französische Revolution

Guten Tag,
ich würde meinem Liebsten gerne eine Buch über die französische Revolution zu Weihnachten schenken.
Er ist studierter Philosoph und deshalb sprachlich etwas anspruchsvoll, allerdings sind ihm geschliffene Aussagen lieber als geschliffene Worte.

Das Buch sollte zum Einen gut zu lesen sein und zum Anderen (wichtigeren) sollte es alle beteiligten Seiten gut beleuchten.

Vielleicht so eine Art „Bernt Engelmann“ für Frankreich, wenn es sowas gibt. Wobei Engelmann meine Interpretation seiner Wünsche ist, ich weiß gar nicht, ob er jemals einen Engelmann gelesen hat. Vielleicht nicht ganz so langatmig, wie E. manchmal ist.

Ist das zuviel verlangt? oder zu schwammig?
oder kann mir da tatsächlich jemand was empfehlen?

Ich würde mich sehr freuen.
Gruß
Kerstin

Guten Tag, Kerstin,

wenn es auch etwas religiös sein darf:

Die Letzte am Schafott von Gertrud von LeFort

Fritz

Hallo Kerstin,
also ich nehm’s immer wieder gerne in die Hand:

Will Durant
Die Französische Revolution und der Aufstieg Napoleons
Kulturgeschichte der Menschheit Bd. 17
Ullstein 1982
ISBN 354836117X Buch anschauen

Leider nur noch gebraucht (dafür aber billig) zu bekommen. Vielleicht als kleine Dreingabe … Warum ich dieses Buch so schätze, sagt Hans Dollinger im Vorwort zu demselben:

„Will und Ariel Durant ist im ersten Teil dieses Buches eine Darstellung der französischen Revolution gelungen, wie sie nirgendwo bisher zu finden war. Das Prinzip der Durants von der Einheit einer Geschichtsdarstellung, in die alle kulturellen Aspekte des menschlichen Lebens mit einbezogen werden, kommt gerade diesem Teil sehr zugute. Der Leser wird hier nicht nur mit dem politischen und militärischen Ablauf der Revolutionsdaten abgespeist, wie dies in anderen Büchern zum Thema üblich ist, er wird auch konfrontiert mit dem soziologischen und kulturellen Hintergrund, der alle Ereignisse … verständlich macht. Und die Durants runden ihre historische Vorstellung auch mit einem Kapitel über das Leben in Frankreich während der Revolution ab; hier wird dem Leser erstmals eindrucksvoll vor Augen geführt, welche Umwälzungen die politischen Ereignisse mit sich gebracht haben im Bereich von Sitte und Moral, auf dem Gebiet der Künste, der Literatur und der Wissenschaft.“

Das Lob ist vielleicht ein wenig zu überschwänglich, aber mE im Großen und Ganzen zutreffend. Was ich bei Durant ein wenig vermisse, ist die Provinz - die Darstellung ist doch sehr auf Paris konzentriert. Aber mir ist da auch keine Arbeit bekannt, die dieses Defizit beheben würde. Allenfalls eine literarische: Victor Hugos Alterswerk ‚1793‘ …

Freundliche Grüße,
Ralf

Eine scharfblickende Betrachtung, bekommst Du gratis im Netz:

http://www.odinring.de/napoleon/napoleon.htm

gruß
rolf

Hallo Fritz,
verzeih, daß ich erst jetzt reagiere, aber meine Familie hat mich die letzten zwei Tage quasi vom Computer entwöhnt.

Ich hab im Netz keine Besprechung von dem Buch gefunden, sondern immer über die Frau. Ich finde die sehr interessant.
Auch habe ich keine Quelle für das Buch gefunden.
Weißt du wo man das bekommen kann?

Danke für deine Mühe auf jeden Fall schon mal
Gruß
Kerstin

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hallo Ralf,
das klingt ja sehr interessant, ich glaub das werd ich auch versuchen. Bitte verzeih meine verzögerte Reaktion, ich bin von meinem Schreibtisch weggelockt worden die letzten zwei Tage.

Danke für den guten Tipp
Schönen Abend
Kerstin

Hallo Rolf,
spannend, ich wußte gar nicht, daß sich Schri Aurobindo mit Geschichte so ausführlich beschäftigt hat.
Werde das immer mal in Mußeminuten lesen.
Als Weihnachtsgeschenk ist es nicht geeignet. Obwohl umsonst, läßt es sich doch einfach nicht verpacken und unter den Baum legen.

Danke - und Gruß
Kerstin

Hallo, Kerstin,

hier:

http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/B0000BKSHR/qid…

Gruß
Fritz

Vielen Dank - mglG - owT
.

Hi,

ich bin etwas überrascht, dass du Belletristik-Antworten kriegst.

Du willst doch nur ein preiswertes chronistisches Standardwerk,oder ?
Das ist von Furet / Richet, ich glaub, das heisst einfacht „Französische Revolution“

Engelmann ist ja nun ein ganz harter Kommunist, wenn du was Kommunistisches brauchst, nimm Albert Soboul.
Ich find ihn zum Kotzen, er liebt z.B. Robespierre.

Belletristisch bekannt ist Nobelpreisträger Anatole France:
Die Götter dürsten.
Ich kenn das aber nicht.

Ciao

Will

Du willst doch nur ein preiswertes chronistisches
Standardwerk,oder ?
Das ist von Furet / Richet, ich glaub, das heisst einfacht
„Französische Revolution“

Hallo,
nach „preiswert“ oder „chronistisches Standardwerk“ war eigentlich nicht gefragt. Und Furet ist für jemanden, der Engelmann schätzt, womöglich eher ärgerlich - somit vielleicht nicht unbedingt als Geschenk geeignet. Davon abgesehen ist das Buch vergriffen und (zumindest bei amazon) nicht einmal gebraucht erhältlich.

Wer ein wenig mehr über Furet wissen möchte - hier ein Nachruf:
http://www.zeit.de/archiv/1997/31/furet.txt.19970725…

nimm Albert Soboul.

Das Buch sollte zum Einen gut zu lesen sein

was in diesem Falle mE eher nicht zutrifft.

Freundliche Grüße,
Ralf

Du willst doch nur ein preiswertes chronistisches
Standardwerk,oder ?
Das ist von Furet / Richet, ich glaub, das heisst einfacht
„Französische Revolution“

Hallo,
nach „preiswert“ oder „chronistisches Standardwerk“ war
eigentlich nicht gefragt.

Vor allem war nicht nach Belletristik gefragt.
Er möchte doch offensichtlich etwas über die französische Revolution allgemein wissen, hat keine Spezialwünsche.
Da kauft man doch kein Buch für 50 Euro, sondern eher eins für 15 wie dieses.
Ich hab das Werk vor ca. 2 Jahren erstanden, es ist sehr gut lesbar, Furet ist in der politischen Mitte angesiedelt,ich weiß nicht, in welchem Zusammenhang er ein Buch mit dem verkappten Nazi Ernst Nolte geschrieben hat, er vertritt ganz sicher nicht Noltes Ansichten.
Einziger Kritikpunkt, es ist etwas kurz.

Und Furet ist für jemanden, der

Engelmann schätzt, womöglich eher ärgerlich - somit vielleicht
nicht unbedingt als Geschenk geeignet.

Das kommt drauf an, ob der Leser primär Indoktrination haben will oder nicht.
Engelmann ist ein hervorragender Stilist, ich persönlich (garantiert kein Linker) lese ihn gern, das Problem ist nur, dass man jemandem, der zugeben musste, oft seine Infos von der Stasi erhalten zu haben, vielleicht nicht alles glauben kann. Engelmann ist eben
Michael Moore-artig, ohne die 80%ige Fehlerquote Moores aufzuweisen.

Davon abgesehen ist das

Buch vergriffen und (zumindest bei amazon) nicht einmal
gebraucht erhältlich.

Interessant, wusst ich nicht. Aber gebraucht irgendwo sicher erhältlich.

nimm Albert Soboul.

Das Buch sollte zum Einen gut zu lesen sein

was in diesem Falle mE eher nicht zutrifft.

Ich gebe zu, dass Soboul etwas langatmig ist, aber wenn man von seinen verrückten Bewertungen absieht, liest man sein Werk mit Gewinn.
Es ist detailreich, sagen wir es mal so.
Soboul hat es auch im Wesentlichen mit Hilfe der DDR erstellt, daher die Verbindung mit Engelmann, Engelmann ist sicher süffiger.

war nicht nach Belletristik gefragt.

D’accord. Ich hatte ja auch lediglich bemängelt, dass die französische Provinz in der geschichtlichen Darstellung speziell bei Durant (und nicht nur bei ihm) zu kurz kommt - obwohl der Vendée-Aufstand, die Ereignisse in Lyon oder die Chouans durchaus interessante Themen sind. Die Belletristik ist da nicht so fixiert auf Paris. Mehr sollte der beispielhafte Verweis auf Hugos ‚1793‘ nicht besagen. Hugos Buch hat sicher seine Meriten - aber genau so sicher liegen diese nicht auf historiographischem Gebiet.

Ich hab das Werk vor ca. 2 Jahren erstanden, es ist sehr gut
lesbar, Furet ist in der politischen Mitte angesiedelt,ich

Meine Zustimmung

weiß nicht, in welchem Zusammenhang er ein Buch mit dem
verkappten Nazi Ernst Nolte geschrieben hat, er vertritt ganz
sicher nicht Noltes Ansichten.

Nun, Furet hat Noltes Totalitarismustheorie ausdrücklich in Schutz genommen (in ‚Le Passé d’une illusion‘/‚Die Vergangenheit einer Illusion‘). Daraus entwickelte sich ein Briefwechsel zwischen beiden, der veröffentlicht wurde:
Francois Furet/Ernst Nolte
Feindliche Nähe.
Kommunismus und Faschismus im 20. Jahrhundert
Ein Briefwechsel
Herbig, 1998
Der Verdacht, Furet habe sich von Nolte instrumentalisieren lassen (jedenfalls hat Nolte dies versucht), war die gerechte Strafe dafür :wink:.
Deswegen:

Furet ist für jemanden, der
Engelmann schätzt, womöglich eher ärgerlich - somit vielleicht
nicht unbedingt als Geschenk geeignet.

nicht deswegen:

Das kommt drauf an, ob der Leser primär Indoktrination haben
will oder nicht.

Dass Engelmann ungeachtet seiner politischen Einstellung durchaus lesbar ist, räumst Du ja selbst ein. Dein Schluß: Jemand, der Engelmann schätzt, will primär Indoktrination haben - führt sich dadurch ja wohl selbst ad absurdum. Aber ich gehe mal davon aus, dass das bewusst polemisch überspitzt war :wink:.

Noch kurz zu Soboul: er ist sicher lesenswert, aber mE eher als Ergänzung/Vertiefung. Zum Einstieg, zumal für jemanden, der sich zwar gediegen, aber unterhaltsam informieren lassen möchte, ist er wohl weniger geeignet. Just my 2 cents.

Freundliche Grüße,
Ralf

Dass Engelmann ungeachtet seiner politischen Einstellung
durchaus lesbar ist, räumst Du ja selbst ein. Dein Schluß:
Jemand, der Engelmann schätzt, will primär Indoktrination
haben - führt sich dadurch ja wohl selbst ad absurdum.

Wenn das mein Schluss wäre, hätte ich nicht Furet vorgeschlagen.

Man muss nur in Erwägung ziehen, dass der Verweis auf Engelmann, der ja im engeren Sinn nichts mit der frz.Revolution am Hut hat, so zu verstehen ist, dass es ihm wichtig ist, mit kommunistischer Ideologie versorgt zu werden, das wäre dann Soboul.
Mit den von uns beiden festgestellten Schwächen.

ich weiss, die antwort kommt ein bisschen spät. und zu weihnachten klappt es wahrscheinlich nicht mehr.

mein professor schwört auf

ernst schulin
„die französische revolution“.

kann das nur bestätigen.

herzliche grüsse
katha

@ralf, kath und will
Hallo Ralf,
ich kann auf deine ursprüngliche Empfehlung nicht mehr antworten, weil sie im Archiv rumliegt.
Wollte dir aber auch an dieser Stelle nochmal danken für deine Empfehlung mit der Kulturgeschichte.
Jan sagt, das wäre das beste Buch, daß er seit langem gelesen hat.
Da ich seinen Geist sehr schätze, halte ich das für eines seiner größten Komplimente.
Auch nochmal Danke an Will und Kath.
Ich hab mir eure Vorschläge auch noch notiert, es gibt ja noch viele Anläße.
Übrigens schätze ich Engelmann mehr als er und hauptsächlich wegen seines Stils und dem Blick von unten. Mittlerweile kenne ich noch andere gute Geschichtswerke, die nicht nur dem langweiligen Stil meiner Schulbücher folgen, aber ich fand Engelmann als Beispiel anzubringen bringt es auf den Punkt.

Danke an euch nochmal und ein schönes 2005
Gruß
Kerstin