Französische Romane

Hi,
welche Romane von französischen Autoren könnt ihr mir empfehlen?

Servus,

welches Sprachniveau? Welche Schwerpunkte? Welches Genre? Zeitgenössisch? Moderne? Klassiker?

Mal einfach ein paar Titel:

Zum Lesen Üben ist wegen des legendär kleinen verwendeten Wortschatzes alles von Georges Simenon gut geeignet.

Zuletzt (mit viel Spaß) gelesen: Didier van Cauwelaert, „Un aller simple“. Davor, ebenfalls erfreulich: Noelle Chatelet, „La femme Coquelicot“.

Immer wieder (nicht bloß in den Ferien in der Sonne) in der Hand, und jedesmal wieder eine Freude: Die Marseille-Trilogie von Claude Izzo, (1) „Total Chéops“, (2) „Chourmo“, (3) „Soléa“

Keine Romane, sondern „Eloges“ in S-Bahn-Portionen: Die Sammlungen von Alexandre Vialatte, z.B. „Eloge du homard et autres insectes utiles“. Ein etwas eigenartiger Humor, bei dem ich aber immer aufpassen muss, dass der Wein da bleibt, wo er hingehört, und nicht quer über das Büchlein verteilt wird.

Ein wundervoller Liebesroman aus der Be-Bop-Zeit: Boris Vian, „L’Ecume des Jours“. Vom selben Autor auch der grandiose „Automne à Pékin“, „Les morts ont tous la même peau“ und vieles andere.

Ausgehend von diesen Anhaltspunkten kannst Du eventuell genauer beschreiben, wo Deine Interessen und Bedürfnisse liegen.

Schöne Grüße

MM

Hi,

falls du normale Romane meinst, z.B. Krimis, kann ich dir wärmstens
Daniel Pennac empfehlen (Paradies der Ungeheuer. Ein Malaussene-Roman), Brigitte Aubert (Im Dunkel der Wälder), Pierre Magnan (Tod in Bronze) oder Jean-Christophe Grangé (Die purpurnen Flüße, Flug der Störche). Ganz aktuell Dolmen (spielt in der Bretagne) von Nicole Jamet, Marie-Anne LePezennec.

Gruß
Helena

danke + antworten
Hi, danke schon mal für die vielen Tipps!

Sprachniveau ist egal (ich kann die Sprache so gut :wink: )
Ja, Romane sollten es sein, keine Sachbücher.

Genre ist auch egal, aber vielleicht mit einer Vorliebe für
zum einen Science-Fiction (lese ich generell am meisten)
und zum anderen „die Klassiker“ - so für die Allgemeinbildung… - aber nur die wirklich Guten und nicht die literaturhistorisch bedeutsamen aber ansonsten eher Öden. Ich will kein Buch lesen, nur weil „man es gelesen haben sollte“.

Zeitgenössisch oder nicht ist auch egal.

Deswegen habe ich die Frage so ganz offen formuliert - mich interessiert alles :smile:

Vielleicht noch als kleiner Anhaltpunkt: Bücher, die ich sehr mochte:

  • La peste und L’etranger von Camus
  • Le petit prince von Saint-Exupery (na klar wer mag das nicht)
  • Poisson d’Or und Mondo (et autres histoires) von Le Clezio

Hallo nochmal,

wenn Dich offenbar auch 19. Jahrhundert interessiert, einfach mal ein paar Vorschläge für ein ganz unsystematisches Vordringen von heute bis in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts:

Henri de Turenne, „Les Alsaciens ou les deux Mathilde“ bietet aus deutscher Perspektive einen Einstieg in französische Erzählweise und Romantechnik. Es ist literarisch eher leichte Kost, ein modernes „Buch zum Film“, bei dem das Drehbuch vor dem Buch da war. Mit dem deutsch-französischen Thema (es geht um eine Familiensaga von 1870 bis zum „Malgré-Nous“-Prozess gegen Elsässer, die zur Waffen-SS gezogen worden waren) aber inhaltlich ganz spannend, und literarisch kann man mit dieser „modernen“ Brücke leicht ins 19. Jahrhundert gelangen.

Ein Gigant naturalistischer Wortgemälde ein paar Generationen früher ist Emile Zola. Trotz der prächtigen Verfilmung seines „Germinal“ mit u.a. Dépardieu und Miou-Miou wird diese vom Buch (wie öfter mal…) überragt. Ein schönes Winterbuch, finde ich, wegen der Bilder, die es erzeugt - gut genießbar, wenn es sonst die meiste Zeit dunkel ist.

In ziemlichem Kontrast dazu Prosper Mérimée: Auch das nach seiner Novelle verfasste Libretto „Carmen“ war eine Art „Film zum Buch“, als „Oper zur Novelle“. Naja, Spätromantik halt. Aber auch von einem guten und kenntnisreichen „Literaturhandwerker“ verfasst.

Und noch ein ganz anderer Pol ähnlicher Epoche: Jules Verne, Vater des Science Fiction. Leicht und spaßig zu lesen, teilweise etwas überraschend wegen der Präzision seiner technischen Visionen.

Gerüstet mit diesen Stationen vom Ende des 19. Jahrhunderts kann man in dessen erste Hälfte vordringen: Zu Stendhal, „La Chartreuse de Parme“, vielleicht auch „Le Rouge et le Noir“. Es hat mich bei diesen Büchern sehr beeindruckt, wie nahe sie modernen Romanen stehen, im Vergleich zu deutscher Literatur aus der Zeit. Es entsteht der Eindruck, Deutschland sei im Schatten Goethes ein wenig verkümmert…

Wie auch immer: Das schöne an Büchern ist, finde ich, dass sie warten, bis man ihnen begegnet. Ich weiss noch gut, wie bei mir Feuchtwangers Goya ungefähr zwei Jahre lang halt da stand, ich fand keinen Zugang. Und dann sind wir uns begegnet, ich hab ihn in einem Rutsch (mit ein paar Schlafpausen) gelesen, und in den folgenden Monaten eine manische Feuchtwanger-Begeisterung entwickelt.

Angesichts Deiner (wohl berechtigten) Vorbehalte gegenüber Literatur, die man bloß zum Blenden „gelesen haben muss“, kann es sein, dass es Dir mit Stendhal ähnlich gehen wird. Das täte mich natürlich freuen…

Schöne Grüße

MM

Hi,
welche Romane von französischen Autoren könnt ihr mir
empfehlen?

Ja, Stendhal kann ich auch nur empfehlen. Rot und schwarz fand ich noch
ganz gut, die Kartause von Parma eher langweilig. Toll sind aber die
Tagebücher sowie Armance und Lucien Leuwen. Ebenfalls sehr
empfehlenswert ist Théophile Gautier. Da erschien 2003 im Fourier
Verlag ein wirklich dickes Buch von Romanen und Erzählungen. Ich habe
beide gerade im Rahmen meiner Dissertation gelesen und war wirklich
froh, diese ausgewählt zu haben. Sehr amüsant und aufschlussreich über
die Gesellschaft der Zeit, da beide sehr kritisch sind.