Fragen zum Untergang der Titanic

TV-Tip: heute abend auf arte …

… 20:40 - 22:20 Uhr läuft die US-Doku von 1994

Titanic - Untergang eines Traumes

http://www.arte-tv.com/de/woche/244,broadcastingNum=…

Wiederholungstermine:
14.07.05 15:10 Uhr
17.07.05 01:10 Uhr (???Nacht v. 16./17. oder Nacht von 17./18. ???)

Gruß Gudrun

Hallo

Ausgerechnet Arte wiederholt bzw erneuert den seit 100 jahren bekannten Unfug über die Titanic.

Während 95% der Zeit ging es nur um die Omas, die von ihren heldenhaften Vätern gerettet wurden.
Man zeigte die Klassenunterschiede zwischen der 1., 2. und 3. Klasse.
Man klärte über die reichen Pinkel auf, wie sie sonst lebten.
Man zeigte den Luxus der Titanic für die Passagiere der 1. Klasse.

Alles, wie gehabt. Alles seit Jahrzehnten Wiederholungen. Wie anders sollte es auch sein? Nur wer überlebte konnte danach interviewt werden. Wohlgemerkt, 7 - 8 Jahrzehnte später. Damals Vierjährige konnten den genauen Hergang ihrer Rettung erzählen! Manchmal aber auch nur mit Hilfe ihrer Enkelin, die erst 4 Jahrzehnte später geboren wurde.

Falsch war wie in jedem Titanicaufklärungsfilm :

Die Erklärung der Antriebsanlage. Man sagte, die Titanic wäre von drei Kolbenmaschinen vorangetrieben worden.
Richtig ist: Es waren zwei Dreifachexpansionsmaschinen (Kolben) und eine Abdampfturbine. Diese Abdampfturbine wurde mit dem Abdampf der beiden Kolbenmaschinen angetrieben.

Auf einem Gemälde wurde die Titanic wieder mit vier qualmenden Schornsteinen gezeigt. Unmöglich, wie längst bekannt. Der hintere Schornstein war nur Attrappe.

Dann wurde gesagt, die wasserdichten Türen in den Schotten wurden elektronisch geschlossen. Was für ein Unfug! Selbst das Wort „elektronisch“ war damals unbekannt und elektrisch war auf diesem Schiff nur die Beleuchtung. Alles andere, von der Rudermaschine bis zur kleinsten Pumpe, bis zu den Winden an Deck, war dampfangetrieben.
Die wasserdichten Türen wurden über Zahnrad und Zahnstange von den Oberdecks oder vor Ort von Hand geschlossen.
Man zeigte so eine wasserdichte Tür im Film. Diese war aber garantiert nicht von der Titanic. Und man sah deutlich das Zahngetriebe mit der Antriebswelle.
Diese Türen mußten bis in die 70erJahre des 20. Jahrhunderts immer noch einzeln von Hand geschlossen werden.

Gut gesagt und gezeigt wurde, dass die wasserdichten Schotten (Trennwände) nutzlos waren, wenn das Schiff seitlich unter der Wasserlinie aufgerissen wird.
Ebenso wurde gezeigt, dass das Wasser, wenn das Schiff sich in Längsrichtung neigt, über die Schotten in die nächsten Abteilungen fließen kann.
Das sind aber Tatsachen, die bei der Titanic schon immer bekannt waren.

Als i-Tüpfelchen hätte nur noch das bekannteste Gemälde gefehlt. Da saust die Titanic mit hoch erhobenem Hinterteil und vier Propellern nach unten.

mfgConrad

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Vielen Dank + weitere Ergänzungen
Hallo,

vielen Dank für eure rege Anteilnahme.

Wie das Schottsystem auf der Titanic funktioniert, habe ich nun verstanden.

Noch immer nicht klar ist mir das Motiv über das hohe Tempo in der Unglücksnacht.

Die eine Erklärung von euch lautete, der Kapitän hätte für ein entsprechendes „Taschengeld“ für reiche Passagiere, zb Astor, etwas Tempo zugelegt, um dem eine Show für seine Geliebte zu bieten. Jetzt frage ich mich aber, ob auf einem so mächtigen Schiff es tatsächlich einen für den Passagier spürbaren Unterschied macht, ob dieses mit 18 oder 22 Knoten fährt? Daher kann ich diesen Ansatz nicht so recht glauben.

In der Doku auf ARTE, auf die Gudrun dankenswerterweise hingewiesen hat, wurde dazu gesagt, das Ismay versuchen wollte, die Titanic bereits am Dienstag Abend nach New York zu schaffen, weil dann am nächsten Morgen alle Zeitungen davon berichtet hätten und so eine Menge Werbung gemacht hätten, was für mich Sinn macht.

Ein anderer Erklärungsansatz im Forum war, dass die Titanic als Postschiff pünktlich sein musste, damit sie diesen Status nicht verlor. Da würde mich interessieren, wie eng dieses Zeitfenster war. Konnte sie sich eine Temporeduktion tatsächlich nicht erlauben, weil die Kriterien so streng waren?

Die Dokumentation hat mir auch noch eine weitere Frage aufgeworfen: Als man auf der Californian die Leuchtraketen der Titanic sah, versuchte man mittels einer „Morselampe“ Kontakt mit dem Schiff in der Ferne aufzunehmen, doch es antwortete nicht. Wieso, wurde leider nicht dazugesagt, daher frage ich euch :smile:
War die Entfernung zu groß? Und wieso benutzte man nicht das Funkgerät?

Auch dazu noch eine weiterführende Frage: Wie kann sich der Laie die Funktionsweise eines Funkgeräts vorstellen?
Wenn die Titanic da SOS funkt, kann das jeder empfangen, der die Frequenz mithört oder funkt der Absender direkt einen Empfänger, zb ein anderes Schiff, an, wählt also wie beim Telefon eine dem Adressaten zugewiesene Nummer?

Herzliche Grüße,

Jerry

Hallo Jerry,

Noch immer nicht klar ist mir das Motiv über das hohe Tempo in
der Unglücksnacht.
Die eine Erklärung von euch lautete, der Kapitän hätte für ein
entsprechendes „Taschengeld“ für reiche Passagiere, zb Astor,
etwas Tempo zugelegt, um dem eine Show für seine Geliebte zu
bieten. Jetzt frage ich mich aber, ob auf einem so mächtigen
Schiff es tatsächlich einen für den Passagier spürbaren
Unterschied macht, ob dieses mit 18 oder 22 Knoten fährt?
Daher kann ich diesen Ansatz nicht so recht glauben.

Auch 18 Knoten wären noch zuviel gewesen…
Aber dieser Ansatz würde in das Persönlichkeitsprofil von dem Käptn
passen…er war ja auch schon vor dieser Reise immer um den „Geldadel“ bemüht gewesen…
Schließlich war es seine "Letzte Reise"´und mit der normalen Pension
kann man kaum „Mithalten“ mit dem „Geldadel“ der damaligen Zeit…

In der Doku auf ARTE, auf die Gudrun dankenswerterweise
hingewiesen hat, wurde dazu gesagt, das Ismay versuchen
wollte, die Titanic bereits am Dienstag Abend nach New York zu
schaffen, weil dann am nächsten Morgen alle Zeitungen davon
berichtet hätten und so eine Menge Werbung gemacht hätten, was
für mich Sinn macht.

Nun,das haben die Zeitungen soo auch…:smile:

Ein anderer Erklärungsansatz im Forum war, dass die Titanic
als Postschiff pünktlich sein musste, damit sie diesen Status
nicht verlor. Da würde mich interessieren, wie eng dieses
Zeitfenster war. Konnte sie sich eine Temporeduktion
tatsächlich nicht erlauben, weil die Kriterien so streng
waren?

Die Titanic war als Postschiff „Ihrer Majestät von GB“ (RMS) zugelassen…dazu brauchte sie gar nichts mehr „Beweisen“…
Die „White Star-Linie“ repräsentierte das „Britisch Empire“…
(Schließlich war GB bis zum Ende des 1.Wk die „Supermacht“ auf den
Weltmeeren…)

Die Dokumentation hat mir auch noch eine weitere Frage
aufgeworfen: Als man auf der Californian die Leuchtraketen der
Titanic sah, versuchte man mittels einer „Morselampe“ Kontakt
mit dem Schiff in der Ferne aufzunehmen, doch es antwortete
nicht. Wieso, wurde leider nicht dazugesagt, daher frage ich
euch :smile:
War die Entfernung zu groß? Und wieso benutzte man nicht das
Funkgerät?

Wo hast du denn das jetzt her??
Mit einer „Morselampe“ kann man nur bei direkten Sichtkontakt der
Schiffe nachrichten austauschen…die Californian war jedoch viel zu weit weg von der Titanic.
Und das Funkgerät konnte nicht benutz werden,weil der Funker schlafen war…
(Zum Verständnis,bis zum 1.Wk waren die Funkstationen auf den Schiffen nicht von der Reederei sondern von den „Privaten“ Funkgesellschaften besetzt,daher hatte der Kapitän auch keinen „Einfluß“ auf diese Leute…)

Auch dazu noch eine weiterführende Frage: Wie kann sich der
Laie die Funktionsweise eines Funkgeräts vorstellen?
Wenn die Titanic da SOS funkt, kann das jeder empfangen, der
die Frequenz mithört oder funkt der Absender direkt einen
Empfänger, zb ein anderes Schiff, an, wählt also wie beim
Telefon eine dem Adressaten zugewiesene Nummer?

Nein…Funkgeräte senden „Rundum“…
Das heisst,jedes andere Funkgerät in Reichweite kann diese Signale empfangen…
Damals handelte es sich ja noch um den sogenannten „Tastfunk“ also
Morsefunk…eine mündliche Verständigung gab es noch nicht…
Dieser wurde auch nicht von den Reedereien betrieben,sondern von den
„Funkgesellschaften“ (allen voran die „Marconi-Company“)…
Erst durch das Unglück der Titanic gab es eine „Gesetzliche Regelung“ für diesen,die vorsah,das „Notrufe“ absolute Priorität haben und jedes
Schiff verpflichtet ist,die Bordfunkstation 24 Stunden am Tage empfangsbereit zu halten…

mfg

Frank

Hallo Jerry,

In der Doku auf ARTE, auf die Gudrun dankenswerterweise
hingewiesen hat,

es freut mich, daß Du das sagst. War halt ein guter Zufall, Deine Frage und der Sendetermin. :wink:

Ob dazu:

Die Dokumentation hat mir auch noch eine weitere Frage
aufgeworfen: Als man auf der Californian die Leuchtraketen der
Titanic sah, versuchte man mittels einer „Morselampe“ Kontakt
mit dem Schiff in der Ferne aufzunehmen, doch es antwortete
nicht. Wieso, wurde leider nicht dazugesagt, daher frage ich
euch :smile:

in der DOKU nichts weiter gesagt wurde, kann ich mich nicht erinnern, aber auf der ZDF-Seite heißt es:

_Unterlassene Hilfeleistung

[…]

Das der Titanic nächste Schiff, der Frachtdampfer „Californian“, liegt seit 22 Uhr am Rand des Eisfeldes, eine Vorsichtsmaßnahme seines erfahrenen Kapitäns. Die Motoren und Lichtmaschinen stehen ebenfalls still, der Funker hat dienstfrei und schläft in seiner Kajüte. Später wirft das englische Seegericht dem Kapitän vor, er sei nur maximal 18 Kilometer entfernt gewesen als die Titanic sank und habe nichts unternommen._

http://www.zdf.de/ZDFde/inhalt/27/0,1872,2322779,00…

Es gibt auch einen deutschen TV-Film, der die Seegerichtsverhandlung nachstellt. Der Film ist von 1984, ich habe ihn als sehr interessant in Erinnerung, vielleicht gelingt es Dir, den als Videokassette irgendwo aufzutreiben:

http://us.imdb.com/title/tt0143942/

Gruß Gudrun