Freudsche Fehlleistung

Hallo Experten,

Heut’ morgen um 9:07 hab ich folgende Meldung bei www.spiegel.de
entdeckt, um so 9:30 war dann aber Belgrad mit Bagdad korrigiert.

http://www.spiegel.de/politik/ausland
Saddam in seinem Heimatdorf beigesetzt

Am frühen Morgen ist der hingerichtete Saddam Hussein in seinem Heimatort nördlich von Belgrad beigesetzt worden. An der Zeremonie hätten nur wenige Bewohner teilgenommen, berichteten Anwohner.

Ich mein, dass das doch für den spiegel ziemlich heftig ist.
(obwohl spiegel nicht www.spiegel.de nicht spiegel-tv)
Ist das eine freudsche Fehlleistung?, oder ist eine FF
immer nur sexuell. Wie kann der Psychologe
das erklären.

?

Hallo Hannes!
Freudsche Fehlleistungen sind zu unterscheiden vom Freudschen Versprecher, der hier wohl eher gemeint ist. Dieser entsteht, sehr verallgemeinert gesagt, wenn man beim Sprechen oder Schreiben, emotional stark mit etwas anderem beschäftigt ist.
Der klassische Freudsche Versprecher entsteht allerdings dann, wenn man im Moment des Aussprechens, genau das Gegenteil von dem denkt, was man sagen will.
Sagt jemand z.B.: „Ich fühle mich in dieser verfressenen (statt erlesenen) Gesellschaft sehr wohl!“ dann ist wohl allen klar, woran er im Augenblick gedacht hat.

http://de.wikipedia.org/wiki/Freudscher_Versprecher

mfg Nemo.

?

Der Spiegel-Online Redakteur wollte sicherlich
schreiben, dass Husseins Leiche in seiner Heimatstadt
nördlich von Bagdad beigesetzt worden ist,
er schrieb aber, dass er nördlich von Belgrad
beerdigt worden sei.
Ich halt sowas für eine Freudsche Fehlleistung
http://de.wikipedia.org/wiki/Freudsche_Fehlleistung
bin mir aber nicht sicher.

Hi
was hat Freud damit zu tun dass irgend ein Onlineredakteursvogel der die Webseite updated unkonzentriert ist… ?
Wenn du jede Namensverwechslung… oh mein Freud :smile:
HH

Servus,

was hat Freud damit zu tun dass irgend ein
Onlineredakteursvogel der die Webseite updated unkonzentriert
ist… ?

genau das!

Unbewusst (nicht à la mode „unterbewusst“) passiert dann (und nur dann - „unkonzentriert“ sein bedeutet nichts anderes) genau das, was der Obrigkeitsschreiber (selbst, undressiert) meint. Was das genau ist, kann allerdings nicht spekulativ irgendwie „erschlossen“ werden, selbst wenn die Parallelen so sonnenklar scheinen wie im vorliegenden Fall - zweimal nacheinander die gleiche Situation, die gleichen white hats und black hats, der gleiche Beifall von „teaser“ & Co, die schon immer gewusst haben, dass man am schwarzen Hut den bösen Mann erkennt etc. - sondern bloß der betreffende Redakteur selbst mit geeigneter Methode (bei SF nachlesen).

Das kann ganz konkret sein (z.B. der Redakteur hat gutes Material betreffend abgereichertes Uran in den Händen gehabt und ist für den bloßen Gedanken an eine Veröffentlichung schwer gerüffelt worden), oder auch weit weg von den beiden Themen liegen und eine ausschließlich persönliche Bedeutung haben.

Am besten mal die Originale lesen - die Epigonen Adler, Jung & Co verwirren bloß.

Schöne Grüße

MM

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Hi
ich würd eher drauf tippen dass der Ticker auch irgend was mit Belgrad auf seinen Tisch gespuckt hat und dass da überhauptnix tiefsinniges dahinter steckt. Hätte er statt Merkel Ferkel geschrieben weil ne Meldung über nen Mastbetrieb daneben lag genausowenig, obwohl es reizend wär…
HH

Hi,

http://www.spiegel.de/politik/ausland

Am frühen Morgen ist der hingerichtete Saddam Hussein in
seinem Heimatort nördlich von Belgrad beigesetzt worden.

Ist das eine freudsche Fehlleistung?, oder ist eine FF
immer nur sexuell.

Nein, eine FF ist sicher nicht immer nur sexuell.

Eine Freudsche Fehlleistung im eigentlichen Sinn ist dadurch gekennzeichnet, dass in der getroffenen ‚fehlerhaften‘ Äußerung der Fehler dadurch bedingt ist, dass sich ein Sinn aus dem Unbewussten mit dran gehängt hat, der auf Grund der inneren ‚Zensur‘ sich nur so äußern kann.

Wenn man überhaupt bei Freud so etwas wie eine allgemeine Definition der Fehlleistung finden möchte, dann vielleicht am ehesten im Schlusskapitel von „Zur Psychopathologie des Alltagslebens“:

„Als das allgemeine Ergebnis der vorstehenden Einzelerörterungen kann man folgende Einsicht hinstellen: Gewisse Unzulänglichkeiten unserer psychischen Leistungen … und gewisse absichtslos erscheinende Verrichtungen erweisen sich, wenn man das Verfahren der psychoanalytischen Untersuchung auf sie anwendet, als wohlmotiviert und durch dem Bewusstsein unbekannte Motive determiniert … die psychische Fehlleistung … darf nicht über ein gewisses Maß hinausgehen, welches … durch den Ausdruck ‚innerhalb der Breite des Normalen‘ bezeichnet wird. Sie muss den Charakter der momentanen und zeitwilligen Störung an sich tragen. Wir müssen die nämliche Leistung vorher korrekter ausgeführt haben oder uns jederzeit zutrauen, sie korrekter auszuführen … Wenn wir die Fehlleistung überhaupt wahrnehmen, dürfen wir von einer Motivierung derselben nichts in uns verspüren, sondern müssen versucht sein, sie durch ‚Unaufmerksamkeit‘ zu erklären oder als ‚Zufälligkeit‘ hinzustellen.“

So, ob jetzt Dein Beispiel nun ein FF ist oder nicht, lässt sich ohne Kenntnis der Umstände nicht sagen, aber dagegen spricht,

  1. dass „Belgrad“ nicht gerade besonders entstellt geäußert wird, also sich nicht gerade klammheimlich an „Bagdad“ anhängen musste, wie etwa wenn es „Bagrad“ geheißen hätte …

  2. dass „Belgrad“ vermutlich nicht gerade ein Gedanke ist, der im individuellen Unbewussten des Redakteurs eine Verdrängung erfahren hat, die sich über den Mechanismus „Fehlleistung“ Abfuhr verschaffen muss …

  3. dass nicht klar ist, ob der Fehler nicht sogar bewusst gewollt war, um mal unter dem Deckmantel des Fehlers einen eigenen politischen Gedanken reinzubringen …

und bestimmt noch einige andere.

Man könnte den Fehler aber vielleicht dann als „Freudsche Fehlleistung“ bezeichnen, wenn man mit dem Instrumentarium der Psychoanalyse Gesellschafts- und Kulturkritik betreibt, denn dann ließe sich vielleicht sagen, dass ein Gedanke wie Belgrad=Bagdad vielleicht nur über den Mechanismus „Fehlleistung“ ins öffentliche Bewusstsein gelangen könnte, etc.pp.blablabla …

Meine Meinung noch: ich finde es vollkommen irrelevant, ob man das Dingens nun als eine Freudsche Fehlleistung bezeichnet oder nicht, denn interessant ist die Gleichsetzung von Saddam und Milosevic allemal, durch „Freud“ wird sie deshalb auch nicht noch interessanter.

Viele Grüße
Franz

eben nicht, Helge. Wenn er „Ferkel“ schreibt, kann es dafür 2 Gründe geben:
a) er tut es bewusst, dann ist es eine Beleidigung (wofern er deutsch versteht)
b) er ist zerstreut, nicht bei der Sache, schreibt es also nicht bewusst, unbewusst

Martin hat völlig recht in seiner hervorragenden Antwort (für die ich ihm gerne ein * gegeben hätte, wenn nicht gerade zuvor Gargas in diesen Genuss gekommen wäre (und 2mal kann man ja nicht am gleichen Tag, oder?)); verdienstvoll auch sein Hinweis auf das „Unbewusste“ (nicht „Unter-, Neben-, Über- oder Sonstwiebewusste“), und die Empfehlung, das Original zu lesen, z.B. „Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse“, sehr gut verständlich und spannend, dort Erläuterung des Unbewussten in Teil II, Vorlesung 13 „Archaische Züge und Infantilismus des Traums“, ebenso in der dort enthaltenen Vorlesung zur Übertragung und an anderen Stellen.

Viele Grüße
Heinrich

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

kleiner Nachtrag / Korrektur

Martin hat völlig recht in seiner hervorragenden Antwort (für
die ich ihm gerne ein * gegeben hätte, wenn nicht gerade zuvor
Gargas in diesen Genuss gekommen wäre (und 2mal kann man ja
nicht am gleichen Tag, oder?))

Es geht ja doch! Bezieht sich wohl nur auf die gleiche bedachte Person. Also nix wie hin!
Heinrich

Hi,

ob es sich um eine FF oder um eine andere Art von Fehler handelt (z.B. daß er beim Schreiben des Artikels den folgenden schon vor Augen hatte usw.) läßt sich von Seiten des bloßen Lesers gar nicht entscheiden. Wenn dem eine Fehlleistung zugrunde läge, dann könnte das erst aus einem entsprechenden Dialog mit dem (Ver)Schreiber deutlich werden. Siehe:

http://www.wer-weiss-was.de/cgi-bin/forum/showarchiv…

Gruß

Metapher

off topic
Hi Boris,

du kannst dem gleichen Artikel
nur ein Sternchen geben.
Zwischen den einzelnen Sternchen für verschiedene
Artikel (des gleichen Autors oder von verschiedenen
Schreibern) liegt eine Zeitsperre von wenigen (einer
einzigen?) Minute.

Gruß
Elke

dem ich hiermit-nach langer Zeit-Recht geben möchte.
Es liegt immer im Auge des Betrachters. Gruß Bea