Freier Mitarbeiter oder Aushilfe?

Hallo,
ich habe gerade ein Angebot bekommen bei einer Firma als Freiberufler oder Aushilfe (angestellt) zu arbeiten. Die freiberufliche Tätigkeit wird wahrscheinlich nur eine Scheinselbständigkeit sein, da ich nur einen Auftraggeber habe. Außer dass der AG die Sozialversicherungsbeiträge spart und keinen Kündigungsschutz beachten muss, gibt es für mich wohl keine Vorteile. Ich müsste nur meine Sozialversicherung alleine bezahlen ohne AG-Anteil. In der Steuer unterscheiden sich beide Beschäftigungsformen lt. Finanzamt nicht. Vielleicht kann mir jemand erklären, was für Vorteile mir eine freiberufliche Tätigkeit bringt.

Viele Grüße und Danke für die Hilfe
Paula Hoppe

Hallo Paula,

ähm, wie Du ja schon selber schrobest würdest Du dann Scheinselbstständig sein. Und das ist ja nun ne Sache, die unser Gesetzgeber so ganz und gar nicht gerne sieht :wink: Ich hab zwar nicht den Hauch einer Ahnung, wie hoch die Wahrscheinlichkeit des Erwischtwerdens bzw. Strafen sind - aber ich meinerlicherseits täte das nicht tun. Dann eine echte Selbstständigkeit wo Du auch für diesen Auftraggeber arbeitest.

Vielleicht kann mir jemand erklären, was für Vorteile mir eine
freiberufliche Tätigkeit bringt.

Also vor ungefähr 100 Jahren, als der Ex-Diplomand von meinem Ex-Freund vor dieser Wahl stand und vor allem als diese Sache noch nicht so doll verboten war, hiess die selbstständige Variante deutlich mehr Geld. Und zwar auch nach Abzug aller Abgaben.

Aber ehrlich gesagt finde ich ein wenig merkwürdig, dass Dich ein Arbeitgeber überhaupt vor diese Wahl stellt. *grübel*

Keine Ahnung, ob Dir das weiterhilft, ich wollte’s einfach loswerden :wink:

*wink*

Petzi

Hallo Paula,

ähm, wie Du ja schon selber schrobest würdest Du dann
Scheinselbstständig sein. Und das ist ja nun ne Sache, die
unser Gesetzgeber so ganz und gar nicht gerne sieht :wink:

Warum? Ich würde doch ganz normal alle Abgaben zahlen, wie alle anderen auch. Dem Staat geht also nichts durch die Lappen.

Ich

hab zwar nicht den Hauch einer Ahnung, wie hoch die
Wahrscheinlichkeit des Erwischtwerdens bzw. Strafen sind -
aber ich meinerlicherseits täte das nicht tun. Dann eine echte
Selbstständigkeit wo Du auch für diesen Auftraggeber
arbeitest.

Es gäbe nur diesen einen Auftraggeber. Es ist eine wissenschaftlich technische Arbeit, wo ich ganz konkrete Aufgaben bekomme.

Aber ehrlich gesagt finde ich ein wenig merkwürdig, dass Dich
ein Arbeitgeber überhaupt vor diese Wahl stellt. *grübel*

Ich denke wegen der genannten Vorteile für die Firma.

Danke erstmal,
Gruß Paula

Hi,

ganz einfach:

Aushilfe= Risiko liegt bei deinem AG: Wenn Du krank wirst bekommst Du Geld, Du hast ne Arbeitslosenversicherung, auch wenn mal keine ARbeit da ist bekommst Du monatliche Dein Geld

Selbständiger: Risiko liegt bei Dir: Wenn Du krank wirst bekommst Du auch von niemand Geld, weil Du nix arbeitest, Versicherungen musst Du selbst bezahlen, Arbeitslosengeld kriegst Du keines. Risiko liegt also voll bei Dir, was bedeutet, dass Du dir das Risiko zahlen lassen musst! Desweitern hast Du Ausfallzeiten wie Akquise betrieben, Verwaltung (Rechnungen schreiben und so Zeugs) und die liebe Fortbildung. Wenn Du das alles Zusammenrechnest muss da ein wesentlich höherer Stundensatz für Dich drin sein, als bei einem Angestelltenverhältnis!

Grüße
Wolfgang

Hallo,
ich habe gerade ein Angebot bekommen bei einer Firma als
Freiberufler oder Aushilfe (angestellt) zu arbeiten. Die
freiberufliche Tätigkeit wird wahrscheinlich nur eine
Scheinselbständigkeit sein, da ich nur einen Auftraggeber
habe.

Muß nicht unbedingt Scheinselbständigkeit sein. Jemand der sich selbständig macht hat zunächst immer nur einen Kunden (den ersten Kunden nämlich). Bei Scheinselbstständigkeit gehören noch ein paar Dinge mehr dazu! (Eingliederung in den Betreib, Arbeitsanweisungen,etc.)

Bei Scheinselbständigkeit ist übrigens der Arbeitgeber der Dumme, wenn es rauskommt hat er einen Arbeitnehmer mehr und zahlt Bußgeld. Der Arbeitnehmer hat keine Nachteile.

Außer dass der AG die Sozialversicherungsbeiträge spart
und keinen Kündigungsschutz beachten muss, gibt es für mich
wohl keine Vorteile. Ich müsste nur meine Sozialversicherung
alleine bezahlen ohne AG-Anteil. In der Steuer unterscheiden
sich beide Beschäftigungsformen lt. Finanzamt nicht.
Vielleicht kann mir jemand erklären, was für Vorteile mir eine
freiberufliche Tätigkeit bringt.

Vorteile:
Freie Zeiteinteilung (Da Du Auftragnehmer und nicht Arbeitnehmer bist, mußt Du Deinen Auftrag erfüllen, nicht Arbeitsstunden ableisten).
Wenn Du schneller bist, bekommst du trotzdem den gleichen Lohn, die Zeit in der Du die Aufgabe erfüllst spielt keine Rolle.

Ansonsten nicht viel.

Gruß
Juhe

Genau abwägen
Hallo Paula,

ich würde es mir drei mal überlegen, als Freiberufler zu arbeiten. Wie hier schon geäussert wurde, musst Du Dich um den ganzen Steuerkram selber kümmern, bist nicht abgesichert, wenn Du krank wirst oder schwanger bist, zahlst nicht in die Rentenversicherung ein, bezahlst voll Deine Krankenkasse und bekommst kein Gehalt, wenn Du Urlaub machen willst. Das wiederum sind handfeste Vorteile für den Arbeitgeber. Der nebenbei auch noch die Sozialabgaben spart und Dir jederzeit die Zusammenarbeit aufkündigen kann. Was für viele Auftraggeber auch wichtig ist: Du fällst als Freiberufler in Projektbudgets, nicht direkt in die Abteilung Personalkosten. Über dieses Hintertürchen kann man dann zusätzliches Personal ranholen - heutzutage sehr beliebt. Zumal Dein Honorar frei verhandelbar ist. Tarife und sonstiges spielen hier keine Rolle.

Scheinselbstständigkeit ist dann gegeben, wenn Du nicht selber bestimmen kannst, wann und wo Du arbeitest (GANZ wichtig!), wenn Du keine eigene Visitenkarte/Geschäftspapiere hast, mittelfristig keine Geschäftsinvestitionen tätigst, Dich um keinen Förderkredit bemühst, keine Aquise betreibst und einiges mehr. Es ist nicht so, dass es ausreicht, einfach zu sagen „Ich bin Gründer und habe eben erst diesen einen Kunden“. Ich spreche aus Erfahrung, ich war selber lange selbstständig und musste bei einer Prüfung meiner Tätigkeit sogar schriftlich darlegen, welche unternehmerischen Chancen und Risiken ich für meine freiberufliche Tätigkeit sehe.

Die pauschale Auskunft Deines Finanzamts, dass es egal ist, ob man angestellt ist oder freiberuflich arbeitet, ist schlicht nicht richtig. Als Freiberufler musst Du mehr verlangen als ein Angestellter in gleicher Position, schon allein wegen des oben erwähnten Risikos. Auf der anderen Seite ist es so, dass Du als Freiberufler sehr viele Optionen hast, berufsrelevante Kosten von Deinen Einnahmen abzuziehen. Das vermindert dann den Gewinn und so letztlich die Steuerlast. Das ganze ist komplex, und Du kannst nicht davon ausgehen, dass 4000 Euro brutto dasselbe sind wie 4000 Euro Einnahmen.

Ich gebe Dir deshalb den dringenden Rat, es Dir noch mal genau zu überlegen. Freiberuflich oder angestellt ist nicht nur ein formaler Unterschied wie bei Steuerklassen, sondern weit mehr.

Viele Grüße
Anna