wo a Haus e Haas is un e Has’ is e Hoos un e Hos’ is e Hous kennt man diese augenzwinkernde Mischung aus Selbstironie und Stolz anompfirsich durchaus.
Wenn man vom altwürttembergischen bittersüßen Humor noch nicht genug hat und eine Steigerung sucht, braucht man nur zu Nachbars ins Houwelouische zu gehen.
Sonntagabend, die eingeladenen Gäste wollen immer noch und immer noch länger bleiben, er spricht zu ihr:
jaha, da, wo heut dieser aldi ist, war damals ein schraubgewindeladen (schräg links davon) - wie gern hab ich mir dort vor schulbeginn eine wurstsemmel geholt.
die wurst habe ich gern gegessen, die semmel haben wir dann meist um die füße gewickelt, weil die alten lappen schnell abfielen.
No ja - zu dieser Zeit gab es ja auch noch den Boulanger am Eck, von Alex Köberlein (mit Migrations- und Remigrationshintergrund!) unsterblich verewigt (leider hat er die Strophe dann mal weggemacht, obwohl sie so schön ist: „Do pisst oinr emma Dopplschdrahl - des Fahrrad, wo er nasoicht, wird bald roschda!“ usw.) in
(und der Hansi Fink hat wirklich eine scheißgute Klampfe gespielt! - aber was wissed dia scho?)
Ist schon ein dickes Ei, katechisierend den Hegel (und noch das ganze Ding mit Tübingen, dem Stift und den dortigen Kneipen) aus dem Hut zu zaubern sich einfallen zu lassen, um eine zum Manierismus gewordene Verulkung wie z.B. „anompfirsich“ für „an und für sich“ zu fundamentieren: Wir haben uns diese selbige bewußt infantile Wortverulkung (und ähnliche andere) damals als adoleszente Pennäler zu artikulieren getraut. Und das war weder Hegel, noch Tübingen, sondern Rheinland. Es ist eine ganz normale alberne Wortverulkung, ebenso wie ursprünglich das rheinische „tschö“ für „à dieu“ oder das noch ältere „hokuspokus“ für „hoc est corpus“. Derselbe Mechanismus. Die Frage ist nur: wann wird es zu einem seine Leser veräppelden Manierismus, und wann ist es Zeit, damit aufzuhören. Ohne Fragezeichen!
Oder willst du dein ebenso abundantes „stümpt“ (s.o.) oder dein „umpedink“ und so weiter … ebenfalls auf Hegel zurückführen?
Wieder was gelernt. Ich vermutete (ohne groß darüber nachgedacht zu haben) einen Zusammenhang mit Ciao/Tschau, das von den Gastarbeitern in den 50er/60ern importiert bzw. von den bekanntermaßen sprachgewandten Rheinländern und Ruhranrainern adaptiert und verbreitet wurde.
Ja, tschau < ciao ist modern, aus den 50er/60ern. Ich hab die Quelle nicht mehr, aber tschö soll sich in D’dorf auf die Zeit des (Neu)Baus vom Ratinger Tor rekurrieren. Also Anfang 19. Jhdt.
Andere rheinische Verballhornungen sind noch älter, wie z.B. wahrscheinlich der Schampus. Oder dat kölsche fisematentschen: vielleicht aus visamente (überflüssige, sinnlose Verzierung).oder aus „visitez ma tente“.
Das ursprünglich niederdeutsche tschüss und atschüss ist nicht, wie manche glauben, nur eine Variante von rheinisch tschö, Die Herkunft ist das niederländische adjuus. Und das wiederum ist nicht vom frz á dieu adaptiert, sondern vom span. adiós.