Hallo Mel,
der Rat, dass Du vorallem dafür sorgen musst, dass es Dir selbst gut geht, wurde Dir zwar schon gegeben, aber ich möchte dem auch noch mal beipflichten!!! Für mich heißt das aber nicht zwangsläufig, dass Du Deinen Freund dafür aufgeben musst…
Damals kamen wir nach 3 Monaten Trennung wieder zusammen, weil
wir uns wieder getroffen haben und festgestellt haben, dass
wir noch etwas füreinander empfinden.
Die Empfindungen sind meiner Meinung nach das A und O dabei und sollten Dir letztendlich auch als Barometer dienen.
Ich war bei meinem „Freund“ (er hat sich von mir getrennt, aber irgendwie führen wir doch so etwas ähnliches wie eine Beziehung) auch schon an einem Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob und wenn ja wie das alles weiter gehen soll. Es gab eine Zeit, in der dominierten eindeutig die negativen Empfindungen und genau darin lag für mich der Ansatz, etwas zu ändern… IHN kann und will ich auch gar nicht ändern. Ich liebe ihn auch noch trotz seiner Depressionen, und seit mir das klar ist, kann ich viel besser damit umgehen.
Ich bin ziemlich fertig, wie letztes Jahr auch und weiss
überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll.
Womit konkret? - Falls es hier fürs Forum zu komplex ist, können wir das gerne auch per Mail vertiefen!
Mir fällt dieser kühle Kontakt arg schwer und ich
hab schon angefangen mir nebenhin einen Zettel zu legen und
darauf alles an Gefühlsäußerungen zu schreiben, was ich ihm
eigentlich am liebsten schreiben würde, weil ihn das momentan
nur überfordern würde.
Woher weißt Du, dass ihn das überfordert?
Aber davon ab, ich habe zu Beginn auch einen Zettel neben dem Telefon liegen gehabt und mir Notizen zum Gespräch gemacht bzw. mir grundsätzlich unsere Gespräche im Anschluss noch mal vergegenwärtigt, zumal die Kommunikation während einer akuten Depression meiner Erfahrung nach immer recht schwierig ist.
Gerade was die richtige Kommunikation angeht, hat mir auch das Buch, was Dir Natascha (und vor zweieinhalb Jahren auch mir) ans Herz gelegt hat, sehr gut weiter geholfen.
@ Natascha: Danke noch mal dafür!! :o)
Trotzdem macht es mich kaputt. Ich bin unsicher, ob ich ihn
endgültig abschreiben soll oder warten und hoffen, dass es ihm
bald wieder besser geht und wir uns wieder sehen und dann
schauen können, was wird.
Wenn Du nur dann mit ihm klar kommen kannst, wenn es IHM besser geht, dann wäre es wahrscheinlich wirklich besser, Du würdest ihn endgültig abschreiben. Für mich sind die Depressionen meines Freundes ein Teil von ihm, mit dem ich umzugehen gelernt habe. Natürlich würde ich mir auch wünschen, dass sie irgendwann komplett ausgestanden sind, aber möglicherweise begleiten sie uns auch immer mal wieder. Daher war es mir so wichtig, mich selbst so oder so wohl zu fühlen - unabhängig von seinem akuten Zustand.
Meine größte Sorge ist momentan, dass wir uns in einigen
Wochen/Monaten wieder zusammenraufen und wir dann in einem
Jahr wieder an diesem Punkt stehen. Ich weiss nicht, wie oft
ich das noch durchhalte, das kostet jedes Mal sehr viel Kraft.
Das kann natürlich passieren, damit musst Du sicher rechnen. Bei mir/uns gab es auch schon mal wieder Rückschläge, aber seit ich auf sie gefasst bin und es mir insgesamt gut geht, komme ich damit viel besser klar. Kraft hat es mich auch gekostet - es hat mir aber auch viel Kraft gegeben.
Ich verstehe,
dass er nicht weiss, was er fühlt und ihm alles zuviel ist,
aber dadurch sind doch die Erinnerungen nicht weg, an die
schöne gemeinsame Zeit.
Wenn man nichts fühlt, wie fühlen sich dann Erinnerungen an? Und es kann natürlich auch nicht sinnvoll sein, aus der Erinnerung zu leben… Dass ER derzeit(!) nichts fühlt, daran kannst Du nichts ändern, daher kommt es hier erst mal nur auf Dich an und solltest Du seine „Gefühle“ momentan mal ganz außer Acht lassen!!! Das soll jetzt keine Aufforderung zum Egoismus sein, darum geht es nicht. Was fühlst Du ihm gegenüber?
Ich frage mich, ob er es sich nicht zu
leicht macht damit, sich zu trennen… *seufz*
Diese Vermutung kommt im Zusammenhang mit Depressionen häufig auf. Mir hat sich auch ab und an der Gedanke aufgedrängt, dass mein „Freund“ seine Krankheit missbrauchen könnte… Ich habe mich allerdings auch mit anderen Betroffenen ausgetauscht - hier und auch im Depressions-Forum, was Natascha ebenfalls angesprochen hat - und bin zu der Überzeugung gelangt, dass diese Befürchtung in den meisten Fällen unberechtigt sein dürfte.
Mit dem Depressions-Forum habe ich ansonsten aber ehr weniger gute Erfahrungen gemacht, denn natürlich halten sich dort überwiegend diejenigen auf, die (derzeit) negative Erfahrungen machen, das liegt in der Natur der Sache. Das wirkt sich allerdings auch auf die gesamte Stimmung dort aus und hat mich ehr noch mehr runter gezogen.
Und was dort auch schnell mal vergessen wird, dass es zwar immer sehr viele typische Symptome und Auswirkungen gibt, jeder Betroffene und Angehörige aber dennoch ein Individuum bleibt, bei dem natürlich noch ganz andere Wesenszüge und Hintergründe in die Situation hineinspielen.
Für mich ist es schon wichtig, dass ich mich grundsätzlich mit dem Krankheitsbild vertraut gemacht habe und mir auch immer mal wieder bewußt mache, eben weil es so schwierig ist, sich hineinzuversetzen… aber ich bin auch darum bemüht, nicht alles nur noch darum kreisen zu lassen. Damit fahre ich persönlich ganz gut. Aber auch das muss natürlich jeder für sich selbst herausfinden.
Ich hoffe, ich konnte Dir etwas Mut machen, liebe Grüße,
Marla