Frau fühlt sich nicht weiblich

Hallo Psychologen,

ich wüsste gern, ob es für die folgende „Symptomatik“ einen Fachbegriff gibt, unter dem man weiter recherchieren kann nach möglichen Ursachen, Abhilfe etc. Ich hoffe, ich kann es verständlich beschreiben:

Eine Frau fühlt sich sozusagen nicht richtig als Frau. Sie sieht zwar weiblich aus (weibliche Figur, lange Haare und so, ist also kein „Mannsweib“), kann aber ansonsten mit dem ganzen „Frauenkram“ (wie schminken, Schmuck tragen etc.) nichts anfangen, lehnt es sogar richtiggehend ab. Sie denkt und fühlt eher ein bisschen wie ein Mann, interessiert sich für Sport, hat eine erhöhte Aggression und (Wett-)Kampfbereitschaft (was man ja sonst auch eher Männern zuspricht). Sie ist sich dessen bewusst, glücklich ist sie damit aber nicht, wäre gern weiblicher, hat aber das Gefühl, es „passt“ einfach nicht zu ihr. Wahrscheinlich so ähnlich, wie wenn ein Mann sich schminken würde, der käme sich i.d.R. ja auch lächerlich vor. Trotzdem würde ich sagen, dass es sich nicht um einen Fall von Transsexualität handelt. Das wäre doch nur der Fall, wenn die Frau sich richtig männlich fühlen und sich wünschen würde, ein Mann zu sein, oder?

Kann jetzt jemand mit dieser Beschreibung etwas anfangen?

Danke für Tipps!

Viele Grüße
Mio

Hallo Psychologen,

Hallo, ich bin aber kein Psychologe, nur eine Frau

Eine Frau fühlt sich sozusagen nicht richtig als Frau.

Wie definiert denn diese Frau eine „richtige“ Frau?

Sie sieht zwar weiblich aus (weibliche Figur, lange Haare und so,
ist also kein „Mannsweib“),

Wenn eine Frau sich für das „Grundprinzip Frau“ entscheidet, also lange Haare und weibliche Figur, dann scheint es doch so, als fühle sie sich wie eine. Oder tut sie das nur, um irgendwelche ERwartungen zuerfüllen?

kann aber ansonsten mit dem ganzen
„Frauenkram“ (wie schminken, Schmuck tragen etc.) nichts
anfangen, lehnt es sogar richtiggehend ab.

Es gibt eine Menge Frauen die das ablehnen,m viele trauen sich nur nicht das öffentlich zu tun, eben wegen der Erwartungen ihrer Umwelt.

Sie denkt und fühlt
eher ein bisschen wie ein Mann, interessiert sich für Sport,
hat eine erhöhte Aggression und (Wett-)Kampfbereitschaft (was
man ja sonst auch eher Männern zuspricht).

Wer hat eigentlich das Gerücht in die Welt gesetzt, dass Frauen, die ihre männlichen Anteile ausleben nicht normal seien? Ich war und bin sehr weiblich, ebenfalls lange Haare, sehr weibliche Figur und sehr aggressiv, nicht so sehr in Sport interessiert, aber ich habe z.B. eine Ausbildung zur Flugzeugbauerin gemacht. Und ich fand es saugut!!!

Sie ist sich dessen
bewusst, glücklich ist sie damit aber nicht,

schade!!

wäre gern
weiblicher, hat aber das Gefühl, es „passt“ einfach nicht zu
ihr.

Ich höre da wirklich eine ganz starke Klischeegläubigkeit heraus: Eine Frau liegt irgendwo zwischen Barbiepuppe und Mutter Theresa. Alles andere ist nicht normal (?)

Wahrscheinlich so ähnlich, wie wenn ein Mann sich
schminken würde, der käme sich i.d.R. ja auch lächerlich vor.

Ach ja, ich behaupte mal, auch nur ein kulturelles Klischee, es schminken sich übrigens einige Männer (wenn sie auch meist nur ihre Schwachstellen wegmachen wollen)

Trotzdem würde ich sagen, dass es sich nicht um einen Fall von
Transsexualität handelt. Das wäre doch nur der Fall, wenn die
Frau sich richtig männlich fühlen und sich wünschen würde, ein
Mann zu sein, oder?

Weiß ich nicht, wie gesagt, ich bin keine Pychologin. Ich hoffe mal, du kriegst auch noch eine fachlich fundierte Antwort

Kann jetzt jemand mit dieser Beschreibung etwas anfangen?

Ja, klingt für mich nach einer echten Frau, die stark und eigenwillig ist, die, aus welchen Gründen auch immer, aggressiver ist, als ihre Umgebung gut findet.

Danke für Tipps!

Nee, Tipps hab ich keine, ich seh die Stelle nicht, an der sie repariert werden muß.

Viele Grüße
Mio

Gruß zurück
Susanne
ps: das war jetzt ganz spontan aus dem Bauch heraus. mich hätte es unglaublich aufgebracht, hätte ich mich schminken, weiblich und klischeehaft verhalten sollen. Und ich bin ein Weib!

HI Mio

Meiner Ansicht nach hört sich das nicht wie Transsexualität an.
Transsexualität (Geschlechtsidentitätsstörung) ist in Deutschland als Krankheit anerkannt.
Hierbei handelt es sich um Menschn die ein bestimmtes Geschlecht bekommen haben, das aber nicht ihrem seelisch-psychischen Zustand entspricht.
Diese Menschen lehnen ihren Körper in der Ursprungsform ab. Sie sehen die Teile ihres Geschlechts oft als Fremdkörper an.

Frauen die etwas Aggressiver sind, vielleicht nur in Sportklamotten rumlaufen, sich nicht Schminken und auch nicht in eine Frisiersalon rumsitzen und gern tratschen gibt es viele und das hat weniger mit sexualität zu tun, da müßte es noch andere Anhaltspunkte geben.
Diese Haltung kann, eine persönliche Einstellung sein, ihren Ursprung in der Erziehung haben (Beziehung zum Vater) oder durch die Umwelt geprägt worden sein.
Ich weiß nicht wie alt deine Freundin ist, aber manchmal besteht die Haltung auch, bevor man den ersten Freund hat, weil einem diese Dinge dann noch nicht so wichtig erscheinen.

Viele von dir beschriebenen Eigenschaften habe ich selber und ich habe noch keinen Fachbegriff dafür gehört, denn es wird hier kaum etwas zu behandeln geben.

Man möge mich eines besseren Belehren wenn das jemand anders sieht.

Grüße
Lorena

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hallo Mio,

ich bin ebenfalls kein Psychologe, werde aber trotzdem mal kurz meinen Senf dazu geben.
Für mich hört sich das ganze an, als ob deine Freundin einfach nicht in das landläufige Frauenbild paßt. Und das verunsichert sie.
Ich denke nicht, daß es da irgendetwas gibt, das daran unbedingt verändert werden müßte, außer vielleicht das Selbstwertgefühl deiner Freundin, das anscheinend einer Stärkung bedarf.
Mir wurde auch schon öfters gesagt, ich würde eher wie ein Mann denken, weil ich eine logische Denkstruktur habe. Meiner Ansicht nach ist das ein blödsinniges Klischee. Warum sollen Frauen denn nicht logisch denken.
Und was mein Auftreten angeht, so schminke ich mich auch nur sehr selten. Am wohlsten fühle ich mich ungeschminkt.
Trotzdem fühle ich mich weiblich.

Also ehrlich gesagt, das einzige Problem deiner Freundin ist, meiner Meinung nach, daß sie sich zu viele Gedanken über das leider weit verbreitete Frauenbild macht. Wer sagt denn, daß man nicht auch ohne Schminke, Schmuck, etc. und mit Interesse an Sport, … weiblich sein kann?
Was definiert denn überhaupt Weiblichkeit?

Vielleicht ist deine Freundin einfach nicht mit sich selbst im reinen ist. Das hat wahrscheinlich nur vordergründig mit dem Frauenbild zu tun (das ist halt grad ein Klischee, in das sie überhaupt nicht paßt). Sie sollte erst mal zu siche selber finden. Wen sie mit sich im reinen ist, dann sind ihr wahrscheinlich auch solche Klischees egal.

Grüßle,
Sandra

Hallo,
mich würde auch interessieren, warum sie damit überhaupt ein Problem hat. Hat sie Probleme mit Männern ? Und glaubt sie, daß sei die Ursache ?

Gruss
Enno

die unterteilung von weiblichen und männlichen gefühlen, denk- und verhaltensweisen halte ich für gerede, das eine menge leute einschränkt und belastet.

wenn man einzelne einstellungen und fähigkeiten herausgreift und ihre ausprägung bei männern und frauen untersucht, dann unterscheiden sich die ausprägungen von männern und frauen IM DURCHSCHNITT. das heißt aber nicht, daß männer und frauen sich total unterscheiden würden (zb. die ausprägung der männer am einen ende der skala und die der frauen am anderen ende der skala liegt). vielmehr gibt es weiten bereich, in dem männer und frauen die gleiche ausprägung in einer einstellung oder fähigkeit haben (überlappungsbereich).

deswegen braucht sich eine frau zb. mit erhöhten aggressionswerten auch keine gedanken um ihre weiblichkeit oder transsexualität machen: männer sind zwar im durchschnitt aggressiver als frauen, es gibt aber genügend männer und frauen, die sich hinsichtlich ihrer aggressivität nicht unterscheiden.

trotzdem wird ständig von „typisch männlich / weiblich“ geredet! ich denke, daß für viele menschen der durchschnitt eine art sicherheitshaken ist. er gibt die bestätigung, daß man für sich selbst die richtige wahl getroffen hat, sich richtig verhält. die, die nicht so sind, sind in der zwickmühle!

leider können sich viele menschen nicht von anderen abgrenzen. wenn jemand anders ist als sie, ist das eine bedrohung. sie sind in der wahl, die sie für sich selbst getroffen haben, verunsichert. daher muß der andersartige quasi umgepolt werden oder, wenn das nicht geht, abgewertet.

ich empfehle deiner freundin, sich von der meinung anderer zu ihrer weiblichkeit stärker zu distanzieren! was ist schließlich schlecht daran, etwas aggressiv zu sein? aggressivität hängt auch zusammen mit durchsetzungsvermögen und aktivität, was sicher keine schlechten eigenschaften sind! ebenso sportliches interesse: das ist aktivität, gesundheitsbewußtsein, gesselligkeit… das ist alles auch gut für frauen! und schminken: zugegeben sieht es bei sehr vielen frauen sehr gut aus, aber ist es nicht auch sehr unpraktisch? zb. stichwort winter + erkältung + naseputzen: dabei wischt man sich das make-up von der nase. ich persönlich empfinde make-up sogar als maskerade, als unnatürlich, auch wenn es schön aussieht.

deine freundin soll mal ausschau halten nach frauen, die die gleichen eigenschaften haben wie sie, und sich fragen, ob sie diese frauen gut findet oder schlecht. wahrscheinlich sind nur wenige dabei, von denen sie sagen würde „die ist unweiblich“. vielleicht findet sie sogar eine frau, von der sie sagen könnte „wie die möchte ich sein“ (ein ideal), die die eigenschaften hat, die sie an sich selbst so schrecklich findet.

Hallo Mio,

meines Wissens gibt es im Englischen den Unterschied zwischen „gender“ (dem sozialen Geschlecht bzw. der Rolle, die ein Mann bzw. eine Frau in der Gesellschaft „spielt“ oder nach Meinung einer Mehrheit spielen soll/te) und „sex“ (dem biologischen Geschlecht). Stichwort wäre „gender studies“.

Tschö. Zerni

Hallo an alle!

Danke für die vielen Antworten, die waren ja alle ziemlich beruhigend.

Zu Ennos Frage wollte ich noch sagen: Ja, genau das ist der Punkt. Wahrscheinlich kamen wir darüber erst auf diese „Problematik“ (die ja nun möglicherweise doch keine ist) zu sprechen. 2,5 Jahre Singletum bei eigentlich doch ganz ansprechendem Aussehen und offenem Wesen machen einen dann doch irgendwie nachdenklich… :o)

Liebe Grüße
Mio

Hi,
nach meinem besten Wissen (ich mag jetzt nicht Zitate suchen gehen) gibt es während der Embyonalphase zwei Zeitpunkte, zu denen der mütterliche Körper die entsprechenden Hormone zur Verfügung stellen muß, damit die geschlechtliche Entwicklung erwartungsgemäß verlaufen kann. Dieser Prozess kann in unterschiedlicher Intensität gestört werden, sodaß XX oder XY-Embryonen die gegenläufige Hormonversorgung erhalten mit der Folge, daß sich der so resultierende Mensch im falschen Körper wähnt oder auch, daß eine übergroße Klitoris entsteht oder ein begattungsunfähig kleiner Penis. Im Seelischen wie im Körperlichen scheint es hier alle Variabilitäten zu geben.
Dein geschilderter Fall scheint mir einer der leichteren zu sein, bei dem es nur um die Verarbeitung der Umgebungserwartung (Rollenverhalten etc.) mit der eigenen Bedürfnisslage geht.
Habe Mut, zu sein, was Du bist-, möchte ich so jemandem raten, wohl wissend, daß das leichter gesagt ist als getan. Jedenfalls kenne ich schlimmere Fälle, den geschilderten Leidensdruck betreffend…

gruss,
f

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