Freiberufler/Gewerbe nach Studium

Hallo Leute!
Ich hab mal ein paar Fragen an euch, evtl. könnt ihr mir weiterhelfen. Die Suchfunktion hat mir zwar schon viel gebracht, aber ich würde mich über eure Meinung freuen.

Also ich bin seit einigen Wochen frischgebackener Diplom-Ingenieur Elektrotechnik, bis Ende März noch als Student immatrikuliert. Mein eigentlicher Plan nach der Uni war, mich bei einer Firma um eine Festanstellung zu bewerben.

Jetzt habe ich aber ein sehr interessantes Angebot von einer Firma aus Österreich (ich bin in Deutschland) bekommen, für zunächst 6 Monate an einem IT-Projekt mitzuarbeiten (von zuhause aus). Diese Firma kann mich aber nur als Selbständiger einstellen, wobei denen egal ist ob mit Gewerbeschein, Freiberufler, „Neuer Selbständiger“, usw. Jetzt weiß ich nicht so recht, was ich machen soll.

Um Selbständig zu werden, habe ich in Deutschland doch 2 Optionen: Freiberufler oder Gewerbe anmelden.
Freiberufler geht nur für bestimmte Sparten, wobei der Dipl.-Ing. bzw. Software-Entwickler meines Wissens darunter fällt. Dann darf ich aber natürlich nichts verkaufen bzw. Handel treiben.

Zu welchem von beiden würdet ihr mir pauschal raten oder braucht ihr da noch mehr Info? Könnte ich das überhaupt als Freiberufler machen? Der ungefähre Verdienst für die 6 Monate liegt bei 20.000 Euro, für weitere Projekte in ähnlichem Rahmen.
Und weiß jemand, ob es für Österreich irgendwas zu beachten gibt?

Ich spiele allerdings auch mit dem Gedanken, gegen Mitte bzw. Ende des Jahres ein Kleingewerbe als Programmierer/Shareware-Autor anzumelden. Dazu muss ich aber erst eine Wohnung und ein Büro suchen. Kann man da später wechseln von Freiberufler zu Kleingewerbe? (Ich weiß, dass man das auch getrennt parallel machen kann, aber bei mir würde sich das vermischen).

Wie läuft das mit dem arbeitslos melden? Normalerweise müßte ich mich ja ab April beim Arbeitsamt melden, wobei ich soweit ich weiß als ehemaliger Student kein Arbeitslosengeld/-hilfe kriegen kann. Wenn ich jetzt meinen Freiberufler (beim Finanzamt) bzw. mein Gewerbe anmelden würde, was muss ich dann denen am Arbeitsamt erzählen? Überbrückungsgeld gibt es als Student auch nicht, wenn ich kein ALG kriege, richtig?

Ich werde mich wahrscheinlich nächste Woche mal am Finanzamt und Arbeitsamt beraten lassen, aber vielleicht könnt ihr mir schon ein paar Hinweise/Tips geben.

Viele Grüße & Dank im Voraus

Michael

Hallo Michael!

Der ungefähre Verdienst für :die 6 Monate liegt bei 20.000 Euro…

Bitte deutlicher: Für 6 Monate 20.000 € monatlich oder insgesamt 20.00 € für die gesamte Projektlaufzeit?

20 T€ pro Monat ist in Ordnung und sogar recht üppig. Aber insgesamt nur 20 T€ für 6 Monate für einen selbständigen Dipl.-Ing sind inakzeptabler Spielkram. Da verdienst Du ja schon als Angestellter mehr, bekommst einen geheizten Raum und bis zum Bleistift alles gestellt, genießt alle sozialen Wohltaten, hast Urlaubsanspruch, der Arbeitgeber zahlt die Hälfte Deiner Sozialversicherung, Du haftest außer für Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit für gar nichts und Du bekommst Dein Geld auch mal fürs reine Zeitabsitzen.

Wenn Du das Projekt als Selbständiger bearbeitest, dann als Freiberufler, also ohne Gewebeanmeldung. Ist am unkompliziertesten, gewerbesteuerfrei und weil es eben kein Gewerbe ist, darf man der Tätigkeit in jeder Wohnung nachgehen, ohne irgendwen zu fragen. Aber verdirb nicht die Preise! 20 T€ für ein halbes Jahr - da fehlt ein Faktor 3 oder mehr, sonst würde ich mit denen nicht mal reden, ganz egal, wie interessant das Projekt ist. Denk daran, Du bist für Kranken- Renten- und Unfallversicherung ganz alleine zuständig, es interessiert niemanden, wenn Du krank wirst, Du hast Deinen Job durchzuziehen, selbst wenn Du Tag und Nacht arbeitest. Du haftest für jeden Murks natürlich auch ganz alleine und das Wort Urlaub kommt in Deinem Sprachschatz nicht mehr vor. Das ist alles nichts Schlimmes, kann sogar höchst befriedigend sein, aber es muß angemessen bezahlt werden. Hinzu kommen Zeiten für Organisatorisches und Beschaffungen, die man niemandem in Rechnung stellen kann. Je nach benötigter Ausstattung (von einem gewöhnlichen PC mit MS Office redet keiner) beträgt das übliche Tageshonorar für einen freien Ing. ab 1.000 €, auch deutlich jenseits der 2.000 € sind keine Seltenheit. Dabei ist zu berücksichtigen, daß u. U. viel Organisatorisches anfällt und sich Projektzeiten selten lückenlos aneinander reihen. Die Bäume wachsen also nicht in den Himmel. Aber 20 T für ein halbes Jahr sind keine Bäume, das sind kaum Bodendecker.

Du bist noch ein junger Ing vermutlich ohne spezielles Know-how. Deshalb wird sich ein angemessenes Salär am unteren Ende bewegen, aber 20 T per Halbjahr sind auf der Skala des Üblichen gar nicht drauf.

Gruß
Wolfgang

Hallo Wolfgang!
Zunächst einmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
Also das war schon 20.000 Euro für die gesamten 6 Monate - das kommt mir inzwischen auch recht wenig vor, v.a. wenn das Einstiegsgehalt als Angesteller für mich bei ca. 40.000 - 48.000 pro Jahr liegen würde.

Bzgl. Freibreuflich/Gewerbe: wie geht das, wenn man als Freiberufler später ein Gewerbe aufmachen will, muss ich dann den Freiberufler wieder abmelden? Weisst du da was genaueres?

Grüße

Michael

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Hallo Wolfgang!
Zunächst einmal vielen Dank für deine ausführliche Antwort!
Also das war schon 20.000 Euro für die gesamten 6 Monate - das
kommt mir inzwischen auch recht wenig vor, v.a. wenn das
Einstiegsgehalt als Angesteller für mich bei ca. 40.000 -
48.000 pro Jahr liegen würde.

Ich würde als diplomierter Anfänger einen Tagessatz von etwa 400 € vorschlagen, das ist zwar relativ wenig, aber zum Anfang m.E. in Ordnung. 21 € für eine Stunde sind einfach als Selbstständiger Unsinn.

Bzgl. Freibreuflich/Gewerbe: wie geht das, wenn man als
Freiberufler später ein Gewerbe aufmachen will, muss ich dann
den Freiberufler wieder abmelden? Weisst du da was genaueres?

Eine Personenunternehmung später zu gründen ist kein Problem - mit Unterstützung z.B. eines St.-Beraters.

bitte keine Flausen in den Kopf setzen…
Hallo Wolfgang,

ich würde den jungen Kollegen näher an der Erde, vielleicht sogar auf dem Teppich lassen.

Bitte deutlicher: Für 6 Monate 20.000 € monatlich oder
insgesamt 20.00 € für die gesamte Projektlaufzeit?

20 T€ pro Monat ist in Ordnung und sogar recht üppig. Aber
insgesamt nur 20 T€ für 6 Monate für einen selbständigen
Dipl.-Ing sind inakzeptabler Spielkram. Da verdienst Du ja
schon als Angestellter mehr…

Da gebe ich Dir vollkommen recht, 20 Kilo für 6 Monate ist inakzeptabel wenig. Bei durchschnittlichen Arbeitszeiten sind wir hier bei einem Stundensatz von ca. 20 Euro. Das ist kein Angebot des Auftraggebers, das ist eine Frechheit und gehört ins Witzebrett.

Aber verdirb nicht die Preise! 20 T€ für ein halbes Jahr - da fehlt ein Faktor 3 oder mehr, sonst würde ich mit denen nicht mal reden, ganz egal, wie interessant das Projekt ist.

Auch korrekt.

Je nach benötigter Ausstattung (von einem gewöhnlichen PC mit MS Office redet keiner) beträgt das übliche Tageshonorar für einen freien Ing. ab 1.000 €, auch deutlich jenseits der 2.000 € sind keine Seltenheit.

Jetzt wirds mir zu hoch (die Tagessätze meine ich, nicht das Thema :wink:
Wir reden hier von Softwareentwicklung, egal was er studiert hat. Wenn hier suggeriert wird, dass die 2000 Euro für ihn jemals zu erzielen wären, dann werden hier völlig falsche Erwartungen geschürt. Das ist nicht drin in der Branche. Nicht heute, nicht vor fünf Jahren und nicht in fünf Jahren. Selbst 1000 Euro sind enorm viel.
Vielleicht habe ich Dich mißverstanden. Mag sein, dass ein Ingenieur in einem Spezialgebiet für EINEN Tag sowas kriegt. Dann aber wieder 2 Tage warten muß, bis sein Spezialwissen wieder gefragt wird. Für eine „40 Stunden-Woche“ mit Leerläufen bezahlt das keiner.
Ich bin seit fast 15 Jahren in der IT-Branche selbständig und befinde mich mit den Stundensätzen in den oberen Regionen. Mag sein, das bei den Kollegen auch einer mit 2000 am Tag dabei ist, den kenne ich aber nicht.

Aber 20 T für ein halbes Jahr sind keine Bäume, das sind kaum Bodendecker.

*LOL*
Ich habe hier vor ein paar Tagen einem Kollegen den Kopf gewaschen, weil er für 35 Euro/Stunde einen Auftrag angenommen hat. Damit macht er wirklich die Preise kaputt.

Nix für unguat
Bonsai

Hi Michael,

laß Dich zu dem Thema „Freiberufler oder Gewerbetreibender“ von einem Steuerberater beraten.

Als Gewerbetreibender bist Du flexibler, stehst weniger unter Beobachtung des Finanzamts und mußt Dir nicht bei jedem Auftrag überlegen, ob der nicht vielleicht Deinen Freiberuflerstatus gefährden könnte.

Als Freiberufler fällt eben keine Gewerbesteuer an. Wobei man den Vorteil hier nicht durch einfache Subtraktion zweier Zahlen lösen kann, da sich sowohl die erhobene wie auch die bezahlte Gewerbesteuer in einem Veranlagungsjahr steuermindernd auf die Einkommensteuer auswirkt. Der finanzielle Vorteil der Gewerbesteuerfreiheit sinkt mit dem Hebesatz der Gemeinde. D.h., wenn Du in München besteuert wirst, lohnt es sich eher, den Freiberuflerstatus durchzusetzen, als in Aschau im Chiemgau.

Zu Deinem „Angebot“: Die 20.000 für 6 Monate sind vermutlich eine Frechheit. Sollst Du fulltime arbeiten dafür, oder wie hoch wird Dein zeitlicher Aufwand sein? Als junger Softwareentwickler solltest Du nicht deutlich unter 50 Euro/Stunde einsteigen, Tendenz steigend.

Gruß
Bonsai

Hallo!

ich würde den jungen Kollegen :näher an der Erde, vielleicht
sogar auf dem Teppich lassen.

Hallo!

Man sollte unterscheiden, um welche Art Auftrag es sich handelt. Jobs der Art „40 Stunden pro Woche“ hab ich noch nie erlebt. Die Aufgaben waren und sind ergebnisorientiert. Nur kurze Einsätze werden nach Tagessätzen abgerechnet, während für länger dauernde Aufgaben i. d. R. ein Festpreis nebst Termin der Fertigstellung vereinbart wird. Etwa Versuche in einer (ebenfalls nach Tagessätzen angemieteten) Prüfhalle werden nach Tagessätzen abgerechnet. Manche Kunden wollen Unwägbarkeiten ausschließen und akzeptieren nur einen Festpreis, der dann natürlich ein einkalkuliertes Polster beinhaltet. Manchmal gibt’s eine Grauzone, erst nach einiger Arbeit stellt sich heraus, daß die Vorgehensweise nicht wirklich optimal war und schon bewegt man sich zwischen Gimmik und voller zusätzlicher Berechnung. Ich liefere in aller Regel Hardware. Dabei hat der Preis nichts oder nur wenig mit z. B. Bauelementekosten zu tun. Vielmehr ist der Preis der Hardware der Preis für die Problemlösung.

Butter bei die Fische: Ein beratender Ing., ein Softwaremensch o. ä. , der außer Pkw und ein bißchen Bürozeugs keine größere betriebliche Infrastruktur zu tragen hat, wird Umsatz in der Größenordnung von 100 T€ p. a. erwirtschaften. Das schafft er gewiß nicht am Anfang, wenn er seine Arbeitsschwerpunkte und Kunden erst noch finden muß. Es dauert gar nicht lange, bis eine Kraft gebraucht wird, die sich ums Telefon, um Dokumentation usw. kümmert und schon schmelzen 100 T€ wie Eis in der Sonne. Ob niedergelassener Arzt, Rechtsanwalt, Architekt oder Ing., mit betrieblicher Infrastruktur und Personal explodieren die Kosten. Eine Bürokraft, ein, zwei Leute in der Werkstatt, am Labortisch oder am CAD, aber nur ein Denker/Problemlöser, der den Kern der Aufträge bearbeitet, der muß auf Gedeih und Verderb 2.000 € am Tag beibringen. Man darf sich von Tagessätzen nicht blenden lassen. Mancher sehnt sich bald nach der Zeit als Alleinunterhalter zurück.

Gruß
Wolfgang

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