Hallo!
Ich habe eine Freundin in Frankreich und würde ihr jetzt gerne einen Brief auf Französisch schreiben ich weiß aber nicht wie man einen Brief anfängt oder beendet.Also bitte ich um hilfe!! 
Servus Julle,
ein Riesenproblem, das zum deutschen „Benimm“ gehört, hast Du in diesem Fall nicht: Es macht überhaupt nichts aus, wenn Du mit „Je“ anfängst!
Anrede ist im Fall der Freundin die „Chère …“, oder betonend „Ma chère …“; Gruß hängt ab vom Grad der Freundschaft. „Bien cordialement“ passt im Durchschnitt ganz gut, mit den „(Gros) Bisous“ tät ich noch warten, wenn die Freundschaft erst noch wachsen darf.
Was dazwischen liegt, ist Dir überlassen. Denke dran, daß Du nicht zu persönlich/intim wirst, wenn Du von der Vertrautheit vielleicht noch nicht so ganz überzeugt bist. Cela ne se fait pas, Franzosen sind im Durchschnitt gute Katholiken, trotz der Stereotype mit Baguette, Flasche Wein und Berêt Basque aufm Fahrrad…
Schöne Grüße
MM
wie man einen Brief anfängt oder beendet.
Zur Ergänzung von M.M
du kannst auch so beginnen
Bonjour (Vorname),
Je tente une petite lettre en français pour te donner quelques nouvelles u.s.w…
(Ich versuche einen kurzen Brief auf Französisch, um dir ein Zeichen von mir zu geben)…
Schluss:
J’espère te lire bientôt
amicalement (oder) bien cordialement…
Unterschrift
Cela ne se fait pas
Franzosen sind im Durchschnitt gute Katholiken, trotz der
Stereotype mit Baguette, Flasche Wein und Beret Basque aufm
Fahrrad…
kommt ganz darauf an, wie alt sie(die Franzosen) sind!!! Aeltere Generationen (50+)kann man ungefähr so bezeichnen aber die jungen Generationen (20+) nehmen das nicht so genau mit der Etikett und „baguette, béret basque, bouteille de vin et vélo“ ist nun auch etwas staubig. Da müsstet ihr nette Ausländer etwas Neues für uns finden!!!
Das gilt übrigens auch für uns, wenn wir die Deutschen mit "culotte en cuir, chapeau tyrolien et chope de bière"sehen.
Ansonsten bin ich mit deinen Vorschlägen für den Brief einversstanden(
Salut,
Ingrid
Salut Ingrid,
das liegt im Wesen von Stereotypen, daß sie erst richtig populär werden, wenn sie schon angestaubt sind: Ideologien leben systematisch länger als ihre materielle Basis. Was „den Franzosen“ betrifft, so hat es ihn in der skizzierten Art sowieso bloß in sehr kleiner Zahl gegeben - wenn man „die Franzosen“ in drei Gruppen aufteilen will: Bauern, Kleinbürger und Pariser (die Systematik ist glaube ich von Ulrich Wickert), findet man „l’Emile“, der das berêt auch am Tisch trägt, wenn er sich einen Schluck Roten in die Suppe gießt, sowieso bloß unter der ersten Gruppe, die praktisch ausgestorben ist.
Daß ich die Frage „Wie persönlich/intim kann man in einem Brief schreiben?“ so pointiert und mit der Verwendung dieser Sterotype aufgegriffen habe, trifft aber wie ich glaube schon ein zentrales Problem bei der Kommunikation zwischen Deutschen und Franzosen: Es gibt viele Einzeleindrücke, die bei Deutschen leicht zu der Vorstellung führen, „der Franzose“ (falls es ihn denn geben sollte) sei ein liberal bis anarchistisch gefärbter Lebemann, bei dem alles mehr oder weniger erlaubt ist.
Zu diesem Eindruck kommt es z.B., wenn man als gut preussischer Lutheraner sieht, wie Männer sich mit la bise begrüßen, wenn man sieht, wie der Schwerpunkt eines Haushaltsbudgets mehr auf dem Essen als auf dem Auto und der Hausfassade liegt; wie man sich unter Kollegen spontan duzt; wie jedes Meeting mit einem kurzen Gespräch über das Rasenmähen am Samstag und das Gedeihen der Kinder anfängt, während die deutschen Teilnehmer mit „TOP 1“ im Kopf ungeduldig auf die Uhr schauen; wie sich viele Proletarier überhaupt keine Mühe geben, mit der Fassade von Bürgern aufzutreten (der Fahrer des Schulbusses morgens unrasiert und im T-Shirt; der Eisenbahnkontrolleur in Turnschuhen usw. …).
Diesen Eindruck des extrem toleranten, liberal bis anarchischen Nachbarn halte ich für meistens falsch. In der Tat ist mit den Generationen vieles anders und „freier“ respektive vulgärer geworden, aber mir scheint es immer noch so, daß in Frankreich die normale alltägliche Kommunikation sehr viele Regeln und Rituale enthält, die man als Deutscher mit genanntem „l’Emile“ im Kopf weder respektiert noch geduldig beobachtet, um sie kennen zu lernen. Heraus kommt dann der hemdsärmelig durch alle Fettnäpfchen rumpelnde „Hunne“, der glaubt, sich mit den lieben Nachbarn prächtig zu amüsieren, während sich diese - indigniert - ihre Meinung schon gebildet haben und ihn jedenfalls nicht wieder einladen werden.
A propos: Eine trefflich aktualisierte Version von Lederhose und Tirolerhut gibts schon, Tomi Ungerer hat „den Deutschen“ so gezeichnet, daß mir beim Blättern öfter mal das Lachen so halb im Hals stecken geblieben ist - dennoch eine großartige Sammlung, die Ausstellung ist bei Diogenes als Buch erschienen:
http://www.dhm.de/ausstellungen/ungerer/start.htm
Schöne Grüße
MM
Danke für den Tipp!(sehr interessant!)
Gruss
Ingrid