Franken zu Bayern

Hallo,

ist Franken 1806 zu Bayern gekommen, weil sie geistlich Regiert wurden und den Preußischen Kaiser nahe standen, oder was war der Grund, dass man Franken zu Bayern „steckte“?

Danke!

mfg
Josch

Hallo, Josch,

Napoleom wollte, dass die drei süddeutschen Staaten als Puffer zwischen Frankreich und Österreich liegen.

So waren diese, die ja in den Rheinbund „gezwungen“ worden waren, im Kriegsfall in zweifacher Hinsicht nützlich.

Einmal als Bollwerk gegen Ö.

Wollte Ö. F. angreifen, so mussten sie erst das größte und mächtigste der drei Länder besiegen, also Bayern, dann mussten Württemberg und schließlich Baden bezwungen werden, ehe die Österreicher in F. ankamen.
Und bis dahin wäre das französische Heer in bester Weise mobilisiert worden.

Darum musste Bayern am meisten vergrößert werden und so kamen die Franken nach Bayern, Württemberg bekam dafür die Hohenloher und Baden die vorderösterreichischen Gebiete, was aber für jedes dieser Länder eine gewaltige Erweiterung darstellte.

Bei der Gelegenheit wurden die Herzöge von Bayern auch zu Königen gequetscht und der Badener vom Markgrafen zum Herzog.

Umgekehrt stellten im Falle eines Bündnisses der süddeutschen Staaten mit Österreich das schwache Baden und das nicht sehr starke Württemberg keine Gefahr für F. dar.

Die Gründzüge der heutigen politischen Karte von Deutschland ist zum großen Teil auf Napoleon zurückzuführen.

Ein Übriges taten die Allieierten nach 45.

Gruß Fritz

Servus!

Zum Ersten: Bayern war für Napoleon außerordentlich wichtig, damit Ö an seiner Westgrenze einen wirklich starken Staat hatte, der Ö´s Westdrang unter Kontrolle halten konnte. Das alte Bayern konnte das nicht, wie im Spanischen Erbfolgekrieg eindrucksvoll bewiesen.
Zum Zweiten - und vermutlich wichtigeren aus Napoleons Sicht: Kurfürst (nicht Herzog) Max IV. hatte als bayerischer Fürst traditionell eine Führungsrolle unter den deutschen Mittelstaaten, daher war es für Napoleon wichtig, ihn auf seiner Seite zu haben. Dann zogen nämlich auch die anderen Staaten leichter mit bei den Rheinbundplänen.
Die Folge: Max konnte feilschen und für Bayern herausschlagen, was so ging. Die fränkischen Staaten wären eigentlich preußisches Interessengebiet gewesen. Die fielen aus den bekannten Gründen aus als Nachfolger der mediatisierten Staaten, Bayreuth und Ansbach waren ja VON DEN Hohenzollern mediatisiert worden. Wem sollten diese Gebiete sonst zugeschlagen werden? Einem der thüringischen Zwergstaaten? Hessen? Einzige Alternative wäre ein selbständiges Herzogtum Franken gewesen. Dessen Herzog war aber (nominell) der Würzburger Bischof. Der sollte aber nun mediatisiert werden. Lief also alles auf den Bayern hinaus.
Bei Schwaben sah das schon anders aus: Das hätte gut auch den Württembergern zugeschlagen werden können. Da spielten Max und sein Minister Montgelas vermutlich alle ihre Trümpfe aus, damit sie das kriegten. Tirol war ähnlich: Bayern war schon seit dem Verlust von Kitzbühl im 15.Jh. scharf darauf, wieder einen Fuß „ins Gebirg“ zu bekommen. Noch besser: Das ganze „Land im Gebirg“ = Tirol. Eh klar.
Man sieht: Bayern spielte ganz einfach seine Trümpfe aus. Napoelon war so daran gelegen, Bayern auf seiner Seite zu haben, daß er in vielem (nicht allem!) nachgab. Der Grund, warum Bayern gleich zum Königreich wurde, war allerdings ein anderer: Oberhalb eines Kurfürsten gibt´s halt einfach nur mehr den Königstitel. Bei den Württembergern war´s ähnlich: Die wurden zwar in einem Rutsch vom Herzog zum König. War aber auch klar: In der Napoleonischen Ordnung gab´s nun mal keine Kurfürsten mehr. Der Württemberger wollte befördert werden. Da kam also auch nur mehr der Königstitel in Frage. Wenn Napoleon seine Fürsten bauchpinseln wollte, kriegte er das am billigsten per Rangerhöhung. Das kostete die betroffenen Länder mehr als Napoleon selber.
Der Badener wurde übrigens vom Markgrafen zum Großherzog, nicht nur zum Herzog. DAS nun wieder ist mir weniger erklärlich, da hätte es ein Herzog auch getan, noch dazu, wo Baden prozentual (gemessen am vornapoleonischen Besitzstand) wohl am meisten gewann. Warum Napoleon den Badener dermassen bestechen musste - das weisst du, Fritz, vermutlich besser als ich :smile:

Ob Napoleon daran dachte, dass er die süddeutschen Staaten als potentielle Verbündete von Ö im Falle eines Wiedererstarken Ö´s einschätzen müsste und die deshalb nicht allzu stark werden dürften, daran zweifle ich jetz mal. Da Dachte N. vermutlich ähnlich wie Hitler: SEINE europäische Ordnung war endgültig, Ö. ein für alle Mal besiegt. (wir sind in 1805, wohl gemerkt)
Beleg: Dann hätte er nicht nur drei süddeutsche Staaten geschaffen, sondern z.B. auch ein unabhängiges Franken unter irgendeinem Napoleoniden und dann auch gleich ein eigenes Schwaben, mit der Alb und Oberschwaben, die Pfalz nicht zu vergessen (rechtsrheinisch, selbstverfreilich) z.B…

VG
Christian

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Viele Fakten, lieber Christian,

die ich unterschlagen habe, hast du da angeführt.
Schade, dass du deinen Artikel nicht übersichtlicher gegliedert hast.
Erst im Ausdruck und nachdem ich Absätze eingefügt hatte, konnte ich ihn richtig lesen und verstehen.

1803 beim Reichdeputationshauptschluss bekam Baden Gebiete als Entschädigung für linksrheinische Verluste.
60 neue Quadratmeilen für acht verlorene!
Im gleichen jahr wurden die Markgrafen Kurfürsten und 1806 dann Großherzöge.

Und der Grund Napoleons, die Badener zu bauchpinseln:
Der Badenen Kronprinz Karl hatte ein Adoptivtochter Napoleons, Stephanie Beauharnais, geheiratet.
Napoleon dachte sehr famillionär. :wink:

Gruß Fritz

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Servus!

Viele Fakten, lieber Christian,

die ich unterschlagen habe, hast du da angeführt.
Schade, dass du deinen Artikel nicht übersichtlicher
gegliedert hast.

War scho a bissl spät…
Wenn ich müde bin, komm ich immer gern ins schwafeln
…trotzdem ´Tschuldigung - ich gelobe Besserung!!

Und der Grund Napoleons, die Badener zu bauchpinseln:
Der Badenen Kronprinz Karl hatte ein Adoptivtochter Napoleons,
Stephanie Beauharnais, geheiratet.
Napoleon dachte sehr famillionär. :wink:

Ja, das erklärt einiges…
A propos: War das der Karl, der mit Kaspar Hauser in Verbindung gebracht wird?

VG
Christian

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Servus!

A propos: War das der Karl, der mit Kaspar Hauser in Verbindung gebracht wird?

Genau der!

Gruß Fritz

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