Irgendwie habe ich große Bedenken zur Absicht meines Bruders, ein Haus zu bauen (bauen zu lassen).
Er möchte aufgrund eines vorhandenen Grundstücks, wofür er aber auch noch ca. 70 TSM mit einem Bausparvertrag auffangen muß, noch weitere 350 TSM für das Haus selbst als Kredit bei einer Versicherung aufnehmen. Er meint, die Zinsen wären z.Z. günstig für so ein Vorhaben und durch seine zwei Kinder komme er in den Genuß zusätzlicher staatlicher Fördergelder.
Sein Familieneinkommen liegt so bei ca. 5 TSM Netto und er meint, mit ca. 2 TSM monatlicher Tilgung die Sache durchstehen zu können. Irgendwie habe ich da große Bedenken, ob das nicht zu risikoreich ist für ihn und seine Familie, da er bereits 47 Jahre alt ist und sonst über keinerlei Eigenkapital verfügt und Arbeitstellen meiner Ansicht nach in der heutigen Zeit unsicherer denn je sind.
Wer kann dazu was sagen? Könnte man ihm zu- oder sollte man lieber abraten? Ich selbst bin da eher skeptisch und das habe ich ihm auch schon wissen lassen, bin aber Laie auf dem Gebiet.
Noch was: Was wäre (fiktiv), wenn er zahlungs-/tilgungsunfähig werden sollte, das Haus unter den Hammer käme, aber hohe Restschulden verbleiben? Haften dann die Verwandten wie Eltern, Kinder, Geschwister dafür?
Wäre schön, wenn ich ein paar gute Antworten bekäme, um ihm die Sache ggf. begründet ausreden und ihn auf den Boden der Tatsachen zurückholen zu können. Aber vielleicht bin ich auch nur pessimistisch?
Hi,
eine Hausfinanzierung ohne Eigenkapital anzugehen ist etwa so, als wenn man auf der Achterbahn fährt, wenn alle Schrauben herausgedreht sind.
Die Finanzierung von 350.000 DM läßt sich nicht mit monatlich 2000 DM bewältigen. Das ist Augenwischerei, selbst wenn ein Kreditvertrag dies verspricht.
Das ist nur denkbar, wenn die Tilgung in der Anfangszeit ausgesetzt wird und nur Zinsen zu zahlen sind.
Der Hammer kommt dann später. Denn irgendwann muß man an die Tilgung ran und dann wird es um so teurer.
Bei einer angemessenen Finanzierung wird er monatlich etwa 2.700 DM zahlen.
Das ihm dann verbleibende Geld bei einem Familieneinkommen von 5000 DM ist wohl etwas knapp, wenn man Familie hat.
Und diese Situation müßte er mehr als 20 Jahre durchhalten.
Wenn er jetzt 47 ist, dann wird er mit der Geldknappheit so etwa bis an sein Lebensende leben müssen.
Und das bei vollem Risiko. D.h. wenn die Finanzierung wackelt, wird man das Haus in die Zwangsversteigerung bringen. Erfahrungsgemäß reicht der Erlös nicht aus, um die Finanzierungsforderung auszugleichen. Er würde dann mit Schulden den Rest seines Lebens in einer Sozialwohnung verbringen.
Wenn Angehörige den Finanzierungsvertrag nicht mit unterschreiben, haften sie auch nicht. Alleine das Verwandschaftsverhältnis begründet noch kein Schuldverhältnis.
Das gab es früher im Mittelalter (sog. Sippenhaft).
Also:
Grundvoraussetzung für einen Hauskauf mit Finanzierung ist das Vorhandensein von Eigenkapital. Damit senkt man die monatliche Belastung und vermindert das Risiko, im Falle einer Zwangsversteigerung nicht nur das Haus zu verlieren, sondern auch noch Schulden zu haben.
Der Bruder sollte in der jetzigen Situation den Gedanken verwerfen, ein Haus zu kaufen. Erst einmal sparen!
Gruß,
Francesco
Hallo Dio,
als stolzer Eigenheimbesitzer, der sich einige „windige“ Finanzierungsvorschläge anhören musste, hier ein paar Hinweise/Tipps:
Er möchte aufgrund eines vorhandenen Grundstücks, wofür er
aber auch noch ca. 70 TSM mit einem Bausparvertrag auffangen
muß, noch weitere 350 TSM für das Haus selbst als Kredit bei
einer Versicherung aufnehmen.
Bei einer Versicherung?
Also: Zinsen Zahlen, Tilgung in xx Jahren durch Lebensversicherung? Die Zinsen würden ca. 1.800,- DM (für 350 TDM) betragen. Hinzu kommt jedoch noch die Versicherungsprämie, die bei der Summe nicht unerheblich ist.
Er meint, die Zinsen wären z.Z.
günstig für so ein Vorhaben
stimmt
und durch seine zwei Kinder komme
er in den Genuß zusätzlicher staatlicher Fördergelder.
Vorsicht Falle: Die Finanzierung muss ohne diese Mittel „stehen“. Sowohl die Bauförderung (8000,- DM/Jahr) als auch die öffentlichen Mittel sind zeitlich beschränkt. Es gehen viele Bauherren pleite, weil sie die Belastungen nach Auslaufen der Förderung nicht mehr tragen können.
Auch gibt es diese Mittel nur ein- bis zweimal im Jahr, so dass die Zwischenzeit „vorfinanziert“ werden muss.
Es sollte auch noch Geld für Reparaturen (auch bei Neubauten) und Unerwartetes übrigbleiben (Auto kaput oder so).
Dann möchte dein Bruder doch sicher in Urlaub fahren - oder etwa 20 Jahre lang nicht?
Sein Familieneinkommen liegt so bei ca. 5 TSM Netto und er
meint, mit ca. 2 TSM monatlicher Tilgung die Sache durchstehen
zu können. :
Da wird knapp. Ich bezweifle, dass er mit 2 TDM hinkommt.
Irgendwie habe ich da große Bedenken, ob das nicht
zu risikoreich ist für ihn und seine Familie, da er bereits 47
Jahre alt ist und sonst über keinerlei Eigenkapital verfügt
Kein Eigenkapital?? Alle Banken und Versicherungen erwarten das.
Es sollten doch 30 % an eigenen Mitteln da sein.
Wer kann dazu was sagen? Könnte man ihm zu- oder sollte man
lieber abraten?
Abraten. Auch wegen des Alters. Er ist in Rente, bevor das Haus bezahlt ist.
Noch was: Was wäre (fiktiv), wenn er zahlungs-/tilgungsunfähig
werden sollte, das Haus unter den Hammer käme, aber hohe
Restschulden verbleiben? Haften dann die Verwandten wie
Eltern, Kinder, Geschwister dafür?
Haften nein, es sei denn, einer bürgt für ihn.
Bei evtl. Sozialhilfebezug könnten jedoch die Kinder dran sein (nicht Geschwister)
Gruß (schadet nie)
HaWeThie
Hallo!
400.000 Mark Kredit und 2000 DM monatliche Rückzahlung macht 400000:2000= 200 Monate =16,6 Jahre,…haha… wenn der Kredit zinslos wäre! Eigentlich eine schlichte Rechnung, die beeindruckend genug sein müßte. In Wirklichkeit wird aber nur ein Teil der monatliche Rate zur Tilgung herangezogen. Wieviel Prozent Zinsen sind denn angeboten? 4%? Dann kommen weit über 100.000 Mark dazu. Meist sind Zinsbindungen begrenzt. Der Zinssatz kann sich in 10 Jahren ohne weiteres verdoppeln. Selbst wenns acht Jahre lang 8000 vom Staat gibt, machen die den Kohl nicht fett. Und reichen eben auch nicht über die 10 Jahre hinweg.
Aber: Das alles weiß Dein Bruder wahrscheinlich längst.
Meiner Meinung nach muß sein Konzept in Frage gestellt werden:
Lohnt es sich, 20 Jahre lang zu darben, damit ihm dann als frisch gebackener Rentner das Haus gehört?
Will er für sich selbst die soziale Sicherheit erhöhen? In meinen Augen wird diese durch das Risiko, daß was schiefgeht, sogar noch verringert. Immerhin müßte er 20 Jahre lang so einen Job behalten. Ganz davon abgesehen, daß er krank werden könnte etc. bis hin zu Unmöglichkeit, die Zinsentwicklung vorherzusagen.
Will er das Haus seinen Kindern vererben? Das ist kaum sinnvoll, weil sie zu alt sind. D.h. bis die Eltern das Haus frei geben können, haben die direkten Nachkommen meist längst für sich selbst gesorgt. Eher funktioniert sowas für die Enkel.
Für sinnvoll hielte ich hingegen, wenn er gemeinsam mit und für seine Kinder ein Haus kaufte. Das müßte sozusagen ein Zwei- oder Dreifamilienhaus sein. Wenn die Kinder dann alt genug sind, können sie beim Kreditabzahlen mitmachen. Leere Wohnungen könnte man jeweils vermieten und so noch Einnahmen erwirtschaften.
Ansonsten sollte er lieber ein halb so teures Haus kaufen, dann eben ein Bestandshaus, die sind, soviel ich weiß z.Z. preiswert. Das hat den Vorteil, daß man sich etlichen Ärger beim Bau erspart, von dem das Wort „schlüsselfertig“ gern ablenken soll. Außerdem kann man Verbesserungsarbeiten jeweils davon abhängig machen, ob sich genug Geld ansparen ließ.
Tschuess, Sven.
P.S.: Ach so. Er hat keinen Zeitdruck! Alles andre ist Quatsch. Da hat der Versicherungsmensch lediglich Angst, Dein Bruder könnte was Besseres finden.
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