Hi.
zunächst finde ich es bezeichnend, daß ein Mann solch eine Frage stellt.
Hat auch damit zu tun, dass ich selbst vorzugsweise Powerfrauen in Screenplays gestalte (für den amerikanischen Markt - gerade in der Angebotsphase). Da stellt sich schnell die Frage, warum man das eigentlich tut. Einige der Großen haben in dieser Richtung echte Meilensteine setzt. Außer Tarantino wären da noch die Wachowskis zu nennen, die mit „Bound“ (Buch und Regie) ein frauenpsychologisches (und filmisches) Meisterwerk abgeliefert haben.
Schluss aus Bound:
"EXT. PAROLE BUILDINGS - DAY
Corky exits the revolving door and smiles.
Violet is waiting out front, leaning on a brand new Chevy
truck. She is wearing a short hair cut and leather
jacket.
She stamps out a cigarette as Corky approaches.
CORKY
Going my way?
VIOLET
Definitely.
CORKY
So, where are we going anyway?
VIOLET
Anywhere we want.
They smile, lean for each other, and lock lips.
FADE OUT.
THE END"
Denn das Hauptproblem ist wohl, daß Frauen immer einem Idealbild hinterherhetzen, sei es nun von Männern, Müttern oder Emanzen kreiert. Die Frau an sich leidet oft an einem Identitätsverlust, denn sie versucht allen Erwartungen gerecht zu werden und verliert sich dabei selbst.
Wenn du das als „Insiderin“ sagst, dann muss wohl etwas daran sein.
Daher kann man schon fast bösartig behaupten, daß nur Männer in der Lage sind, Frauen überhaupt noch zu beschreiben…
Eine aktuelle Ausnahme ist Diablo Cody (schon der Name ist genial). Ich las, dass sie von Spielberg als Dialogberaterin engagiert wurde.
Aus Wiki:
"Diablo Cody (* 14. Juni 1978 in Chicago, Illinois) ist der Künstlername von Brook Busey-Hunt, einer Autorin, Oscargewinnerin, Gewinnerin des BAFTA-Awards und Bloggerin.
(- H.Tran: Da sieht man´s mal wieder: Bloggen schult -)
„Zunächst wurde sie durch ihre Auftritte in Peepshows und als Striptease-Tänzerin in Minneapolis bekannt, welche sie offen in ihrem „Pussy Ranch blog“ und in ihren 2006 erschienenen Memoiren „Candy Girl - A Year in The Life of an Unlikely Stripper“ veröffentlichte. Nach den Erfolgen ihres ersten Buches schrieb sie ihr erstes Drehbuch, mit dem Cody 2008 den Oscar für das beste Originaldrehbuch des Films Juno (2007) gewann. Für den gleichen Film wurde sie von Cinema for Peace 2008 für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Eine Sitcom („The United States of Tara“), die auf den Ideen von Steven Spielberg beruht, wird voraussichtlich Ende 2008 in einer Pilotphase auf Showtime laufen. Weitere Drehbücher für verschiedene Studios befinden sich im Entwicklungsstadium.“
Das gestörteste Beispiel: inzwischen gibt es für
Karriere-Frauen Kurse, in denen sie ihre Weiblichkeit neu entdecken und leben lernen. (und die werden von Männern geleitet)
In der Tat kurios. Aber wird „Weiblichkeit“ nicht gerade im Hinblick auf männliches Begehren hin definiert? Da ist es beinahe logisch, dass Männer hier den Taktstock schwingen. Ich könnte mir vorstellen, dass umgekehrt „Männlichkeitskurse“, wenn sie von (kompetenten) Frauen geleitet würden, auch gut ankämen. Da hätten die Teilnehmer doch gleich praktisches Feedback…
Ich kann mir zum Beispiel nicht vorstellen, dass es der innígste Wunsch eines Mannes ist, eine Frau an seiner Seite zu haben, die ihn so absolut nicht braucht. Aber genau das sind die starken Frauenrollen.
Das kommt auf den Mann an. Ist er wirklich stark (auf jeder Ebene, meine ich) und innerlich ein Freigeist, dann kann das sehr wohl eine gute Kombination sein. Sind nicht Starehen wie die von Jovovich/Anderson oder Jolie/Pitt oder Paradis/Depp ein Beispiel dafür?
Generelles zum Thema Frauen als Autorinnen: ich bin eine Frau und lese sehr viel zum Thema Geschichte und ich neige meist dazu, Biographien von männlichen Autoren zu bevorzugen.
„Ich zähmte die Wölfin“ von Marguerite Yourcenar ist da empfehlenswert, kennst du aber sicher.
… aber das Konsumverhalten führt dann eben zu solchen Ergebnissen (99% der Drehbücher von Männern).
Drehbücher werden nach Qualität beurteilt. Käm einfach da mehr von Frauen Geschriebenes den Produzenten unter die Augen (speziell im Blockbustergenre, wo die Autorinnen dann auch bekannt würden), sähe die Statistik wohl anders aus.
Zum Aspekt ob ein Mann eine Frau beschreiben kann. Zum einen wird ja viel über die weibliche Seite im Mann gesprochen, was auch immer man davon halten mag.
Unbewusst sind Männer und Frauen androgyn, erst die Ausbildung der Geschlechterrolle verdrängt den gegengeschlechtlichen Aspekt - bei manchen mehr, bei anderen weniger. Letzteres kann viele Spielarten erzeugen, vordergründige wie Transsexualität oder Bisexualität, unter-gründig dann genau die Form, die männlichen Autoren als Motivation und Inspiration für die Gestaltung weiblicher Figuren dient. Obengenannten Hollywood-Starautoren wird nachgesagt, sie wären entweder in der Phantasie gerne eine Frau (Tarantino) oder sogar in der Praxis (einer der Wachowski-Brüder).
Aus Kill Bill:
"BILL
He taught you the ten point palm
exploding heart technique?
THE BRIDE
Of course he did.
BILL
Why didn’t you tell me?
She doesn’t have an answer.
She looks at him apologetically;
THE BRIDE
I don’t know…Because…I’m
a…bad person.
He smiles at her duplicitly, and says with blood on his lips;
BILL
No. You’re not a bad person. You’re
a terrific person. You’re my
favorite person. But every once in
awhile…you can be a real cunt.
They smile at each other.
Then…
Bill turns his back to her…
And walks five steps in the opposite direction…with each
step his heart swells, on the fifth…
It BURSTS…WE HEAR A SOUND, like of a tire blowout…
He falls to the beach…dead.
The Bride walks over to his body.
She unsheaths her Hanzo sword."
Gruß