Hallo,
nein, keine Angst, diemal belaestige ich Euch nicht mit der Bitte um Uebersetzungen. Vielleicht ist hier ein Franzose, oder jemand, der Frankreich gut kennt, der mir folgende Frage beantworten kann: wie wuerdet Ihr den Dialekt beschreiben, den man im Perigord spricht? Ich weiss, sowas ist schwierig zu beschreiben. Ich meine damit so etwas wie etwa „melodioes“, oder „verwaschen“, „singsang“, „hart“, „weich“… gibt es Eigenarten (so wie die Schotten hier oben z.B. „Ay“ sagen, statt „Yes“) - vielleicht weiss sogar jemand ein Beispiel?
Schoenen Gruss, Steffi
Hallo Gnlwth (klingt bisschen wie welsh…?)
die französischen Dialekte (ausser den eigenständigen Sprachen Gallo in der Bretagne, Flaams bei Lille, Alemannisch im Elsass, Catalan in den östlichen Pyrenäen und Vorland und Baskisch in den westlichen Pyrenäen und Vorland) werden aufgeteilt in die Gruppe der Langue d’Oil (= heute: Oui) im Norden und der Langue d’Oc oder Occitan im Süden.
In Perigueux spricht man grade noch Limousin, südlich davon fängt dann das Occitan Moyen an.
Heute hört man ausserhalb von sehr ländlichen Gebieten und von Folklorevereinen auch im Süden keinen Dialekt mehr, sondern Französisch mit einer anderen Melodie und ganz paar eigenen Ausdrücken:
„Je vais à la station de trems, apporter du pem au mercant de billets et demander à lui s’il a un coup de ving pour moi“
Kennzeichen für alle Dialekte der Südgruppe: Man intoniert lateinischer, Silbe für Silbe, die Vokale werden länger ausgesprochen und auch das stumme e (etwa am Ende) ist meistens zu hören. Die Nasale kommen auf ihren Stammvokal hinaus „Môssieu“ oder werden je nach Gegend preussisch ausgesprochen „Mongsieur“.
Wenn Du die Ortsnamen hörst, denkst Du an römische Legionäre: Carcassuno, Toloseu etc.
Obwohl es nicht um „gutes“ Französisch geht, ist es für Fremde wegen der klaren Intonation der einzelnen Silben und auch der -e Endungen sehr gut verständlich, beim zweiten Besuch wirst Du vom Opa hören wie ich seinerzeit: „Commepreneuz pourtang mieux cette anné-eu“.
Wichtig: Der Obelix-Spruch „Ils sont fous, les Romains“ heißt im Süden „Tous fadas, les Parisiengs“.
Schöne Grüße
MM
Hallo nochmal,
zur Melodie der okzitanischen Dialekte noch ein paar Splitter:
Die für Deutsche schwer zu lernenden „sanftes Rachen-r“ und „halbhartes t im Anlaut“ kann man auf dem Weg in den Midi wie den Regenschirm in der Eisenbahn hängen lassen.
r wird tendenziell gerollt wie auch sonst am Mittelmeer
t ist wie bei den Nachbarn hart
Hörbeispiele für Französisch mit okzitanischer Melodie: Georges Brassens, dessen Texte rhythmisch nicht funktionieren, wenn man nicht das stumme -e am Ende als „-eu“ zu einer vollwertigen Silbe macht.
Mit Begriffen wie „singend“ wäre ich vorsichtig, weil aus der Perspektive des anders Sprechenden dieser Begriff ziemlich häufig auftaucht. Ich hab ihn sogar schon fürs Schwäbische vom oberen Neckar gehört, obwohl mir dieses Attribut gänzlich ungeeignet vorkommt, wenn ich an einen bruddelnden Studenten der Geschichtswissenschaften im 42. Semester beim Tübinger „Boulanger“ denke.
Schöne Grüße
MM