Freier Wille des Menschen

Warum lässt Gott das Böse zu? Ein immer wiederkehrendes Argument in diesem Zusammenhang ist die Tatsache, dass Gott dem Menschen einen freien Willen gegeben hat, dieser daher machen kann, was er will, auch sich gegen Gottes Willen richten, sich von ihm abwenden.
Woher kommt die Aussage, dass Gott dem Menschen einen freien Willen gegeben hat? Wo steht das in der Bibel oder anderen fundamentalen Schriften? Z.B. Konzilsbeschlüssen, Enzykliken, Papst-/Theologenaussagen u.ä.

Bitte keine Diskussion über das Böse und das was Gott meint, das hatten wir schon genug!
Bitte nur Quellenangaben!

gruss, Stucki

Hallo Stucki,

Woher kommt die Aussage, dass Gott dem Menschen einen freien
Willen gegeben hat? Wo steht das in der Bibel

wie wäre es mit der Schöpfun-Geschichte, genauer die Sache mit dem Apfel: hat sich da Eva nicht entschieden, gegen den Willen Gottes zu handeln ?
Also ohne eigenem Willen wären wir ja noch im Paradies.
(Jemand -ich glaube Barbara- hat auch schon hier im Brett die Auslegung vorgestellt, das es manes nicht als Sündenfall, sondern als Emanzipation des Menschen von Gott- wie ein Kind von den Eltern- interpretieren kann).
Auch andere Bibelgeschichten, die von den Verfehlungen des Menschen gegen Gott sprechen, sind Hinweise darauf. Ganz spontan fallen mir das Goldene Kalb und König David und Bethseba(?) ein.

oder anderen
fundamentalen Schriften? Z.B. Konzilsbeschlüssen, Enzykliken,
Papst-/Theologenaussagen u.ä.

Für mich Sekundärquellen, die die Bibel nur deuten, deshalb für mich eher von sekundärem Interesse.

Tschuess Marco.

Hallo Stucki,

Bitte nur Quellenangaben!

1.Mose 1:28
5.Mose 30:15-19
Josua 24:15
1.Chronika 28:9
1.Chronika 29:17
Psalm 110:3
Johannes 4:23-24
Römer 6:16
2.Korinther 9:7

Gruß
Carlos

Hallo,

betrifft zwar nicht ausschließlich das religiöse Problem, hilft aber vielleicht gelegentlich weiter - freilich mit Mühe:

J. Fellin: Die Willensfreiheit. Zur Bibliographie des Problems
(Graz - Wien - Leipzig 1928).

Die Bibliographie besteht ausschließlich aus Quellenangaben mit einigen wenigen Erläuterungen, umfasst aber den Zeitraum von der Antike bis in die Zwanziger Jahre. Hier findet man auch viel Theologisches und Religiöses. Leider ist die Bibliographie nicht mehr im Handel, sondern kann nur noch antiquarisch erworben werden oder auch in Bibliotheken gelesen oder über die Fernleihe bestellt werden.

Vielleicht hilfts weiter.
Alles Gute!

Thomas Miller

Hallo Stucki,

wie wäre es mit den 10 Geboten ?

Gott sagte: „DU SOLLST“ und nicht du „MUßT“

bin nicht sehr „Bibelbelesen“,

nur alle anderen Beschlüsse und Schriften oder Aussagen stammen von Menschen und können immer „So“ oder „So“ ausgelegt werden.

Die Zehn Gebote sind und bleiben über Jahrtausende gültig und werden auch von Zweiflern akzeptiert.

lieben Gruß
Kerbi

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Hallo Stucki,

die katholischen Schriften über den freien Willen sind sehr umfangreich, weshalb ich von Zitaten absehen muß. Aber nachfolgend findest Du einige Quellenangaben:

  1. Denzinger: Enchiridion symbolorum (In diesem Buch findet man
    sämtliche Lehrsätze der katholischen Kirche -
    komplett in Latein bzw. Altgriechisch - es gibt
    zwar mittlerweile eine Übersetzung, aber die
    scheint genauso schlecht zu sein wie die
    Einheitsübersetzung der Bibel)
    Abschnitte: 797, 815 f, 1093, 1094

2.Augustinus: De gratia et libero arbitrio

Dazu von Interesse: Vranken „Der göttliche Konkurs zum freien
Willensakt des Menschen beim hl.
Augustinus“

Im Laufe der Jahrhunderte wurde innerhalb der katholischen mitunter sehr kontrovers über das Verhältnis von Freiheit und Gnade gestritten. Hier seien die „wichtigsten Strömungen“ benannt, die jeweils reichlich Literatur hervorgebracht haben.

  1. Thomismus - Hier besonders der Dominikaner Banez
  2. Augustinianismus - Heinrich Noris, Laurentius Berti
  3. Molinismus - Ludwig Molina
  4. Kongruismus - Robert Bellarmin, Franz Suarez
  5. Synkretismus - N.Ysambert, I.Habert, H.Tournely,
    A.M.v.Liguori

Abschließend zitiere ich noch die beiden Lehraussagen der katholischen Kirche, die das Thema unmittelbar betreffen:

a) „Der menschliche Wille bleibt unter dem Einfluß der wirksamen Gnade frei. Die Gnade ist nicht unwiderstehlich.“

b) „Es gibt eine Gnade, die wahrhaft hinreichend ist und doch unwirksam bleibt (gratia vere et mere sufficiens)“

Gruß
Raiko

Thomas von Aquin, De malo (Über das Böse): die Fähigkeit zum Bösen ist nicht Bedingung der Freiheit, sonst wäre Gott nicht frei.

B.

hallo Stucki
die ganze Frage erübrigt sich, wenn man akzeptiert, dass es keinen Gott gibt.
wir sind ein Teil der Evolution… mehr nicht. Wir sind nicht besser als jedes andere Lebewesen. Und bei weitem nicht die Krone der Schöpfung!
Grüße
Raimund

Hallo,
über die Frage, ob der Mensch einen freien Willen hat, haben Luther und Erasmus diskutiert:
Luther, 1521 Assertio
Antwort Erasmus 1524, De libero arbitrio diatribe
Antwort Luther 1525, De servo arbitrio
Antwort Erasmus 1526, Hyperaspistes
Die beiden haben auch so ziemlich alles an Bibelstellen gesammelt, die etwas mit dem freien (oder nicht freien) Willen des Menschen zu tun haben, auch die, die wir heute beim besten Willen nicht mehr unter diesen Aspekt lesen könnten:wink:
Gruß,
Taju

Hallo Raimund,
Deine Re verdient eine Goldmedaille ! Kurz und klar und dem Sinn nach auf meiner Ebene.
Mit Dank und Gruss : engelhard

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