(Fristlose) Kündigung gerechtfertigt?

Hallo Experten!

Folgendes Szenario: AN arbeitet an einer Tankstelle in Hamburg, auch an Wochenenden, im Schichtdienst.
Das Verhältnis AN / AG ist neutral - der AG ist aber dafür bekannt, ungerechtfertigte Kündigungen (meistens aus „betriebsbedingten Gründen“) auszusprechen, hat aber schon diverse Prozesse deswegen verloren.

Am einem Samstag, wo AN arbeiten muß (Spätschicht), wird er krank und geht - nach dem er eine Ablösung organisiert hat - nach Hause.
Sonntag ist er krank, Montag auch noch. Er geht Montag zum Arzt und wird bis einschließlich folgendes Wochenende krank geschrieben.
Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung schickt er per Post an den AG. Sie trifft am Mittwoch dort ein.

Am Freitag geht es AN wieder besser. Da er schon länger geplant hatte, einen Familienbesuch (Eltern) in Leipzig zu machen und ein Bekannter auch nach Leipzig wollte, fährt er dort hin, bzw. der Bekannte steuert das Auto, da es AN noch nicht gut genut geht, selbst zu fahren. Bei den Eltern verbringt er ein ruhiges Wochenende, läßt sich pflegen etc.
Sonntag Abend fährt er wieder nach Hamburg und steht am folgenden Montag wieder gesund bei der Arbeit.

Am Donnerstag, drei Tage später erhält AN eine fristlose Kündigung vom Chef in die Hand gedrückt, weil er - statt sich wieder gesund schreiben zu lassen - angeblich einen Freund in Leipzig besucht hat und weil die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht nach drei Tagen beim AG vorlag.
Außerdem sagt ihm der Chef (ohne Zeugen), daß das „fristlos“ in „fristgerecht“ umgewandelt wird, wenn AN sich verpflichtet, auf einen Anwalt und eine Kündigungsschutzklage zu verzichten.

Was kann man AN hier raten? Ist die fristlose Kündigung gerechtfertigt? Ist überhaupt eine Kündigung gerechtfertigt, da AN einen Familienbesuch unternommen hat, der die Genesung nicht behindert, sondern eher gefördert hat?
Wie reagiert man auf dieses „Angebot“, von wegen „…wenn Sie auf eine Klage verzichten…“ halten?

Die Kündigung erhält *keine* Klausel, daß die sich fristlose in eine fristgerechte Kündigung wandelt, falls die fristlose nicht gerechtfertigt sein sollte.

AN hat übrigens keine Rechtschutzversicherung und verdient - weil eben ein (Vollzeit-)Job an der Tankstelle - nicht gerade viel…zumindest nicht genug, um selbst einen Anwalt bezahlen zu können.

Vielen Dank für Eure Tips und viele Grüße
Christian

Auch hallo.

Wie reagiert man auf dieses „Angebot“, von wegen „…wenn Sie
auf eine Klage verzichten…“ halten?

Man könnte darauf spekulieren, dass der Chef einen potentiellen Prozess verliert und versucht möglichst günstig aus der Sache heraus zu kommen.

AN hat übrigens keine Rechtschutzversicherung und verdient -
weil eben ein (Vollzeit-)Job an der Tankstelle - nicht gerade
viel…zumindest nicht genug, um selbst einen Anwalt bezahlen
zu können.

Dafür: FAQ:2632
Sofern der Erhalt des AV die Sache überhaupt wert sein sollte…

mfg M.L

Hallo,

hier ist ein Anwalt zu empfehlen! Falls man sich keinen Leisten kann, geht man zum Amtsgericht in seiner Nähe, dort hat man die Möglichkeit Prozesskostenbeihilfe zu beantragen!

Mehr Infos zu Prozesskostenbeihilfe findet man sicherlich wenn man ein bissen Googelt.

Gruß

Hallo Experten!

Hallo,

Am Freitag geht es AN wieder besser. Da er schon länger
geplant hatte, einen Familienbesuch (Eltern) in Leipzig zu
machen und ein Bekannter auch nach Leipzig wollte, fährt er
dort hin, bzw. der Bekannte steuert das Auto, da es AN noch
nicht gut genut geht, selbst zu fahren. Bei den Eltern
verbringt er ein ruhiges Wochenende, läßt sich pflegen etc.
Sonntag Abend fährt er wieder nach Hamburg und steht am
folgenden Montag wieder gesund bei der Arbeit.

Was sagt der Arzt dazu? War der Patient bettlägrig?

Am Donnerstag, drei Tage später erhält AN eine fristlose
Kündigung vom Chef in die Hand gedrückt, weil er - statt sich
wieder gesund schreiben zu lassen - angeblich einen Freund in
Leipzig besucht hat und weil die
Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht nach drei Tagen beim AG
vorlag.

Wenn Kündigung, dann nur fristgerecht. Zur fristlosen Kündigung ist der AG nur berechtigt, wenn es Ihm unter keinen Umständen möglich wäre mit dem AN weiter zusammen zu arbeiten.
Bei diesen Kinkerlitzchen würde ich eine Abmahnung als gerechtfertigt ansehen.

Außerdem sagt ihm der Chef (ohne Zeugen), daß das „fristlos“
in „fristgerecht“ umgewandelt wird, wenn AN sich verpflichtet,
auf einen Anwalt und eine Kündigungsschutzklage zu verzichten.

Na bitte, er weiß doch bescheid. Er hat einen Versuchsballon gestartet und hofft, dass Du den Schwanz einziehst.

Was kann man AN hier raten? Ist die fristlose Kündigung
gerechtfertigt?

Nein.

Ist überhaupt eine Kündigung gerechtfertigt,

Ohne einschlägige vorherige Abmahnungen, meiner Meinung nach nicht.

da AN einen Familienbesuch unternommen hat, der die Genesung
nicht behindert, sondern eher gefördert hat?
Wie reagiert man auf dieses „Angebot“, von wegen „…wenn Sie
auf eine Klage verzichten…“ halten?

In den Wind schießen.

Die Kündigung erhält *keine* Klausel, daß die sich fristlose
in eine fristgerechte Kündigung wandelt, falls die fristlose
nicht gerechtfertigt sein sollte.

AN hat übrigens keine Rechtschutzversicherung und verdient -
weil eben ein (Vollzeit-)Job an der Tankstelle - nicht gerade
viel…zumindest nicht genug, um selbst einen Anwalt bezahlen
zu können.

Ein Problem. Allerdings braucht man in der 1.Instanz vor dem Arbeitsgericht kenen Anwalt. Als Frischling dort aber alleine Auftauchen ist nicht zu raten.

Vielen Dank für Eure Tips und viele Grüße
Christian

Grüße Michael

Hallo,

AN sollte sich nochmal schlau machen, meiner Ansicht nach gibt es keine Regelung, WO man krank sein darf. Solange es der Heilung nicht abträglich ist darf man, soweit ich weiss, überall krank sein.

Kopf hoch, Karin

Ähm
Hi!

Was glaubst Du, warum M.L. die FAQ:2632 erwähnt hat? :wink:

LG
Guido

Nicht so ganz unwichtig
Hi!

Wie viele Mitarbeiter gibt es denn?

Wie lange ist der Mitarbeiter dort beschäftigt?

Es ist müßig, über einen Prozess zu reden, wenn evtl. überhaupt kein Kündigungsschutz nach KSchG besteht. Unter Umständen kann der Arbeitgeber also fröhlich einstellen und feuern, wie es ihm beliebt. Wenn er da von sich aus auf die fristgemäße Kündigung hinweißt, ist das evtl. das Einzige, worum man sich streitet…

LG
Guido

Guten Morgen,

KSchg greift, da besagte Tanke eine von mehreren in einem Unternehmen ist.
Zusammen sind’s rund 30 Angestellte. Deswegen hat der AG ja auch schon mehrere Prozesse verloren.

Gruß
Christian

Hi!

OK - war nur eine Idee!

Wie lange ist denn der fiktive AN dort beschäftigt? Existiert ein Betriebsrat?

Vom ersten Eindruck (bei „normalen“ Bedingungen) muss ich mich den Vorrednern anschließen - eine Abmahnung wäre das höchste der Gefühle.

LG
Guido

Moin!

Was sagt der Arzt dazu? War der Patient bettlägrig?

Nein. Schwere Erkältung ja, aber nicht bettlägerig.

Na bitte, er weiß doch bescheid. Er hat einen Versuchsballon
gestartet und hofft, dass Du den Schwanz einziehst.

Es geht nicht um mich. Ich arbeite nicht an der Tanke… :smile:

Aber danke für dine Anmerkungen schon mal!

Gruß
Christian

Hi,

Wie lange ist denn der fiktive AN dort beschäftigt?

Ein fiktves Jahr.

Existiert ein Betriebsrat?

Nein.

Gruß
Christian