Hallo!
Inwieweit ersetzt das Gespräch mit Freunden eine professionelle Therapie? Insbesondere bei „leichteren“ psychischen Erkrankungen/Störungen/Problemen, wie zum Beispiel Depressionen, Sucht, Angststörungen, etc.?
lG Alpha
Hallo!
Inwieweit ersetzt das Gespräch mit Freunden eine professionelle Therapie? Insbesondere bei „leichteren“ psychischen Erkrankungen/Störungen/Problemen, wie zum Beispiel Depressionen, Sucht, Angststörungen, etc.?
lG Alpha
Gar nicht !
Bei „leichteren“ Problemen, wie Liebeskummer, Frust am Arbeitsplatz etc. ok, solange sich das nicht in die von Dir sogenannten „leichteren“ psych. Erkrankungen steigert. Beim Gespräch mit Freunden gehts ja oft darum, andere Ansichten zu hören oder auch mal nen Ratschlag zu bekommen und so die eigene Situation evtl. umzubewerten. Dies ist in einer Therapie nicht so. Eine Depression, Sucht oder Angst kannste nicht mal eben „wegreden“.
Gruss
Hallo!
Inwieweit ersetzt das Gespräch mit Freunden eine
professionelle Therapie? Insbesondere bei „leichteren“
psychischen Erkrankungen/Störungen/Problemen, wie zum Beispiel
Depressionen, Sucht, Angststörungen, etc.?lG Alpha
Hi alpha,
ich halte Deinen Frageansatz für irritierend: wenn jemand „therapie-bedürftig“ ist, kann m. E. das Gespräch mit Freunden die Therapie nicht ersetzen.
Vgl. jemand ruht mit gebrochenem Bein - das lindert ggf. Schmerzen, ersetzt aber nicht Richten, Schiene und Gips.
Unbestritten ist natürlich, dass (intensive) Gespräche mit Freunden gut tun und u. U. zur Problemlösung beitragen.
Wundt glaube ich schätzte dass bis zu 60% auf nicht-professineller Ebene beraten wird - also durch Freunde, Bekannte etc.
Jedenfalls ist mir diese Zahl mal im Studium begegnet.
Bei „leichteren“ Problemen, wie Liebeskummer, Frust am
Arbeitsplatz etc. ok, solange sich das nicht in die von Dir
sogenannten „leichteren“ psych. Erkrankungen steigert. Beim
Gespräch mit Freunden gehts ja oft darum, andere Ansichten zu
hören oder auch mal nen Ratschlag zu bekommen und so die
eigene Situation evtl. umzubewerten. Dies ist in einer
Therapie nicht so. Eine Depression, Sucht oder Angst kannste
nicht mal eben „wegreden“.
Aber im Grunde genommen tut man bei der Thera doch genau das, oder? Gut, der Psychologe hat eine spezielle und viel bessere Ausbildung zu dem Thema, aber im Grunde genommen tut er doch auch nichts anderes. Dazu kommt, dass man dort erst ein gewisses Maß an Vertrauen aufbauen muß. Meine Freunde wissen doch viel mehr über mich als ich jemandem, den ich nicht kenne, vermutlich jemals erzählen würde.
Also ganz im Ernst: Was spricht dagegen, *keine* professionelle Therapie zu machen sondern sich lieber von Leuten helfen zu lassen, denen man vertraut?
lG Alpha
hallo biga
bei der therapie hat man die gelegenheit, das eigene unterbewusstsein zur sprache kommen zu lassen und zu verstehen. das ist im gespräch mit kollegen so nicht der fall.
liebe grüsse
coco
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Hi alpha,
ich fand es ausgesprochen hilfreich, dass mein Therapeut mich eben nicht kennt und ich mit ihm sozusagen bei null anfange. Davon abgesehen muss ich dann nicht befürchten von ihm verurteilt zu werden oder ihm auf den Nerv zu gehen, was ja wenn man seine Probleme mit Freunden bespricht und diese (die Probleme ) nicht so leicht zu lösen sind, durchaus vorkommen kann und auch ganz verständlich ist.
schneehase
Hallo BigA,
nichts spricht gegen das Gespräch mit vertrauenswürdigen Freunden, z. B. bei leichteren Krisen, die viele oder fast alle irgendwann erleben. Auch bei den von Dir angeführten Störungen: Sucht, Depressionen, Angststörungen sind gute Freunde sicher eine Hilfe.
Aber das sind keine „leichten“ Erkrankungen. Sondern sie erfordern ein Engagement, das die meisten überfordern dürfte, die Grenzen einer Freundschaft überschreitet, vielleicht in die Co-Abhängigkeit führt. Eine guter Freund erkennt seine Grenzen und rät zur Therapie.
Liebe Grüße,
I.
Hallo Alpha,
Psychotherapeut zu sein, ist nicht so einfach, wie Du es Dir vorstellst. Es sind nicht einfache Gespräche, die geführt werden. Das sieht für einen Außenstehenden nur so aus. Ein Psychotherapeut handelt (hoffentlich) auf der Basis umfangreichen Wissens über psychische Störungen, wie man sie erkennt und wie man mit ihnen umgeht. Den Freunden fehlt aber meistens sowohl das Wissen „was“ als auch das Wissen „wie“.
Freunden fehlt zusätzlich fast immer das folgende: die professionelle Distanz. Ein Therapeut zu sein, bedeutet manchmal nämlich auch, etwas zu tun, was einem als Freund falsch vorkommt, aber was sich langfristig positiv für den Patienten auswirkt. Wenn man es hart formuliert: Manchmal muß man den Patienten in eine kleine Hölle schicken, damit er aus der großen wieder rauskommt.
Diesen Unterschied zwischen Handeln als Freund und Handeln als Profi hat ein Psychiater einmal in einer US-amerikanischen Zeitung, der Washington Post beschrieben. Einer seiner Freunde erkrankte an Schizophrenie und
„ich reagierte als Freund, nicht als Psychiater. Und jetzt habe ich einen Freund, nicht einen Patienten, verloren. Die Wellen der Trauer kommen unerwartet. Die Zeit, die ohne Kontakt vergeht, kommt mir vor wie eine Wand, die zwischen uns emporwächst. Das ist ein größerer Verlust, als wenn er gestorben wäre.“ Denn:
„Von psychischer Krankheit persönlich berührt zu sein, ist etwas ganz anderes, als sie zu behandeln.“
Als Freund ist man betroffen und die Betroffenheit läßt einen häufig in entscheindenden Momenten emotional und nicht professionell handeln. Das ist aber etwas, was dem Patienten oft schadet, nicht nützt.
Grüße,
Oliver Walter
PS: Die von Dir genannten Störungen kann man nicht pauschal als „leicht“ bezeichnen. Im Gegenteil können sie zu schwersten Beeinträchtigungen führen.
Hier sind wir…
…ja doch mal einer Meinung, Oliver, was selten vorkommt, aber auch nicht schlecht ist.
Gruß,
Branden
Hei,
Freunden fehlt zusätzlich fast immer das folgende: die
professionelle Distanz.
ja, und nicht nur das - viele Freunde verstehen einfach nicht, was in dem Moment mit der betroffenen Person passiert. Bei Depressionen z. B. können sie oft nicht nachvollziehen, dass Aufmunterungsversuche usw. nichts bringen. Sie stellen unheimlich viele Fragen, die - zumindest mich damals - irgendwann nur noch nerven, weil sich die Fragen immer und immer wieder wiederholen und der andere es ja doch nicht versteht.
Und sie haben mich damit teilweise noch mehr runtergezogen, ohne das zu wollen. Ich habe angefangen, noch mehr zu grübeln, weil ich dachte, dass meine Freunde vielleicht Recht haben könnten (schließlich kennen sie mich seit Jahren!), dass es mir im Grunde doch richtig gut geht, dass ich nur ne schlechte Zeit habe usw. Und dass ich mich einfach nur in etwas völlig Belangloses reinsteigere…
In der Thera hingegen wurde komplett bei Null begonnen. Keine Vorgeschichte, die beeinflusst, keine Abschweifungen, einfach nur Gespräche darüber, warum es mir so geht, wie ich an mir arbeiten kann usw.
Wenn man es hart formuliert: Manchmal muß
man den Patienten in eine kleine Hölle schicken, damit er aus
der großen wieder rauskommt.
Genau - aber es ist nicht hart formuliert, finde ich. Werde nie meine erste Thera-Stunde vergessen. Hätte nur noch heulen können, einfach weil mir nur durch das, was ich erzählt habe, der Therapeut ein paar Verhaltensweisen vorgehalten hat, die ich so vorher nie gesehen hatte. War echt heftig… Da denkt man sonst nicht drüber nach, bzw. man kommt da von alleine gar nicht drauf. Auch nicht die Freunde.
Als Freund ist man betroffen und die Betroffenheit läßt einen
häufig in entscheindenden Momenten emotional und nicht
professionell handeln. Das ist aber etwas, was dem Patienten
oft schadet, nicht nützt.
Ja, wenn die Betroffenheit in Mitleid o. ä. umschwenkt. Nicht gut, nur leider sehr schwer, das zu vermeiden. Und als Freund kann man auch leicht mit runtergezogen werden, auch wenn sehr viele das nicht wahrhaben wollen.
Ich denke, dass ‚Freunde‘ in Verbindung mit ‚Therapeut‘ am besten funktioniert. Einerseits ist so die professionelle Hilfe da, andererseits weiß man, dass man sich auf bestimmte Menschen immer verlassen kann und von ihnen so akzeptiert wird, wie man ist. Mit allen Ecken und Kanten und Krankheiten und und und. Das gibt ungemeine Rückendeckung fürs Leben.
PS: Die von Dir genannten Störungen kann man nicht pauschal
als „leicht“ bezeichnen. Im Gegenteil können sie zu schwersten
Beeinträchtigungen führen.
*absolutzustimm*
Grüße
Natascha
Hallo, ihr zwei,
es freut mich, daß wir einer Meinung sind.
@Natascha: Daß Freunde (oft) nicht verstehen (können), was mit der Person geschieht, sehe ich genauso wie Du. Ich hab´s gestern abend wahrscheinlich einfach zu knapp unter Wissen subsumiert.
@Branden: Wie war Dein Urlaub? Ich hoffe, Du konntest ihn genießen?
Beste Grüße,
Oliver
@Branden: Wie war Dein Urlaub? Ich hoffe, Du konntest ihn
genießen?
Ja, danke der Nachfrage, Oliver. War sehr schön, obgleich nicht ganz warm genug. Ich war mit meinem Jüngsten unterwegs und wir haben uns in den zwei Wochen mehr durch die Gegend bewegt als ich es in Berlin in zwei Monaten mache. Das war auf jeden Fall gut.
Es grüßt Dich
Branden
Hallo Alpha,
wer als Freund sich dauerhaft in therapeutische Gefilde begibt, hat selbst ein Problem. Das geht auch schief, würde ich meinen. Ich kenne diese Situation von Alkoholikern. Es ist nicht möglich, als Freund einen Alkoholiker zu „therapieren“. Der Versuch ist zum Scheitern verurteilt- ist zwar nur meine persönliche Meinung, schätze aber, sie ist einigermaßen professionell UND richtig
.
Gruß
Hermann