Freund leidet unter Depressionen - was tun?

Hallo :smile:

Ich schreibe hier, weil ich mir nicht mehr zu helfen weiss.

Mein Freund (32), mit dem ich seit knapp 2 Jahren zusammen bin, durchleidet momentan wieder eine sehr tiefe und lange Phase der Depressionen, die letzten Samstag dazu geführt hat, dass er sich (zum zweiten Mal in der Zeit) von mir getrennt hat, mit den Worten, dass er eine Pause braucht.

Genau das selbe Thema hatten wir vor ca. einem Jahr schon mal. Damals kamen wir nach 3 Monaten Trennung wieder zusammen, weil wir uns wieder getroffen haben und festgestellt haben, dass wir noch etwas füreinander empfinden.

Ich bin ziemlich fertig, wie letztes Jahr auch und weiss überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll. Den Kontakt haben wir erstmal nur aufs geschäftliche beschränkt (wir arbeiten gemeinsam an einem Projekt), also sehr kühler Kontakt über ICQ momentan. Mir fällt dieser kühle Kontakt arg schwer und ich hab schon angefangen mir nebenhin einen Zettel zu legen und darauf alles an Gefühlsäußerungen zu schreiben, was ich ihm eigentlich am liebsten schreiben würde, weil ihn das momentan nur überfordern würde.

Trotzdem macht es mich kaputt. Ich bin unsicher, ob ich ihn endgültig abschreiben soll oder warten und hoffen, dass es ihm bald wieder besser geht und wir uns wieder sehen und dann schauen können, was wird.

Meine größte Sorge ist momentan, dass wir uns in einigen Wochen/Monaten wieder zusammenraufen und wir dann in einem Jahr wieder an diesem Punkt stehen. Ich weiss nicht, wie oft ich das noch durchhalte, das kostet jedes Mal sehr viel Kraft.

Er macht zwar seit über einem Jahr eine Therapie und er hats auch mit Medikamenten versucht, aber beides hilft nur in der abklingenden bzw anfangenden Phase, wenn er so tief in den Depressionen steckt leider nicht.
Es ist auch nicht so, dass er dann Suizidgedanken hat, nur halt eben ein „Gefühl der Gefühllosigkeit“ und er ist mit den Grundbedürfnissen essen, schlafen, trinken, arbeiten dann schon vollkommen ausgefüllt, alles was an Gefühlen an ihn herangetragen wird, überfordert ihn.

Ich suche einfach Rat, wie ich mich verhalten soll. Vielleicht kennt ja selbst jemand so eine Situation oder falls jemand mitliest, der Betroffen ist, ich wäre für jeden Tipp dankbar, da ich sein Denken auch einfach nicht verstehe. Ich verstehe, dass er nicht weiss, was er fühlt und ihm alles zuviel ist, aber dadurch sind doch die Erinnerungen nicht weg, an die schöne gemeinsame Zeit. Ich frage mich, ob er es sich nicht zu leicht macht damit, sich zu trennen… *seufz*

Entschuldigt den langen Text…

Mel

Hei,

lass ihn gehen. Es ist am besten für Dich und für ihn. Aber schone ihn keinesfalls mit Deinen Gefühlen, damit tust Du Dir selbst am meisten weh. Nur weil er Depressionen hat, heißt das nicht, dass Du ihm nicht sagen darfst, wie es Dir geht - im Gegenteil! Es ist besonders wichtig, dass Du Dich selbst nicht mit runterziehen lässt. Ja, ich weiß, dass das extrem schwer ist, ich war vor drei Jahren in genau der Situation, wie Du es jetzt bist. Aber glaube mir, wenn er davon überzeugt ist, dass er keine Beziehung mit Dir möchte, dann hilft alles Treten und Hoffen und und und nichts, so hart es auch klingen mag.

Ich kann Dir aber ein Buch empfehlen, was mir damals geholfen hat: Wenn der Mensch, den du liebst, depressiv ist. Bekommst Du in allen Online-Büchershops und in gut sortierten Buchläden. Oder schau Dich hier im Forum mal um: http://www.kompetenznetz-depression.de, dort kannst Du alles loswerden, was Dich momentan beschäftigt, es schreiben sowohl Betroffene als auch Angehörige in dem Forum, mir hat es geholfen.

Alles Gute
Natascha

Hi Mel,
ich glaube, Du hast Dir Deine Antwort schon selbst gegeben. Lese Deine Mail doch noch einmal gründlich durch.
Warum glaubst Du denn, Deinem Freund helfen zu können?
Wie Du siehst, will er Deine Hilfe nicht.
Lass ihn los.
Liebe Grüße
Ricarda

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Hallo,
das ist sicherlich nicht einfach. In seiner jetzigen Situation ist Dein Freund wahrscheinclich einfach nicht in der Lage dazu, Dich „wertzuschätzen“ und zu wissen, was er an Dir hat. Und die depressiven Phasen gehen zwar immer wieder vorbei, die Wahrscheinlichkeit dass sie immer wieder kommen ist allerdings auch sehr groß, wenn ihr das schon mehrmals durchgemacht habt.
Eine Möglichkeit ist natürlich, sich von ihm zu trennen. Das wird natürlich auf Dauer einfacher, zumindest für Dich.
Ich würde vielleicht zuerst versuchen, mich mal nach andere Therapieformen umzuschauen und nach anderen Medikamenten. Meistens gibt es etwas was hilft, das Problem bei Antidepressiva ist, dass es meist eine Weile dauert, bis man es gefunden hat, weil diese Medikamente erstmal 2 Wochen brauchen, um anzuchlagen, wenn sie’s denn tun.
Dir würde ich eine Anhehörigengruppe ans Herz legen. Da treffen sich Freunde und Verwandte von Betroffenen, tauschen sich aus, helfen sich gegenseitig mit Tipps und bekommen Informationen. Und Du bist nicht die einzige, der es so geht. Frag doch mal beim Therapeutien Deines Freudes oder einfach bei der nächsten Klinik die eine Psychiatrische Station hat. Ich habe von vielen gehört, dass ihnen das wirklich was gebracht hat.

Liebe Grüße,
Elisabeth

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Hallo…

Das kenne ich auch.Ich habe mich von meinem Freund getrennt!!!
Ich sehe es nicht ein ,dass -bei aller Liebe und Fürsorge- jemand eine Person so vereinnahmt und sich immer damit in die Mitte stellt!
Jetzt habe ich erfahren,dass er endlich was für sich tut und das Problem auch angeht.Ich denke dass es auch ihm geholfen hat…
Und DU musst dich nicht aufopfern.Sorry aber: depressive Menschen sind oft sehr sehr Ich-zentriert …Ich war auch jahrelang depressiv und kann das bestätigen.Ich habe keine Pharmaka genommen.Habe durch Selbsthilfegruppen etc es geschafft von diesem übermässig ausgeprägtem Ego wegzukommen.Und siehe da: es ist verschwunden…

klingt alles vielleicht hart und herzlos,aber das ist das Einzige was hilft.Heute kann ich meine Ex-Freunde gut verstehen,die mit mir Schluss gemacht haben damals!!!

Gruss

Hallo,

es immer ziemlich schwer per ferndiagnose und ohne die beteiligten persönlich zu kennen einen rat zu geben und so möchte ich auch nur von mir und meinem freund mittlerweile mann sprechen.

wir beide sind seit ca. 7 jahren zusammen und vor etwas 2 jahren wurden bei mir offiziel depressionen diagnostisiert natürlich hatte ich die problem schon eine ganze weile vorher aber es wurde erst später erkannt. so wie du das verhalten deines freundes beschreibst, habe ich mich selbst wiedererkannt mit dem schluss machen war ich sogar noch viel schlimmer keine ahnung damals war mir das in meinen tiefs alles egal und ich wollte mit niemanden kontakt haben. das hat nicht mit einem ich bezogenen Ich zu tun nein man ist einfach unglücklich es ist einem alles egal man erkennt nicht mehr die schönen dinge und alles was wichtig ist oder war verliert an bedeutung. es ist wirklich schwer diesen zustand zu beschreiben und mein freund hat wirklich hart um mich gekämpft und das ist auch ein grund warum ich ihn so sehr liebe und im nachhinein es wirklich so wahnsinnig zu schätzen weiss und ihm so unendlich dankbar bin das er nie aufgegeben hat. ich konnte das aber erst nach einer medikamententösen und verhaltenstherapie erkennen und wirklich zum ersten mal in meinem leben eine richtige beziehung mit nehmen und geben und liebe führen. selbst die beziehung zu meinem kind hat sich seitdem geändert ich bin heute glück eine familie zu haben und einen mann der viel dafür auf sich genommen hat um uns zu dieser zu machen. wichtig ist das dein freund es für sich selbst erkennt um sich helfen zu lassen und aktiv wird um sich selbst zu helfen. wenn er die welt wegsperrt und das sind so hart es ist immer zu erst die die einem am herzen liegen wird sich an seinem zustand nie wirklich was ändern und du solltest dann für die abwägen wie stark deine liebe zu ihm ist und wie stark du selber noch bist. wichtig ist das du nicht selbst daran zugrunde gehst. wenn dein freund bereit ist dann wärst du ihm eine wichtige unterstützung und ihr würdet noch mehr zu einander finden. ich könnte hier noch soviel schreiben will dich aber damit auch nicht überfahren. also ich hoffe es hilft dir einwenig. er sieht in diesen phasen die dinge eben anders.

alles liebe

chrissie

das war bei mir so und auch bei meinem freund.muss nicht heissen dass das bei dir auch so ist…
War keine verallgemeinerung sondern eine vermutung anhand der paralellität der problematik…

wünsch dir auch alles Gute

Hallo Mel,

der Rat, dass Du vorallem dafür sorgen musst, dass es Dir selbst gut geht, wurde Dir zwar schon gegeben, aber ich möchte dem auch noch mal beipflichten!!! Für mich heißt das aber nicht zwangsläufig, dass Du Deinen Freund dafür aufgeben musst…

Damals kamen wir nach 3 Monaten Trennung wieder zusammen, weil
wir uns wieder getroffen haben und festgestellt haben, dass
wir noch etwas füreinander empfinden.

Die Empfindungen sind meiner Meinung nach das A und O dabei und sollten Dir letztendlich auch als Barometer dienen.
Ich war bei meinem „Freund“ (er hat sich von mir getrennt, aber irgendwie führen wir doch so etwas ähnliches wie eine Beziehung) auch schon an einem Punkt, an dem ich mich gefragt habe, ob und wenn ja wie das alles weiter gehen soll. Es gab eine Zeit, in der dominierten eindeutig die negativen Empfindungen und genau darin lag für mich der Ansatz, etwas zu ändern… IHN kann und will ich auch gar nicht ändern. Ich liebe ihn auch noch trotz seiner Depressionen, und seit mir das klar ist, kann ich viel besser damit umgehen.

Ich bin ziemlich fertig, wie letztes Jahr auch und weiss
überhaupt nicht, wie ich damit umgehen soll.

Womit konkret? - Falls es hier fürs Forum zu komplex ist, können wir das gerne auch per Mail vertiefen!

Mir fällt dieser kühle Kontakt arg schwer und ich
hab schon angefangen mir nebenhin einen Zettel zu legen und
darauf alles an Gefühlsäußerungen zu schreiben, was ich ihm
eigentlich am liebsten schreiben würde, weil ihn das momentan
nur überfordern würde.

Woher weißt Du, dass ihn das überfordert?
Aber davon ab, ich habe zu Beginn auch einen Zettel neben dem Telefon liegen gehabt und mir Notizen zum Gespräch gemacht bzw. mir grundsätzlich unsere Gespräche im Anschluss noch mal vergegenwärtigt, zumal die Kommunikation während einer akuten Depression meiner Erfahrung nach immer recht schwierig ist.
Gerade was die richtige Kommunikation angeht, hat mir auch das Buch, was Dir Natascha (und vor zweieinhalb Jahren auch mir) ans Herz gelegt hat, sehr gut weiter geholfen.
@ Natascha: Danke noch mal dafür!! :o)

Trotzdem macht es mich kaputt. Ich bin unsicher, ob ich ihn
endgültig abschreiben soll oder warten und hoffen, dass es ihm
bald wieder besser geht und wir uns wieder sehen und dann
schauen können, was wird.

Wenn Du nur dann mit ihm klar kommen kannst, wenn es IHM besser geht, dann wäre es wahrscheinlich wirklich besser, Du würdest ihn endgültig abschreiben. Für mich sind die Depressionen meines Freundes ein Teil von ihm, mit dem ich umzugehen gelernt habe. Natürlich würde ich mir auch wünschen, dass sie irgendwann komplett ausgestanden sind, aber möglicherweise begleiten sie uns auch immer mal wieder. Daher war es mir so wichtig, mich selbst so oder so wohl zu fühlen - unabhängig von seinem akuten Zustand.

Meine größte Sorge ist momentan, dass wir uns in einigen
Wochen/Monaten wieder zusammenraufen und wir dann in einem
Jahr wieder an diesem Punkt stehen. Ich weiss nicht, wie oft
ich das noch durchhalte, das kostet jedes Mal sehr viel Kraft.

Das kann natürlich passieren, damit musst Du sicher rechnen. Bei mir/uns gab es auch schon mal wieder Rückschläge, aber seit ich auf sie gefasst bin und es mir insgesamt gut geht, komme ich damit viel besser klar. Kraft hat es mich auch gekostet - es hat mir aber auch viel Kraft gegeben.

Ich verstehe,
dass er nicht weiss, was er fühlt und ihm alles zuviel ist,
aber dadurch sind doch die Erinnerungen nicht weg, an die
schöne gemeinsame Zeit.

Wenn man nichts fühlt, wie fühlen sich dann Erinnerungen an? Und es kann natürlich auch nicht sinnvoll sein, aus der Erinnerung zu leben… Dass ER derzeit(!) nichts fühlt, daran kannst Du nichts ändern, daher kommt es hier erst mal nur auf Dich an und solltest Du seine „Gefühle“ momentan mal ganz außer Acht lassen!!! Das soll jetzt keine Aufforderung zum Egoismus sein, darum geht es nicht. Was fühlst Du ihm gegenüber?

Ich frage mich, ob er es sich nicht zu
leicht macht damit, sich zu trennen… *seufz*

Diese Vermutung kommt im Zusammenhang mit Depressionen häufig auf. Mir hat sich auch ab und an der Gedanke aufgedrängt, dass mein „Freund“ seine Krankheit missbrauchen könnte… Ich habe mich allerdings auch mit anderen Betroffenen ausgetauscht - hier und auch im Depressions-Forum, was Natascha ebenfalls angesprochen hat - und bin zu der Überzeugung gelangt, dass diese Befürchtung in den meisten Fällen unberechtigt sein dürfte.

Mit dem Depressions-Forum habe ich ansonsten aber ehr weniger gute Erfahrungen gemacht, denn natürlich halten sich dort überwiegend diejenigen auf, die (derzeit) negative Erfahrungen machen, das liegt in der Natur der Sache. Das wirkt sich allerdings auch auf die gesamte Stimmung dort aus und hat mich ehr noch mehr runter gezogen.
Und was dort auch schnell mal vergessen wird, dass es zwar immer sehr viele typische Symptome und Auswirkungen gibt, jeder Betroffene und Angehörige aber dennoch ein Individuum bleibt, bei dem natürlich noch ganz andere Wesenszüge und Hintergründe in die Situation hineinspielen.
Für mich ist es schon wichtig, dass ich mich grundsätzlich mit dem Krankheitsbild vertraut gemacht habe und mir auch immer mal wieder bewußt mache, eben weil es so schwierig ist, sich hineinzuversetzen… aber ich bin auch darum bemüht, nicht alles nur noch darum kreisen zu lassen. Damit fahre ich persönlich ganz gut. Aber auch das muss natürlich jeder für sich selbst herausfinden.

Ich hoffe, ich konnte Dir etwas Mut machen, liebe Grüße,
Marla