Freeprovider und netandgo_flatratezugang

Nachdem in den letzten Tagen von verschiedenen Seiten sehr unkritisch über die beiden noch nicht gestarteten Angebote Freeprovider und NetAndGo berichtet wurde und uns unzählige Anfragen zu diesem Thema erreicht haben, möchten wir mit diesem Spezial die beiden angekündigten Flatrates einmal genauer durchleuchten und über die Erfolgschancen aufklären.
Wer die Situation in Deutschland kennt, weiß wie schwierig es ist, eine Flatrate zu realisieren. Selbst große Firmen können dies nur mit noch sehr hohen Preisen oder erheblichen Einschränkungen. Ein unumgängliches Problem sind vor allem die Interkonnektionsgebühren, die pro Minute fällig werden. Alleine dadurch werden unbeschränkte, bundesweite Flatrates zu Preisen weit unter 200 DM vereitelt.
Eine Ausnahme sind Telefongesellschaften, die direkt eigene Leitungen verlegt haben und an die der Kunde direkt angeschlossen ist. Bei den beiden nachfolgenden Angeboten ist dies jedoch nicht der Fall.
Ab dem 01. Januar 2000 will Freeprovider (Betreiber: Rene Zengler) eine Flatrate für 120 Mark pro Monat anbieten. Dafür wird der Kunde laut Zengler eine 22 Stunden am Tag nutzbare Flatrate ohne weitere Einschränkungen erhalten.
Und das geht angeblich so: Man erhält einen Useraccount und ein Passwort, das allerdings nur für max. 30 Minuten gilt. Während dieser Zeit, muss man sich täglich 3 Minuten lang auf der Home Page des Betreibers Sponsoren-Werbung ansehen, die angeblich die Flatrate finanzieren soll. Danach erhält man ein neues, für 22 Stunden gültiges Passwort. Nach dieser Zeit muss man für 2 Stunden warten und das ganze Spiel beginnt von vorn.
Über die technische Realisierung schweigt sich der Anbieter allerdings ebenso aus, wie über weitere Details. Bekannt ist nur, dass der Zugang über T-InterConnect realisiert werden soll.

Soweit die Theorie - praktisch räumen wir dem Anbieter jedoch keine Erfolgschance ein. Abgesehen davon, dass es nicht nur für einen Einzelunternehmer wie Zengler aufgrund der Situation in Deutschland fast unmöglich ist, eine Flatrate zu diesem Preis zu realisieren und die angepeilte Kundenzahl von 100.000 Anmeldungen bis Ende Dezember absolut realitätsfremd ist, fallen die falschen Angaben des Anbieters, die bei der DeNic über ihn bzw. seine Domain gespeichert sind, unangenehm auf. So wird als Inhaber ein Rene Zengler in Wittenberg genannt. Jedoch waren weder die angegebene Telefonnummer noch die eingetragene Adresse zum Zeitpunkt unserer Recherche richtig.

Zwar haben dafür die auf der Kontakt-Seite genannten Angaben gestimmt, doch auch über die dort angegebenen Rufnummern war eine Kontaktaufnahme nicht möglich. Zudem fehlte dort die vorgeschriebene Namensangabe von Zengler.

Während eines Chats mit interessierten Usern, outete sich Zengler zudem als absoluter Laie, der weder Fachwissen noch kaufmännisches Geschick besitzt. Mitarbeiter, die sich mit der Materie auskennen, sind anscheinend ebenfalls keine vorhanden. Auch die HomePage des Anbieters lässt auf mangelndes Wissen über Telekommunikations- und Internettechniken schließen.
Nachfolgend noch einige der Ungereimtheiten, die uns aufgefallen sind:
Die Seite besteht aus Puretec Webspace und diversen kostenlosen CGIs, der Anbieter verfügt also ganz offensichtlich nicht einmal über einen eignen Webserver, von einer 2 Mbit Leitung - wie angekündigt - ganz zu schweigen.
Die Flatrate soll sogar vom Ausland aus zu erreichen sein, man müsse nur die deutsche Vorwahl (049) und die Netzkennzahl der Telekom (01033) vorwählen. Dies ist natürlich völliger Unsinn.
Schriftliches Infomaterial ist aus „Kostengründen“ nicht zu bekommen, aber der Betreiber redet von Werbung im Fernsehen, Rundfunk und Internet, es fragt sich nur wie er diese angesichts seines knappen Budgets finanzieren will.
Auch die Ausrede „wir finden ja Werbekunden die das finanzieren“ zählt nicht. Bisher gibt es in Deutschland noch keine Erfahrungen mit „Geld fürs surfen“. Die ersten Anbieter befinden sich immer noch in Testphasen und das ein Einzelunternehmer wie Zengler in der Lage ist, Werbekunden in ausreichender Höhe zu finden, ist mehr als unwahrscheinlich. Die wenigsten Firmen dürften zudem Interesse an einem Angebot mit den o.g. Mängeln haben.
Fazit: Freeprovider.de scheint nach den uns vorliegenden Erkenntnissen kein seriöses Unternehmen zu sein. Die oben genannten Punkte lassen erhebliche Zweifel an dem Angebot aufkommen. Auch die mit Fehlern und Werbebannern überzogene Seite macht nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck. Daher unsere Empfehlung: Finger weg von diesem Angebot.

Auch Net and Go will eine unbegrenzt nutzbare Flatrate für pauschal 89 Mark anbieten - allerdings ohne Werbung und ohne Trafficgebühr. Das Angebot soll am 1. Februar 2000 starten.
Über Details schweigt sich die Homepage aus… Auch hinter Net and Go steckt - wie bei Freeprovider - eine Einzelperson, der wohl sowohl die Erfahrung und das Management als auch das notwendige Kapital für ein solches Angebot fehlt. Eine Flatrate für 89 Mark zu den angeblich gebotenen Leistungen ist - vorsichtig ausgedrückt - lächerlich und unrealistisch. Wer behauptet, ein solches Angebot starten und damit überleben zu können, hat entweder keine Ahnung oder will das Angebot gar nicht ernsthaft realisieren.

Wie der Betreiber Tibor Novak das ganze umsetzen will und mit welchen Anbietern er zusammenarbeitet, bleibt leider sein Geheimnis, da er trotz mehrmaliger Versuche nicht erreichbar war. Auch Rückruf-Bitten auf seinem Anrufbeantworter wurden nicht erfüllt. Besonders dreist: Die verlangte Vorauszahlung der Anmeldegebühr und der ersten Monatsrate - immerhin zusammen 124 Mark. Wer diese Vorauszahlung leisten will, kann sein Geld auch gleich aus dem Fenster werfen oder in einen Lottoschein investieren - die Chance auf einen Sechser wäre sicherlich höher als die Erfolgschance dieses Angebots.
Seit einigen Tagen war die Anmeldung zu der Flatrate übrigens nicht mehr möglich. Auch die Kontakt-Seite konnte nicht mehr aufgerufen werden, was kein positives Bild vermittelt. Seit dem 17. November ist die Homepage nun ganz verschwunden; statt dessen kommt nur eine „Forbidden“ - Meldung - hoffen wir, dass es so bleibt.

Fazit: Auch bei Net and Go können wir nur die rote Karte zeigen. Das Angebot entbehrt jeglicher Grundlage und die gebotenen Leistungen sind keinesfalls realisierbar. Die fälligen 124 Mark für die Vorauszahlung sind - falls das Angebot wieder erreichbar sein sollte - irgendwo anders besser angelegt. Unsere klare Empfehlung lautet: Finger weg von Net and Go.

Hinweis: Diese Bericht bezieht sich auf den Zeitpunkt der Recherche (10.11. - 18.11.1999)

Hallo Karsten,

wenn Du schon komplett einen Artikel von der Seite www.onlinekosten.de zitierst, solltest Du wenigstens eine Quellenangabe machen.

Gruß,
Tommy