Französisch oder Spanisch lernen?

Hallo,

es geht um ein 12 jähriges Mädchen. Sie war in der 5. Klasse auf dem Gymnasium und hatte dort in Englisch eine 5 (jedoch in anderen Fächern auch, war also kein reines Sprachenproblem). In der 6. Klasse war das Kind vorübergehend auf der Hauptschule und hatte in Englisch eine 2.
Jetzt wechselt sie auf die Realschule, besucht dort aber nicht den Zweig mit Französisch als zweiter Pflichtfremdsprache. Sie möchte aber trotzdem freiwillig eine zweite Fremdsprache lernen. Die Realschule bietet als Wahlfach Französisch an. An der hiesigen Volkshochschule würde extra für Jugendliche ein 1-jähriger Spanischkurs angeboten werden, danach könnte sie die normalen Spanischkurse der VHS besuchen.
Jetzt sind wir total unschlüssig was vernünftiger wäre. Ich (Mutter) habe in der Schule als zweite Fremdsprache Französisch gelernt, aber leider nur nur leidlich, könnte aber in Französisch wenigstens im Anfängerkurs ein wenig helfen. Spanisch kann ich überhaupt nicht, aber ich habe gehört, dass Spanisch wesentlich leichter zu erlernen sein soll als Französisch.

Kann uns vielleicht jemand einen Rat geben?

Gruß
Tanja

Hallo Tanja,

also eine allgemeine Antwort kann es in dieser Frage meines Erachtens nicht geben, da Französisch und Spanisch für einen Deutschsprachigen ungefähr gleich leicht/schwer zu erlernen und vermutlich im späteren Leben gleich wichtig/unwichtig sein werden.

Wenn es schon außer Frage steht, dass Deine Tochter eine zweite Fremdsprache lernen möchte, wäre meine Rückfrage: Hat sie denn eine persönliche Präferenz? Das ist meiner Meinung nach ein wichtiges Kriterium. Denn was würde es bringen, wenn sie die eine Sprache gerne lernen möchte, aber Ihr sie zu der anderen „zwingt“, weil Ihr sie für besser haltet. Interessiert sie sich vielleicht für Frankreich (Musik, Bücher, Filme usw.) oder wart Ihr schon öfters in Spanien im Urlaub?

Daneben stellt sich noch eine andere Frage: Was soll(te) Ziel dieser zweiten Fremdsprache sein? Geht es ihr/Euch darum, (nur) ein paar Floskeln für den Urlaub o.ä. zu lernen oder will/soll sie die Möglichkeit haben, später auf diesen Kenntnissen aufbauend die Sprache richtig zu lernen. Denn aus eigener Erfahrung weiß ich, dass VHS-Kurse eher darauf hinarbeiten, einen für den Urlaubsplausch vorzubereiten. Selbst im siebten, achten Semester unseres Italienischkurses damals haben viele Kursteilnehmer darauf bestanden, dass doch bitte jeder Text übersetzt und so wenig Grammatik wie irgendwie möglich behandelt wird. In der Schule (oder später an der Uni) sind die Kurse meiner Meinung nach eher so angelegt, dass man weiterlernen kann und auch fundierte Grammatikkenntnisse bekommt.

Das mit dem Helfen bei den Hausaufgaben würde ich nicht zu hoch bewerten. Denn letztendlich tun sich verstaubte Französisch- und nicht vorhandene Spanischkenntnisse gegenseitig nicht viel. Nein, im Ernst: Ich würde sie erst einmal anfangen lassen, die Sprache (ob nun Französisch oder Spanisch) zu lernen. Wenn sich dann tatsächlich größere Probleme ergeben, kannst Du Dich immer noch mit dem/der Lehrer(in) besprechen und/oder Dich nach eine(m) Nachhilfelehrer(in) umsehen.

Gruß,
Stefan

Hallo Tanja,

in erster Linie sollte sie die Sprache auswählen, die sie mehr interessiert und für die sie mehr Verwendung hat. Wenn das egal ist, könntest du mal über Folgendes nachdenken:

Anfängerkurse wirst du für beide Sprachen in ausreichender Zahl finden, das ist gar kein Problem. Wenn der Unterricht aber irgendwann mal nützlich sein soll, braucht man guten Unterricht für Fortgeschrittene. Wenn man die Fremdsprache nicht auf dem Schulzeugnis findet, wäre es ganz günstig, auf eine internationale Sprachprüfung hinzuarbeiten. Nützlich werden Sprachkenntnisse ab einem Niveau von B1 und besser. Das könnte auch nützlich sein, wenn mal ein Abi angestrebt wird (Stichwort 2.Fremdsprache - die Richtlinien können je nach Bundesland abweichen).

Deshalb würde ich die Wahl der Fremdsprache von den örtlichen Gegebenheiten abhängig machen. Gibt es in euerer Nähe ein Institut Francais oder das spanische Gegenstück dazu, ein Instituto Cervantes? Dort bekommt man wirklich guten Fremdsprachenunterricht zu Preisen, die akzeptabel sind. Man muss dort nicht unbedingt als Anfänger beginnen, aber wenn einem erst mal der 3. VHS-Kurs mangels genügend Teilnehmern eingegangen ist, ist ein Wechsel empfehlenswert. Gibt es beides nicht, solltest du einfach mal das Programm der örtlichen VHS untersuchen. Wieviele Fortschrittskurse werden in welcher Sprache angeboten? Fortschrittskurse, damit meine ich nicht das zweite Halbjahr, sondern Kurse für das vierte oder fünfte Lernjahr. Gibt es solche Kurse auch in Abendform oder nur vormittags (was leider häufig vorkommt)? Gibt es vielleicht sogar Vorbereitungskurse auf die Sprachprüfungen DELF, DELE oder TELC o.ä.?

Bei uns ist es beispielsweise so, dass das Spanischangebot der örtlichen VHS gar nicht mal schlecht ist und auch die Nachbarstädte bieten ziemlich viel. Französisch sieht längst nicht so gut aus, aber es gibt ein Institut Francais in der Nachbarstadt, das ich besuche. Spanisch VHS, Französisch IF - damit kommme ich gut klar. Die Franzkurse unserer VHS sind dagegen erstmal nicht so häufig und dann inhaltlich teilweise sehr intellektuell, d.h. es werden oft ziemlich abgehobenen Themen (Literatur, Theater, Kunst) behandelt, die nicht jedermanns Sache sind. Abgesehen davon werden in den Sprachprüfungen auch eher praxisnahe Themen behandelt: Zeitungsartikel, aktuelle Diskussionsthemen, Radiobeiträge - mit Theater und Kunst kommt man da nicht so wirklich weit.

Es kann auch hilfreich sein, mal zu gucken, mit welchen Lehrbüchern gearbeitet wird und mal in das Buch hereinzublättern, um zu sehen, ob es einem sympathisch ist und die Themen interessant.

Motivation ist doch sowieso das Wichtigste beim Lernen!

Viele Grüße

Anne

Hallo,

also, eine persönliche Präferenz, dass man sagen würde, die eine Sprache würde sie vielleicht eher mal brauchen können, gibt’s eigentlich nicht. Weder Spanien noch Frankreich sind unsere bevorzugten Ferienziele.
Bevor wir das mit dem Wahlfach Französisch an der Realschule wussten, hatte sich meine Tochter auf Spanisch eingestellt, weil wir das mit den Spanischkursen für Jugendliche an der VHS schon länger wissen. Da die Kurse erst ab 13 sind und sie genau Geburtstag hat, wenn die Kurse beginnen, hätte das gepasst. Andererseits kosten die Spanischkurse an der VHS halt eine Menge Geld, der Kurs für Jugendliche z.B. 120 Euro für 10 Nachmittage, die Erwachsenenkurse dann 75 Euro pro Semester, wogegen das Französisch-Wahlfach an der Schule natürlich kostenlos wäre.

Meine Tochter will nach der Realschule unbedingt auf die FOS 13 und dort mit einer zweiten Fremdsprache dann das „richtige“ Abi machen. Die FOS, auf die sie gehen will, bietet in der 12. und 13. Klasse Französisch als zweite Fremdsprache an. Eine benachbarte FOS würde Spanisch anbieten und die beiden Fachoberschulen haben eine Art Vereinbarung, dass die Spanischschüler am Nachmittag zusammen an einer FOS in Spanisch unterrichtet werden.

Meine Tochter muss Französisch oder Spanisch jetzt nicht gleich perfekt lernen, aber wir denken uns halt, dass es sehr hart wird, wenn sie in der FOS in 2 Jahren eine total neue Sprache lernen muss und das dann auch noch bis auf Abiturniveau. Wenn sie vorher schon Sprachkenntnisse hätte (z.B. durch den Wahlunterricht in der Realschule oder VHS-Kurse), dann hätte sie schon einen Grundwortschatz und ein wenig Grammatik, müsste also an der FOS nicht mehr bei Null anfangen und hätte es leichter, könnte sich also mehr auf die anderen wichtigen Fächer konzentrieren.

Gruß Tanja

Hallo Tanja,

also bei der Konstellation würde ich dann doch zu Französisch tendieren. Denn zum einen wäre Schulunterricht besser geeignet, um Deine Tochter später für die FOS-Kurse vorzubereiten. Zum anderen spielt die Geldfrage sicher auch mit rein in die Entscheidung. Ein weiterer Punkt, der mir noch gegen die VHS eingefallen ist, ist folgender: Du hast da eine relativ kurze Semesterzeit (ca. 10 bis 12 Wochen mit vermutlich 90 Minuten Kurs pro Woche) und dann extrem lange „Semesterferien“, bis der Kurs im nächsten Halbjahr weitergeht. Und da besteht dann die Gefahr, dass Deine Tochter, wenn sie sich nicht regelmäßig hinsetzt und eigenständig etwas wiederholt, bis zu Beginn des Folgekurses wieder eine Menge vergessen hat. In den sechswöchigen Schulsommerferien ist diese Gefahr meiner Meinung nach deutlich geringer.

Deswegen würde ich es so machen: Lass sie mal mit Französisch anfangen. Wenn sich nach einem Jahr rausstellen sollte, dass das absolut gar nicht ihr Fach ist, könnte sie im Zweifelsfall immer noch aussteigen und ggf. mit dem VHS-Kurs Spanisch anfangen.

Gruß,
Stefan