Leute zu allen Zeiten (in denen es Kino gab) Kinofilme angeschaut, um unterhalten zu werden. Das war auch in den 50er Jahren nicht anders. Der Grund, dass es noch kaum Fernsehen gab, wurde ja schon genannt; das heißt, Kino war in den 50er Jahren noch ein Ereignis. Science-Fiction wurde ja schon erwähnt: das ist relevant, denn in den 50ern war das ein ganz heißes Thema. Nachdem der Krieg vorbei war, glaubte man vor allem in Amerika so ziemlich alles erreichen zu können. Dass die Gedanken dabei gerne ins Weltall wanderten, ist kein Wunder. Die 50er waren eine Blütezeit für SF-Comics, Geschichten, Groschenhefte und eben auch Filme.

Ansonsten lässt sich die Frage aber weniger auf Genres herunterbrechen. In den 40ern erfüllten Filme sicher viel mehr die Hoffnung auf eine gewisse Flucht vor der Realität, der Wunsch nach heiler Welt war hier sehr stark. In den 50ern waren die materiellen Bedürfnisse aber erst mal gesichert, die Wirtschaft stabil usw. Ich vermute also, es gab keinen tieferen Grund, warum die Menschen Horrorfilme oder Komödien geschaut haben als den, dass sich Menschen eben gerne gruseln und sie auch gerne lachen… :wink:

Grüße

Ah, danke für die Info.
Ich war mir nicht sicher; ich weiß aber, dass wir mit absoluter Sicherheit keinen Fernseher zu Hause hatten und meine Mutter halt regelmäßig im Kino war.

Hatte dann gelesen, dass der Fernseher 1952 aufkam (nur kurz überflogen); wieviele Programme das waren, hatte ich nicht gesehen.

Gruß

Hallo Wasterius,

vieles ist hier ja schon gesagt worden, anzumerken sei noch, daß in den 50er Jahren der Aufschwung langsam begann und die Menschen positives, aufbauendes im Kino sehen wollte. Wie gesagt gab es kaum Fernsehen und spielte erst Ende der 50er langsam eine Rolle.

Daher auch die vielen Heimatfilme und vor allem Musikfilme, Musikkomödien, wir sagen heute Musikklamotten, weil sie wirklich einfach und bieder und oft auch ziemlich dümmlich waren - aber es wurde massenhaft gedreht. Außerdem spielten sie an ersehnten Orten in Italien und Jugoslawien. Eine Urlaubsreise dorthin war für die meisten undenkbar.

Von Krieg hatte man die Nase voll - Der Film Die Brücke wurde 1959 gedreht. Kriegsfilem waren eigentlich nicht aktuell.

Neu kam der Monumentalfilm in die Kinos, Filme wie Ben Hur 1959 und Krieg und Frieden 1956 liefen mit enormem Erfolg.

Nicht zu vergessen sind die Kriminalfilme. Edgar Wallace feierte Kinotriumphe.

Gruß Heinz

Als Filmfan würde ich auch gerne was dazu schreiben,
aber wie kommst Du auf diese Genres?
Die gabs doch alle vorher schon und hinterher auch, bis heute.
(Naja, Western hat in den 70ern dann nachgelassen.)
Also was findest Du daran typisch in Bezug auf die 50er Jahre?
Ich find ja eher Genres wie Monumentalfilm, Musical, Heimatfilm
oder gewisse Stile prägend.
MfG

hallo

Ich wollte die Genres:
horror/thriller
Western
Komödien
Kriegsfilme

vorstellen, und wollte hier jetzt mal Fragen: Warum sah man
sich solche Filme damals an?

ich finde diese frage etwas schwierig.
einerseits weil sie recht einengend ist - andererseits wird die beantwortung ausufernd.
warum man sich welche filme in welchem zeitraum ansieht ist ja fast schon eine soziologische frage, innerhalb der auch die entsprechenden länder berücksichtigt werden sollten.
gerade der western als ureigenstes amerikanisches filmgenre wird in europa sicherlich „auch“ daher konsumiert weil die lust der möglichkeiten der amerikanischen geschichte in uns schlummert.
aber unser blick auf amerika ist verwässert, ungenau und falsch.
unser blick auf amerika ist eben der mythos der western aus den 40ern 50ern und 60ern.
unser blick auf amerika, welcher sich dann vor allem in den italowestern der 60er und 70er wiederspiegelt wurde von den amerikanern ja immer als „falsch“ bemängelt.
trotzdem hatte der „europäische“ western einen grossen erfolg.

Bei Western kann ich mir vorstellen weil die Männer auch cool
sein wollten mit Männlichkeit, Waffen, Rauchen und so.

ich finde das greift deutlich zu kurz und wird dem western-genre nicht mal ansatzweise gerecht.

um mal eine grobe unterscheidung einzuführen:
in den ersten jahrzenten der filmgeschichte (ich ziehe mal eine grenze die irgendwo zwischen den sechzigern und den siebzigern verläuft) spielten auch die western eher zur frühzeit, also etwa bis 1860 oder 1890 (ich schlage das jetzt nicht nach sondern behaupte das mal so). erst später (ab den 1960ern) kam der so genannte „spätwestern“, der nicht nur „spät“ entstand (filmgeschichtlich) sondern auch die späte entwicklung des westens zum thema hatte.
das land war schon entdeckt, erste probleme „nach“ dem sesshaft werden wurden manifest, die eisenbahngesellschaften als „industrie“ begannen die gesetze mit zu schreiben, ehemalige haudegen die im rechtsfreien und „freien land“ ihre blütezeit erlebten mussten sich anpassen. die zeit veränderte sich. outlaws wurden gejagt, erste autos vertreibten die pferdekutschen, der „böse“ begann sich seiner moral zu stellen - gut und böse verschwimmen zunehmends.
und der western davor, also der der 50er ?

ganz grob eingeteilt ging es hier noch um die „einfachen“ werte und wünsche.
neues land erobern.
farm bauen, sesshaft werden.
familie gründen.
gerecht sein - gerechtigkeit erfahren.
lebensziele und lebensmodelle definieren (und erreichen).

der gute siedler war nur „gut“ (weisser hut)
der böse outlaw war nur „böse“ (schwarzer hut)

gerade der western, der ein bisschen der gegenwartszeit „entrückt“ ist ohne zu weit entfernt zu sein (wie es schon im „kostümfilmen“ der fall wäre), eignete sich sehr gut um fast schon wie eine klassische parabel über solche themen zu sinnieren.

insofern interpretiere ich die lust am western der 50er eher etwas anders als das „cool“ sein.

freiheit des individuums in einem freien land.
klassische werte (haus und familie) und deren erreichen.
der „aufbau“ des eigenen lebens innerhalb eines „aufbaus“ nach dem krieg.
einhaltung moralische werte und persönlicher umgang mit situationen in denen entscheidungen getroffen werden müssen die vordergründig richtig erscheinen, mit denen man dann aber sein leben lang leben muss.

der western der 50er war also eher einfacherer natur (ich meine damit nicht langweilig). klar strukturiert.

es fallen darin sätze wie:
„all i want to do is enter my house justified“
und
Elsa says to Judd, “My father says there’s only right and wrong - good and evil. Nothing in between. It isn’t that simple, is it?” Judd somberly replies, “No, it isn’t. It should be, but it isn’t.”

beides aus sam peckinpahs „sacramento - ride the high country“ 1961/62, der begann sich mit dem mythos aller vorangegangenen western inhaltlich auseinanderzusetzen OHNE diesen mythos schon zu demontieren! das passierte dann erst ab mitte der sechziger.

ja, so - auch wenn ich deine frage nur bedingt beantworte (?) - ich hoffe diese schnell geschriebenen gedanken helfen dir ein bisschen . . .

ach und ich glaube: auch die anderen genres lassen noch eine intensivere betrachtung zu!
wenngleich ich mich da mit komödien (leichtigkeit) und kriegsfilmen schwerer tue.
beim horrorfilm der 50er wäre beim amerikanischen film die kommunistenangst und kommunistenhatz der mccarthy-zeit stark mitentscheidend, immerhin waren viele der furchtbaren ausserirdischen immer auch ein bild der angst vor dem „fremden“ kommunisten.
(schwer vereinfacht)

und der thriller - da würde es helfen sich mal ein bisschen mit hitchcock auseinanderzusetzen.
dieser war zumindest der überzeugung dass es immer ein thema ist wenn man A) als unschuldiger in unmögliche situationen hineinmanövriert wird, und
B) mögen wir alle auch immer ein bisschen einen schreck bekommen . .
oder warum geht man gerne auf kleine kinder zu und macht „buhh“

so zumindest hitchcocks weltsicht der dinge . . .

grüße

der gute siedler war nur „gut“ (weisser hut)
der böse outlaw war nur „böse“ (schwarzer hut)

Hmmm … gerade im Westen der 50er fallen mir sehr ambivalente Figuren ein, z.B. Ethan Edwards in „The Searchers“ oder Howard Kemp in „The Naked Spur“. Und wenn Du „Shane“ nimmst, findest Du in mehreren Figuren sehr ambivalente Züge. Ganz zu schweigen von Klassikern wie „The Ox-Bow Incident“. Oder auch vor „Fort Apache“, in dem Ford die Legendenbildung des Westerns thematisiert (und die Kavallerie gegenüber den Indianern ganz schön schlecht ausehen lässt.) Da wird genau das simple „Gut-Böse“-Schema der Legenden in Frage gestellt …

eignete sich sehr gut um fast
schon wie eine klassische parabel über solche themen zu
sinnieren.

Irgendwo habe ich mal den schönen Satz gelesen, der Western sei eigentlich immer ein Entwicklungsroman. Und da ist etwas wahres dran: Es geht immer um die Auseinandersetzung der Figuren mit ganz elementaren Gefühlen und Werten - Mut, Feigheit, Zivilcourage, Gerechtigkeitm, Liebe. In vielen Western müssen die Figuiren eine moralische Entscheidung treffen, ohne sich dabei auf ein übergeordnetes Gesetz berufen zu können. „Klassische Parabel“ finde ich sehr treffend.

insofern interpretiere ich die lust am western der 50er eher
etwas anders als das „cool“ sein.

Sehe ich genauso. Ich denke, der Reiz an Western ist, daß sie allgemeine menschliche Fragen aufwerfen, die eigentlich zeitlos sind - und das in einem Setting, das uns immer noch „nahe“ ist, aber gleichzeitig „wild“ genug ist, um dramaturgisch interessant ist.

einhaltung moralische werte und persönlicher umgang mit
situationen in denen entscheidungen getroffen werden müssen
die vordergründig richtig erscheinen, mit denen man dann aber
sein leben lang leben muss.

Ja.

der western der 50er war also eher einfacherer natur (ich
meine damit nicht langweilig).

Nein. Gerade die „Entscheidungsfragen“ haben auch komplexe Figuren hervorgerufen.

Gruß,
Max

hallo

Hmmm … gerade im Westen der 50er fallen mir sehr ambivalente
Figuren ein, z.B. Ethan Edwards in „The Searchers“ oder Howard
Kemp in „The Naked Spur“. Und wenn Du „Shane“ nimmst, findest
Du in mehreren Figuren sehr ambivalente Züge. Ganz zu
schweigen von Klassikern wie „The Ox-Bow Incident“. Oder auch
vor „Fort Apache“, in dem Ford die Legendenbildung des
Westerns thematisiert (und die Kavallerie gegenüber den
Indianern ganz schön schlecht ausehen lässt.)

ja, vielleicht können wir uns darauf einigen dass meine etwas „platte“ und simple klassifizierung natürlich nie und nimmer eine abschliessende wahrheit aufzeigen soll, aber vielleicht eine leichtere einordnung zulässt.
natürlich habe ich beim schreiben gerade ethan edwards geflissentlich unter den tisch fallen lassen.
und gerade solch grössen wie ford, mann, aber auch hawks und hathaway werde ich damit natürlich nicht gerecht. einverstanden!
auch wenn fordsche charaktere nun mal nicht die masse waren.
trotzdem würde ich einen unterschied der western vor den mitt-60ern und nach den mitt-60ern etwa da finden wollen wie ich es beschrieben habe - wie gesagt, stark vereinfacht und auch ungerecht.

Da wird genau
das simple „Gut-Böse“-Schema der Legenden in Frage gestellt

das „in frage stellen“ gab es natürlich schon früher.
das „demontieren“ würde ich dennoch erst ab den 60ern sehen. fords „liberty valance“ gilt ja meine ich als beginn des „spät-westerns“ und das peckinpahs figuren ganz weit weg sind eines ethan edwards dürfte glaube ich (hoffe ich) auch konsens sein.

Irgendwo habe ich mal den schönen Satz gelesen, der Western
sei eigentlich immer ein Entwicklungsroman. Und da ist etwas
wahres dran: Es geht immer um die Auseinandersetzung der
Figuren mit ganz elementaren Gefühlen und Werten - Mut,
Feigheit, Zivilcourage, Gerechtigkeitm, Liebe. In vielen
Western müssen die Figuiren eine moralische Entscheidung
treffen, ohne sich dabei auf ein übergeordnetes Gesetz berufen
zu können. „Klassische Parabel“ finde ich sehr treffend.

über den „entwicklungsroman“ muss ich noch etwas nachdenken, stimme dir aber sonst voll zu.

Ich denke, der Reiz an Western ist, daß sie
allgemeine menschliche Fragen aufwerfen, die eigentlich
zeitlos sind - und das in einem Setting, das uns immer noch
„nahe“ ist, aber gleichzeitig „wild“ genug ist, um
dramaturgisch interessant ist.

schön geschrieben

der western der 50er war also eher einfacherer natur (ich
meine damit nicht langweilig).

Nein. Gerade die „Entscheidungsfragen“ haben auch komplexe
Figuren hervorgerufen.

hmm. diesem satz will ich natürlich nicht wiedersprechen.
können wir vielleicht sagen: komplexe (und ambivalente) figuren gab es natürlich schon früher, dennoch kamen erst ab den 60ern figuren zum tragen dessen moralische werte von vorneherein fragwürdiger waren.

du weisst doch worauf ich hinauswill: was ist mit den figuren aus the wild bunch ? die halte ich für die 50er noch nicht für hoffähig - vielleihct ist das eine grundsätzliche frage des sich veränderten „heldenverständnisses“ nicht nur im western.

ok ?

grüße

1 „Gefällt mir“

Hallo Vertigo!

auch wenn fordsche charaktere nun mal nicht die masse waren.

Mit Sicherheit nicht. Wenn man die Masse der B-Movies betrachtet, dann haben wir da genau die Klischees, die zum Teil in den A-Movies hinterfragt wurden. Und dann war da auch noch der alte Zwiespalt zwischen „legend“ und „fact“ - das bekannte Zitat aus „Liberty Valance“ kann man ja als eine Aussage über den Western schlechthin betrachten.

trotzdem würde ich einen unterschied der western vor den
mitt-60ern und nach den mitt-60ern etwa da finden wollen wie
ich es beschrieben habe

Die Western der späteren Jahre sind oft weniger beschönigend, vor allem was die Gewaltdarstellung betrifft. Auch der Gute kann plötzlich sehr gemein und brutal sein. :smile: Stellenweise habe ich aber das Gefühl, daß der Held trotz seiner Brutalität fast noch ein Stück mehr glorifiziert wird - und die bösen noch ein bißchen „gesichtlosere Wesen“ sind, die zu töten es richtig und gut ist. Ich denke da zum Beispiel an den Showdown in „Pale rider“, an die auch optisch austauschbaren Schurkenhelfer in ihren Staubmänteln.

können wir vielleicht sagen: komplexe (und ambivalente)
figuren gab es natürlich schon früher, dennoch kamen erst ab
den 60ern figuren zum tragen dessen moralische werte von
vorneherein fragwürdiger waren.

Ja, es gab wohl mehr Western, in denen die Bösen die Guten waren. :smile: Ein Unterschied, der mir gestern noch eingefallen ist: Auch wenn die Entscheidung schwierig ist, in den alten Western wird der Held am Ende doch dafür belohnt (und die Ambivalenz dadurch zu einem Teil wieder aufgelöst:smile: In High Noon muss sich der Sheriff zwischen Plicht und Liebe entscheiden, wählt die Pflicht - und kriegt die Liebe dann doch noch. In einem „modernen“ High Noon wäre die Frau vielleicht am Ende endgültig weg gewesen und der Sheriff zwar Sieger, aber gebrochen.

ok ?

Klar. :-9 Es ist spannend, mit Dir zu diskutieren, du hast viele Kluge und anregende Gedanken zum Thema.

Gruß,
Max

hallo max

Wenn man die Masse der B-Movies
betrachtet, dann haben wir da genau die Klischees, die zum
Teil in den A-Movies hinterfragt wurden.

auch eine interessante sichtweise - du würdest das also auch zeitlich unabhängig betrachten demnach ?

Und dann war da auch
noch der alte Zwiespalt zwischen „legend“ und „fact“ - das
bekannte Zitat aus „Liberty Valance“ kann man ja als eine
Aussage über den Western schlechthin betrachten.

ja, das ist eine aussage über den western (und seine mythen) schlechthin.
allerdings denke ich hier schon wieder sehr deutlich, dass diese ausseinandersetzung eben erst in den 60ern möglich war.
die gesamte geschichte ist ja nicht zuletzt wegen ihres späteren settings auch schon komplexer (politiker, etablierte zeitungen, der alte aus der mode gekommene westerner usw.)

Die Western der späteren Jahre sind oft weniger beschönigend,
vor allem was die Gewaltdarstellung betrifft.

das liegt sicher mit daran, das gewalt (ihre entstehung sowie ihre zerstörende dynamik) immer mehr zum thema wird.
auch wenn ich das schwer belegen oder sogar wirklich sicher behaupten kann: ich denke die (damals) aktuellen konflikte in der entstehungszeit waren mit grund dafür. auch wenn mir explizit kein western einfällt, aber sicher hält irgendwann auch vietnam einzug in den „western“.

Auch der Gute
kann plötzlich sehr gemein und brutal sein. :smile:

na endlich konnte er das :wink:
ich denke hier nebenbei explizit an sergio leone . . .

Stellenweise
habe ich aber das Gefühl, daß der Held trotz seiner Brutalität
fast noch ein Stück mehr glorifiziert wird - und die bösen
noch ein bißchen „gesichtlosere Wesen“ sind, die zu töten es
richtig und gut ist.

das aber war schon immer „gut“.
ich glaube gerade die bösen waren früher gesichtsloser, undifferenzierter; weshalb der gute sie eben einfach töten musste. eine auseinandersetzung mit dem bösen kam (behaupte ich) erst später.
die glorifizierung des guten ist auch ein spezielles thema.
ich bin der überzeugung: anfangs war der gute einfach gut - fraglos.
glorifizieren musste man ihn erst später.

Ich denke da zum Beispiel an den Showdown
in „Pale rider“, an die auch optisch austauschbaren
Schurkenhelfer in ihren Staubmänteln.

da bin ich skeptisch.
anfang der 80er entstanden fällt der film für mich irgendwie aus dem rahmen. ich müsste ihn mal wieder sehen um ein (neues) gefühl für ihn zu entwickeln.
ich glaube die austauschbarkeit des bösen entsteht hier mehr dadurch das das böse eben nicht wirklich behandelt wird. es geht ja mehr um das gute, also um den „guten“ pfarrer (theoretisch, man ist sich ja bei ihm nicht ganz sicher) und um die guten dorfbewohner, um das gute zusammenleben - oder zumindest um megans wunsch danach.

Ja, es gab wohl mehr Western, in denen die Bösen die Guten
waren. :smile:

da bin ich mir nicht sicher. (in der masse)
sicher war der gute nie nur gut. aber nur weil ein guter über gut und böse sinniert und auf diesem wege auch fehler macht bleibt er im gesamten trotzdem gut meine ich.

Ein Unterschied, der mir gestern noch eingefallen
ist: Auch wenn die Entscheidung schwierig ist, in den alten
Western wird der Held am Ende doch dafür belohnt (und die
Ambivalenz dadurch zu einem Teil wieder aufgelöst:smile: In High
Noon muss sich der Sheriff zwischen Plicht und Liebe
entscheiden, wählt die Pflicht - und kriegt die Liebe dann
doch noch. In einem „modernen“ High Noon wäre die Frau
vielleicht am Ende endgültig weg gewesen und der Sheriff zwar
Sieger, aber gebrochen.

das stimmt sicher.
und irgendwie zeigt es vielleicht sogar wieder ganz klar was ich ursprünglich meinte.
also müsste die frage filmwissenschaftlich eigentlich wieder anders heissen, nämlich: seit wann gibt es eigentlich den begriff des „happy-end“ ? :wink:

Es ist spannend, mit Dir zu diskutieren, du hast
viele Kluge und anregende Gedanken zum Thema.

ich finde es auch spannend, selbst wenn es fast zu lange her ist dass ich mich intensiver mit all dem auseinandergesetzt hatte.
irgendwie krame ich jetzt in hirnwindungen und erinnerungen.
müsste einige western erst malk wieder ansehen nach so langer zeit um viele der neuen oder neu formulierten gedanken nochmal abzuklopfen.
der letzte western den ich mal wieder gesehen habe waren beide true grit. also nach dem neuen dann zu ehren waynes den alten noch mal eingelegt . . .

mich hätte auch inetressiert wie weit dieses thema vom ursprungspost entfernt ist.
mag eine blöde frage sein, da es sehr weitr erscheint.
aber ich bleibe dabei: eine wirkliche auseinandersetzung mit der ursprungsfrage (die ich nach wie vor für zu „einfach“ oder zu „kurz gedacht“ empfinde) erfordert zumidnest ansatzweise gedanken in diese richtung, also gedanken mit der auseinandersetzung des genres sowie mit der speziellen zeit.

ich habe bisher keine literaturliste zusammengestellt, aber ich war schon kurz davor . . .
sollte einen vielelicht selber mal wieder zum lesen anregen.

es gibt nebenbei ein neues (und nach erstem blätetrn vielversprechend wirkendes) buch über leone (2009, bertz und fischer - deep focus 7), aber ich muss erst noch etwas anderes fertig lesen und mir dann überlegen ob ich erst die filme alle noch mal ansehe und dann das buch lese oder umgekehrt . . .

grüße
vertigo