Fragen zum Thema Motivationspsychologie

Hallo und guten Tag,

habe eine Frage zum Thema Motivationspsychologie nach Maslow und bitte um Ihre Mithilfe. Wenn man das Thema zu Ende denkt, kommt man relativ schnell in den Bereich der Philosophie.

Maslow behauptet ja unter anderem, dass der Mensch von Natur aus gut sei und dass Frustrationen, Sadismus, Neid, etc. lediglich aus unerfüllten Bedürfnissen, bzw. Wünschen herrühren. Dabei stellt er auch heraus, dass wir oft sog. Ersatzbefriedigungen nachgehen. z. B. kann hinter dem Streben nach Luxus oder dem Streben nach Karriere, etc, in Wirklichkeit einfach der Wunsch nach Anerkennung und Respekt stehen.

Hier meine Fragen dazu:

  1. Kann es wirklich sein, dass Glück einfach dadurch zu erreichen ist, dass man seine Wünsche verfolgt und umsetzt?

Muss man nicht zuerst fragen, ob die Wünsche an sich gut sind? Man kann ja auch Wünsche haben, deren Umsetzung einem schaden.

Beispiel: Jemand liebt teure Sportwagen, hat aber wenig Geld. Verfolgt er seinen Wunsch, wird ihn das in die finanzielle Katastrophe führen. Verkneift sich diese Person seinen Sportwagen, bleibt ihm seine finanzielle Unabhängigkeit. Ist es in diesem Fall also nicht besser, diese Person verzichtet auf ein teures Auto? Oder vergewaltigt diese Person dann ihre Wünsche und wird unglücklich?

Anders gefragt: Ist das, was jemand will, automatisch auch das, was dieser Person gut tut?

  1. Was jemand will, ist ja auch davon abhängig, von welcher individuellen Informationslage jemand ausgeht. ES kann ja sein, dass man einen Wunsch nur deshalb nicht hat, weil man es gar nicht besser weiß, bzw. dass man nur deshalb einen Wunsch hat, weil man fälschlicherweise annimmt, die aktuelle Situation wäre unzureichend und man wolle eine Veränderung.

Beispiel: Bleiben wir bei Autos. Ein Mann fährt sein ganzes Leben lang schon Opel und war damit immer sehr zufrieden. Eines Tages leiht ihm sein Kumpel seinen Ford, weil der Mann mit seinem Opel einen Unfall hatte.

Seither ist der Mann mit Opel unzufrieden, weil ihm der Ford viel besser gefallen hat.

Dann ist es doch so, dass die Zufriedenheit dieses Mannes die ganzen Jahre über auf falschen Annahmen beruht hat. Können wir dann aber jemals zufrieden sein? Wir wissen ja nicht, was wir alles nicht kennen!

Interessant wäre doch zu ergründen, was wohl eine Person wollen würde, die ALLE Informationen und Fakten kennt, denn diese subjektiven Wünsche müßten dann indentisch sein mit dem objektiv Besten. Kann man das so sehen?

  1. Ersatzbefriedigungen
    Hinter dem STreben nach Luxus könnte der Wunsch nach Anerkennung stecken, etc. Ist aber der Wunsch nach Anerkennung objektiv vorteilhaft? Müssen wir anerkannt werden, um glücklich sein zu können? Ist das ein angeborenes Bedürfnis? etc.

Sorry für meine langen Ausführungen aber ich wollte ein paar Zeilen schreiben, um zu verdeutlichen, worauf ich hinaus will.

Herzlichen Dank für die Anregungen und schöne Grüße.

LG Rolo

Auch Hallo und guten Tag,

kommt man relativ schnell in den Bereich der Philosophie.

wann nicht :smile:

Maslow behauptet ja unter anderem, dass der Mensch von Natur
aus gut sei …

Das behauptet er, dabei bleibt es allerdings. ‚von Natur‘ aus gibt es kein ‚gut‘ und ‚böse‘. Daher wäre als erstes ‚gut‘ zu definieren.

  1. Kann es wirklich sein, dass Glück einfach dadurch zu
    erreichen ist, dass man seine Wünsche verfolgt und umsetzt?

Definiere ‚Glück‘. Wenn du das dann gemacht hast ist es das was du darunter verstehst. Mein Glücksbegriff wird anders aussehen.
Wenn ich meine Wünsche verfolgt und umgesetzt habe (was ich nicht ‚einfach‘ nenne würde) macht mich das glücklich - zumindest zeitweise und besonders das ‚umsetzen‘

Muss man nicht zuerst fragen, ob die Wünsche an sich gut sind?

für wen ‚gut‘? für mich?

Beispiel: Jemand liebt teure Sportwagen, …

Hier geht es doch um ‚Prioritäten‘ und ‚Anteile‘ an Situationen. Wenn ich ‚den Preis‘ dafür bezahlen will… nicht nur den Geldpreis, sondern auch die anderen Konsequenzen.
Oft beruht ‚Unglück‘ darauf den Pudding gleichzeitig essen zu wollen und zu behalten.

Anders gefragt: Ist das, was jemand will, automatisch auch
das, was dieser Person gut tut?

nein, natürlich nicht. ‚Glück‘ ist ja nicht die einzige Triebfeder. ‚Sicherheit‘ (dazu gehört z.B. die Zukunft zu kennen) kann ja auch angestrebt werden. Das ‚Sicherheitsbedürfnis‘ kann so weit gehen, das man lieber die Nachteile in Kauf nimmt. Etwas zu verändern macht die Zukunft ja nur vielleicht besser. Nach Tests wiegt ein 1000 Euro Gewinn den 1000 Euro Verlust nicht auf.

Wir wissen ja nicht, was wir alles nicht kennen!

Das ist richtig. Das Gras kann andernorts viel grüner sein :smile:
Da siehst du doch schon, das Glück sehr relativ ist. Ich fahre Opel und bin sehr zufrieden, letztens bin ich Benz gefahren, auch nicht schlecht - bin ich bereit den ‚Preis‘ zu bezahlen für das bessere Fahrgefühl, den Status, … nein. Ich bin immer noch zufrieden mit meinem Opel

Interessant wäre doch zu ergründen, was wohl eine Person
wollen würde, die ALLE Informationen und Fakten kennt, denn
diese subjektiven Wünsche müßten dann indentisch sein mit dem
objektiv Besten. Kann man das so sehen?

Ich finde das nicht interessant - bin ich Sisyphus? Frag mal einen Physiker und wie das mit Schrödingers Katze ist.

  1. Ersatzbefriedigungen
    Hinter dem STreben nach Luxus könnte der Wunsch nach
    Anerkennung stecken, etc. Ist aber der Wunsch nach Anerkennung
    objektiv vorteilhaft?

Geht man von der Evolution des Menschen aus - ja. In der ‚Urhorde‘ war das wesentlich direkter als heutzutage. Aber wer damals ausgestoßen wurde hatte echt verschissen. Daher sind alle Mechanismen die frühzeitig warnen wichtig. Wir (Menschen) sind nun mal eine hochsoz. Spezies und ‚es liegt in unserer Natur‘ dauernd abzuchecken welchen Platz wir im Gefüge einnehmen. Seilschaften, Kooperationen, Vorbehalte… muss alles erinnert, bewertet, eingeordnet… werden. Gefühle helfen dabei. ‚Objektiv‘ is nich. :smile:

Gruss…lux

Hab Maslow halt eher in die Psycho-Ecke gestellt, aber die Grenzen zur Philosophie sind fließend, zumindest, wenn man die Fragestellung in meinem Sinne weiterspinnt.

Langer Rede kurzer Sinn: Es geht mir einfach nur darum, ob man Wünsche und Bedürfnisse überhaupt objektiv haben kann (außer die Grund-Bedürfnisse nach Nahrung, etc., weil man sonst einfach stirbt) oder ob man bestimmte Bedürfnisse oder Wünsche lediglich subjektiv empfindet, die es objektiv eigentlich gar nicht gibt.

Mich hat nur verwundert, dass Maslow da nicht unterschieden hat. Er spricht nur von der Verwirklichung von Wünschen und Bedürfnissen, hinterfragt aber nicht, ob bestimmte Wünsche und Bedürfnisse objektiv sinnvoll sind.

Es gibt beispielsweise Menschen, die sind unglücklich, weil sie nicht studiert oder weil sie keine Karriere gemacht haben oder weil sie kein Geld haben, für einen schönen Urlaub, etc.

Solche Menschen sind unglücklich, weil sie objektiv einen Mangel verspüren, von dem gar nicht klar ist, ob er objektiv überhaupt existiert. Es handelt sich doch lediglich um Annahmen, dass z. B. ein Leben mit Studium oder mit Karriere besser wäre, es kann aber auch anders sein.

LG Rolo