Hallo Bluehead,
der GEO-Artikel ist mir bekannt, wie so ziemlich alles, was zu diesem Thema veröffentlicht wird. Es handelt sich dabei um einen typischen Artikel zu dem Thema Hererokrieg und enthält auch Fehlinformationen, Halbwahrheiten und Vorurteile. Hierzu empfehle ich den Aufsatz „Ungewisse Gewissheiten“ von Brigitte Lau, die als Leiterin des Nationalarchives von Namibia mit Sicherheit über mehr Kompetenz verfügte, als ein Autor von GEO.
Zu der Truppenzahl schreibt Brigitte Lau folgendes:
„Von der Gesamtzahl der deutschen Kriegsteilnehmer von 1904 bis 1907, nämlich 20.867 (sowohl im Herero- als auch im Namaland), „verließen“ zur gleichen Zeit 13.029 die Truppe (Sanitätsbericht, Bd.1,S.2). Von diesen 13.029 wurden über 10.000 bzw. 82% verwundet oder krank nach Hause geschickt (ebenda, 161). Die durchschnittliche militärische Stärke während des ganzen Krieges belief sich auf ungefähr 11.000 (ebenda, 2) und von diesen waren im Jahresdurchschnitt 57% krank. Tatsächlich war, laut Statistik, außer den 10.000 hoffnungslos Erkrankten, die nach Hause geschickt worden waren, jeder dieser Kriegsteilnehmer mindestens drei Mal im Laufe des Krieges krank ( Sanitätsbericht, Bd.2, 30). Das Land bot kein Netz von marschierenden Soldaten, sondern von Hospitälern. Die Gesamtzahl der deutschen Soldaten, die zu irgendeiner Zeit während des Krieges einsatzfähig waren, kann demnach nicht mehr als maximal 4.700 Mann betragen.“
Ich habe selbst den Sanitätsbericht durchgearbeitet und kann daher die Angaben von Brigitte Lau bestätigen. Der Sanitätsbericht enthält genaue Angaben über Bestand, Zugang, Abgang und Durchschnittsiststärke für jeden Monat 1904 - bis zum offiziellen Kriegsende 1907. Die tatsächlich zur Verfügung stehenden Soldaten (Iststärke abzüglich Verwundeter und Kranker welche sich im Schutzgebiet befanden) mußten allerdings von Brigitte Lau hochgerechnet werden, da die Truppenakten nicht mehr vorhanden sind.
Keiner der Autoren, welche heute in den Medien Berichte über den Hererokrieg verbreiten, hat jemals den Sanitätsbericht oder sonst einen der zahlreichen amtlichen, halbamtlichen oder privaten Berichte aus der damaligen Zeit in der Hand gehabt. Die „Recherchen“ dieser Autoren bestehen in dem Abschreiben von Arbeiten anderer Autoren und Historiker. Verfolgt man die Spur weiter, landet man im wesentlichen, nämlich in der unsinnigen „Völkermorddarstellung“, bei dem DDR-Historiker Drechsler.
Mein Artikel über die Schlacht am Waterberg beruht dagegen ausschließlich auf zeitgenössischen Berichten, ergänzt durch Hinweise von Brigitte Lau und Klaus Lorenz und unter Berücksichtigung der mündlichen Überlieferung der Hereros.
Gruß, Heike