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Hallo Geli,
so ganz kann ich Deiner Argumentation nicht folgen.
weißt Du, was das für eine Arbeit ist, Wäsche außer Haus zu
tragen (ja ganz konkret im Korb) und irgendwo in einiger
Entfernung zu waschen/zu trocknen?
Soll das jetzt die Frage beantworten? Natürlich war Waschen
ein Knochenjob.
Das waren alle Jobs im Mittelalter.
Nebenbei - von welchem zeitraum sprechen wir?
ich meine vor 1500.
Denk mal ein bisschen zeit- und arbeitsökonomisch.
Wenn Wasser in einiger Nähe zur Wäsche vorhanden war, wurde
sie gewaschen.
Wenn nicht, dann nicht.
Also, wenn die nächste Wasserstelle zu weit weg war, wurden
die Kleider nicht gewaschen? Gewagte These …
was ist daran gewagt?
Wenn sich ganze Bevölkerungsgruppen, so schriftlich belegt aus Klosterordnungen, aus Angst vor Sünde nur 1 x pro Jahr badeten (oft sogar nur im Fall von Krankheit) - warum sollten die gleichen Bevölkerungsgruppen dann den sündigen Leib entblößen und frische Wäsche anziehen?
Außerdem - wenn Stoffe aus naturmaterialien (Wolle) öfter gewaschen werden, verfilzen sie bekanntlich.
Wenn mit Pflanzenfarben gefärbte Stoffe öfter gewaschen werden, geht die teure Farbe dahin.
Und damit extra quer durchs Dorf zum Fluss?
Nur, wenn die Hausfrau das Wasser ohnehin von dort holen
musste.
Wenn Brunnen im Dorf, dann dort auch Wäsche.
In der Regel gab es speziell ausbaute Waschstellen, häufig
überdacht (Waschhäuser). Die konnten durchaus auch etwas
weiter weg sein, als die jeweils nächste Wasserentnahmestelle
- Du kannst an einem öffentlichen Dorfbrunnen nicht einfach so
mit Deiner Dreckwäsche und Seife herumhantieren.
von Seife ist erst Anfang der Neuzeit die Rede.
Vorher war das Wasser, Klopfholz und sonst nichts.
Bevorzugt an
fließenden Gewässern, falls keine vorhanden wurde die
Waschstelle mit Wasser aus einem/dem Dorfbrunnen gespeist.
Fließende Gewässer nicht nur, weil dies das Spülen
erleichtert, sondern auch weil Flußwasser idR deutlich weicher
als Brunnenwasser ist.
das kann man nicht absolut setzen.
Die Tiroler Ache zum Beispiel als Gebirgsfluss ist kein Fluss mit „weichem“ Wasser.
Vor allem in Frankreich und Italien, aber auch in Deutschland
sind solche Waschstellen noch in vielen Dörfern (z.B.
Freinsheim bei Ludwigshafen/Rh.) und Städten (spontan fällt
mir gerade Vannes in der Bretagne ein) zu sehen.
weiß ich auch. Etwa ab 1700 wurde sich ja auch aufwändiger gekleidet, als vorher.
Vergiß aber nicht, dass die Modeformen auf Gemälden der herrschenden Klasse reichlich Waschpersonal zur Voraussetzung hatten.
Die dörfliche Gemeinschaft konnte es sich schon aus Zeitgründen nicht leisten, Frauen zu lange mit Wäschewaschen von der anderen Hausarbeit abzuhalten.
Das war z.T. noch bis ins 20. Jahrhundert hinein so. Zumindest
im Raum Rheinhessen / Pfalz / Elsass (in anderen Landschaften
kenne ich mich diesbezüglich nicht aus). Die Wäsche wurde zu
Hause geweicht und vorgekocht und dann mit einem Wägelchen
oder Karren (jawohl, schon im Mittelalter war das Rad erfunden
…) zur Waschstelle gebracht, wo sie geseift und gespült
wurde. Nasse Wäsche ist natürlich gewaltig schwer, die hat man
wohl kaum von Hand in Körben durchs halbe Dorf geschleift.
Anstrengend war beim Waschen weniger der Transport als vor
allem das Wringen.
darum hat man diese ganze Prozedur, die ich als Kind in Omis Waschküche noch selbst mit angesehen habe, auch nur 1 x pro Monat gemacht.
Das gilt aber schon für 2. Hälfte 20. jahrhundert.
Das am Sonntag vorbereitete Essen - in der Neuzeit häufig
Baeckeoffe (Elsaß) oder Grumbeerebackes (Pfalz / Rheinhessen)
wurde im Dorfbackhaus mit der Restwärme vom Brotbacken langsam
gegart. Für die ‚normale‘ Essenszubereitung hatte man am
Montag wegen des Waschens keine Zeit.
völlig richtig
viele grüße
Geli