Fraktur und zusammengesetzte Substantive

Zum Gruße, Deutsche und Deutschsprachige :smile:

Früher, als man die hochwohlgelobte Frakturschrift in der Druckerei noch anwendete, wurden oftmals sogenannte Doppelwörter auseinander geschrieben, wie zum Beispiel: " Tisch - Tennis" oder „Bundes- Kanzler“.

Nunmehr hat aber die fragwürdige Sitte Einzug gehalten, wonach man alle Gegenstands- und andere Worte zusammen zu klecksen pfleget.

An einer örtlichen Schankwirtschaft bietet sich dem aufmerksamen Betrachter folgendes Schriftbild. ( Das „normale“ „s“ schreibe ich jetzt als „|“ und das Schluß - „s“ als „s“):

Über der linken Tür steht:

„Rat|keller“

und über der anderen

„Restaurant“.

Werden wir auch die Endungen vorangestellter Bestandteile zusammengezogener Worte mit einem Schluß-„s“ bedenken oder verwenden wir das andere, mittworts Übliche ?

In freudigster Erwartung Ihrer bereits vorab geschätzter Beantwortung und Entbietung alleruntertänigster Hochachtung

Herr Meyer.

Post scriptum: Die bedenkenswürdige Fortschreitung unserer Deutschen Recht - Schreibung bescheret uns doch nur Verwirrung durch die mannigfache Anzahl der neuen Regelungen, an statt die gut eingebürgerte Verfassung beizubehalten ? Wie merkwürdig, in allerhöchstem Maße.

Hallo Herr Meyer,
Ihr komplizierter Stil macht es schwer, die Frage zu erkennen.

Möchten Sie wissen, ob in Zukunft häufiger zusammengesetzte Substantive verwendet werden als bisher oder geht es Ihnen um das „s“ zwischen den Wortteilen?

„Rat|keller“

und über der anderen

„Restaurant“.

Das Genitiv-„s“ am Ende des ersten Wortteiles ist meines Wissens optional verwendbar. Allerdings wird auch in der von Ihnen offenbar favorisierten getrennten Schreibweise das erste Wort häufig im Genitiv verwendet (Bundes-Kanzler und nicht Bund-Kanzler).

Nunmehr hat aber die fragwürdige Sitte Einzug gehalten, wonach
man alle Gegenstands- und andere Worte zusammen zu klecksen
pfleget.

Das Beispiel „Ratskeller“ zeigt, dass es sich durchaus nicht um einen neuen Trend handelt, das Wort ist seit Ewigkeiten im Gebrauch. Was das Wort Restaurant mit der Frage zu tun hat, ist mir nicht klar.

In freudigster Erwartung Ihrer bereits vorab geschätzter
Beantwortung und Entbietung alleruntertänigster Hochachtung

Es heißt korrekt „…vorab geschätzten…“, nicht „…vorab geschätzter…“.

Post scriptum: Die bedenkenswürdige Fortschreitung unserer
Deutschen Recht - Schreibung bescheret uns doch nur Verwirrung
durch die mannigfache Anzahl der neuen Regelungen, an statt
die gut eingebürgerte Verfassung beizubehalten ?

Warum verwenden sie ein Fragezeichen am Ende eines Aussagesatzes?

Mit freundichen Grüßen
F.

Herrn Meyer geht es eigentlich eher darum, wann man in Frakturschrift das „?“ und wann das „s“ in der Wortmitte verwendet (das erste sollte hier so ein f-ähnliches s sein, falls es nicht angezeigt wird).

  • André

Hallo Herr Meyer,

hier ein Zitat zum Thema aus dem heute erschienenen DUDEN-Newsletter:

"…Zusammenschreibung von Substantiven

Begibt man sich heute in eine beliebige deutsche Innenstadt,
so trifft man auf Friseur Salons, Sonder Angebote, Reise Büros
und kann in verschiedenen Coffee Bars an Milch Kaffee oder
Eis Schokolade nippen. Eigentümlicherweise scheinen
zusammengesetzte Substantive in der Getrenntschreibung moderner
und gefälliger zu wirken, sodass der Trend zur Zerstückelung
immer weiter um sich greift.
Dass sich die Rechtschreibreform diesem Usus nicht gebeugt hat,
ist aus Gründen der Lesefreundlichkeit durchaus sinnvoll:
Die Zusammenschreibung signalisiert Anfang und Ende des
Kompositums und erleichtert das schnelle Auffassen innerhalb
eines Satzes.
Damit haben wir es bereits vorweggenommen: Die Getrenntschreibung
ist nach wie vor nicht erlaubt: „Friseursalon“, „Partyservice“,
„Gefahrenzulage“. Das gilt auch dann, wenn die Wörter aus dem
Englischen stammen und aus Substantiven bestehen: „Coffeebar“,
„Folkmusic“, „Hedgefond“, „Airline“, „Comicstrip“.
Zur Hervorhebung und in unübersichtlichen Zusammensetzungen
kann jedoch ein Bindestrich gesetzt werden. Der Bindestrich ist
in diesen Fällen dort zu setzen, wo sich bei sinngemäßer
Auflösung die Hauptfuge ergibt: „Desktop-Publishing“,
„Midlife-Crisis“, „Gemeinde-Grundsteuerveranlagung“,
„Umsatzsteuer-Tabelle“.
[…]."

In welcher Zeit soll denn der Herr Bundeskanzler auseinander bzw. zerstueckelt geschrieben worden sein? Das ist mir bislang noch nirgendwo aufgefallen!

Gruesse,

Henning.

Genau !

Im Übrigen hab ich da was verwechselt:

Es steht am Haus:

„Ratskeller Re|taurant“

So ergibt das vielleicht eher einen Sinn.

HM

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Fraktur-S
Hi HM

Im Übrigen hab ich da was verwechselt:

Es steht am Haus:

„Ratskeller Re|taurant“

Dann ist es ein Schreibfehler. Es müßte

„Rat|keller Re|taurant“ heißen. Das wäre in der (von der gotischen Fraktur abgeleiteten späteren Sütterlinschrift genauso.

Vielleicht hat der Schreiber beim „Ratskeller“ noch das ältere (aber nicht zwingend gebotene) „Rats-Keller“ mitgedacht.

Im Übrigen gab es keine durchgängigen Schreibregeln, was das Entziffern von Handschriften aus dem frühen 19. Jhdt manchmal so schwierig macht.

Grüße

Metapher