Freelancer

Hallo,
ich habe bis vor kurzem als angestellter Software Entwickler gearbeitet. Da es sich bei „meiner“ Firma um eine eher kleine Softwarefirma handelte, gab es bei uns keine regelrechten Spezialisten bzw. niemand konnte den Luxus für sich in Anspruch nehmen, sich ausschließlich mit einer Softwaretechnik zu beschäftigen. Allerdings kann man das auch als Vorteil sehen. Wie dem auch sei, ich erläutere ja in der Vergangenheitsform, weil die Firma leider Insolvenz anmelden musste. Ohne ein Selbstlob auszusprechen, lag das wohl eher am Missmanagement und der schlechten Zahlungsmoral einer Kunden.
Jedenfalls möchte ich die Situation nutzen, und mich selbstständig zu machen, also als freier Entwickler tätig zu sein. Wenn man in den einschlägigen Foren bezüglich zu besetzender Projekte Ausschau hält, werden meist eben genau diese Spezialisten gesucht. In diesem Zusammenhang kam mir eine naheliegende Idee. Wie wäre es, wenn sich ein paar Entwickler gemeinsam selbstständig machten und jeder seine Stärken einbringt? Selbstverständlich bleibt jeder selbstständig, auch wenn gemeinsam an Projekten gearbeitet wird. Ich stelle mir vor, dass die Anzahl der beteiligten Entwickler variiert, also jederzeit neue Kollegen hinzukommen können. Man könnte sich bezogen auf die Aussenwirkung als ein Team präsentieren, das für jede Anforderung einen oder mehrere Spezialisten bereithält. Wenn ich mir vorstelle, dass eine Firma freie Entwickler sucht, die projektbezogen arbeiten, dann wäre es doch naheliegend, ein Entwicklerteam zu suchen, die allen Anforderungen gerecht werden. Die Kosten würde es nicht in die Höhe treiben, da dieselbe natürlich aufgeteilt würden.
Letztlich denkt ihr sicher, was will er denn von uns? Der redet schlicht und ergreifend von einer stinknormalen Softwarefirma. Das trifft zu, allerdings mit dem Unterschied, dass alle Mitarbeiter „frei“ sind, sozusagen ein loser Verbund von Entwicklern, die alle Vorteile einer entsprechenden Organisation genießen würden.
Denkbar wäre auch, einen oder mehrere Vertriebler zu integrieren, die sich um die Vermarktung kümmern bzw. neue Projekte „an Land ziehen“. Auch wenn die meisten freien Entwickler vielleicht Eigenbrötler sind und lieber allein in einem Projekt arbeiten, so glaube ich dennoch, dass die Anzahl derjenigen Entwickler nicht eben gering sein dürfte, die wissen, das Softwareentwicklung heute im Team geleistet wird. Wenn man im Internet recherchiert, liest man oft von dem Problem, wie schwierig es teilweise ist, an Projekte heranzukommen. Wenn man aber eine Gruppe wäre, würde die Suche schon allein dadruch erfolgversprechender, weil nicht eine Einzelperson sich Mühe gibt, sondern alle suchen. Und wie schon beschrieben, steht man ganz anders da, wenn man ein ziemlich breites Spektrum an Know-how bieten kann. Wer dann intern genau was macht, ist ja Sache der Entwickler.
Ich kann mir lebhaft vorstellen, welche Einwände kommen könnten von euch, auch ich sehe eine Vielzahl von Problemen, aber die Vorteile, die es mit sich bringen würde, überwiegen meines Erachtens. Die Idee klingt auch recht trivial, ich lasse mich gern belehren. Gibt es denn eine entsprechende „Vereiningung“ schon irgendwo. Wo man sich anschliessen könnte? Wenn nicht, dann wäre es doch für jeden freien Entwickler zumindest eine Überlegung wert, oder?
Ach, und noch etwas ist nicht unwichtig in diesem Zusammenhang. Es gibt viele Entwickler, die sich die Programmierung, Design, was auch immer, autodidaktisch angeeignet haben. Teilweise sind sie mitnichten die schlechteren Entwickler im Vergleich zu studierten Kollegen. Das wäre auch so eine Grundhaltung, die ich mir wünschen würde. Es kommt drauf an, das jemand seinen Job beherrscht, welche „Papiere“ er vorlegen kann, ist zweitrangig. Auf diese Weise könnte man villeicht das ein oder ander brachliegende Talent fördern und gemeinsam nutzen.
Was natürlich auf der Strecke bliebe, wäre das Konkurrenzdenken. Klar, vielleicht geht mir etwas „durch die Lappen“, aber das wird sicher ausgeglichen mit dem nächsten Projekt, dass ich ohne die Hilfe der anderen wahrscheinlich gar nicht hätte antreten können.
Ohjee, jetzt habe ich viel geschwafelt in der Hoffung, es ist überhaupt von Interesse?! Die Idee halte ich für gut und dies ist sozusagen der erste Schritt, sie umzusetzen. Wer sich mit mir darüber gern austauschen würde, ist herzlich eingeladen mir zu mailen. Wer weiss, vielleicht kann man etwas derartiges "auf die Beine stellen?!

Grüße

palo

MOD: Titel geändert

schwer
Hallo erstmal,

also ich stelle mir das mehr als schwer vor. Erstens fehlt ein Chef. In einer Demokratie (was das ja dann wäre) wirst Du Projekte schwer durchbringen können, geht es dann um 2/3 Mehrheit etc., kann es Dir passieren, dass einer der wichtigen Freelancer keinen Bock auf das Projekt hat, schon kann es eng werden.
Dann kommt die Komponente Zeit hinzu, vielleicht fällt Dir gerade in einem wichtigen Projekt einer aus, da er sich um einen alten Kunden kümmern muss.
Drittens der Faktor Geld, wie willst Du die Einnahmen gerecht aufteilen?
Letztlich sind die Softwarerechte noch zu klären, was unter Umständen zu viel Rechtskram ausarten kann.

So ein Projekt ist sicherlich am Anfang irgendwie zusammen zu bekommen, im Vorfeld muss man sich aber ernste Gedanken und die Konsequenzen zu den negativen Seiten einer solchen Struktur machen.

Gruß
Christian

PS: Solange die Sonne scheint ist immer alles gut, spätestens wenn es mal knallt wird es unter Umständen ernst, da ja auch Konzessionstrafen drohen können.

Hallo Christian,

danke für deine Antwort. Du hst recht, diese Schwierigkeiten werden sicher auftreten. Andererseits, wir sind Entwickler und unser täglich Brot ist es, schwierige und komplexe Dinge zu handhaben. Sollte es da nicht gelingen, derartgie Probleme zu lösen? Ic habe natürlich auch noch nicht alles durchdacht. Aber ich setzte eines voraus: guten Willen und das alle am gleichen Strang ziehen.

Überdenkenswert sind deine Einwände auf jeden Fall.

Gruß

palo

Hallo Palo,

Das wird nicht funktionieren.
Ihr wollt die Vorzüge einer Firma nutzen ohne die Kosequenzen einer
Firma zu tragen.
Von Kundenseite sieht es doch so aus. Ich weiß nicht wer meinen
Auftrag bearbeitet und haften (für die geleistete Arbeit) will
keiner (1/3 Programmierer x, 1/3 Programmierer y, etc).
Im Endeffekt ist das für einen Kunden keine vertrauens erweckende
Konstruktion.
Ich mag halt immer jemanden haben, dem ich am Ende die Ohren
langziehen kann, falls es schiefgeht.

Gruß
Stefan

MOD: Titel angepasst

Hallo Stefan,

zu deinem Einwand: stimmt! eines von jeder Menge Problemen, die zur Klärung anstünden, würde man es realisieren. Ohne das jetzt bis ins Kleinste durchdacht zu haben, würde ich sagen, das die Haftungsfrage genauso gehandhabt würde wie in einem Unternehmen mit angestellten Programmierern. Der Ansprechpartner für Kritik oder Fehler ist dort die Softwarefirma als solches, welcher Entwickler der Firma nun Mist gebaut hat, sei dem Kunden letztlich egal. Die Firma präsentiert ja nicht jeden einzelnen Entwickler, sondern sich als Einheit. Also ist das Problem die interne Klärung, da hab ich dich richtig verstanden, nicht wahr? Dazu musste man vor allen Dingen die rechtliche Seite einer solchen Zusammenkunft klären. Welches Rechtsmodel könnte zur Anwendung kommen? Wie könnte man Haftungsfragen auflösen? Ich geb mich da keinen Illusionen hin, mir ist klar, das jede Menge Interessenskonflikte auftreten werden. Andererseits, wer überhaupt keinen Gemeinschaftsinn miteinbringt, der sollte dann doch lieber weiterhin allein arbeiten. Ich meine damit nicht dich, wir diskutieren abstrakt, nicht wahr?! Vielleicht würde so ein Vorhaben wirklich an rechtlichen Fragen scheitern, die einfach nicht zu lösen sind. Und selbstverständlich darf kein Kunde den Eindruck bekommen, er hätte es nicht mit seriösen Anbietern zu tun. Du hast auch damit recht, dass ich mir ein wenig mehr Reaktionen gewünscht hätte, aber die, die kommen, sind für mich ein Einstieg in entsprechende Überlegungen. Schlussendlich, ohne vereinfachen zu wollen, wäre vielleicht ein Konstrukt denkbar, das dem eines „Solo-Entwicklers“ entliehen ist. Wenn ich allein arbeite , also als Freelancer einen Auftrag angenommen habe, bin ich ja auch verantwortlich. Mir fehlt leider die Erfahrung diesbezüglich. Wie ist denn die Haftung geregelt bei Freelancern? Wenn ein wirklich eklatanter Fehler des Freelancers sehr hohe Kosten verursacht? Wie steht es mit der rechtlichen Seite? Oder kann man sich als Entwickler tatsächlich ruinieren? Gibt es eine Art Versicherung gegen solche „Schäden“?
Wie du siehst, gäbe es eine Menge Klärungsbedarf bezüglich der Idee. Einmal angenommen, es ließen sich alle Stolpersteine aus dem Weg räumen. Wie wäre dann dein Haltung dazu? Versteh mich richtig, ich will dich nicht festnageln, sondern lediglich einige Meinungen sammeln. Denn das ist für mich auch interessant, ob ungeachtet der konkreten Probleme der Realisierung überhaupt die Idee als solche Anhänger fände.

Gruß

palo

MOD: Titel und Text an Verschiebung angepasst

Hallo palo

Also, hier mal eine „etwas andere“ Sicht …

ich habe bis vor kurzem als angestellter Software Entwickler
gearbeitet.

Firma leider Insolvenz anmelden musste.

Na hoffentlich bist Du nicht über 40 :wink:

werden meist eben genau diese Spezialisten gesucht.
In diesem Zusammenhang kam mir eine naheliegende Idee.
Wie wäre es, wenn sich ein paar Entwickler gemeinsam
selbstständig machten und jeder seine Stärken einbringt?

LOL - Vorsicht, siehe:
http://images-eu.amazon.com/images/P/3826613260.03.L…

Selbstverständlich bleibt jeder selbstständig, auch
wenn gemeinsam an Projekten gearbeitet wird.

Mit mehreren Programmierern? Entweder sind sie so
wenig originell, dass man sie zwar anleiten kann wie
„normale Menschen“ - dann schafft ihr Eure Terminvorgaben
nicht; oder sie sind so expressiv und stark, dass sie nicht
so ohne weiteres und ohne Führungs-Professionalität
„anleitbar“
sind :wink:

Ich stelle mir vor, dass die Anzahl der beteiligten
Entwickler variiert, also jederzeit neue Kollegen hinzukommen
können.

Das Problem: Wenn Du Geld verdienen möchtest, musst
Du Dich nach den Wünschen der Kunden richten. Je besser
ein Programmierer (erfahrungsgemäß) ist, desto weniger
ist er genau dazu bereit. Du musst also, um überhaupt
„mit Gewinnerzielungsabsicht“ existieren zu können,
beinharte Vorgaben und Zeitrahmen aufstellen. Diese
„Struktur“ ist dann aber identisch mit einer „Firma“ - eine
solche Organisation hat dann mehr Vorteile als Nachteile.

Man könnte sich bezogen auf die Aussenwirkung als ein
Team präsentieren, das für jede Anforderung einen oder
mehrere Spezialisten bereithält.

Programmierer, insbesondere brauchbare, lassen sich imho
nicht für „diese Woche 3 Tage und je 2 Stunden“ in
ein Projekt einweben, welches noch eine inhärente
Komplexität besitzt. So wie Klempner als Spezialisten
für Waschbecken.

Programmierer sind Technik-Soldaten, sie brauchen ein
klares Ziel, spezialisierte Anführer und ordentliche
gefechtmässige Bedingungen (Motivation) - um zum Helden
zu werden :wink:

Hast Du nicht, als Eure Firma noch lief, die täglichen
Gefechte im Schützengraben, ausgetragen Schulter an
Schulter mit den Kameraden-Programmierern – als positiv
und sogar „sinnstiftend“ wahrgenommen? :wink:

Aber möglicherweise habe ich Dich falsch verstanden -
und Dir schwebt etwas anderes vor?

Grüße

CMБ

Hallo palo,

Ohne das
jetzt bis ins Kleinste durchdacht zu haben, würde ich sagen,
das die Haftungsfrage genauso gehandhabt würde wie in einem
Unternehmen mit angestellten Programmierern. Der
Ansprechpartner für Kritik oder Fehler ist dort die
Softwarefirma als solches, welcher Entwickler der Firma nun
Mist gebaut hat, sei dem Kunden letztlich egal. Die Firma
präsentiert ja nicht jeden einzelnen Entwickler, sondern sich
als Einheit.

Das bedeutet aber ihr benötigt eine Firma. Diese Firma muß mit
entsprechenden Kapital ausgestattet werden und muß für sich
auch Gewinne machen. Wer soll denn diese Firma gründen und
wer haftet dann mit seinem privatem Vermögen? Dieser Gründer
möchte sicherlich auch Gewinne einstecken.

Das heißt weiterhin, dass die Freelancer irgendwie vertraglich
an die Firma gebunden sein müssen (scheinselbstständig), ansonsten
kann die Firma ja keine Aufträge annehmen. Was würde diese Firma
dann noch von den anderen unterscheiden?

Also ist das Problem die interne Klärung, da hab
ich dich richtig verstanden, nicht wahr?

Nein, intern nutzt nichts. Intern müßt ihr es lösen aber es muß nach
extern glasklar sein wer wie haftet.

Welches Rechtsmodel könnte zur Anwendung kommen?

Vieleicht ne GmbH.

Wie könnte man Haftungsfragen auflösen?

Indem einer oder mehrere den Kopf hinhalten.

Ich geb mich da keinen
Illusionen hin, mir ist klar, das jede Menge
Interessenskonflikte auftreten werden. Andererseits, wer
überhaupt keinen Gemeinschaftsinn miteinbringt, der sollte
dann doch lieber weiterhin allein arbeiten.

Eine Firma ist keine Demokratie und ich glaube auch nicht das
es möglich ist.

Ich meine damit
nicht dich, wir diskutieren abstrakt, nicht wahr?!

Was sonst? :smile:

Wenn ich allein
arbeite , also als Freelancer einen Auftrag angenommen habe,
bin ich ja auch verantwortlich. Mir fehlt leider die Erfahrung
diesbezüglich. Wie ist denn die Haftung geregelt bei
Freelancern?

Die Freelancer die ich kenne haben entweder nur einen Werksvertrag
(gemietet für x Tage ohne Haftung) oder das Projekt wird bezahlt bei
Abnahme.

Wenn ein wirklich eklatanter Fehler des
Freelancers sehr hohe Kosten verursacht? Wie steht es mit der
rechtlichen Seite?

Das steht alles im Vertrag den du mit dem Auftraggeber aushandelst.
Von keine Haftung bis Konventionalstrafe mit Haftung bis zum sankt
Nimmerleinstag ist alles möglich. Es besteht Vertragsfreiheit zwischen
Geschäftsleuten.

Oder kann man sich als Entwickler
tatsächlich ruinieren?

Kann man, geht ganz einfach, übrigens auch mit einer GmbH.

Gibt es eine Art Versicherung gegen
solche „Schäden“?

Ist mir nicht bekannt und würde mich auch wundern.

Wie wäre dann dein Haltung dazu?

Ich glaube nicht daran.

Gruß
Stefan

Hallo,
jemand bzw. eine Firma muß die Rechnung schreiben und damit die Verantwortung übernehmen.
Das kannst du locker selbst übernehmen und dir einen Stab an Freelancern aufbauen. Alles was du an Aufträgen nicht alleine stemmen kannst, stockst du entsprechend auf.
Für die übernommene Verantwortung verdienst du dann ein wenig mehr vom Kuchen.
Alle deine Mit-Freelancer machen es genauso, d.h. du arbeitest gegebenenfalls in ihren Projekten mit.
Wenn du einen breiteren, seriöseren Eindruck an die Kunden vermitteln willst, dann wäre der beste Weg ein Franchise-konzept in dem du gewisse Geschäfts-Standards vorgibst die ein einheitliches Auftreten gewährleisten.
Soweit zur Theorie.
Viele IT-Firmen sind genau auf diese Weise entstanden, zuerst wurde nur die Nachfrage befriedigt, später wollte man Nachfrage schaffen. Das nannte man Consulting.

Gruß D.K.

Fünf Freunde…
Hi Palo,

wenn Du Dein Konzept zu Papier bringst, mit Interessenten, Wohl- und Gleichgesinnten diskutierst, verbesserst, Pflichten und Rechte wertmäßig bewertest sowie einen Businessplan aufstellst, wirst Du feststellen, dass am Ende ein Firmenkonstrukt herauskommt, das es dutzend- bzw. hundertfach schon gibt.

Ein anderer Antworter hat schon erwähnt, dass Du an einer führungsstarken Persönlichkeit an der Spitze nicht vorbeikommst. Der wird für seine Führungstätigkeit ein Stück Kuchen von jedem Freelancer haben wollen. Sagen wir mal 5% von jedem umgesetzen Euro. Vielleicht auch mehr, wenn ihn die Führungsaufgabe daran hindert, selbst Umsatz zu produzieren.

Du erwähnst einen Vertriebsmann. Ihr seid 10 Umsatzproduzenten? Dann gebt ihr dem Vertriebsmann locker 10% von jedem umgesetzten Euro. Klassischerweise noch + x% als Risikopuffer für ihn, falls mal einer ausfällt. Denn, was kann er dafür, er hat ja schliesslich einen Auftrag besorgt; das der nun nicht ausreichend für Umsatz sorgt, ist nicht Problem des Vertriebsmannes. Freiberufliche Vertriebler sind selten, gute Leute, die mit Dir dieses riskante Geschäft anpacken wollen, sind vermutliche gerade dann nicht auf dem Arbeitsmarkt verfügbar, wenn Du sie brauchst.

Es entsteht Verwaltungsaufwand, Kunden wollen ein Büro sehen und nicht nur Hochglanzvisitenkarten. Ihr braucht jemand, der telefonisch erreichbar ist und kompetente Auskünfte erteilen kann. Auch das kostet alles.

Am Ende bist Du bei 25-30%, die der Freelancer von seinem Umsatz abgeben muß, damit der Laden „wie eine richtige Firma“ aussieht.

Fazit: Biete Dich bei allen großen und kleinen Vermittlern an. Du wirst dafür zwischen 10% und 30% vom Endkundensatz abgeben müssen.

Steige mit Höchstsätzen in die Verhandlungen ein, wenn Du es Dir leisten kannst, auch mal einen Auftrag nicht zu kriegen. Steige niedriger ein, wenn Du jeden Auftrag brauchst, der Dir angeboten wird. Lege Dir eine persönliche Vermarktungsstrategie zu, schärfe Deinen Marktauftritt, fertige ein stimmiges, gern gelesenes Profil an und platziere es im Markt.

Ach, um Deine Eingangsfrage auch noch zu beantworten: Ja, solche Konzepte, wie Du es Dir vorstellst, gibt es. Ich kann Dir per Mail eine Firma exemplarisch benennen, die nur aus Selbständigen besteht, dahinter aber eine GmbH gegründet wird.

Übrigens, noch ein Aspekt: Heute bist Du Idealist, hast eine tolle Idee und teilst sie mit anderen. In einem Jahr arbeitet eine Horde von Leute in eurer Firma mit Deiner Idee. Du wirst Dich in den Hintern beissen, dass Du Dir nicht zur rechten Zeit einen angemessenen Obulus für diese Geschäftsidee vertraglich gesichert hast. Aber da ist es schon zu spät.

Gruß
Bonsai

Hallo Bonsai,

danke für deine Antwort.
Ich verstehe, was du meinst. Eine derartige Konstruktion wäre in der Tat nichts Neues, eine ganz normale Firma eben. Mit allen Strukturen und Problemen, die es sich mit sich bringt. Mir hat ein Kollege von uns, also ein Freelancer, gemailt. An der Diskussion hier im Forum wollte er sich nicht beteiligen. Seine Umsetzung der Idee kommt meinen Vorstellungen schon recht nahe. Seit einigen Jahren schon arbeitet er als Freelancer. Er und einige Kollegen, auch selbstständige Freelancer, arbeiten in einem losen Verbund zusammen. Jeder nimmt Aufträge an, auf „eigene Kappe“, und sie helfen sich gegenseitig mit Dienstleistungen aus. Das bedeutet, fehlt einem Kow-How oder Kapazität, kauft er sie beim jeweils anderen ein. Also arbeitet ggf. jeder als Subunternehmer des anderen. Kommt ein Projekt, aus welchen Gründen auch immer, nicht in Betracht für einen bestimmten Entwickler, vermittelt er es weiter an einen Kollegen, der Know-How und Kapazität hat, um es zu realisieren. Da wären die unterschiedlichsten Modelle denkbar. Anstatt weiterzuvermitteln, könnte man es auch selbst annehmen und wie gehabt das Know-How bei einem Kollegen einkaufen. Für den Kunden ist man trotzdem der Auftragsnehmer. Der Vorteil, den ich hier sehe ist, dass man ein ziemlich breites Spektrum an Know-How anbieten kann. Dies schadet dem Image am Markt sicher nicht. Zum Thema Vertriebler könnte ich mir vorstellen, das ein freier Vertriebler Projekte anbietet, nicht nur mir bzw. uns, sondern auch anderen. Hat man Interesse, kommt es zu einer Provision, im anderen Fall muss er sein Projekt eben jemand anderem verkaufen. Keinesfalls würde ich einen Vertriebler eng an mich binden. Das würde sich, da hast du recht, für keinen Beteiligten rechnen. Zusammenfassend, jeder Beteiligte soll selbstständig bleiben. Immerhin gab es ja bei jedem mal die Entscheidung, sich auf eigene Füsse zu stellen. Ich glaube kaum , dass jemand dies aufgeben würde. Dann könnte er ja gleich als Angestellter Entwickler irgendwo arbeiten. Es geht also vielmehr um Geschäftsbeziehungen untereinander. Um Hilfe, an der jeder partizipiert. Ich stelle mir vor, dass zum Beispiel gesammelte Funktionalität in Form von selbstprogrammierten Bibliotheken austauschbar wären. Hat ein Kollege vielleicht schon ein komplexes Problem gelöst und die Lösung in Form von Funktionen bzw. Klassen oder DLLs bereit, dann wäre auch hier wieder ein Gechäft zu tätigen. Du hast recht, ich hatte anfangs etwas andere Vorstellungen, aber die Einwände, die hier im Forum kamen, lassen mich natürlich nicht unbeeindruckt. Dementsprechend kristallisiert sich mittlerweile heraus, was ich eben beschrieb.

Grüße

palo

Hallo Palo,

das ist das, was jeder Freelancer tun muß: Networking, networking, networking. Leute kennen, die Leute kennen, die andere Leute kennen. Auch das nichts wirklich neues.

Aber, bedenke: Wenn Du einen Vertrag annimmst und dafür wiederum Subunternehmer engagierst, mußt Du Dich umfassend mit rechtlichen und vertraglichen Sachen auseinandersetzen. Solange das unter „hin und wieder mal ein Freundschaftsdienst“ läuft, ist das sicher nicht in dem Maß notwendig. Aber, sobald das zu Deinem ausschliesslichen Geschäftsmodell wird, bleibt Ärger mit Kunden und Subkontraktern nicht aus.

Denke bei dem Modell auch daran, das beim Kunden auch nur Menschen sitzen. Und zwar ebenfalls intelligente ihrer Art. Denen gaukelst Du nicht eben mal vor, was Du eigentlich für eine Riesefirma bist. Da mußt Du schon mit offenen Karten spielen. Der Kunde und/oder Dein Subunternehmer werden über kurz oder lang versuchen, das Geschäft ohne Dich und Deine Gewinnmarge zu machen. Vertragsstrafen hin oder her, es soll auch schon Fälle gegeben haben, wo sich die Zahlung dieser Strafe trotzdem noch rentiert hat. Allerdings nicht für den ursprünglichen Vertragspartner, der hat nämlich einen Kunden verloren.

Denke überhaupt an die Kunden: Bist Du denn in der glücklichen Lage, dass Dir gerade dutzende, ja: hunderte potentielle Kunden die Bude einrennen? Gratuliere! Wenn nicht, kümmere Du Dich darum, als Freelancer irgendwo unterzukommen, Deine Bekannten kümmern sich ebenfalls. Und wenn sich tatsächlich einmal die „Not“ ergeben sollte, ein größeres Faß gemeinsam aufzumachen, dann telefoniert ihr euch eben zusammen.

Wenn ich selbst eine Anfrage bekommen, denke ich zuerst darüber nach, wie ich den Auftrag am besten auf eigene Rechnung unter Dach und Fach bekomme. Wenn ich keinen Weg sehe, informiere ich die Menschen in meinem Netzwerk, die dafür in Frage kommen. Die empfehle ich dann, spiele aber im Normalfall bei der gesamten weiteren Vertragsgestaltung keine weitere Rolle mehr. So kann ich mich weiter zu 100% um meine Kernthemen kümmern und mache in dieser Zeit den zehnfachen Umsatz.

Gruß
Bonsai