SPD-Spitze offenbar einig über Konzept zur Bürgerversicherung / Private und gesetzliche Krankenkassen sollen gleichgestellt werden
Regine Zylka und Timot Szent-Ivanyi
BERLIN, 16. August. Die Deutschen sollen nach dem Willen der Sozialdemokraten in Zukunft frei wählen können, ob sie sich bei einer gesetzlichen oder einer privaten Krankenkasse versichern. Auf diesen Kernpunkt einer Bürgerversicherung hat sich nach Informationen der Berliner Zeitung die SPD-Spitze verständigt.
Die Bürgerversicherung soll danach auch Mitgliedern einer Privatkasse offen stehen, die sich nach heutigem Recht nicht in einer gesetzlichen Krankenkasse versichern oder dorthin zurückkehren dürfen. Umgekehrt sollen alle gesetzlich Versicherten die Option erhalten, in eine private Krankenkasse zu wechseln. Bislang sind Beschäftigte unterhalb einer bestimmten Einkommensgrenze zwangsweise Mitglied in einer gesetzlichen Krankenversicherung.
Das SPD-Konzept für die nächste Gesundheitsreform wird zurzeit von einer Arbeitsgruppe unter Leitung der Parteilinken Andrea Nahles erarbeitet. Die Runde war vom Parteivorstand eingesetzt worden. Sie will ihr Modell bis Ende nächster Woche fertig stellen. Das Thema soll auf der Kabinettsklausur Anfang September in Bonn auf der Tagesordnung stehen. Nach Informationen der Berliner Zeitung sind die Pläne in den Grundzügen aber bereits mit führenden Sozialdemokraten wie Parteichef Franz Müntefering, Bundessozialministerin Ulla Schmidt und Finanzminister Hans Eichel abgestimmt.
Danach hat die SPD-Spitze sich darauf festgelegt, einen echten Wettbewerb zwischen privaten und gesetzlichen Krankenkassen herzustellen und die so genannte Pflichtversicherungsgrenze abzuschaffen. Damit hätte jeder Bürger die freie Kassenwahl. Anfängliche Debatten, wonach sich Privatkassen auf das Geschäft mit Zusatzversicherungen zurückziehen müssten, seien endgültig vom Tisch, hieß es in SPD-Kreisen.
Die Wettbewerbsbedingungen sollen den SPD-Plänen zufolge denen der heutigen gesetzlichen Krankenversicherung entsprechen. So soll der Bürgerversicherungstarif den jetzigen Leistungskatalog der gesetzlichen Kassen umfassen. Alle Kassen müssen dem Konzept zufolge jeden Antragsteller, also auch Geringverdiener, aufnehmen (Kontrahierungszwang). Zudem wären risikoabhängige Prämien, zum Beispiel höhere Beiträge für Frauen, verboten. Im Gegenzug sollen die Privaten in den Finanzausgleich der gesetzlichen Krankenversicherung aufgenommen werden. Dieser Risikostrukturausgleich sorgt dafür, dass Kassen, die viele Alte oder Kranke haben, nicht benachteiligt werden.
… Quelle: Berliner Zeitung
Ob die Gleichbehandlung von privaten und gesetzlichen KK eine gute Idee ist/sein wird hängt zweifellos vom Blickpunkt und Erfolg dieser Aktion ab. Allerdings wird mit dieser Massnahme auch die Konkurrenz der KK’s untereinander gemildert. Nicht unbedingt zum Vorteil des Kranken…
Ausserdem Risikostrukturausgleich: jetzt ‚dürfen‘ die verdienenden KK’s für die anderen draufzahlen.
Aber mal anders herum betrachtet: die Gesundheitskosten nicht nur hierzulande sind doch nur deswegen gewachsen, weil es früher die medizinischen Massnahmen zur Lebensverbesserung/-rettung nicht gab. Das Zeitliche wird man sowieso segnen, und wenn man früher an Lungenentzündung verstorben ist, passiert das heute z.B. wg. Krebs. Nur mit dem Unterschied, dass die medizinische Massnahme heute noch Geld kostet. Wie schrieb Walter Krämer doch mal so schön:" Wir kurieren uns zu Tode". Und für das Portemonaie eines Kunden interessiert sich eine KK ohnehin viel zu selten. Traurig, aber wahr…
Hallo,
als Mitarbeiter einer gesetzlichen Krankenkasse sage ich : „nein“
Das ist wohl nachvollziehbar.
Wenn das nämlich so kommen würde, gäbe es faktisch nur noch die
PKV - denn was wäre wohl dann bei der AOK anders wie bei der
Allianz oder DKV usw. ???
Ich bin der Meinung, wenn schon Bürgerversicherung, dann für alle
bis zu einem bestimmten Einkommen und dann erst die Wahlfreiheit
zwischen Bürgerversicherung und PKV.
All das was die Bürgerversicherung nicht leistet kann über
Zusatzversicherungen auf privater Basis entweder über die GKV
(analog der jetzigen Kooperationen mit der PKV) oder direkt über die
PKV abgesichert werden.
als Mitarbeiter einer gesetzlichen Krankenkasse sage ich :
„nein“
verständlich und nachvollziehbar!*g* Aber auch richtig!
Wenn das nämlich so kommen würde, gäbe es faktisch nur noch
die
PKV - denn was wäre wohl dann bei der AOK anders wie bei der
Allianz oder DKV usw. ???
Na, einiges:
die Leistungen
der Beitrag
usw.
Ich bin gegen eine Bürgerversicherung… auch in der Form!
Grund: es wäre der Tod der Kassen. Die meisten jungen ( = gute Risiken) wechseln in die Privaten (Klasse für meinen Geldbeutel). Was bleibt? Die Kranken (die von den Privaten nicht aufgenommen werden) und die Großfamilien (einer zahlt, alle fordern Leistungen ab).
Ergebnis: der Beitrag steigt auf 30 % und mehr!
Nein, die GKVs haben eine sehr wichtige Aufgabe in unserem Staat. Diese Aufgabe kann nur gelöst werden, wenn innerhalb der Solidargemeinschaft genügend Einzahler sind, die keine oder wenige Leistungen abfordern. Dies kann man aber nicht auf freiwilliger Basis erreichen. Es muss ein Zwang dasein (BBG). Über die Höhe der BBG kann man streiten, nicht über den Sinn!
Wie immer fällt die SPD von einem Fehler in den anderen.
Es wird höchste Zeit, dass die weg kommen.
Grüße
Raimund
Die meisten jungen ( = gute
Risiken) wechseln in die Privaten (Klasse für meinen
Geldbeutel). Was bleibt? Die Kranken (die von den Privaten
nicht aufgenommen werden) und die Großfamilien (einer zahlt,
alle fordern Leistungen ab).
Ergebnis: der Beitrag steigt auf 30 % und mehr!
Das ist deshalb nicht richtig, weil die PKV dann Kontrahierungszwang hat!
Das Beispiel Großfamilie ist zu vernachlässigen, weil es über die Kopfpauschale Familiezuschüsse geben wird!
Das Modell hat gegenüber „Bürgerversicherung“ große Vorteile. Es entsteht Wettbewerb! Die GKV`n werden noch schneller fusionieren bis wir nur noch eine handvoll Kassen haben.
Ein Teil der Bevölkerung wird beginnen für die zukünftigen Schäden anzusparen und damit die Soziallasten in 20 - 30 Jahren zu senken.
Ich glaube das ist ein guter Weg - warten wir doch ab was in der politische Diskussion daraus wird!
Wer wird wann wie wo versichert?
Wie werden das Finanzierungssystem dargestellt?
Wie werden die Kosten in den Sozialkassen gesenkt?
P.S. an Günter - sorry, aber Zusatzversicherungen der GKV oder die heutigen Kooperationen sind m.E. verwerflich und verfassungswidrig! Der Barmer Kunde bekomkmt schlechte Angebote der HUK ohne sich zu informieren oder beraten zu lassen. Die Beratung, die das Mitglied einer Kasse bei seiner Kasse erhält, ist ja wohl nicht die Markttransparenz und das beste Angebot?
Hallo Thorulf,
so viel ich weiß dürfen die Privaten Risikozuschläge verlangen.
das Ergebnis: privat = gutes Risiko, alle schlechten = GKV
Zum Zusatztarif der GKV: nach bisheriger Rechtssprechung muss ein Vermittler von Versicherungen dem Kunden entweder das bestmögliche Angebot machen (was in diesem Bereich natürlich kompliziert ist) oder ihm die Auswahlmöglichkeit geben. Macht er das nicht, kann er zum Schadenersatz verklagt werden.
Habe so etwas bei einem Makler erlebt, der seinem Kunden nur eine KFZ-Verwicherung anbot. Der Kunde verklagte ihn später, es hätte günstigere Tarife gegeben… und bekam Recht!
Schadenersatz!
Grüße
Raimund
hallo Thorulf,
das ist ja das, was mich ärgert.
Ich muss (und will) dem Kunden die möglichst richtige Versicherung bieten und dann gibt es Mitbewerber, die daran nicht gebunden sind.
außerdem bezweifele ich, dass die Beratung bei den Kassen so optimal sein wird (@Günter: entschuldige: Anwesende immer ausgenommen!*g*)
Grüße
Raimund
Hallo Thorulf,
da muss ich wohl etwas aus dem Nähkästchen plaudern.
Es ist nämlich so:
Wir als Kasse können eigentlich nur sagen, dass der einzigste
Vorteil in der Beitragshöhe liegt.
Was die Leistungen betrifft müssen und tun wir auch auf die
tatsache hinweisen, dass es sich bei diesen Zusatzversicherungen um
Angebote der PKV handelt , mit all ihren Nachteilen (Gesundheits-
prüfung, Risikozuschläge oder gar Ablehnung).
Der DAK-Kunde oder der BEK-Kunde muss nicht mit der Hanse-Merkur
oder der HUK abschliessen.
Selbst ich als DAK-Mitarbeiter bin von der Hanse-Merkur als
Kunde abgelehnt worden.
Was die Verfassung angeht, würde ich den Ball mal flach halten !!
hallo Günter,
das ist das Problem.
Die Firmenleitung ist nur an Umsatz interessiert (ohne jetzt auf spezielle Kassen einzugehen). Schnell-Info für die Angestellten, die mit dem Kunden in Kontakt kommen. Und die legen dem Kunden das Formular hin: „friss Hund oder stirb. Alles was nicht von uns ist, ist Mist!“
Zum Glück gibt es noch Ausnahmen.
Grüße
Raimund