Freiarbeit in der Grundschule

Hallo zusammen,

wer kann mir Möglichkeiten und Grenzen der Freiarbeit in der Grundschule nennen?
Ich habe das thema in einer Prüfung und sammel gerade Ideen…

Danke
Miriam

Hallo Miriam,

bei einer Hospitaion in einer Sonderschule (1.-4. Klasse) habe ich gesehen, wie ruhig, intensiv und frei die Kinder arbeiten können. Es gab jeden morgen eine Aufgabenliste, die erfüllt werden sollte. Darunter waren auch freiwillige Aktivitäten und leistungsabhängige Aufgaben. Den Kindern stand es frei, welche Aufgabe sie zuerst angehen möchten. Bei Fragen wurde das Lexikon durchsucht (mit Hilfe von der Lehrerin oder der Mitschüler).
Es gab Gutscheine für Freispiel, draußen Toben u.ä.
In dieser Klasse gab es außer die Begrüßung mit dem Morgenkreis (Arbeitsaufträge) und einer gemeinsamen Abschlussaktivität fast ausschließlich Freiarbeit.

Die Lehrerin konnte sehr gut auf den individuellen Entwicklungsstand eingehen und konnte aufgrund der kleinen Klassengröße sich jedem Kind widmen. Sie saß also keinesfalls nur herum (oder geht kopieren / Kaffee trinken), wie man es aus höheren Klassenstufen bei Freiarbeit kennt.
Die Kinder fanden dieses System sehr gut und haben sich inzwischen eingewöhnt. Von Anfang an kann man natürlich keine intensive und ruhige Freiarbeit erwarten, da manche Kinder noch nicht einmal zwei bis drei Arbeitsanweisungen befolgen können („packt euer Heft weg und holt euren Block, sowie einen roten Stift heraus“).

Ebenso fällt mit dazu auch die Arbeit mittels Lernwerkstatt ein.

Ich hoffe, es waren ein paar Anregungen dabei.

Gruß
Tato

Hallo,

vielen Dank für deine Antwort. Das wird mir weiterhelfen.

Miriam

Hallo Miriam,

Möglichkeiten:

  • Individualisierung: jedes Kind kann sein Arbeitstempo, die Reihenfolge der Arbeiten wählen
  • Differenzierung: Lehrkraft kann die Aufgaben den Fähigkeiten der Kinder anpassen
  • Selbstorganisation: Kinder lernen sich zu organisieren und sich für ihre Arbeit selbst verantwortlich zu fühlen

Grenzen:

  • gute Freiarbeit erfordert einen sehr hohen Arbeitsaufwand für die Lehrkraft (Vorbereitung und Kontrolle!)
  • gute Freiarbeit benötigt genügend Platz Frontalunterricht kann notfalls auch in einer „Sardinenbüchse“ stattfinden)
  • Gefahr der „Vereinzelung“: jedes Kind arbeitet für sich, langsam/nachlässige Kinder werden nicht angeregt, sich zu verbessern (dies wird von Befürwortern natürlich verneint und lässt sich auch auffangen, die Gefahr besteht aber ganz entschieden)
  • Für Kinder mit großen Konzentrationsproblemen und/oder massiven Defiziten im sozialen Bereich ist der Rahmen zu weitmaschig, zumal in einer zu großen Klasse mit zu wenig Lehrkräften!
  • bestimmte Lerninhalte lassen sich nur frontal vermitteln

mein Fazit: Man sollte freie und offenere Formen nicht als konkurrierende, sondern als sich ergänzende Unterrichtsformen ansehen, wobei das jeweils ideale „Mischungsverhältnis“ von Klassengröße, Raum und den Fähigkeiten der Schüler (und natürlich der Lehrkraft) abhängt!
Gruß!
Christian