Hallo Martin,
das ist sicher seit jeher so, mitunter macht man das ja auch im Deutschen. Oder hast Du jemals die Zahncreme „Colgate“ wie /'kolgäit/ gesprochen, oder Hyundai wie /'hjöndää/? Wann hast Du das letzte mal Bureau, Domaine oder Molécule geschrieben?
Von Sprachen, bei denen jeder Laut genau einem Buchstaben zugeordnet ist und umgekehrt (Tschechisch, Russisch, Litauisch, Ungarisch …) ist es durchaus üblich, diese Zuordnung konsequent durchzuhalten. Vor Personennamen hat man mitunter Respekt, dort ist es meist üblich, die Namen originalgetreu zu schreiben (oft mit der Ausspracheangabe in Klammern) - zumindest, wenn die zu erwartende Leserschaft aus gebildeteren Bürgern besteht. So gibt es in Litauen zwar Bücher von „Agata Kristi“, andererseits aber auch welche von „Henning Mankell (Heningas Mankelis)“.
Hier sieht man auch, dass manche Sprachen (nämlich diejenigen, die ausgiebig deklinieren) eine bestimmte grammatische Endung brauchen, um die Funktion eines Substantives - auch eines Eigennamens - im Satz deutlich zu machen. Deshalb müssen die Frauen im Tschechischen auf -ová enden. Selbst, wenn man diese Endung nicht mitschreibt, wird man sie zumindest in gebeugten Formen benutzen. -ová ist hier die typische Endung für ausländische Namen, bei tschechischen Namen selbst ist meist nur -á als Endung vorhanden.
Die zweisprachigen (deutsch/sorbisch) Straßenschilder in der Lausitz führen übrigens die Eigennamen auch in deklinierter Form auf: W.-Fiebiger-Straße, darunter steht dann Ulica W. Fiebigerova (ist hier Genitiv männlich).
Wenn man es dann mit bestimmten Produkten zu tun hat, wo der Name aufgedruckt ist, weicht man halt auch nicht von der Ausspracheregel ab (das wäre ja inkonsequent), sondern spricht’s halt so, wie’s dasteht. Wie gesagt, manchmal machen wir das auch. (Und warum wir es gerade bei Colgate machen, ist mir ehrlich gesagt unbegreiflich.)
Andere Sprachen, wie z.B. das Französische, sprechen einfach gleich alles so, wie’s geschrieben wird - machen sich also nicht die Probleme mit der Übertragung in eigene Buchstabenkombinationen. So spricht man eben Julia Roberts als /schüli’a ro’beer/, anstatt sie Djoulia Robertse zu schreiben.
Welches Verfahren nun sinnvoller ist, darüber kann man lange diskutieren. Ich bin der Meinung, wenn man Namen so schreibt, wie sie immer geschrieben werden, muss man sie auch so aussprechen dürfen, wie sie aussehen. Oder weißt Du auf Anhieb, wie Du Anjezë Gonxhe Bojaxhiu (den bürgerlichen Namen Mutter Theresas) korrekt aussprechen kannst? Oder den zweiten Vornamen von Nelson Rolihlahla Mandela? Wenn ja, dann tu es und laufe Gefahr, als Besserwisser zu gelten, der seine Bildung zur Schau stellt. Wenn nein, was willst Du anderes tun, als es so auszusprechen, wie es die Schreibweise nahelegt?
Bei albanischen oder xhosa Namen wird Dir das niemand verübeln; bei englischen oder französischen stehst Du gleich als ungebildet da.
Aber ich schweife ab, deshalb hör ich hier lieber auf.
Liebe Grüße
Immo