Fremdwörter im Tschechischen

Hallo Leute!

Im Tschechischen ist es üblich, dass Fremdwörter einfach „eingetschecht“ werden, also den tschechischen Ausprache-Regeln angepasst werden, eine Art, die wir uns ja durchaus verkneifen können. Ein paar Beispiele (das ’
dz
aus dem Deutschen:

verkcajg = Werkzeug
fajn = fein

In der Fernsehwerbung für ein Auto ist auch von „Renault“ die Rede, was aber als „re-na-ult“ ausgesprochen wird, wie geschrieben (Diphtonge wie üblich gleitend). Offenbar braucht es das, damit man dort was verkaufen kann…
Ist das erst seit kurzem so, oder war das auch vor der Wende schon üblich, und daher eine „Erbschaft“?

lG
Martin B

Wir machen uns Tschechisch …
Man nehme zwei Pfund Nudelbuchstaben und sortiere die Vokale aus. Letztere breche man in kleine Stücke. Dann besorge man sich einen normalen deutschen Satz, etwa

Herr Müller fährt montags mit der Linie Fünfundzwanzig zur Arbeit

und entferne die Vokale, so dass folgendes entsteht

Hrr Mllr fhrt mntgs mt dr Ln Fnfndzwnzg zr rbt

Jetzt braucht man nur noch die Bruchstücke der Nudelvokale über und unter dem Text zu verteilen und hat einen tschechischen Text.

_<sub> ^ ` - '~ ´ ` ^ °</sub>   
Hrr Mllr fhrt mntgs mt dr Ln Fnfndzwnzg zr rbt  
<sup> ~ / " ^ ° ` ´</sup>_   

Grß Llcht z Vnsr

Grüß Gott!
Eine interessante Adresse wäre hierfür Boris Blahak (Deutscher, Baier) an der Uni Brünn (http://www.muni.cz). Kürzlich gab’s auch einen Bericht bei „focour“ (http://www.focour.de). Du wirst dich bestimmt bei näherem Interesse „durchloggen“.
Gruß
Sepp

Hallo,

Ist das erst seit kurzem so, oder war das auch vor der Wende
schon üblich, und daher eine „Erbschaft“?

Das kenne ich aus der Zeit kurz nach der Wende, wird also vorher schon genauso gewesen sein. Die Tschechen machen das auch bei Namen. So hieß die Autorin (Frau eines amerikanischen Präsidenten) eines ins Tschechische übersetzten Buches „Nancy Reaganova“.

Cheers, Felix

Je nachdem
Hallo miteinander,

Die Tschechen machen das auch bei Namen.

Das stimmt, allerdings nicht 100%-ig konsequent.

So habe ich diesen Sommer in tschechischen Buchhandlungen beide Formen nebeneinander gesehen: z.B. die Damen Rowling und Pilcher, die beide sowohl mit ihrem Originalnamen als auch als J. K. Rowlingová und Rosamunde Pilcherová in der Vitrine. In der tschechischen Wikipedia übrigens findet sich bei der einen der Eintrag „Joanne Rowlingová“, während die andere als „Rosamunde Pilcher“ ohne -ová aufgeführt ist.

Beste Grüsse
David

Hallo Martin,

das ist sicher seit jeher so, mitunter macht man das ja auch im Deutschen. Oder hast Du jemals die Zahncreme „Colgate“ wie /'kolgäit/ gesprochen, oder Hyundai wie /'hjöndää/? Wann hast Du das letzte mal Bureau, Domaine oder Molécule geschrieben?

Von Sprachen, bei denen jeder Laut genau einem Buchstaben zugeordnet ist und umgekehrt (Tschechisch, Russisch, Litauisch, Ungarisch …) ist es durchaus üblich, diese Zuordnung konsequent durchzuhalten. Vor Personennamen hat man mitunter Respekt, dort ist es meist üblich, die Namen originalgetreu zu schreiben (oft mit der Ausspracheangabe in Klammern) - zumindest, wenn die zu erwartende Leserschaft aus gebildeteren Bürgern besteht. So gibt es in Litauen zwar Bücher von „Agata Kristi“, andererseits aber auch welche von „Henning Mankell (Heningas Mankelis)“.

Hier sieht man auch, dass manche Sprachen (nämlich diejenigen, die ausgiebig deklinieren) eine bestimmte grammatische Endung brauchen, um die Funktion eines Substantives - auch eines Eigennamens - im Satz deutlich zu machen. Deshalb müssen die Frauen im Tschechischen auf -ová enden. Selbst, wenn man diese Endung nicht mitschreibt, wird man sie zumindest in gebeugten Formen benutzen. -ová ist hier die typische Endung für ausländische Namen, bei tschechischen Namen selbst ist meist nur -á als Endung vorhanden.
Die zweisprachigen (deutsch/sorbisch) Straßenschilder in der Lausitz führen übrigens die Eigennamen auch in deklinierter Form auf: W.-Fiebiger-Straße, darunter steht dann Ulica W. Fiebigerova (ist hier Genitiv männlich).

Wenn man es dann mit bestimmten Produkten zu tun hat, wo der Name aufgedruckt ist, weicht man halt auch nicht von der Ausspracheregel ab (das wäre ja inkonsequent), sondern spricht’s halt so, wie’s dasteht. Wie gesagt, manchmal machen wir das auch. (Und warum wir es gerade bei Colgate machen, ist mir ehrlich gesagt unbegreiflich.)

Andere Sprachen, wie z.B. das Französische, sprechen einfach gleich alles so, wie’s geschrieben wird - machen sich also nicht die Probleme mit der Übertragung in eigene Buchstabenkombinationen. So spricht man eben Julia Roberts als /schüli’a ro’beer/, anstatt sie Djoulia Robertse zu schreiben.

Welches Verfahren nun sinnvoller ist, darüber kann man lange diskutieren. Ich bin der Meinung, wenn man Namen so schreibt, wie sie immer geschrieben werden, muss man sie auch so aussprechen dürfen, wie sie aussehen. Oder weißt Du auf Anhieb, wie Du Anjezë Gonxhe Bojaxhiu (den bürgerlichen Namen Mutter Theresas) korrekt aussprechen kannst? Oder den zweiten Vornamen von Nelson Rolihlahla Mandela? Wenn ja, dann tu es und laufe Gefahr, als Besserwisser zu gelten, der seine Bildung zur Schau stellt. Wenn nein, was willst Du anderes tun, als es so auszusprechen, wie es die Schreibweise nahelegt?
Bei albanischen oder xhosa Namen wird Dir das niemand verübeln; bei englischen oder französischen stehst Du gleich als ungebildet da.

Aber ich schweife ab, deshalb hör ich hier lieber auf.

Liebe Grüße
Immo

Servus, Martin,

Ist das erst seit kurzem so, oder war das auch vor der Wende
schon üblich, und daher eine „Erbschaft“?

Lange, lange vor der Wende - es war die Zeit des Prager Frühlings und vor seiner Zertrümmerung. Ich war oft in der CSSR und hörte viel Radio. Unter anderem „Duuuusti“ Springfieldová.

Und auch heute noch:
http://wikipedia.infostar.cz/d/du/dusty_springfield…

Besonders reizvoll finde ich nach wie vor: Peggy Leeová

Alles andere hat Immo ja schon ausführlich erklärt!!

Lieben Gruß, jenny

…war sehr interessant!

liebe Gruesse
Martin B