Freiberufler --> Angebot 75%-Stelle - Was tun?

Moin!
Ich hoffe, ihr könnt mir helfen, mir eine bessere Grundlage zur richtigen Entscheidung zu schaffen.
Ich bin seit Oktober 08 freiberuflich als Honorardozent (umsatzsteuerfreier Lohn) tätig und komme auf ein Bruttoeinkommen, das ja erstmal direkt aufs Konto gezahlt wird, von 1600,- bis 2500,- pro Monat. Die Auftragslage ist blendend und ich kann davon ausgehen, dass ich auch die nächsten 2 Jahre auf mindestens dieses Einkommen komme. Mein 60-Min-Stundenlohn beträgt 28€ und ich kann extrem flexibel arbeiten, d.h. ich habe selten vor 9 Uhr morgens zu arbeiten und spätestens(!) um 16:30 bin ich zu Hause. Da ist auch mal 1-2 Tage frei zwischendurch kein Problem.

Von derselben Firma, die mich bisher freiberuflich beschäftigt, habe ich nun ein Angebot für eine 75%-Stelle. Das entspricht 30 Zeitstunden Arbeit die Woche, Di-Do von 07:30 bis ca. 16:00 Uhr und freitags nochmal von 07:30 bis 14:00 Uhr. Eine volle Stelle wären 1971,- € Brutto, die 75% entsprechen knappen 1500,-. Der effektive Stundenlohn sind dann 12,50,-. Eine 50%-Stelle wäre auch möglich.

Nähme ich diese Stelle an, könnte ich keine der freiberuflichen Tätigkeiten mehr für meinen Arbeitgeber ausüben, also habe ich nur entweder oder. Meine Chefin hätte gerne eine Zu- oder Absage bis Montag!

Zusätzlich habe ich noch mein eigenes Unternehmen (IT-Dienstleistung, was für die nahe Zukunft ebenfalls sehr aussichtsreich ist - Kundenstammübernahme, Partnerschaft mit Kommunikationsversorger) und ich schätze meine Flexibilität.

Eigentlich habe ich mich schon dafür entscheiden, weiterhin freiberuflich und selbstständig zu sein, aber ich möchte nichts übersehen, was die Vorteile des Angestelltseins angeht!

Was würdet ihr mir empfehlen? Auf was muss ich acht geben?

Ich danke euch schonmal im Voraus :smile:

Phil

Hi,

also bereits nach dem ersten Durchlesen sagt meine innere Stimme deutlich:
Bleib freiberuflich.

TR

Das ist schonmal gut, das Ding ist nur, dass es mir darum geht, in diesem Thread zu erfahren, was für Vorteile des Angestelltendaseins ich vielleicht übersehe! Ich weiß, dass…
… ich als Freiberufler kein ALG bekomme
… ich kein Krankengeld bekomme
… ich Urlaub nur unbezahlt machen kann
… meine GKV + PV momentan 150€ teurer ist als als Angestellter
… ich keine Renteneinzahlungen leiste und somit auch keine gesetzl. Rente bekomme
… ich außerdem bei SpardaBank und Santander kein kostenloses Giro bekomme wie alle normalen Arbeiterameisen :wink:

Hallo,

Vorteile:

  • Es kommt regelmässig und vorhersehbar Geld (wohl DAS Argument)
  • Der Geldfluss wird in der Regel ohne jegliches eigenes Zutun mit dem Alter grösser
  • Es gibt sowas wie Feierabend wo man vorübergehend alles vergessen kann.
  • man kann je nach Lust und Qualifikation bei Nichtgefallen jederzeit die regelmässige und vorhersehbare Geldquelle wechseln.

Mehr fällt mir wirklich nicht ein.

TR

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Schön, wie schnell hier Antworten kommen, echt klasse! Danke :smile:

Thomas, zu deiner Aussage:

Vorteile:

  • Es kommt regelmässig und vorhersehbar Geld (wohl DAS
    Argument)

aber eben deutlich weniger

  • Der Geldfluss wird in der Regel ohne jegliches eigenes Zutun
    mit dem Alter grösser

Ok, das ist ein Argument, das definitiv zieht.

  • Es gibt sowas wie Feierabend wo man vorübergehend alles
    vergessen kann.

Feierabend habe ich so ja auch nach der Arbeit und das freiberuflich sogar noch früher :wink:

  • man kann je nach Lust und Qualifikation bei Nichtgefallen
    jederzeit die regelmässige und vorhersehbare Geldquelle
    wechseln.

Ich kann mich ja auch so jederzeit woanders bewerben und ich habe dabei keinerlei Fristen einzuhalten. :smile:

Hallo scnortsch,
du hörst dich so an, als wenn du deine Sache selber machen kannst.
Deshalb empfehle ich dir dringend, deine Selbständigkeit zu behalten.

Warum?

  1. Du würdest unglücklich, wenn du -einmal selbständig- nach
    anderer Leute Pfeife tanzen MÜSSTEST.

  2. Auf den Rat externer Mitarbeiter wird besser gehört.

  3. Du bist auf dem Holzweg, wenn du meinst, dass der AG die Hälfte
    deiner GKV & Co bezahlen würde; er führt sie nur ab - nachdem er sie von deinem Lohn abgezogen hat. Die kannst du auch selber bezahlen-
    oder/und in anderen sicheren Werten beliebig anlegen.
    Z.B. in eine Immobilie in einem Urlaubsgebiet. Macht sich später nach dem Arbeitsleben besser. Wenn du evtl mit 50 fertig bist und genug Geld und Zeit hast, das Leben zu genießen.

  4. Das Geschäft eines Selbständigen, der sich reinhängt!,
    wächst schneller als Lohn.

  5. Du kannst dein Geschäft beliebig weit ausdehnen.

  6. Du kannst bestimmen, was du annimmst, und -vor allen Dingen-
    nicht annimmst. Nimm immer die Hälfte mindestens als Anzahlung,
    zu verrechnen am Ende der speizifierten Aufgabe.

  7. Du bist nicht ‚erpressbar‘. Wenn dir was nicht passt, lässte halt die Finger von.

  8. Deine Brust ist stärker, die Eier in der Hose dicker,
    wenn du dein Leben selber gestalten konntest.

  9. Sicherer Arbeitsplatz? Wer glaubt daran heute noch…
    Du könntest ganz schön gemobbt werden, wenn Cheffe mal wechselt,
    und du GUT warst/bist in deinem Arbeitsfeld.

  10. Du kommst sicher mehr in der Welt herum. Damit wirst du immer interessanter, menschlich und fachlich. Nicht ohne Grund sind ‚Fahrende Gesellen‘ sehr begehrt.

Empfehlung von - www

PS: Sorge für eine einwandfreie Buchhaltung, zeitgerecht.
Auch das stärkt dein Selbstbewußtsein.

Hallo wer-wann-wo,

  1. Du bist auf dem Holzweg, wenn du meinst, dass der AG die
    Hälfte deiner GKV & Co bezahlen würde; er führt sie nur ab - nachdem
    er sie von deinem Lohn abgezogen hat. Die kannst du auch
    selber bezahlen-

echt?

bei uns wird der AG-Anteil durchaus auf das Bruttogehalt draufgeschlagen, bevor der Gesamtbetrag dann abgeführt wird. Wo arbeitest Du denn, dass das anders läuft?

  1. Du kannst bestimmen, was du annimmst, und -vor allen Dingen-
    nicht annimmst.

Aber nur, wenn das Geschäft auch gut geht

  1. Du bist nicht ‚erpressbar‘. Wenn dir was nicht passt,
    lässte halt die Finger von.

siehe oben.

Ich möchte nicht behaupten, dass der UP nicht selbständig bleiben soll. Aber falsche Annahmen sind keine gute Entscheidungsgrundlage.

Gruß, Karin

Hallo Karin

bei uns wird der AG-Anteil durchaus
auf das Bruttogehalt draufgeschlagen,
bevor der Gesamtbetrag dann abgeführt wird.

Und du bist der Meinung,
daß der AG das Geld aus seiner Tasche zahlt?
Die muss er doch (Brutto + Anteil) von irgendwoher einnehmen, nicht wahr?
Und die kann er dank deiner Leistung einnehmen, dafür hast du gebuttert.
Im übrigen kann ein Selbständiger genau so verfahren;
jedoch - er könnte das eingenommene Kapital nach seinem Gusto anlegen;
das muß nicht mal in die staatliche Rente sein. Vielleicht den Grundbetrag?

Allerdings ist es mittlerweile Pflicht, eine KK zu zahlen (+Soli).
Aber auch die wird natürlich sowohl die Firma als auch der Selbständige
auf seinen Verkaufspreis aufschlagen (müssen).
Wobei der Selbstänige i.a. noch die Wahl hat, privat oder GKV.

Diese Angelegenheit ist einer der am weitesten verbreiteten Irrtümer.
U.a: http://de.wikibooks.org/wiki/Enzyklopädie_der_populä…

Also wieder durchaus Vorteil für den Selbständigen.

__

Genau so ein Irrtum ist es, daß eine Firma Steuern zahlt.
Sie führt die Steuern nur ab, leitet sie durch, nachdem sie
das Geld (brutto) vom Käufer/Kunden (mit Steuern) eingenommen hat.
Gilt nicht nur für MwSt, sondern auch für die anderen 'Firmen’steuern.
Die bezahlt stets der Endverbraucher,
wenn er eine Ware/Leistung (z.B. mit MwSt) bezieht;
niemals eine Firma.
Einer Firma ist es total egal wie hoch die (MwSt) ist,
(es sei denn 100% _g_); denn sie ist für alle im Lande gleich.
Damit gibt es deswegen keine Unterschiede im Wettbewerb
gleicher Unternehmensformen/-Strukturen.
Ist deshalb unbedeutend für alle Firmen,
beileibe jedoch nicht für den Endverbraucher.

Aber nur, wenn das Geschäft auch gut geht

Das kann auch bei einer etablierten Firma so ausgehen,
dass sie ‚nicht so gut geht‘.
Jedes Jahrzehnt dann bei/in so einer Firma
machen bei deren Untergang/Schlechtlaufen/Kurzarbeit
einen Neuanfang schwieriger.
Die ‚größere Sicherheit‘ einer Firma ist somit nur Schein.
Vielmehr bemerkt ein Selbständiger einen Engpass viel eher
als eine (große) Firma, die sich vielleicht scheut,
ihre (miesen?) finanziellen Verhältnisse zuzugeben.
Wenn es dann knallt, und du wirst als Angestellter entlassen,
dann haben Selbständige anderweitig eventuell
noch freie Stellen/Projekte längst besetzt.

Und jetzt? Doch nen Denkanstoß gehabt?

Allerdings , und das ist (eine) Voraussetzung zur Selbständigkeit:
präzise Buchhaltung ist das A&O - von Anfang an.
Und keine Nachlässigkeit oder ‚Schummelei‘!
Und das Thema kann ein Selbständiger durchaus auch allein
erledigen, dazu braucht er nicht unbedingt ein Steuerbüro.
Einen Steuerberater sicher schon -dank sei den Teutschen Steuersystem-.
Die Betonung liegt auf …berater.

Za mir - www

Hallo,

bei uns wird der AG-Anteil durchaus
auf das Bruttogehalt draufgeschlagen,
bevor der Gesamtbetrag dann abgeführt wird.

Und du bist der Meinung,
daß der AG das Geld aus seiner Tasche zahlt?

Diese Augenwischerei ist den wenigsten Leuten bewusst und
daher verzeihlich.
Der „Gesamtlohn“ eines AN ist eigentlich Brutto + sagen wir 35%.
Und das ist ja eigentlich das was ein Selbständiger „Brutto“ (also ohne 35%) haben muss um finanziell mit einem Angestellten gleichgestellt zu sein.
Das ist aber aus Käufersicht wiederum egal, da er letztendlich entweder Angestellten-Brutto + 35% oder eben Selbständigen-Brutto bezahlt, also das Selbe, nur unterschiedlich verpackt.

Die anderen Einwendungen entspringen der pessimistischen Lebenseinstellung der Antwortenden.

Gruss,
TR

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