Freundschaft am Arbeitsplatz

Hallo,

ich bin´s mal wieder mit einer Frage, auf die wohl nur spekulativ geantwortet werden kann.

Ich frage mich, welche genauen Gründe es (abgesehen von vorherrschenden Altersunterschieden) dafür gibt, dass sich am Arbeitsplatz i.A. weniger Freundschaften (und seien es Zweckfreundschaften oder „Cliquen“) entwickeln als z.B. im Studium.
Natürlich gibt es die Gründe, dass man im Studium noch jünger ist, offener für neue Leute.
Wenn man aber in eine neue Stadt zieht zwecks Arbeit ist man auch wieder sehr offen für neue Freundschaften, doch meistens sucht man sich die lieber außerhalb des Arbeitskreises.
Auch Beziehungen unter Arbeitskollegen sind ja z. B. irgendwie verpönt.
Als Student das Selbstverständlichste von der Welt, dass man Freundschaften sowie andere Beziehungen innerhalb des Kommilitonen-Rahmens pflegte. In der Arbeitswelt ist das plötzlich anders. Warum?
Man hat doch, wie im Studium auch, sehr viel mit Leuten zu tun, die ähnliche interessean haben wie man selbst? (Zumindest in dem Fall, in dem man einen Beruf gewählt hat, der sich mit den Interessen deckt.)

Bin gespannt auf eure Theorien.

Judith

Hallo Judith,

ich bin´s mal wieder mit einer Frage, auf die wohl nur
spekulativ geantwortet werden kann.

Ich frage mich, welche genauen Gründe es (abgesehen von
vorherrschenden Altersunterschieden) dafür gibt, dass sich am
Arbeitsplatz i.A. weniger Freundschaften (und seien es
Zweckfreundschaften oder „Cliquen“) entwickeln als z.B. im
Studium.

Das hängt zuerst einmal sehr stark vom Betrieb, bzw. den Leuten, ab. Von KMUs kenne ich das auch ganz anders.

Desweiteren gibt es im „beruflichen Bereich“ an der Uni keinen konkurenzkampf wie später im Beruf. Du bekommst nicht mehr Lohn durch gute Noten und wirst auch nicht schneller befördert, wenn du dich mit dem Prof gut stellst. Wenn du dich dahinter klemmst undkeine Prüffung versaust, weisst du wann du den Abschluss in der Tasche hast.

Diese Sicherheit hattest du nur als Beamter, da war bis zur Pensionierung eigentlich klar, nach wievielen Dienstjahren du in welcher Lohnklasse eingestuft warst.

In der freien Wirtschaft stehst du aber mit jedem in deinem Betrieb in Konkurenz, sei es bei Beförderungen oder bei einem Stellenabbau …

Weiterhin wird dir vorgeschrieben mit wem du zusammenarbeiten musst, zudem kann das auch noch jederzeit ändern, an der Uni kannst du dir das meistens selbst aussuchen.

Hinzu kommt noch, dass du als Student meist nur für dich selbst verantwortlich bist, später kommen dann meist Familie, und vielleicht noch ein Haus mit den entsprechenden Verpflichtungen, hinzu.

Wenn ich nicht so faul wäre, könnte ich noch viel mehr schreiben …

MfG Peter(TOO)

Hallo

Wie können sich denn freundschaftliche Beziehungen in einer Atmosphäre entwickeln, die von Rivalität und Selbstbehauptung geprägt ist? Besonders wo man dauernd, bei der kleinsten Abweichung von der wirtschaftlich denkenden Mentalität, den Verlust des Arbeitsplatzes vor Augen haben muß?

Du hast vielleicht nicht die alte DDR erlebt, wo man wirklich eine kameradschaftliche Atmosphäre innerhalb einer Gemeinschaft erleben konnte. Sehr schade, daß diese verloren ist.

gruß
rolf

Hallihallo,

Ich frage mich, welche genauen Gründe es (abgesehen von
vorherrschenden Altersunterschieden) dafür gibt, dass sich am
Arbeitsplatz i.A. weniger Freundschaften (und seien es
Zweckfreundschaften oder „Cliquen“) entwickeln als z.B. im
Studium.

Leider kann ich Dir darauf keine wirkliche Antwort geben, denn bei uns war es immer genau anders herum: In meinem Job entstanden am Arbeitsplatz die engsten Freundschaften.

Vielleicht ist das von Job zu Job verschieden?

Ich war bei einer kleinen Fernsehproduktionsfirma, und dort waren die Voraussetzungen für Freundschaften ideal. Man konnte im Grunde nicht anders, als sich anfreunden. Jeder von uns arbeitete 15, 16 Stunden am Tag, insofern waren andere soziale Kontakte ohnehin kaum vorhanden. Wir alle waren komplett abhängig von guter Teamwork. Und die harten Arbeitsbedingungen schweißten sehr zusammen.

Wenn man mal 27 Stunden mit einem Cutter in einem dunklen Schneideraum saß, oder mit einem Kameramann gemeinsam 5 Stunden im strömenden Regen stand, oder zusammen mit dem Kamerateam ein Vergewaltigungopfer interviewte - das alles waren Dinge, die uns entweder körperlich oder emotional an unsere Grenzen brachten.

Wir waren sehr, sehr eng befreundet.

Erst als ich aus dem Job ausstieg, zeigte sich natürlich, inwieweit diese Freundschaften auch darüber hinaus haltbar waren/sind. Aber das ist ein anderes psychologisches „Problem“, das auch geschieht, wenn man mit der Schule aufhört oder andere Einschnitte im Leben durchlebt.

Viele damalige Freunde blieben mir nicht erhalten, aber aus demselben Grund, der uns damals zusammenschweißte: Sie arbeiten ihre 16-Stunden-Tage noch, sie haben einfach keine Zeit. Die, die mir geblieben sind, zählen heute noch zu meinen engsten Freunden, wir haben so einiges zusammen erlebt während unserer Kollegenzeit.

Ob das nun in andere Jobs anders ist, kann ich Dir nicht sagen. Ich arbeite derweil wieder und habe auch dort Freunde gefunden. Allerdings nicht so enge, weil ich das mittlerweile lieber trenne: Das liegt also an mir.

Vielleicht ist die Antworet auf Deine eigentliche Frage auch eher die, daß es vom Wesen des Einzelnen abhängt?

Liebe Grüße,
Nike

Hi Judith,

ich weiss nicht, ob es zu dem Thema empirische Untersuchungen und Ergebnisse gibt, aber Deine Einschätzung teile ich auf Grund persönlicher Erfahrung und Beobachtung.

Man findet innerhalb eines Betriebes seltener/weniger Freundschaft, weil das grundsätzlich nicht gewollt ist!

a) von der Firmenleitung, weil man Angst hat
b) von den Kolleg/innen, weil die Ängste haben
c) von den Betroffenen, weil die Ängste haben

Obwohl die Ängste unterschiedlich motiviert/ausgelöst sind, ist das Ergebnis, dass Freundschaften, z. Tl. sogar Freundlichkeiten ausbleiben.

hallo,

in vielen unternehmen sind verbindungen unter kollegen nicht gern gesehen - der grund: man ist besoergt, das mehr privates stattfindet als das gearbeitet würde aber noch viel mehr, dass es bei streitigkeiten probleme am arbeitsplatz/-arbeitsumfeld gibt.

mir fällt da ein spruch ein: man sagt leichter du arschloch als sie arschloch…

ein weiterer grund kann sein, das man nicht will, das andere zuviel über einen wissen - nicht aus konkurrenzgründen wie hier bereits erwähnt sondern um sich selbst zu schützen und weniger angreifbar zu sein als im freundschafts- oder beziehungsfall.

meiner info nach sind aber freundschaften weniger verpönt als beziehungen - beides findet dennoch statt .- es ist eben eine frage der haltung.

ich pers. habe im anderen geschlecht im job immer ein neutrum gesehen - also nichts von anbandelungen im job gehalten. wer es anders mag muss eben damit rechnen, dass es zu stress kommen kann und im schlimmsten fall einer von beiden das unternehmen verlassen muss oder sich versetzten lässt - das habe ich nicht selten beobachten können.

was alles im vorfeld geschehen sein muss, kann man sich ausrechnen - und es spricht nicht für die beteidigten, ist aber nunmal keine ausnahmebegebenheit.

ich pers. bin z.b auch gegen freundschaften am arbeitsplatz weil ich erlebt habe, das man sich nahezu ständig über die arbeit oder das unternehmen unterhält und mir hat das nicht gefallen.

ich trenne lieber - aber das ist und bleibt ansichts- u. gefühlssache.

ich kann übrigens gut vorstellen, dass es auch deshalb schwer ist für viele freundschaften am AP einzugehen weil viele von weiter weg kommen und ihr privater lebensmittelpunkt gänzlich auseinander liegt - da wären treffen nach feierabend nur in der nähe der firma möglich ohne grösseren aufwand. familie, beziehungen und andere interessen sind im übrigen auch nicht gerade erleichternd. je älter man wird, je länger man arbeitet, desto fester sind die privaten lebensbedinungen verankert.
und so kann ich mir vorstellen, wer evtl in den ersten jahren des berufslebens noch lockerer freundschaften beginnt im job, wird über die jahre und mit einigen jobwechseln immer weniger bedarf entwickeln.

die zeiten wo man in einer firma anfängt und dort bleibt bis man in rente geht sind ja lange lange vorbei (auch wenn sich das evtl. noch nicht ganz herumgesprochen hat:wink: - diese veränderungen bringen vor- und nachteile. für manchen mag in sachen freundschaften im job als eine der auswirkungen so oder so anmuten.

LG
nina

hi klarissa,

soll das bedeuten, du glaubst es gibt keine anderen ursachen als ängste?

LG
nina

Als Student das Selbstverständlichste von der Welt, dass man
Freundschaften sowie andere Beziehungen innerhalb des
Kommilitonen-Rahmens pflegte. In der Arbeitswelt ist das
plötzlich anders. Warum?

das ist der unterschied zwischen student-sein und verantwortung-haben:wink:

wenn man gut und sich seiner bewusst ist, kann man auch in der arbeitswelt gute freundschaften pflegen. als unternehmensfuehrer sollte das sogar ein muss darstellen.
man kann sich seine kollegen nicht aussuchen und die meisten menschen koennen dann mit dem aufgezwungenen kollegen nichts anfangen.dadurch entsteht rivalitaet. die ist zwar einerseits gut, aber andererseits strafft sie das arbeitsklima.
manche chefs moegen das…anstatt im team zu arbeiten wollen sie, dass sich die arbeiter gegenseitig ueberbieten.

mfg:smile:
rene

Hallo (Kleinschreib-) nina,

soll das bedeuten, du glaubst es gibt keine anderen ursachen
als ängste?

Keineswegs - ich vermute allerdings, dass sie häufig (das Entstehen von) Freundschaften im Betrieb verhindern. „Walmart“ schoss in diesem Zusammenhang kürzlich den Vogel ab. Letztlich geht es von den beteiligten Menschen selbst aus, wenn bzw. ob eine Freundschaft entsteht und Bestand hat.

hi

Man findet innerhalb eines Betriebes seltener/weniger
Freundschaft, weil das grundsätzlich nicht gewollt ist!

a) von der Firmenleitung, weil man Angst hat

wovor?[so nach dem motto:oh mein gott, stell dir vor unsere angestellten schliessen freundschaft*haendeaufdenkopfschlag*???]

b) von den Kolleg/innen, weil die Ängste haben

wovor?

c) von den Betroffenen, weil die Ängste haben

wovor? … was ist der unterschied zwischen betroffener und kollege?

mfg:smile:
kleinschreibrene

Hi Judith,

ich finde es besser, am Arbeitsplatz keine zu engen Freundschaften zu pflegen. Wenn es sich ergibt – ok, aber ich wuerde es mir nicht zum Ziel setzen.

Es ist eine Sache, mit Kollegen nach der Arbeit mal was trinken oder ins Kino zu gehen, das kann man ohne Gefahr machen, eine andere jedoch mit jemandem gut befreundet zu sein.

Der Grund ist ganz einfach, wenn ich mit jemandem gut befreundet bin (platonisch), d. h. mich privat mit der Person treffe, ueber Privates rede, der Person viel anvertraue etc., und die Freundschaft geht irgendwann mal in die Brueche, kann das sehr unangenehm werden, wenn
a) ich weiterhin mit der Person zusammenarbeiten muss oder
b) die Person ueber das ihr Anvertraute in der Firma rumtratschen sollte (das kann natuerlich auch schon waehrend der Freundschaft passieren, man weiss das ja nicht vorher und die Auswirkung in einer Firma ist groesser).

Ich hatte mich vor einigen Jahren mal mit einer Kollegin angefreundet, wir hatten beide aehnliche Erfahrungen in der Vergangenheit gemacht und sind so ins Gespraech gekommen. Zusaetzlich hassten wir beide die Firma und den Job, was uns natuerlich noch enger zusammengeschweisst hat. Nach einem fuer mich gravierenden Vorfall beendete ich die Freundschaft. Die Zusammenarbeit war nicht sehr angenehm und wir beide verliessen zum Glueck die Firma sechs Wochen spaeter.

Ich habe nicht studiert, aber am Arbeitsplatz ist meine Erfahrung auch, dass die Leute weniger daran interessiert sind, Freundschaften zu schliessen. Ich fuehre das darauf zurueck, dass die meisten Familie und schon einen Freundeskreis haben, und keinen Bedarf sehen, diesen zu erweitern. Die, die am kuerzesten in der Firma sind und vor allem die neu Hinzugezogenen, schliessen untereinander am ehesten Freundschaften. Zumindest beobachte ich das in meiner Firma und wir haben regelmaessig Neuankoemmlinge. Es ist ja auch immer schwieriger, in bereits bestehende Freundeskreise/Cliquen aufgenommen zu werden.

Ich finde den Begriff “Freundschaft” auch sehr fliessend, da ich manche Kollegen zu meinen Freunden zaehle, obwohl wir uns ausserhalb der Firma allenfalls nur mal auf einen Drink oder fuers Kino treffen, ich ihnen jedoch viel erzaehle, auch Privates, jedoch Privates nur sehr oeberflaechlich. Falls ich jemandem etwas sehr Privates erzaehlen wuerde und der Person das in der Firma rausrutschen wuerde (nicht mal ohne boese Absicht weitergetratscht), kennen mich hier 200 Leute.

Ich lebe in England, wo man Leute als Freund bezeichnet, die man in Deutschland entweder Kollege oder Bekannter nennen wuerde. Vermutlich der Grund, warum ich die Kollegen in meinem Team auch als Freunde bezeichne, obwohl sie schon mehr sind als blosse Kollegen.

Gruesse,

Kris

Hi,

deswegen:

-Weil man nach der Arbeit nicht auch noch dieselben Gesichter um sich will.

  • Weil man plötzlich Chef/Untergebener seines Freundes sein kann.
  • Weil Freundschaft und Konkurrenz schwer vereinbar sind.
  • Weil für es für das Fortkommen taktisch unvorteilhaft ist, wenn Kollegen mehr Informationen haben, als sie haben sollten - Freunde haben dieses Wissen.
  • Weil sich ein Streit nachteilig auf die Qualität der, und die Freude an der Arbeit auswirken würde - es ist auch so schwierig genug.
  • Weil man in der Arbeit eine Rolle spielt und bei Freunden so ist, wie man ist.
  • etc etc.

All dies und noch viel mehr erzeugen in mir eine starke, instinktive Abneigung dagegen, wirklich enge Freundschaften im Büro anzufangen, also alles, was über taktisches Biertrinken und Betriebsausflüge hinausgeht.

Gruß
Moriarty

Danke…
…für Eure verschiedenen Ansichten zum Thema.

Nike ist mit diesem Betrieb wirklich zu beneiden, zumindest aus der Sicht eines Berufsanfängers wie mir :smile: , aber es ist halt auch immer eine Menge Glück im Spiel, wo es einen hin verschlägt.

Cheers,

Judith

…für Eure verschiedenen Ansichten zum Thema.

Nike ist mit diesem Betrieb wirklich zu beneiden, zumindest
aus der Sicht eines Berufsanfängers wie mir :smile:

warts ab, du weisst ja heute nicht wie du darüber in 5 oder 10 jahren denkst - kann also auch sein dir wird es eines tages mehr als recht sein wenn es eher keine freundschaften gibt in deiner firma.

LG
nina

„Walmart“
schoss in diesem Zusammenhang kürzlich den Vogel ab.

Meine Schwester hatte mehrere Jahre bei Walmart eine Beziehung mit einem Arbeitskollegen. Das war nie ein Problem.

Grüße,
Sue

„Walmart“
schoss in diesem Zusammenhang kürzlich den Vogel ab.

Meine Schwester hatte mehrere Jahre bei Walmart eine Beziehung
mit einem Arbeitskollegen. Das war nie ein Problem.

was einen auf die idee kommen laesst, dass das ein geschickter werbegag war…so viel schlagzeilen um walmart…und es waren ja keine schmutzigen schlagzeilen…