Frauen im Film

Hi.

So Daumen mal Pi geschätzt, sind 99% aller (verfilmten) Drehbücher von Männern geschrieben. D.h. 99% aller weiblichen Filmfiguren entstehen in den Köpfen von Männern.

Was bedeutet das nun? Sind diese Filmfrauen unrealistisch? Sind sie reine Phantasiegebilde, die die Wünsche und Ängste von Männern widerspiegeln? Kann ein Mann überhaupt eine Frauenfigur auch nur annähernd realistisch konzipieren? Oder gehört dazu die authentische Erfahrung des Frau-Seins, also die Innenperspektive?

Was unterscheidet Frauenfiguren von Realfrauen? Immerhin wimmelt es ja in Filmstories von dynamischen Superfrauen, die wie selbstverständlich den Männern Paroli bieten. Ist das in der Realität auch so oder ist da eher der Wunsch der Vater des Gedankens?

(Was Lara Croft betrifft, die gibt´s ja nur (schon als Spielfigur), weil es wegen der zunächst männlich konzipierten Figur Urheberrechtsprobleme gab - Ähnlichkeit zu Indiana Jones - und man deswegen die Figur auf weiblich umschrieb)

Besteht aber das gleiche Problem nicht bei männlichen Figuren? Projizieren hier die Autoren nicht ebenfalls ihre Wünsche und Ängste hinein? Oder sind die Männerfiguren, zumindest prinzipiell, realistischer konzipiert?

Gruß

Hallo Horst,

Was bedeutet das nun? Sind diese Filmfrauen unrealistisch?
Sind sie reine Phantasiegebilde, die die Wünsche und Ängste
von Männern widerspiegeln? Kann ein Mann überhaupt eine
Frauenfigur auch nur annähernd realistisch konzipieren? Oder
gehört dazu die authentische Erfahrung des Frau-Seins, also
die Innenperspektive?

Jack Nicholson hatte im Film „Besser gehts nicht“ eine einleuchtende Antwort auf diese Frage, als er gefragt wurde, wie er das schaffe als erfolgreicher Buchautor so gut über Frauen zu schreiben:

„Ich stelle mir einen Mann vor und subtrahiere Verstand und Zurechnungsfähigkeit“

D :wink:

gruss levi

Vielleicht eifern die Frauen ja den Filmheldinnen nach und passen sich dadurch den verzerrten Vorstellungen der männlichen Autoren an.

Film prägt auch Realität
Hi.

Vielleicht eifern die Frauen ja den Filmheldinnen nach und
passen sich dadurch den verzerrten Vorstellungen der
männlichen Autoren an.

Dem stimme ich tendenziell zu. Medienfiguren haben immer auch eine Rückwirkung auf reale Personen. Es ist bekannt, dass „Der Pate“ einen Lifestyle propagierte, der so in der Mafia nicht unbedingt an der Tagesordnung war. Die Mafiosi strömten aber scharenweise in diesen Film, um sich den Stil anzueignen. So prägte der Film die Realität.

Gruß

was?

Es ist bekannt, dass „Der
Pate“ einen Lifestyle propagierte, der so in der Mafia nicht
unbedingt an der Tagesordnung war. Die Mafiosi strömten aber
scharenweise in diesen Film, um sich den Stil anzueignen.

mir ist das nicht bekannt. gibt es irgendwelche belege für diese abenteuerliche these?

e.c.

Nicholson vs. Tarantino
Hi Levi.

Jack Nicholson hatte im Film „Besser gehts nicht“ eine
einleuchtende Antwort auf diese Frage, als er gefragt wurde,
wie er das schaffe als erfolgreicher Buchautor so gut über
Frauen zu schreiben:
„Ich stelle mir einen Mann vor und subtrahiere Verstand und
Zurechnungsfähigkeit“

Nun gut, Jack ist Macho, und ob dieser Satz vom Drehbuchautor oder von ihm selbst stammte, müsste man noch recherchieren (Stars bringen oft ihre eigenen Ideen ein). Zudem ist er im Film Buchautor, nicht Dreh-Buchautor. Literatur und Film sind zwei Paar Stiefel. Seine Formel repräsentiert jedenfalls das gängige Alltags-Klischee und ist insofern für einen kömödienmäßigen Lacher immer gut. Die Frage bleibt, warum Autoren so gerne gerade den anderen Frauentyp, den der Powerfrau, phantasieren: Tarantino z.B., der mit The Bride eine Ikone der Powerfrau schuf. Quentins Leidenschaft ist es, sich in Frauen hineinzuversetzen und nach seinen Idealen dann als Figuren zu gestalten. Das geht bis hin zur Identifikation mit der Figur. Ich sehe hier genau das Gegenteil zu Nicholsons Devise. Mit letzterer ist nämlich in Hollywood kein Blumentopf zu gewinnen. Ein wirklicher Filmautor würde so scheitern, nur als Filmfigur kann er so denken - und Erfolg haben.

Bleibt also die Frage, ob diese Differenz (Nicholson vs. Tarantino) nicht einfach die Zwiespältigkeit im männlichen Denken widerspiegelt: Frust vs. Hoffnung/Wunsch.

Gruß

Filmmafia prägt Realmafia

Die Mafiosi strömten aber
scharenweise in diesen Film, um sich den Stil anzueignen.

mir ist das nicht bekannt. gibt es irgendwelche belege für
diese abenteuerliche these?

Ich hörte das in einer Doku über die Mafia. Deine Frage kann ich hier mit einem Verweis auf folgendes beantworten:

http://www.welt.de/kultur/article2418654/Wenn-am-Dre…

WELT ONLINE: Bevor Francis Ford Coppola den „Paten“ drehte, soll er mit den großen Mafiosi in Amerika gesprochen und ihnen versichert haben, sie hätten nichts zu befürchten. Mit wem haben Sie gesprochen?
Matteo Garrone: Ich habe versucht, die Leute, die Orte zu befragen. Und ich war sehr überrascht, wie bereitwillig die Leute waren, bei meinem Film mitzuwirken. Kino fasziniert die Leute, und große Regisseure wie Coppola haben auch das Verhalten dieser Mafiosi beeinflusst.

WELT ONLINE: Inwiefern?

Garrone: Das Kino formt die Vorstellung dieser Kriminellen von sich geradezu. Es gibt die Szene in einer Villa in meinem Film, in der die zwei Möchtegern-Mafiosi-Jungs den Film „Scarface“ zitieren. Diese Villa wiederum wurde von einem realen Camorra-Boss namens Sciavone gebaut, der seinem Architekten den Auftrag gab, das Haus genau nach jenem Haus zu planen, in dem Al Pacino als Mafia-Boss Tony Montana in „Scarface“ residiert.

WELT ONLINE: Das Kino hat der Mafia Glamour gegeben.

Garrone: Die Filmvorbilder mögen glamourös sein, aber ihre Realität ist ganz anders."

Gruß

Hallo,

zunächst finde ich es bezeichnend, daß ein Mann solch eine Frage stellt. Denn das Hauptproblem ist wohl, daß Frauen immer einem Idealbild hinterherhetzen, sei es nun von Männern, Müttern oder Emanzen kreiert. Die Frau an sich leidet oft an einem Identitätsverlust, denn sie versucht allen Erwartungen gerecht zu werden und verliert sich dabei selbst. Daher kann man schon fast bösartig behaupten, daß nur Männer in der Lage sind, Frauen überhaupt noch zu beschreiben…

Das gestörteste Beispiel: inzwischen gibt es für Karriere-Frauen Kurse, in denen sie ihre Weiblichkeit neu entdecken und leben lernen. (und die werden von Männern geleitet)

Ich glaube nicht, daß es einen Unterschied zwischen den Männer und Frauen Figuren in Filmen gibt. Beide Geschlechter unterliegen Klischees, die in Filmen nun einmal bedient werden, um ein möglichst großes Publikum zu erreichen und damit eben den Umsatz zu garantieren. Alle Figuren werden überzeichnet, um in ca. 90 Minuten den Charakter auch zu verdeutlichen. Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass es der innígste Wunsch eines Mannes ist, eine Frau an seiner Seite zu haben, die ihn so absolut nicht braucht. Aber genau das sind die starken Frauenrollen.

Generelles zum Thema Frauen als Autorinnen: ich bin eine Frau und lese sehr viel zum Thema Geschichte und ich neige meist dazu, Biographien von männlichen Autoren zu bevorzugen. Vielleicht geht es einfach noch mehr Menschen so, die aber in unseren politisch korrekten Tagen dies nie äußern würden, aber das Konsumverhalten führt dann eben zu solchen Ergebnissen. (99% der Drehbücher von Männern).

Zum Aspekt ob ein Mann eine Frau beschreiben kann. Zum einen wird ja viel über die weibliche Seite im Mann gesprochen, was auch immer man davon halten mag. Zum anderen: wenn ich eine Person erschaffe (für einen Roman), dann denke ich nicht darüber nach, was für ein Mensch das ist oder welche Charaktereigenschaften ich mir für mich oder meinen Partner wünschen würde, sondern ich habe eine Geschichte im Kopf und erschaffe die Charaktere, die meiner Geschichte am besten dienen.

Viele Grüße

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Hi.

zunächst finde ich es bezeichnend, daß ein Mann solch eine Frage stellt.

Hat auch damit zu tun, dass ich selbst vorzugsweise Powerfrauen in Screenplays gestalte (für den amerikanischen Markt - gerade in der Angebotsphase). Da stellt sich schnell die Frage, warum man das eigentlich tut. Einige der Großen haben in dieser Richtung echte Meilensteine setzt. Außer Tarantino wären da noch die Wachowskis zu nennen, die mit „Bound“ (Buch und Regie) ein frauenpsychologisches (und filmisches) Meisterwerk abgeliefert haben.

Schluss aus Bound:

"EXT. PAROLE BUILDINGS - DAY

Corky exits the revolving door and smiles.

Violet is waiting out front, leaning on a brand new Chevy
truck. She is wearing a short hair cut and leather
jacket.

She stamps out a cigarette as Corky approaches.

CORKY
Going my way?

VIOLET
Definitely.

CORKY
So, where are we going anyway?

VIOLET
Anywhere we want.

They smile, lean for each other, and lock lips.

FADE OUT.

THE END"

Denn das Hauptproblem ist wohl, daß Frauen immer einem Idealbild hinterherhetzen, sei es nun von Männern, Müttern oder Emanzen kreiert. Die Frau an sich leidet oft an einem Identitätsverlust, denn sie versucht allen Erwartungen gerecht zu werden und verliert sich dabei selbst.

Wenn du das als „Insiderin“ sagst, dann muss wohl etwas daran sein.

Daher kann man schon fast bösartig behaupten, daß nur Männer in der Lage sind, Frauen überhaupt noch zu beschreiben…

Eine aktuelle Ausnahme ist Diablo Cody (schon der Name ist genial). Ich las, dass sie von Spielberg als Dialogberaterin engagiert wurde.

Aus Wiki:

"Diablo Cody (* 14. Juni 1978 in Chicago, Illinois) ist der Künstlername von Brook Busey-Hunt, einer Autorin, Oscargewinnerin, Gewinnerin des BAFTA-Awards und Bloggerin.

(- H.Tran: Da sieht man´s mal wieder: Bloggen schult -)

„Zunächst wurde sie durch ihre Auftritte in Peepshows und als Striptease-Tänzerin in Minneapolis bekannt, welche sie offen in ihrem „Pussy Ranch blog“ und in ihren 2006 erschienenen Memoiren „Candy Girl - A Year in The Life of an Unlikely Stripper“ veröffentlichte. Nach den Erfolgen ihres ersten Buches schrieb sie ihr erstes Drehbuch, mit dem Cody 2008 den Oscar für das beste Originaldrehbuch des Films Juno (2007) gewann. Für den gleichen Film wurde sie von Cinema for Peace 2008 für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Eine Sitcom („The United States of Tara“), die auf den Ideen von Steven Spielberg beruht, wird voraussichtlich Ende 2008 in einer Pilotphase auf Showtime laufen. Weitere Drehbücher für verschiedene Studios befinden sich im Entwicklungsstadium.“

Das gestörteste Beispiel: inzwischen gibt es für
Karriere-Frauen Kurse, in denen sie ihre Weiblichkeit neu entdecken und leben lernen. (und die werden von Männern geleitet)

In der Tat kurios. Aber wird „Weiblichkeit“ nicht gerade im Hinblick auf männliches Begehren hin definiert? Da ist es beinahe logisch, dass Männer hier den Taktstock schwingen. Ich könnte mir vorstellen, dass umgekehrt „Männlichkeitskurse“, wenn sie von (kompetenten) Frauen geleitet würden, auch gut ankämen. Da hätten die Teilnehmer doch gleich praktisches Feedback…

Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass es der innígste Wunsch eines Mannes ist, eine Frau an seiner Seite zu haben, die ihn so absolut nicht braucht. Aber genau das sind die starken Frauenrollen.

Das kommt auf den Mann an. Ist er wirklich stark (auf jeder Ebene, meine ich) und innerlich ein Freigeist, dann kann das sehr wohl eine gute Kombination sein. Sind nicht Starehen wie die von Jovovich/Anderson oder Jolie/Pitt oder Paradis/Depp ein Beispiel dafür?

Generelles zum Thema Frauen als Autorinnen: ich bin eine Frau und lese sehr viel zum Thema Geschichte und ich neige meist dazu, Biographien von männlichen Autoren zu bevorzugen.

„Ich zähmte die Wölfin“ von Marguerite Yourcenar ist da empfehlenswert, kennst du aber sicher.

… aber das Konsumverhalten führt dann eben zu solchen Ergebnissen (99% der Drehbücher von Männern).

Drehbücher werden nach Qualität beurteilt. Käm einfach da mehr von Frauen Geschriebenes den Produzenten unter die Augen (speziell im Blockbustergenre, wo die Autorinnen dann auch bekannt würden), sähe die Statistik wohl anders aus.

Zum Aspekt ob ein Mann eine Frau beschreiben kann. Zum einen wird ja viel über die weibliche Seite im Mann gesprochen, was auch immer man davon halten mag.

Unbewusst sind Männer und Frauen androgyn, erst die Ausbildung der Geschlechterrolle verdrängt den gegengeschlechtlichen Aspekt - bei manchen mehr, bei anderen weniger. Letzteres kann viele Spielarten erzeugen, vordergründige wie Transsexualität oder Bisexualität, unter-gründig dann genau die Form, die männlichen Autoren als Motivation und Inspiration für die Gestaltung weiblicher Figuren dient. Obengenannten Hollywood-Starautoren wird nachgesagt, sie wären entweder in der Phantasie gerne eine Frau (Tarantino) oder sogar in der Praxis (einer der Wachowski-Brüder).

Aus Kill Bill:

"BILL
He taught you the ten point palm
exploding heart technique?

THE BRIDE
Of course he did.

BILL
Why didn’t you tell me?

She doesn’t have an answer.

She looks at him apologetically;

THE BRIDE
I don’t know…Because…I’m
a…bad person.

He smiles at her duplicitly, and says with blood on his lips;

BILL
No. You’re not a bad person. You’re
a terrific person. You’re my
favorite person. But every once in
awhile…you can be a real cunt.

They smile at each other.

Then…

Bill turns his back to her…

And walks five steps in the opposite direction…with each
step his heart swells, on the fifth…

It BURSTS…WE HEAR A SOUND, like of a tire blowout…

He falls to the beach…dead.

The Bride walks over to his body.

She unsheaths her Hanzo sword."

Gruß