Frauentätigkeiten

Hallo!

Ich suche Tätigkeiten, bei denen sich Frauen in einem Dorf getroffen haben. Z.B. Waschen, …also Tätigkeiten, bei denen die Frauen zusammen arbeiteten, und bei denen Platz für Klatsch und Tratsch war…

Fällt jemandem was dazu ein?
Beim Waschen stellt sich mir auch die Frage: wo? Also, wurde die Wäsche in einem Fluß gewaschen, das Brunnenwasser wurde dafür wohl nicht verschwendet, schätze ich…

Danke,
Angela

Hallo Angela,

Ich suche Tätigkeiten, bei denen sich Frauen in einem Dorf
getroffen haben. Z.B. Waschen, …also Tätigkeiten, bei denen
die Frauen zusammen arbeiteten, und bei denen Platz für
Klatsch und Tratsch war…

über „gemeinsame“ Tätigkeiten und Tätigkeiten von Frauen überhaupt kann man nachlesen.
Zum Beispiel:
Frauen im Mittelalter / von Edith Ennen.

Falls es das nicht mehr zu kaufen gibt, hat jede bessere Bibliothek zum Ausleihen.
Generell war Frauenarbeit aber vom jeweiligen konkreten Ort abhängig.

Fällt jemandem was dazu ein?
Beim Waschen stellt sich mir auch die Frage: wo? Also, wurde
die Wäsche in einem Fluß gewaschen, das Brunnenwasser wurde
dafür wohl nicht verschwendet, schätze ich…

weißt Du, was das für eine Arbeit ist, Wäsche außer Haus zu tragen (ja ganz konkret im Korb) und irgendwo in einiger Entfernung zu waschen/zu trocknen?

Wenn nein, pack mal zwei Waschmaschinenladungen in einem Plastikkorb und geh damit eine halbe Stunde um den Block spazieren.
Das gibt Muckis!

Denk mal ein bisschen zeit- und arbeitsökonomisch.
Wenn Wasser in einiger Nähe zur Wäsche vorhanden war, wurde sie gewaschen.
Wenn nicht, dann nicht.
Und damit extra quer durchs Dorf zum Fluss?
Nur, wenn die Hausfrau das Wasser ohnehin von dort holen musste.
Wenn Brunnen im Dorf, dann dort auch Wäsche.

Kleiner Nachtrag - wir haben letzte Woche unsere kleine 120l-Zisterne vom Grundschlamm geleert und die letzten Reste mit einem alten Handtuch „nachgewaschen“.
Das war danach völlig verschlammt, nicht durch einfaches Kochen in der WaMaschine zu säubern.
Also habe ich dieses eine Handtuch auf Omis altem Waschbrett gerieben.
Dauerte schlappe 20 Minuten, danach wars reif für den Vollwaschgang, weil gering genug verschmutzt und ich völlig fertig von der elenden Plackerei.
Nimms mal als Denkansatz.

viele grüße
Geli

Hallo!

Hallo,

Ich suche Tätigkeiten, bei denen sich Frauen in einem Dorf
getroffen haben. Z.B. Waschen, …also Tätigkeiten, bei denen
die Frauen zusammen arbeiteten, und bei denen Platz für
Klatsch und Tratsch war…

Also da fällt mir spontan der Dorfbackofen ein, nur die wenigsten hatten einen Ofen um das Brot selber zubacken .Da wurde einmal die Woche eingeheizt und alles kam mit seinem Brotteig und dann wurde gemeinsam gebacken .Die Wartezeit wurde dann sicher nicht schweigend verbracht.

Fällt jemandem was dazu ein?
Beim Waschen stellt sich mir auch die Frage: wo? Also, wurde
die Wäsche in einem Fluß gewaschen, das Brunnenwasser wurde
dafür wohl nicht verschwendet, schätze ich…

Der Begriff schwatzen wie die Waschweiber hat seinen Ursprung im Mittelalter!!!
Auf den Dörfern musste halt der Dorfbach/teich herhalten, Flüsse gibt es ja gar nicht so viele.
Brunnenwasser wurde bestimmt genommen,zumindest in Europa.

2.Idee gemeinsame Handarbeiten wie Sticken, Weben, Klöppeln usw.

Gruß Bernd

Hallo Geli,
so ganz kann ich Deiner Argumentation nicht folgen.

weißt Du, was das für eine Arbeit ist, Wäsche außer Haus zu
tragen (ja ganz konkret im Korb) und irgendwo in einiger
Entfernung zu waschen/zu trocknen?

Soll das jetzt die Frage beantworten? Natürlich war Waschen ein Knochenjob.

Denk mal ein bisschen zeit- und arbeitsökonomisch.
Wenn Wasser in einiger Nähe zur Wäsche vorhanden war, wurde
sie gewaschen.
Wenn nicht, dann nicht.

Also, wenn die nächste Wasserstelle zu weit weg war, wurden die Kleider nicht gewaschen? Gewagte These …

Und damit extra quer durchs Dorf zum Fluss?
Nur, wenn die Hausfrau das Wasser ohnehin von dort holen
musste.
Wenn Brunnen im Dorf, dann dort auch Wäsche.

In der Regel gab es speziell ausbaute Waschstellen, häufig überdacht (Waschhäuser). Die konnten durchaus auch etwas weiter weg sein, als die jeweils nächste Wasserentnahmestelle - Du kannst an einem öffentlichen Dorfbrunnen nicht einfach so mit Deiner Dreckwäsche und Seife herumhantieren. Bevorzugt an fließenden Gewässern, falls keine vorhanden wurde die Waschstelle mit Wasser aus einem/dem Dorfbrunnen gespeist. Fließende Gewässer nicht nur, weil dies das Spülen erleichtert, sondern auch weil Flußwasser idR deutlich weicher als Brunnenwasser ist.

Vor allem in Frankreich und Italien, aber auch in Deutschland sind solche Waschstellen noch in vielen Dörfern (z.B. Freinsheim bei Ludwigshafen/Rh.) und Städten (spontan fällt mir gerade Vannes in der Bretagne ein) zu sehen.

Das war z.T. noch bis ins 20. Jahrhundert hinein so. Zumindest im Raum Rheinhessen / Pfalz / Elsass (in anderen Landschaften kenne ich mich diesbezüglich nicht aus). Die Wäsche wurde zu Hause geweicht und vorgekocht und dann mit einem Wägelchen oder Karren (jawohl, schon im Mittelalter war das Rad erfunden …) zur Waschstelle gebracht, wo sie geseift und gespült wurde. Nasse Wäsche ist natürlich gewaltig schwer, die hat man wohl kaum von Hand in Körben durchs halbe Dorf geschleift. Anstrengend war beim Waschen weniger der Transport als vor allem das Wringen.

Das am Sonntag vorbereitete Essen - in der Neuzeit häufig Baeckeoffe (Elsaß) oder Grumbeerebackes (Pfalz / Rheinhessen) wurde im Dorfbackhaus mit der Restwärme vom Brotbacken langsam gegart. Für die ‚normale‘ Essenszubereitung hatte man am Montag wegen des Waschens keine Zeit.

Freundliche Grüße,
Ralf

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2.Idee gemeinsame Handarbeiten wie Sticken, Weben, Klöppeln
usw.

Vor allem abends in der Winterzeit. Licht war teuer; bei gemeinsamer Handarbeit musste nur ein Raum beleuchtet (und beheizt!) werden.

Q

Hallo Geli,
so ganz kann ich Deiner Argumentation nicht folgen.

weißt Du, was das für eine Arbeit ist, Wäsche außer Haus zu
tragen (ja ganz konkret im Korb) und irgendwo in einiger
Entfernung zu waschen/zu trocknen?

Soll das jetzt die Frage beantworten? Natürlich war Waschen
ein Knochenjob.

Das waren alle Jobs im Mittelalter.
Nebenbei - von welchem zeitraum sprechen wir?
ich meine vor 1500.

Denk mal ein bisschen zeit- und arbeitsökonomisch.
Wenn Wasser in einiger Nähe zur Wäsche vorhanden war, wurde
sie gewaschen.
Wenn nicht, dann nicht.

Also, wenn die nächste Wasserstelle zu weit weg war, wurden
die Kleider nicht gewaschen? Gewagte These …

was ist daran gewagt?
Wenn sich ganze Bevölkerungsgruppen, so schriftlich belegt aus Klosterordnungen, aus Angst vor Sünde nur 1 x pro Jahr badeten (oft sogar nur im Fall von Krankheit) - warum sollten die gleichen Bevölkerungsgruppen dann den sündigen Leib entblößen und frische Wäsche anziehen?
Außerdem - wenn Stoffe aus naturmaterialien (Wolle) öfter gewaschen werden, verfilzen sie bekanntlich.
Wenn mit Pflanzenfarben gefärbte Stoffe öfter gewaschen werden, geht die teure Farbe dahin.

Und damit extra quer durchs Dorf zum Fluss?
Nur, wenn die Hausfrau das Wasser ohnehin von dort holen
musste.
Wenn Brunnen im Dorf, dann dort auch Wäsche.

In der Regel gab es speziell ausbaute Waschstellen, häufig
überdacht (Waschhäuser). Die konnten durchaus auch etwas
weiter weg sein, als die jeweils nächste Wasserentnahmestelle

  • Du kannst an einem öffentlichen Dorfbrunnen nicht einfach so
    mit Deiner Dreckwäsche und Seife herumhantieren.

von Seife ist erst Anfang der Neuzeit die Rede.
Vorher war das Wasser, Klopfholz und sonst nichts.

Bevorzugt an
fließenden Gewässern, falls keine vorhanden wurde die
Waschstelle mit Wasser aus einem/dem Dorfbrunnen gespeist.
Fließende Gewässer nicht nur, weil dies das Spülen
erleichtert, sondern auch weil Flußwasser idR deutlich weicher
als Brunnenwasser ist.

das kann man nicht absolut setzen.
Die Tiroler Ache zum Beispiel als Gebirgsfluss ist kein Fluss mit „weichem“ Wasser.

Vor allem in Frankreich und Italien, aber auch in Deutschland
sind solche Waschstellen noch in vielen Dörfern (z.B.
Freinsheim bei Ludwigshafen/Rh.) und Städten (spontan fällt
mir gerade Vannes in der Bretagne ein) zu sehen.

weiß ich auch. Etwa ab 1700 wurde sich ja auch aufwändiger gekleidet, als vorher.
Vergiß aber nicht, dass die Modeformen auf Gemälden der herrschenden Klasse reichlich Waschpersonal zur Voraussetzung hatten.
Die dörfliche Gemeinschaft konnte es sich schon aus Zeitgründen nicht leisten, Frauen zu lange mit Wäschewaschen von der anderen Hausarbeit abzuhalten.

Das war z.T. noch bis ins 20. Jahrhundert hinein so. Zumindest
im Raum Rheinhessen / Pfalz / Elsass (in anderen Landschaften
kenne ich mich diesbezüglich nicht aus). Die Wäsche wurde zu
Hause geweicht und vorgekocht und dann mit einem Wägelchen
oder Karren (jawohl, schon im Mittelalter war das Rad erfunden
…) zur Waschstelle gebracht, wo sie geseift und gespült
wurde. Nasse Wäsche ist natürlich gewaltig schwer, die hat man
wohl kaum von Hand in Körben durchs halbe Dorf geschleift.
Anstrengend war beim Waschen weniger der Transport als vor
allem das Wringen.

darum hat man diese ganze Prozedur, die ich als Kind in Omis Waschküche noch selbst mit angesehen habe, auch nur 1 x pro Monat gemacht.
Das gilt aber schon für 2. Hälfte 20. jahrhundert.

Das am Sonntag vorbereitete Essen - in der Neuzeit häufig
Baeckeoffe (Elsaß) oder Grumbeerebackes (Pfalz / Rheinhessen)
wurde im Dorfbackhaus mit der Restwärme vom Brotbacken langsam
gegart. Für die ‚normale‘ Essenszubereitung hatte man am
Montag wegen des Waschens keine Zeit.

völlig richtig

viele grüße
Geli

Liebe Geli,

von Seife ist erst Anfang der Neuzeit die Rede.
Vorher war das Wasser, Klopfholz und sonst nichts.

Das hatte ich anders in Erinnerung und Wikipedia gibt mir auf die Schnelle Recht. Ich zitiere:
„Erste Hinweise auf Seifenherstellung finden sich bei den Sumerern. Sie erkannten, dass Pflanzenasche (al-quali, der Ursprung des Wortes alkalisch) (enthält Pottasche) vermengt mit Ölen besondere Eigenschaften hat, und schufen die Basis einer Seifenrezeptur.“

„Araber verkochten dann im 7. Jahrhundert erstmals Öl und Lauge miteinander und schufen somit die Seife in ihrer heute bekannten Form. Rasch breitete sich dieses Wissen über Europa aus. Frankreich und Spanien gehörten später zu den Zentren der Seifenherstellung weltweit.“

„Im Mittelalter war der Besuch des Badhauses sehr beliebt und die Körperreinigung war besser, als gemeinhin angenommen. Erst der Ausbruch von Pest und Cholera führte dazu, dass das Waschen mit Wasser eingestellt wurde.“ Da sind wir aber auch schon beim Übergang zur Neuzeit. Und woher kommen sonst die vielen Seifensiedergassen?

hallo angela,

vielleicht hilft dir das weiter: http://www.kleio.org/mittelalter.html

schöne grüße
ann

Hallo Geli,

Wenn sich ganze Bevölkerungsgruppen, so schriftlich belegt aus
Klosterordnungen, aus Angst vor Sünde nur 1 x pro Jahr badeten
(oft sogar nur im Fall von Krankheit) - warum sollten die
gleichen Bevölkerungsgruppen dann den sündigen Leib entblößen
und frische Wäsche anziehen?

Bei Mönchen war dies Teil der Askese - deren Wasserscheuheit ist nicht auf die gesamte Bevölkerung zu übertragen. Davon abgesehen - die Zisterziensier-Regel (eine strengsten) erlaubte zwar tatsächlich nur einmal im Jahr das Baden - trotzdem wurde der Körper einmal in der Woche, nämlich am Samstag gewaschen (sonst nur Gesicht und Hände am Morgen). Zur höheren Ehre Gottes und des Sonntags.

Ansonsten brauche ich nur auf die Badehäuser-Kultur des Mittelalters zu verweisen. Baden war selbst in den sozialen Unterschichten so beliebt, dass man gute Dienstleistungen nicht mit einem ‚Trinkgeld‘ sondern einem ‚Badegeld‘ belohnte. Badestuben gab es hierzulande spätestens im 13. Jahrhundert in allen Städten. Eine Trennung nach Geschlechtern setzte sich erst im Laufe des 15. Jahrhunderts durch (so viel zu der angeblichen Scheu „den sündigen Leib zu entblößen“). Für den Verfall der mittelalterlichen Badekultur sorgten erst die Syphilis und die Pest - allerdings noch nicht die große Epidemie 1347 bis 1351. ‚Gegenmaßnahmen‘ (in unserer Beziehung fatal kontraproduktive) begann man erst im 15. Jahrhundert zu ergreifen; das mit Abstand älteste ‚Seuchengesetz‘ (Basel) etwa ist von 1400.

Der Gemeinplatz vom ‚schmutzigen Mittelalter‘ ist ein Mythos.

Wenn mit Pflanzenfarben gefärbte Stoffe öfter gewaschen
werden, geht die teure Farbe dahin.

Das betrifft Leibwäsche wohl weniger. Teuer gefärbte Stoffe waren ohnehin eine Ausnahmeerscheinung - die wurden von der Oberschicht getragen, die sich wiederum bei der Arbeit in der Regel nicht die Hände (und Kleider) schmutzig machte.

von Seife ist erst Anfang der Neuzeit die Rede.

Schon Karl der Große war in seiner Landgüterverordnung (Capitulare de villis vel curtis imperii, ca. 795) der Ansicht, dass zu einem vernünftig ausgestatten Landgut auch ein Seifensieder gehört. Richtig ist allerdings, dass Seife für die Wäsche von Textilien erst in der Neuzeit Verwendung fand.

Vorher war das Wasser, Klopfholz und sonst nichts.

Waschlauge stellte man aus Buchenasche her - wie’s geht, ist z.B. hier beschrieben: http://dc2.uni-bielefeld.de/dc2/haus/v081.htm (eine Zugabe von gebranntem Kalk verbessert die Wirkung). Reinigt (bindet Fette) und bleicht. Ist allerdings nicht so gut für die Hände … Für ‚Feinwäsche‘ (Wolle und gefärbte Textilien) kochte man Wurzelstöcke von Saponaria officinalis (Seifenkraut) aus, war ebenfalls schon seit der Antike bekannt.

das kann man nicht absolut setzen.

habe ich ja nicht …

Die Tiroler Ache zum Beispiel als Gebirgsfluss ist kein Fluss
mit „weichem“ Wasser.

deswegen habe ich „idR“ (in der Regel) geschrieben.

Freundliche Grüße,
Ralf

Hallo Ralf,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Das bringt mich schon weiter und auf einige gute Ideen…:smile:

Angela

Servus,

ergänzend hierzu: Im Schwäbischen wird Ratschen, Erzählen usw. bis heute noch als „Hohstuben“ bezeichnet. Das kommt von der Hohen Stube, d.h. der Stube über dem einzigen beheizten Raum im Haus, die auch abends noch warm bleibt, wenn man das Feuer herunterbrennen lässt. Reihum trafen sich die Frauen in der Winterszeit zur „Lichtstube“, d.h. immer in einem Haus des Dorfes wurde reihum unter Nachbarn die Stube beleuchtet.

Wobei man sagen muss, dass so nobel gebaute Häuser von einfachen Leuten und so viel Licht in einem Raum eher frühneuzeitlich als mittelalterlich sind. Aber das entspricht dem heutigen romantisierenden „Mittelalter“-Bild, das eher 15. als 9. Jahrhundert meint.

In diesem Bohlenständerhaus aus dem 17. Jahrhundert, das aber abgesehen vom schmuckreichen Fachwerk einer mittelalterlichen Bauform entspricht, kann man links oben die Hohe Stube erkennen:

http://www.bad-schussenried.de/sehenswertes/kuernbac…

Schöne Grüße

MM