Fremdgehen

Hallo,

gerade gelesen:
er ist mir fremdgegangen.
Nun weiß ich, dass man das sagen kann.
Aber ich würde es nie so sagen.
„Er ist fremdgegangen.“
„Er ist in unserer Beziehung fremdgegangen.“
Aber er ist „mir fremdgegangen“, da klingt für mich ein Besitzdenken durch, dass mich an ein Frauchen - Hund - Beziehung denken lässt.
„Der Hund ist mir durchgegangen.“

Ist das ein falsches „Sprachgefühl“ oder liege ich da richtig?

Gruß
Elke

Hallo Elke

Ist das ein falsches „Sprachgefühl“ oder liege ich da richtig?

Du liegst richtig.

Was liest Du denn so alles?

Du bist mir aber auch eine, Du.

Gruss
Heinz

Hallo, Elke,

er ist mir fremdgegangen.
Nun weiß ich, dass man das sagen kann.

Aber er ist „mir fremdgegangen“, da klingt für mich ein
Besitzdenken durch, dass mich an ein Frauchen - Hund -
Beziehung denken lässt.
„Der Hund ist mir durchgegangen.“

es könnte eine falsche Analogiebildung sein, vielleicht wird da auch „er ist fremdgegangen“ mit „er ist mir untreu geworden“ gemixt.

(In einer Talkshow antwortete das Objekt der Fremdbegierde auf die so formulierte Klage der Betrogenen: „Mir auch!“)

Gruß
Kreszenz

Hi
ich denke es ist falsch, aber dermaßen eingebürgert das es wohl nicht wieder wegzutrainieren ist :smile:
B

Moin Elke,

es könnte sich evtl. um eine epidemieartige Verbreitung des Dativus ethicus handeln:
"Der Dativus ethicus bezeichnet eine Person, die nur gefühlsmäßig an der Handlung beteiligt ist. Der Dativus ethicus verleiht einer Aussage einen emotionalen Charakter (Aufmerksamkeit, Verwunderung usw.). Er kommt nur bei den Personalpronomen der ersten und selten der zweiten Person vor:

Komm mir nicht zu spät nach Hause!
Das war mir eine tolle Vorstellung!
Macht uns bitte keinen Unsinn!"
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Satz/Sat…

Komm mir bloß keiner mit Gegenargumenten!
Pit

Hallo Elke,

Aber er ist „mir fremdgegangen“, da klingt für mich ein Besitzdenken durch

das ist ein nachvollziehbares Sprachgefühl. Zwischen einem Satzglied im Dativ (hier: ›mir‹), das einen Possessor benennt, und einem anderen Satzglied (hier: ›er‹), das für das zugehörige Possessum steht, kann eine sogenannte Haben-Relation existieren. Der Dativ wird bei dabei als Pertinenzdativ (von lat. pertinere, ›zugehören‹) bezeichnet. Die Pertinenzrelationen gehen von Körperteilen (1) über Tätigkeiten (2) bis hin zu sozialen Zusammenhängen (3), Fahrzeugen (4) und Behausungen (5):

(1) Dir-DAT ist der Arm eingeschlafen.
(2) Ich teile mir-DAT die Hausarbeit ein.
(3) Der Freund ist ihr-DAT krank geworden.
(4) Sie ist ihm-DAT vors Auto gelaufen.
(5) Gestern ist ihm-DAT das Haus abgebrannt.

Die Beispiele sollten nicht den Eindruck erwecken, dass ausschließlich negative Bedeutungen vorkommen:

(6) Der Arzt pflanzt ihr-DAT eine neue Niere ein.
(7) Mir-DAT ist eine Idee gekommen.

Es ist meines Erachtens also alles andere als falsch oder unplausibel zu sagen: »Er ist mir fremdgegangen.« Das Fremdgehen als Handlung im Sinne eines Verstoßes gegen die Vereinbarungen in einer Partnerschaft ist überhaupt nur durchführbar, wenn diese Partnerschaft existiert, der Mann also zu dir gehört – und umgekehrt.

Randbemerkung: An Satz (5) sieht man schön, wie aus Pertinenzdativen der standardsprachlich verpönte possessive Dativ entstanden sein könnte. Von ›(ist) ihm das Haus (abgebrannt)‹ zu dem reanalysierten ›dem Mann sein Haus‹ führt kein weiter Weg.

Um noch auf das einzugehen, was Heinz und Pit als Dative zitiert haben:

Du bist mir aber auch eine, Du.
Komm mir bloß keiner mit Gegenargumenten!

Das ist ein Dativus ethicus. Hier besteht gerade keine Pertinenzrelation. Der Satz wird lediglich semantisch um die emotionale Teilnahme oder moralische Bewertung des Sprechers angereichert. Nachzuweisen sind solche Sätze vor allem in familiären mündlichen Kontexten. Dativi ethici sind – nach Ansicht vieler – Modalpartikeln ähnlich und tragen, im Gegensatz zu anderen Dativen, keine semantische Rolle (wie Agens = Handelnder, Patiens = ›Behandelter‹, Benefizient = Nutznießer usw.). Daher ist in Sätzen mit Dativus ethicus ein weiteres Satzglied im Dativ möglich, das eine solche Rolle ausdrückt:

(8) Sie ist mir-DAT [ihrem Mann]-DAT zu untreu.

Außerdem ist der Dativus ethicus unbetont und kann nicht an erster Stelle im Satz stehen:

(9) Mir ist der Mann fremdgegangen.
(10) * Mir komme bloß keiner mit Gegenargumenten.

Schöne Grüße
Christopher

Liebe Elke

Ich teile deine Meinung. Diesen Dativ empfinde ich als Blödsinn. Er stört mein Sprachgefühl auch.
Gruss Vreni

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[MOD] Vollzitat gelöscht. B.

Hallo Christopher,

sehr ausführlich und sehr einleuchtend.

Danke.

Gruß
Elke