Freak Show 3000

Christoph Schlingensief produzierte letztens eine Show, in der geistig Behinderte nach Manier „Deutschland sucht den Superstar“ eine Art Wettbewerb zum casting einer Band machten. Der provokative Titel „Freak Show 3000“. Meine Freundin hatte sich ziemlich darüber ereifert, weil sie meinte, die teilnehmer werden vorgeführt und dies nutze Schlingensief letzlich zur persönlichen Ego-Profilierung. Schließlich könne man sich immer hinter dem Etikett „Satire verstecken“ und hier seien die grenzen überschritten.

Mich würde nun die meinung anderer Teilnehmer hier zu diesem Thema interessieren. Darf man das machen?

Wie du siehst, darf man das anscheinend schon…ob man sollte, ist dann wieder die andere Frage. Irgendjemand muss ja seine Einwilligung gegeben haben zur Teilnahme der geistig Behinderten. Wenn sie´s nicht selbst waren, dann doch zumindest die jeweiligen Betreuer. Mal davon abgesehen kann man über Schlingensief geteilter Meinung sein, aber ich trau ihm so viel Verstand zu, dass er das nicht aus Selbstprofilierungsgründen (allein) gemacht hat. Um politisch korrekter zu bleiben, hätte er natürlich Schauspieler nehmen können, die geistig Behinderte spielen. Und dann wird aus der Satire ganz schnell ein großer Witz.
Na, wie dem auch sei, ich müsste etwas mehr über die Hintergründe der Show erfahren, um mir ein wirkliches Urteil bilden zu können. Ich halte nur auch nichts davon, zu schnell den moralischen Riegel vor eine Sache zu schieben, die am End vielleicht mal gut angedacht war.

Gruß, Dine

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Auch Behinderte haben das Recht, verarscht zu werden.

Deine Freundin ist dem Gutmensch-Reflex gefolgt. Der funktioniert in etwa so, dass erst mal alles, das mit Behinderten zu tun hat, kritisch gesehen werden muss. Das ist schade und meiner Erfahrung nach noch nicht mal im Sinne der Mehrzahl der Behinderten.

Ich habe Freak-Show in Auszuügen gesehen und hatte nicht den Eindruck, dass die Behinderten sich unwohl fühlten oder Schlingensief sie als Vehikel fürs Ego benutzt hätte. Er kam mir im Gegenteil sehr entspannt und natürlich vor – im Gegensatz zu den Antidiskriminierungswächtern, die die Humor und Behinderungen partout nicht zusammen bekommen wollen.

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Hallo Fellow
Ich denke auch, dass es letztlich mehr davon abhängt, wie man zu Schlingensief steht.
Ich persönlich bin ziemloch genervt von diesem narzisstisch gestörten Selbstdarsteller, würde ihm aber im weitesten Sinne doch eher soziale Motive zutrauen.
Gruß,
Branden

Hallo Fellow,

ich habe die Freakshow nicht gesehen, aber hier eine Kritik dazu gelesen:
http://www.zslschweiz.ch/Archiv/TV%20Radio%20Film%20…

Ich finde ja Schlingensiefs Provokationen meistens ziemlich genial:smile: - also meine Meinung unter dem Vorbehalt, dass ich nur „Sekundärliteratur“ dazu gelesen habe und die Show selbst nicht gesehen habe: Ich finde man darf! Ich frage mich, ob Empörte sich empören, weil sie es nicht ertragen, geistig Behinderte in einem bestimmten Kontext in den Medien zu sehen - oder weil sie es nicht ertragen, überhaupt geistig Behinderte sehen zu müssen. Das ist ja auch ein Tabu, meistens sind geistig Behinderte weggesperrt, sie überhaupt zu zeigen, dann auch noch singend in einer Inszenierung, die sich „Freakshow“ nennt, ist ein Tabubruch. Das kann und soll dann sicher auch den Zuschauern wehtun - bzw. Gefühle auslösen. Gleichgültig lassen soll es nicht.

Ein Egotrip war das sicher nicht, sondern eine typische Schlingesiefsche Inszenierung - ich erinnere mich noch an den Asylantencontainer in Wien. Er spielt eben (wie ich finde gekonnt) mit unseren absurden Medienmonströsitäten (Big Brother z.B.) und bringt ungewöhnliche Themen zusammen - die aus meiner Sicht uns und unsere Medien-Gesellschaft entlarven…

beste Grüße,
barbara