Frankreich: Aufklärung u. Verfassung

Hallo,

Ich habe mir für meine Facharbeit das Thema „Aufklärung in Frankreich und der Einfluss der Philosophen auf die heutige Verfassung Frankreichs“ ausgewählt und brauche dringend mehr Infomaterial über den Einfluss der aufklärerischen Philosophen auf die moderne Verfassung Frankreichs. Beim meinen Recherchen im Netz bin ich nur auf Texte über die Aufklärung an sich gestoßen, aber ohne ihre Auswirkungen auf heute.
Kennt sich jemand besser mit französischer Geschichte aus als ich und kann mir Tips geben, wo ich mehr über mein Thema finden kann? Vielleicht sogar im Internet.
Tschüs, Jana

Vielleicht helfen folgende Links:

Christina Rasch
Saint-Just und die Verfassung von 1793
http://de.geocities.com/sjust1793/

und

Dr. Nils Bandelow
Einflüsse der Rousseauschen Demokratietheorie auf das politische System Frankreichs von 1789 bis zur V. Republik
http://homepage.ruhr-uni-bochum.de/Nils.Bandelow/fra…

Gruß
Armin

Hallo Jana!

Über die Stichworte >Verfassungslehre Frankreich>Die moderne Demokratie beruht auf den Staatstheorien der Philosophen der Aufklärung (17. - 18. Jahrhundert). Die damals formulierten Prinzipien wie Gewaltentrennung zwischen Gesetzgebung (Legislative: Parlament), Ausführung der Staatsaufgaben (Exekutive: Regierung und Verwaltung) und Rechtssprechung (Judikative: Gerichte) und deren gegenseitige Kontrolle; sowie der Grundsatz gleicher Rechte (Liberté: Freiheit, egalité: Gleichberechtigung, fraternité: Solidarität) stellen wesentliche neue Elemente gegenüber den Frühformen der Demokratie in Athen und Rom dar. In diesen Klassengesellschaften hatten die Sklaven kaum und die übrigen Bürger sehr ungleiche Rechte. In einer modernen Demokratie sind die Volksrechte gegenüber dem Modell von Athen erweitert. Trotzdem sind den antiken Demokratien drei wesentliche Punkte mit den modernen Demokatien gemeinsam:

Demokratien entstanden als Reaktion auf übergrosse Machtfülle und Machtmissbrauch durch einzelne Amtsinhaber. Wichtigste Aufgaben der Demokratie sind die Kontrolle der Regierung und die abschliessende Entscheidung über Fragen von grosser Tragweite.
Gefahr droht der Demokratie durch Leute, die es verstehen, dem Volk mit einfachen Rezepten mehr zu versprechen, als realistisch ist - während verantwortungsvolle Politiker sich mit der harten Wahrheit unbeliebt machen.

Es gilt zu beachten, dass nach aller Erfahrung mit Demokratie die Überlegenheit dieser Staatsform gegenüber anderen Staatsformen hauptsächlich auf der Tatsache beruht, dass sie auf der Gewaltenteilung und weiteren Kontrollmechanismen beruht, die keine einzelne Person oder Partei allzu mächtig werden lassen. Die US-amerikanische Verfassungslehre spricht in diesem Zusammenhang von „checks and balances“. Wo diese fehlen oder nicht funktionieren (z.B. in der französischen Revolution oder in der „Weimarer Republik“ in Deutschland nach 1918) ist der Weg in eine Diktatur leider meist recht kurz. Auch in der Schweiz des 18. Jahrhunderts musste sich bei der „classe politique“ und im Volk das Gespür dafür erst nach und nach herausbilden. Insofern verdanken die Schweiz ihre in der Substanz heute noch gültige und sehr bewährte Bundesverfassung eben nicht nur ihren geistigen Vätern und ihren Parteigängern, die ihr an der Urne zum Durchbruch verholfen haben, sondern auch ihren konservativen Gegnern, die erste Anzeichen von Verfilzung zwischen Wirtschaft und Politik schnell erkannten. Ohne deren Widerstand wären die politischen Umwälzungen wohl nur allzuschnell in eine neue Diktatur ausgeartet.

Mit dieser Überlegung sind wir beim aktuellen Geschehen in Italien angelangt, wo der Medien-Unternehmer Silvio Berlusconi nicht nur Mühe bekundet, Politik und private Geschäfte auseinander zu halten, sondern im Herbst 2002 eine Justizreform durchgedrückt hat, die mit Rückwirkungsklauseln darauf abzielt, für sich und seine Firmen in diversen laufenden Prozessen Straffreiheit zu erlangen. Zudem wurde die Leitung des staatlichen Radios und Fernsehens RAI mit Berlusconi nahe stehenden Leuten besetzt, so dass Berlusconi zusammen mit seinen privaten Stationen schon beinahe eine Monopolstellung innehat. Im Sinne der „checks and balances“ ist dies eine höchst bedenkliche Entwicklung und man begreift, weshalb die übrigen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union nicht nur ein Recht, sondern geradezu eine Pflicht haben, dagegen ihre Bedenken anzumelden. Gut gibt es die EU, die eine solche Einflussnahme in die angeblich „inneren Angelegenheiten“ eines anderen Staates einfacher macht!

Dankeschön - das hilft mir weiter! owT
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