Servus!
Ich stelle diese Frage jetzt mal in diesem Brett und hoffe,
daß mir jemand helfen kann. Die Frage ist: Unterhielten die
Franziskaner auch Kirchen bzw. wenn ja, wurden dort Messen
gelesen, die für alle zugänglich waren?
Ja! Schau Dir mal Städte an, bei denen die mittelalterliche Struktur noch erhalten ist. Du wirst an einer der größeren Ausfallstrassen ein Spital finden. Direkt daneben eine Franziskanerkirche. Die in Ingolstadt, bspw., ist sogar recht groß, eine Basilika.
Sinn der Übung: Wegen der Ansteckungsgefahr wurden die Kranken ausserhalb der Stadtmauern gesammelt - in Spitälern. Die lagen aber nur knapp ausserhalb der Stadtmauern. Almosen geben gehörte zu den eher leichten Taten, die dem mittelalterlichen (gesunden) Menschen das Paradies öffnen konnten (siehe Bibel). Der Weg zu den Almosenempfängern sollte nur nicht so weit sein.
Ausserdem konnte man so im Kriegsfall (der relativ häufig war) die Kirche als „zweite Stadtmauer“ nutzen. Eine Kirche zu zerstören, das überlegte sich auch der angriffslustigste Feldherr zweimal, damals, im Mittelalter mit seinem allgegenwärtigen Jenseits und den Heiligen, die dem Sünder den Eintritt ins Paradies verwehren konnten, „bloss“ weil der eine Kirche zerstört hatte.
OT der alte Feldherr: „Die stand da halt so rum und war mir beim Erstürmen der Stadtmauer im Weg! Was kann ich dafür?!? Au, ist das heiß…“
Die Pflege der Kranken war gefährlich, dreckig, eklig, usw. Die hatten die Franziskaner übernommen. Niemand anders wollte das, also übten sich die Franziskaner in aktiver Nächstenliebe, ganz im Sinne des Ordensgründers.
Da aber das Jenseits (wie bereits erwähnt) ein ganz realer Teil der mittelalterlichen Welt war, und man die lieben Verwandten, die die Kranken i.d.R. ja auch noch waren, nicht im Fegefeuer verkommen lassen wollte, musste man ihnen Gelegenheit geben, die tägliche Messe zu besuchen. Dazu brauchte man eine Kirche beim Spital, die in aller Regel von den Franziskanern „betrieben“ wurde.
Die Spitäler konnten bei grösseren Städten entsprechend groß werden, also mussten auch die zugehörigen Spital-/Franziskanerkirchen recht groß sein, um den ganzen Kranken Platz zu bieten. Violá!
Der Franziskanerorden war ja ein Predigerorden, und mich
interessiert, in welchem Rahmen sie „predigten“. Damit meine
ich natürlich die Zeit, als die Franziskaner bereits
Ordensgebäude unterhielten (was sie ja anfangs nicht taten).
Warum? Prediger wie Berthold von Regensburg zogen umher und predigten da, wo sie grad waren! Immer im Rahmen der Messe. Da die täglich statt fand, hatte der Prediger jeden Tag zu tun. Er durfte nur nicht heiser werden…
War der Prediger in einem Ordensgebäude - also einem Kloster - „niedergelassen“, dann predigte er halt in der Messe „seiner“ Kirche. Bei mehreren Messen pro Tag war da ein kleiner Konvent schnell ausgelastet.
Oder waren „Kirchen“ immer strikt von „Klöstern“ getrennt?
Nein. Jedes Kloster brauchte unbedingt eine Kirche!
VG
Christian