Freie Verfügbarkeit von Diplomarbeiten ?

Hallo

nach dem Durchschauen der LinkListe bzw. Seiten wie

http://www.diplomarbeiten.de/
http://www.diplomarbeiten24.de/

ist mir die Frage in den Sinn gekommen, ob die Diplomarbeiten nicht frei zugänglich sein müßten?
Ich kann ja verstehen, dass die Leute damit noch Geld verdienen wollen aber warum werden Diplomarbeiten geschreiben, wenn sie niemand einsehen kann.

Was muß ich tuen um (aktuelle) Diplomarbeiten von z.b. Informatik einzusehen?

STK

Hallo,

Diplomarbeiten sind hauptsächlich Prüfungsarbeiten und als solche nicht generell öffentlich zugänglich. Viele Fachbereiche haben es sich aber zur Gewohnheit gemacht, die Diplomarbeiten separat im Institut, an dem sie geschrieben wurden, aufzustellen (möglicherweise auch sachlich eingeordnet). Auch die entsprechenden Fakultätsarchive müssten Exemplare erhalten, die meines Wissens auch in der Regel und bei freundlicher Anfrage einsehbar sind. Da würde ich es mal versuchen, wenn es dir um eine ganz bestimmte Arbeit geht.

Herzliche Grüße

Thomas Miller

Hallo!

Ich weiß nicht wie es in Deutschland gehandhabt wird, aber in Österreich kann man die Diplomarbeiten in der Nationalbibliothek in Wien lesen. Auch einige Institute haben in ihrer eigenen Bibliothek die Diplomarbeiten stehen.

mfg Ilse

Hallo STK,

prinzipiell sind Diplomarbeiten frei zugänglich, es gibt aber Ausnahmen.

Manchmal vereinbaren Firmen mit den Betreuern Sperrfristen, wenn der Inhalt der Arbeiten, die in Firmen erstellt wurden für diese relevant ist. Unsere Firma vereinbart üblicherweise 5 oder 10 Jahre Sperrfrist.

Das größere Problem dürfte die meist (sehr) ungenügende Erschließung des Informationspools ‚Diplomarbeit‘ ein.
Es gibt kein zentrales Registerund selbst von den ‚eigenen‘ Diplomarbeitetn haben die Unis meist kein Verzeichniss.

Im Gegensatz zu Doktorarbeiten sind keine Belegexemplare nötig und zu Veröffentlichungen werden sie meist garnicht oder nur ‚verwurstet‘ verwendet.
Verwurstet bedeutet, daß zwar eine Veröffentlichung gemacht wird, sich aber selten per Literaturangabe auf die Diplomarbeit bezogen wird.

Wenn Du irgendwie Kenntniss von einer bestimmten Arbeit kriegst
‚Herr Normalverbaucher, Otto, #Titel#, Institut‘

kriegst Du meist problemlos entweder eine Kopie oder als Leihgabe die Arbeit. Am besten schreibst Du den Leiter des betreffenden Instituts an. Bei mir hat das bisher immer geklappt

Gandalf

Hallo Gandalf,

Im Gegensatz zu Doktorarbeiten sind keine Belegexemplare nötig
und zu Veröffentlichungen werden sie meist garnicht oder nur
‚verwurstet‘ verwendet.
Verwurstet bedeutet, daß zwar eine Veröffentlichung gemacht
wird, sich aber selten per Literaturangabe auf die
Diplomarbeit bezogen wird.

Natürlich wird sich nicht auf die Diplomarbeit bezogen, da sie nicht veröffentlicht ist.
Zitierfähig sind ja nur Stellen, die tatsächlich auch längerfristig kontrollierbar sind. Das bedeutet im allgemeinen, dass sie mit einer ISBN oder bei Zeitschriften mit der wie auch immer ganannten Nummer (ISPN?) offiziell veröffentlicht wurden. Denn dann haben Zentralarchive ein Belegexemplar, das Du auch noch nach 10 Jahren bekommen kannst.

Wie schon die anderen sagten, sind Diplomarbeiten Prüfungsleistungen, die für einen bestimmten Zeitraum aufbewahrt werden müssen aufgrund der Prüfungsrelevanz. Danach werden sie häufig schlicht vernichtet! Und das ist der Tod der Zitierfähigkeit, wie auch z.B. das Internet von einigen wenigen Literaturarchiven abgesehen nicht wirklich zitierfähig ist.

(Mal abgesehen davon, dass Diplomarbeiten selten das Rad neu erfinden und wenn sie das tun, dann gibts mit Sicherheit auch zitierfähige Veröffentlichungen, wie Du ja schon sagtest)

Grüße
Jürgen

Hi,
ergänzend zu dem, was die anderen geschrieben haben:
Der Inhalt einer Diplomarbeit kann auch falsch sein. Die Kontrolle des Inhalts (=Beurteilung der Arbeit) erfolgt oft erst nach der Abgabe. Enthält die Arbeit Fehler, bekommt der Kandidat eine schlechte Note, aber die Arbeit wird nachträglich nicht mehr geändert (Prüfungsleistung!). Aus diesem Grund sind Diplomarbeiten nicht zitierfähig. Neben der fehlenden Archivierung fehlt auch die Qualitätssicherung.

Anders bei Dissertationen, die nach der Veröffentlichung zitierfähig ist. Die Arbeit darf aber erst nach Erhalt der „Imprimatur“ (Druckerlaubnis) veröffenlicht werden. Zur Qualitätssicherung hier: http://www.educat.hu-berlin.de/diss_online/dissinfo/…

Ciao Rossi