Am besten die Finger davon lassen …
wenn man sich nicht mit der grundlegenden Funktionsweise von internationalen Finanzmärkten auskennt und nicht risikofreudig ist.
Hallo Manfred,
die leidvollen Erfahrungen zahlreicher britischer und österreichischer Häuslebauer sollten Euren potentiellen „Kunden“ erspart bleiben.
Fakt ist, dass derartige Finanzierungsarten für den „einfachen Interessenten an einem Eigenheim“ sehr gefährlich werden können.
Wie es die Bezeichnung schon sagt, werden solche Finanzierungen unter Zuhilfenahme von fremden Währungen gestaltet.
Dazu sollte man aber wissen, dass Währungen und damit auch das Ausnutzen von Zinsunterschieden etwas ist, was im „Konzert der ganz Großen“ gespielt wird.
Mal ein konkretes Beispiel :
In Japan sind die Zinsen sehr niedrig. Einige große Anleger leihen sich dort „billiges“ Kapital und bringen es nach Europa. Dort tauschen sie ihre aufgenommenen Yen in Euro. Der Euro wertet auf, der Yen ab. Jetzt haben sie die Euros und kaufen damit Aktien. Schließlich kann man in Europa ja nicht mit dem Yen Aktien kaufen.
Oh Wunder oh Wunder, daraufhin steigen die Aktienkurse in Europa. Immer mehr Leute springen auf den „europäischen Aktienzug“ auf.
Irgendwann denken sich jene Anleger, die damit mal angefangen hatten und dazu auch in Japan günstiges Kapital aufgenommen hatten, dass es wohl besser wäre, mal „abzukassieren“. Sie verkaufen ihre Aktien und müssen im Übrigen ja auch die Banken in Japan bedienen. Also fangen die ersten an zu tauschen (Euro in Yen).
Problem: Es gibt auch noch einige Anleger, die sich Geld in Japan geliehen haben und gerne in Europa bleiben würden. Nur das können sie nicht mehr, da durch das stetige „Rücktauschen“ einiger weniger langsam aber sicher die Tauschkonditionen ungünstiger werden. Also setzt ein Run in Sachen Tausch ein. Damit kommt es zu heftigen Wertverlusten beim Euro und wiederum Anstiegen beim Yen. Ganz nebenbei bricht der Aktienmarkt in Europa ein.
Wie passt nun unser Häuslebauer ins Bild ? Wenn man ehrlich ist: Eigentlich gar nicht. Warum nicht ?
Er hat schlichtweg keine Informationen darüber, wann die großen Player im Markt auch nur ansatzweise kalte Füße bekommen und gleich mit Millardenbeträgen das Rückabwickeln beginnen. Je nach Ausprägung des o.g. Szenarios kann das ganz schnell gehen und den Häuslebauer in den Ruin treiben. Nur nach günstigen Zinsen in Japan oder der Schweiz zu „gieren“ und dabei alle global-ökonomischen Wirkungsketten außer Acht zu lassen, muss einfach bestraft werden. Sorry. Ganz nebenbei: Gerade der Markt für Währungen ist das Paradebeispiel für Globalität und da werden gigantische Summen bewegt. Das Schicksal eines „einfachen Hausinteressenten“ -von mir aus aus der norddeutschen Tiefebene- interessiert da gar keinen.
Will man so etwas aber unbedingt machen, dann nur mit entsprechender Absicherung , sprich sog. „Hedging“. Man muss neben dem Fremdwährungskredit ein Portfolio bestehend aus Währungs- und Zinsderivaten einrichten, welches dem Eigenheiminteressierten schon heute das maximal mögliche Risiko aufzeigt. Das wiederum führt zu weiteren Kosten, die im Ergebnis dazu führen dürften, dass der finanzielle Vorteil aus einer solchen Transaktion geringer wird.
Im Übrigen sollten sich Menschen, die hart für ihr Geld arbeiten, nicht an Dingen versuchen, mit denen auch schon zahlreiche institutionelle (Groß)Anleger auf die Fres** geflogen sind.
VG
Sebastian