Servus,
zur Gliederung finde ich dieses hier:
http://www.online-bewerbung.org/bewerbung_frankreich…
ganz aufschlussreich.
Zum Sprachlichen:
Der grausige „erste Satz“ ist auf Französisch harmlos, weil auch erzkonservative Ansprechpartner keine Schmerzen damit haben, wenn dieser mit „Je“ anfängt.
Zu Grußformeln am Ende hab ich mich hie und da schon geäußert - diese haben sich seit 1789 kaum verändert, und was auf Deutsch wie ein grässlicher Firlefanz aus barocken Schnörkeln klingt, ist in F immer noch normal:
„Veuillez agréer, Monsieur, l’expression de mes sentiments les plus distingués“ - Wort für Wort ist das auf Deutsch ein Thekenwitz.
Hier hab ich noch ein paar Funde, die mir persönlich gut brauchbar scheinen:
http://www.stages.univ-rennes1.fr/etudiant/lettrmoti…
(obwohl dort vom „je“ abgeraten wird)
Dieses:
http://carolien.ulyssis.org/Werk/Frans/lettredecandi…
kann man wohl ganz gut brauchen, vor allem als Exempel dafür, dass in F geschäftlich viel hölzerner kommuniziert wird als in D, wo dieses Brieflein ziemlich direkt in die Rundablage ginge.
Ganz wichtig: Ein Bewerbungsschreiben in F ist handgeschrieben, immer noch. Schau Dir französische Handschriften an - schöne schwungvolle Kursivschrift, das ist nicht einfach, da mitzuhalten.
Für deutsch-französische Stellen gibt es immer noch bloß einen sehr punktuellen Markt. Es ist ziemlich wahrscheinlich, dass Du eingeladen wirst. Versuche, Dich auf den entretien zu konzentrieren: Es ist nicht schlimm, wenn Du wenig Frz kannst, aber Du solltest Dich trauen, zu reden. Romanen verhandeln ihre Dinge mündlich, das Forum Romanum lebt noch. Dazu gehört auch, dass man nicht wie Deutsche und Angelsachsen reinkommt, sich hinsetzt und dann nach wenigen Floskeln anfängt, business zu talken. Es gibt ausführliche Girlanden am Anfang des Gesprächs, und es ist ein erster Test, ob Du mitkriegst, wann die Girlanden zu Ende sind. Keine Scheu davor, von Dir zu erzählen - auf dem Forum Romanum geht es sehr subjektiv und persönlich zu. Wenn Du nach dem Wohlergehen Deiner Katze gefragt wirst, ist das schon ein paar Worte zum Thema wert. Was die Jungs natürlich nicht daran hindert, jeden, der nicht täglich um 18:30 erreichbar ist, als ziemlich lasch und „peu efficace“ zu betrachten… - Klar, wenn man den Tag lang ratscht, muss man halt abends keulen.
Das erste Mal wurde ich vor Jahren von einem Franzosen eingeladen, nach vielem Schrauben an der lettre de candidature sagte Zébigbosse, mit dem Ding in der Hand: „Das ist ja ganz schön - nun, man kann sich helfen lassen…“ - später hats öfter mal noch zu Einladungen gereicht, aber mit dem Alter etwas müde geworden, hab ich mich auf den Fassadenschwindel nicht mehr einlassen mögen - mit entsprechenden Folgen. Heute, nach Betrachtung von ein paar französischen Buden von innen, würde ich über die Tür jeder einzelnen davon ein Schild hängen:
„Wer hier eingeht, ist ledig aller Qualen“ (B.Traven, „Das Totenschiff“)
La vie ne fait pas de cadeaux - et, nom de Dieu!, c’est triste, Orly - avec ou sans Bécaud (J. Brel, „Orly“)
Kurz: Wenns was wird, hast Du eine interessante und spannende Zeit vor Dir - wenn nicht, hast Du Dir viel Kraft und Jugend erhalten.
In diesem Sinne
MM