Fressattacken und Dauerfuttern

Hallo Wissende,

was geht in Leuten vor, die unter Fessattacken leiden oder ständig Essen müssen. Ist das psychisch bedingt ? Gibt es dafür mögliche organische Ursachen ? Wer kenn mir das erlären ?

Gruß
Marion

Hallo,
wie üblich spielt das in die Psychologie geheiligte Serotonin auch hier eine (die ?) zentrale Rolle. Ein Mangel begünstigt solche Attacken (*). Denkbar als Hilfsmittel wären daher z.B. SSRI.

Gruss
Enno

(*) Jeder der schonmal eine extrem kohlenhydrat reduzierte (oder genauer frei von hochglykämischen KH) Diät gemacht hat, kennt das Problem zumindest in abgeschwächter Form. Da huschen Mordphantasien durchs Hirn, um den Zupfkuchen vom Kollegen zu ergattern :wink:.

Moin Enno,

wie üblich spielt das in die Psychologie geheiligte Serotonin
auch hier eine (die ?) zentrale Rolle. Ein Mangel begünstigt
solche Attacken (*). Denkbar als Hilfsmittel wären daher z.B.
SSRI.

(*) Jeder der schonmal eine extrem kohlenhydrat reduzierte
(oder genauer frei von hochglykämischen KH) Diät gemacht hat,
kennt das Problem zumindest in abgeschwächter Form. Da huschen
Mordphantasien durchs Hirn, um den Zupfkuchen vom Kollegen zu
ergattern :wink:.

Kannst du diese Zusammenhänge ein wenig ausführlicher und/oder für mich Laie etwas verständlicher erklären ? Ehrlich gesagt, ich versteh nur Bahnhof (bring aber mal vorsichtshalber meine Schokolade in Sicherheit *g*).

Was ist ein Mangel an Serotonin ? Wodurch entsteht er ? Was ist SSRI ?

Was ist eine extrem Kohlenhydrat reduzierte Diät ? Auf welche Lebensmittel wird da verzichtet ? Und was sind hochglykämische Kohlenhydrate ?

Und wieso führt das dann dazu, dass jemand ständig essen muss oder plötzlich ganz viel in sich reinstopft ?

Gruß
Marion

Hallo,
ich versuche es mal halbwegs kompakt rüberzubringen. Serotonin ist ein Botenstoff/Neurotransmitter im Hirn, der u.a. Einfluß auf das Hungergefühl, Wohlbefinden und das Sozialverhalten hat. Neurotransmitter dienen der Informationsweitergabe zwischen Nervenzellen über ihre Synapsen. Bis zu den Synapsen wird die Information elektrisch weitergeleitet, an ihnen kommen die Neurostransmitter zum Tragen. Der trennende „synaptische Spalt“ zwischen zwei Synapsen wird durch diese Botenstoffe überbrückt, danach geht es via „Saft“ wieder weiter, bis zur nächsten Synapse etc. Die Menge der Neurotransmitter im synaptischen Spalt spiegelt gewissermaßen die Intensität wieder, mit der die Information behaftet ist bzw. weitergeleitet wird.
Die Neurotransmitter werden dabei in den synaptischen Spalt freigesetzt, teilweise wieder aufgenommen (sozusagen „Recycling“) und irgendwann abgebaut. Ein SSRI (selektiver Serotonin Wiederaufnahmehemmer) behindert gezielt die Wiederaufnahme des Serotonins. Der Effekt - mehr Serotonin im synaptischen Spalt, höhere Gewichtung der damit verbundenen Information. Wie das Serotonin nun die für den Hunger zuständigen Zentren im Gehirn im Detail beeinflußt, kann ich aus dem stegreif nicht sagen. Fakt ist nur, ein „mehr“ davon, wirkt prinzipiell hungerdämpfend, ein Mangel (wie immer der auch entsteht - z.B. s.h. Diätbsp.) begünstigt Heißhunger.
Zu der Diät - hochglykämische Kohlenhydrate sind Kohlenhydrate, die den Blutzuckerspiegel schnell ansteigen lassen, auch über das „gewünschte“ Maß hinaus. Als Gegenreaktion schüttet der Körper Insulin aus. Das verfrachtet Nährstoffe aus dem Blut zurück in die Zellen. Unter den Eiweißen trifft es insbesondere die sogenannten verzweigkettigen Aminosäuren (BCAA). Die Aminosäure Tryptophan, die nicht zu dieser Gruppe gehört, stellt den Grundstoff für Serotonin dar. Sie gelangt über die sogenannte Blutgehirnschranke in den Blutkreislauf des Gehirns, wo sie enzymatisch zu Serotonin umgebaut wird. Normalerweise, d.h. bei geringen Level an Insulin, muß sie an dieser Schranke mit den BCAA konkurieren. Ist der Insulinspiegel hoch, hat sie einen Platzvorteil, da die Konkurrenz verstärkt in die Körperzellen wandert. Resultat - mehr Tryptophan im Hirn und damit mehr an Serotonin. Im Umkehrschluß, also bei permanent niedrig gehaltenen Insulinspiegel durch ausschließlichen Verzehr von „niederglykämischen Kohlenhydraten“, kann hier ein Serotoninmangel mit den erwähnten Problemen entstehen.

Gruss
Enno

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Hi,

Was ist ein Mangel an Serotonin ? Wodurch entsteht er ? Was
ist SSRI ?

SSRIs sind eine Gruppe von Medikamente gegen z.B. Depressionen oder Angststörungen
(Selective Serotonin Reuptake Inhibitor = Selektive
Serotonin- Wiederaufnahme- Hemmer). Diese sorgen dafür, dass das körpereigene Serotonin nicht wieder aufgenommen wird sondern länger im Synapsenspalt verbleibt.

Grüße,
J~

Hallo Enno,

vielen Dank, das war ja sehr interessant.

Nur, wie kommt jemand da raus ? Gibt es denn nur die Möglichkeit, entweder diese Wiederaufnahmehemmer zu schlucken und dadurch den Auslöser für die Fessattacken zu unterdrücken oder Zuckerhaltiges in sich rein zu stopfen, im Laufe der Zeit automatisch immer dicker zu werden, aber dafür psychisch zufriedener ? Oder gibt es noch andere Möglichkeiten ?

Gruß
Marion

Danke :smile: o.w.T.
:smile:

Hallo,
zunächst wäre die Ursache für die „Attacken“ interessant. Denn - die Welt ist böse :wink: - Zucker reinstopfen - würde bei nicht vorhandenen Serotoninmangel ganz sicher das Gegenteil bewirken. Das ausgeschütete Insulin verursacht mittelfristig wieder Unterzucker und der wiederrum aktiviert wieder die Zentren im Hirn die Hunger signalisieren. Idealerweise versucht man vorzugsweise niederglykämische KH zu konsumieren (Kartoffeln, Haferflocken, Nudeln etc.) und konsumiert zuckerhaltiges, wenn der Körper es braucht (z.B. nach intensiverer Ausdauerbelastung). Ausreichende Proteinversorgung scheint auch hungerdämpfend zu wirken.
Ein de fakto vorhandener Serotoninmangel kann teilweise auch durch behebbare Ursachen ausgelöst werden - Streß, zu wenig Schlaf, Medikamente (z.B. bestimmte Pillesorten), Übergewicht können neben der falschen Ernährung leicht zum Mangel an diesem Botenstoff führen.

Gruss
Enno

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Hallo Enno,

zunächst wäre die Ursache für die „Attacken“ interessant.

Das war ja auch meine Ausgangsfrage. Wie kriegt man denn die Ursachen dafür raus ?

Denn

  • die Welt ist böse :wink: - Zucker reinstopfen - würde bei nicht
    vorhandenen Serotoninmangel ganz sicher das Gegenteil
    bewirken.

Und was macht einer bei Serotoninmangel, der trotzdem nicht zunehmen will ?

Ein de fakto vorhandener Serotoninmangel kann teilweise auch
durch behebbare Ursachen ausgelöst werden - Streß, zu wenig
Schlaf, Medikamente (z.B. bestimmte Pillesorten), Übergewicht
können neben der falschen Ernährung leicht zum Mangel an
diesem Botenstoff führen.

Was wäre denn in diesem Fall (Serotoninmangel) eine falsche Ernährung ? Und kann man Serotoninmangel irgendwie nachweisen ? Blutuntersuchung oder so ?

Gruß
Marion

Hallo,

Das war ja auch meine Ausgangsfrage. Wie kriegt man denn die Ursachen dafür raus ?

Meiner Kenntnis nach durch mehr oder minder systematisches „Abklopfen“ wohlbekannter möglicher Ursachen. Wenn nichts rauskommt, wird es vermutlich unter der Rubrik Verlangung verbucht *scnr*. Naheliegend wäre aber generell die Hormone abchecken zu lassen, Störungen oder rapider Abfall wie z.B. in den Menopause sind gute Kandidaten für Störungen im Neurotransmitterbereich.

Und was macht einer bei Serotoninmangel, der trotzdem nicht zunehmen will ?

Zucker konsumieren heißt nicht unbedingt zunehmen - Menge, Zeitpunkt und parallel zugeführte Nährstoffe lassen einen Einfluß darauf nehmen, wie wahrscheinlich das Auffüllen der Fettdepots ist (ideal: Zucker solo nur bei entleerten Glykogendepots konsumieren). Dann wäre z.B. Ausdauersport ein guter Kandidat um beiden Problemen zu begegnen - steigert Serotonin und verbessert den Fettstoffwechsel.

Was wäre denn in diesem Fall (Serotoninmangel) eine falsche Ernährung ?

Wie gesagt extrem zuckerreduzierte, eiweißarme oder Mangel- bzw. Fehlernährung. Jede Ernährungsform die allgemeinhin als „gut“ betrachtet werden kann, ist in diesem Fall dagegen auch geeignet.

Und kann man Serotoninmangel irgendwie nachweisen Blutuntersuchung oder so ?

Ja durch Blutuntersuchung.

Gruss
Enno