Hallo!
Ist Frustrationstoleranz ehr eine Schwäche, wie erlernte Hilflosigkeit oder ehr eine Stärke wie Durchhaltevermögen und Geduld? Oder beides? Wie viel Frustrationstoleranz sollte man haben?
Grüße
Andreas
Hallo!
Ist Frustrationstoleranz ehr eine Schwäche, wie erlernte Hilflosigkeit oder ehr eine Stärke wie Durchhaltevermögen und Geduld? Oder beides? Wie viel Frustrationstoleranz sollte man haben?
Grüße
Andreas
Beschreibung - Bewertung
Moin!
Ist Frustrationstoleranz ehr eine Schwäche, wie erlernte
Hilflosigkeit oder ehr eine Stärke wie Durchhaltevermögen und
Geduld? Oder beides? Wie viel Frustrationstoleranz sollte man
haben?
Das kommt nur darauf an, wie es jeder Einzelne für sich bewertet.
Eine Sache - also auch Frustrationstoleranz - ist nie nur gut oder nur schlecht.
Etwas kann Nachteile haben, aber dafür auch einen guten Grund.
Warum ist es für dich so wichtig, das zu bewerten?
Argumente, die dafür sprechen, dass Frustrationstoleranz ‚gut‘ ist:
man erlebt viel Frust im Leben und kommt mit dem Leben möglicherweise besser zurecht, wenn man den Frust aushält. Dies befähigt einen, weiterzumachen, andere Lösungen zu finden
Frust nicht aushalten zu können erzeugt negative Gefühle und stellt eine psychische Belastung dar.
Argumente die dafür sprechen, dass Frustrationstoleranz ‚schlecht‘ ist:
Frustrierende Situationen werden allzu bereitwillig akzeptiert und nicht kritisch hinterfragt
Wenn man sich etwas so gestalten will, wie man selbst es haben möchte, dann sollte man frustrierende Situationen ändern und nicht tolerieren.
So ist es vielleicht eine etwas differenzierte Heransgehensweise. Beantwortet das deine Frage?
Liebe Grüße
von der
Flaschenpost
Hallo!
Warum ist es für dich so wichtig, das zu bewerten?
Ich kenne eine Person, die, wenn sie sich etwas in den Kopf gesetzt hat, es immer und immer wieder versucht, manchmal über Jahre, und sich von Misserfolgen, Kritik, Beleidigungen und unzähligen Fehlschlägen nicht aus der Ruhe bringen lässt, wofür man sie lobt. Sie hält das für normal und unvermeidlich, will lernen und immer besser werden und sagt, jeder erfolgreiche Mensch sei klein angefangen. Sie glaubt fest an den Erfolg, der sich dann auch immer irgendwann einstellt, und wird dafür manchmal bewundert.
Und ich kenne eine Person, die, wenn sie ein einziges Mal zurückgewiesen wird, nächtelang kaum schlafen kann und Rotz und Wasser heult. Sie bezeichnet sich selbst als Pessimist.
Ist das nicht seltsam?
Beantwortet das deine Frage?
Es ist die Antwort, die ich haben wollte.
Grüße
Andreas
Hallo Andreas,
ich persönlich betrachte Frustrationstoleranz eher als Stärke. Angesichts deiner Beispiele wird ebenfalls deutlich, dass jemand, der sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt, letzten Endes zu einer weitaus größeren Lebenszufriedenheit gelangt, als jemand, dem Rückschläge den Boden unter den Füßen wegziehen.
Auch dann, wenn man immer wieder mal mit dem Kopf gegen die Mauer rennt - heißt: Misserfolge einstecken muss - wird unterm Strich die Erfahrung, dass sich das Aufrappeln und neu Versuchen schließlich lohnt, eine große Verstärkerfunktion einnehmen.
Die Lerntheorien bezeichnen das als „variable Verstärkung“. Sie bedeutet, dass die Tatsache, dass ein Verhalten nur gelegentlich zum Erfolg führt, eine stärkere Veranlassung dafür liefert, dieses Verhalten immer wieder auszuprobieren, als eines, das immer zum Erfolg führt.
Der Grund dafür liegt darin, dass das Verhalten nicht langweilig wird. Wenn man nicht immer zum Erfolg kommt, bleibt man konzentriert und aufmerksam und bemüht sich umso stärker, um diesmal einen Erfolg einzufahren. Wenn der Erfolg selbstverständlich ist, wird man meist immer nachlässiger, bis er schließlich ausbleibt.
Die Fähigkeit, sich nicht entmutigen zu lassen, wird in frühester Kindheit grundgelegt und im Laufe der Entwicklung gefestigt. Nur ein Mensch mit ausreichendem Urvertrauen wird auch genügend Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten aufbringen können, um sich durch Misserfolge nicht aus der Bahn werfen zu lassen.
Bis zu einem gewissen Maß kann man Frustrationstoleranz erlernen. Verantwortlich sind auch hier primär die Eltern, die ihrem Kind die Möglichkeiten dafür schaffen müssen, bereits in frühester Kindheit Frustrationen auszuhalten. Heißt z.B.: Ein Kind bekommt nicht immer sein Spielzeug, wenn es danach schreit oder bei jedem Einkauf etwas geschenkt. Gleichzeitig muss aber ein Gegengewicht geschaffen werden, indem das Kind die Erfahrung machen kann, dass es sich lohnt, sich an schwierige Aufgaben zu wagen. Die Machbarkeit realistisch einzuschätzen, ist Aufgabe der Eltern.
So wird ein Kind nur dann zu einem gelassenen Verlierer beim „Mensch-ärgere-dich-nicht“, wenn es auch immer wieder die Erfahrung machen kann, wie es sich anfühlt zu gewinnen. Das bedeutet, dass kluge Eltern ihr Kind auch immer mal gewinnen lassen.
Schöne Grüße,
Jule
Hallo Jule!
Angesichts deiner Beispiele wird ebenfalls deutlich, dass
jemand, der sich von Rückschlägen nicht entmutigen lässt,
letzten Endes zu einer weitaus größeren Lebenszufriedenheit
gelangt, als jemand, dem Rückschläge den Boden unter den Füßen
wegziehen.
Na gut, dann verrate ich dir was:
Die Person im ersten Beispiel und die Person im zweiten Beispiel sind ein und die selbe Person.
Verstehst du jetzt, warum ich es seltsam finde?
Auch dann, wenn man immer wieder mal mit dem Kopf gegen die
Mauer rennt - heißt: Misserfolge einstecken muss - wird unterm
Strich die Erfahrung, dass sich das Aufrappeln und neu
Versuchen schließlich lohnt, eine große Verstärkerfunktion
einnehmen.
Ist klar.
Die Lerntheorien bezeichnen das als „variable Verstärkung“.
Sie bedeutet, dass die Tatsache, dass ein Verhalten nur
gelegentlich zum Erfolg führt, eine stärkere Veranlassung
dafür liefert, dieses Verhalten immer wieder auszuprobieren,
als eines, das immer zum Erfolg führt.
Ja, so habe ich es auch im Psychologiebuch gelesen.
Der Grund dafür liegt darin, dass das Verhalten nicht
langweilig wird. Wenn man nicht immer zum Erfolg kommt, bleibt
man konzentriert und aufmerksam und bemüht sich umso stärker,
um diesmal einen Erfolg einzufahren. Wenn der Erfolg
selbstverständlich ist, wird man meist immer nachlässiger, bis
er schließlich ausbleibt.
Ist klar.
Die Fähigkeit, sich nicht entmutigen zu lassen, wird in
frühester Kindheit grundgelegt und im Laufe der Entwicklung
gefestigt. Nur ein Mensch mit ausreichendem Urvertrauen wird
auch genügend Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten aufbringen
können, um sich durch Misserfolge nicht aus der Bahn werfen zu
lassen.
Ist klar.
Bis zu einem gewissen Maß kann man Frustrationstoleranz
erlernen. Verantwortlich sind auch hier primär die Eltern, die
ihrem Kind die Möglichkeiten dafür schaffen müssen, bereits in
frühester Kindheit Frustrationen auszuhalten. Heißt z.B.: Ein
Kind bekommt nicht immer sein Spielzeug, wenn es danach
schreit oder bei jedem Einkauf etwas geschenkt. Gleichzeitig
muss aber ein Gegengewicht geschaffen werden, indem das Kind
die Erfahrung machen kann, dass es sich lohnt, sich an
schwierige Aufgaben zu wagen. Die Machbarkeit realistisch
einzuschätzen, ist Aufgabe der Eltern.
Ist klar.
So wird ein Kind nur dann zu einem gelassenen Verlierer beim
„Mensch-ärgere-dich-nicht“, wenn es auch immer wieder die
Erfahrung machen kann, wie es sich anfühlt zu gewinnen. Das
bedeutet, dass kluge Eltern ihr Kind auch immer mal gewinnen
lassen.
Ist klar.
Grüße
Andreas
Hallo Andreas,
Die Person im ersten Beispiel und die Person im zweiten Beispiel sind ein und die selbe Person.
Dabei drängt sich mir spontan der Verdacht auf eine bipolare Störung auf: Manische Phasen, in denen der Betroffene die Welt aus den Angeln heben kann und sich durch nichts aufhalten lässt, wechseln sich ab mit depressiven, in denen die Mut- und Antriebslosigkeit überwiegen. In diesem Fall wäre das Verhalten nicht mehr seltsam, sondern einfach störungsbedingt.
Natürlich ist das nur eine Idee, du weißt schon: Ferndiagnosen und so 
Schöne Grüße,
Jule
Hallo Jule!
Dabei drängt sich mir spontan der Verdacht auf eine bipolare Störung auf.
Meine Beschreibung war zu unvollständig. Nein, es ist definitiv keine Störung und es gibt keine Phasen.
Ich glaube, ich komme langsam drauf. Gerade fällt mir ein anderes Beispiel ein. Ein Gespräch mit einem Mann, den ich kaum kenne und seit ungefähr 20 Jahren nicht gesehen habe, ein Reiseleiter, der viele Kindergruppen begleitet hat, und bei dem irgendwann ohne seine Schuld ein Kind ertrunken ist. Auf die Frage, warum, hat er gelacht, und gesagt, es sei der natürliche Verschleiß. Ich war geschockt.
Das ist doch keine (gesunde) Frustrationstoleranz mehr, oder?
Grüße
Andreas
Schwarzer Humor
Hallo Andreas,
…ein Reiseleiter, der viele Kindergruppen begleitet hat, und bei dem irgendwann ohne seine Schuld ein Kind ertrunken ist. Auf die Frage, warum, hat er gelacht, und gesagt, es sei der natürliche Verschleiß…Das ist doch keine (gesunde) Frustrationstoleranz mehr, oder?
Das hat für mich wenig mit Frustrationstoleranz zu tun. Es erscheint mir eher wie ein (für Außenstehender sicher eher makaber wirkender) Versuch, mit einer schlimmen Situation fertig zu werden. Man findet diese Art von Bewältigungsstrategien häufig bei Menschen in Berufen, die viel mit Leid und Tod zu tun haben, wie Rettungssanitäter, Ärzte oder Feuerwehrleute.
Indem man dem Grauen mit Witzeleien begegnet, nimmt man ihm ein Stück weit den Schrecken. Hilfreich ist das in der Regel für die Betroffenen. Außenstehende reagieren auf diese Art von Humor in der Regel eher befremdet.
Schöne Grüße,
Jule
Hallo Jule!
Das hat für mich wenig mit Frustrationstoleranz zu tun.
So.
Es erscheint mir eher wie ein (für Außenstehender sicher eher makaber wirkender) Versuch, mit einer schlimmen Situation fertig zu werden. Man findet diese Art von Bewältigungsstrategien häufig bei Menschen in Berufen, die viel mit Leid und Tod zu tun haben, wie Rettungssanitäter, Ärzte oder Feuerwehrleute. Indem man dem Grauen mit Witzeleien begegnet, nimmt man ihm ein Stück weit den Schrecken. Hilfreich ist das in der Regel für die Betroffenen.
Jetzt habe ich wieder was dazugelernt und kann andere Menschen wieder ein Stück weit besser verstehen.
Danke.
Grüße
Andreas
ein Reiseleiter, der viele Kindergruppen begleitet hat, und bei dem irgendwann ohne seine Schuld ein Kind ertrunken ist. Auf die Frage, warum, hat er gelacht, und gesagt, es sei der natürliche Verschleiß.
Zusätzlich zur Erklärung, die Jule schon gab: Ein schönes Beispiel einer sog.
„Affektisolierung“, eine Form eines Abwehrmechismus.
Metaphorisch könnte man sagen, aus dem Sprengstoff (überflutendes Gefühl) wird der Zünder rausgenommen durch die verbale Banalisierung.
Hallo
Also wie schon angedeutet, ich finde den Begriff schlecht. Er bringt Frust(ration) und Toleranz zusammen, und Frust kann(oder sollte) man sowieso nicht auf Dauer tolerieren.
Ich empfehle da im Fall des Falles, von Emotionen lieber auf Logik umzuschalten, wie Mr. Spock aus der entsprechenden Serie.
MfG und guten Rutsch(Vorsicht Dachlawine)
Matthias
Hallo, Matthias,
Also wie schon angedeutet, ich finde den Begriff schlecht.
„Frustrationstoleranz“ bedeutet nicht, jede Frustration duldsam-resigniert hinzunehmen - es ist ein neutraler Begriff, der das Maß bezeichnet, in dem man fähig ist, Frustrationen zu ertragen.
Frust kann(oder sollte) man sowieso nicht auf Dauer tolerieren.
Das hängt wesentlich von der Art der Frustration ab: Wer schon explodiert, wenn ihm ein Schlüssel runterfällt, dürfte insgesamt ein eher unausgeglichener Zeitgenosse mit eingeschränkter Lebensqualität sein.
Ich empfehle da im Fall des Falles, von Emotionen lieber auf
Logik umzuschalten, wie Mr. Spock aus der entsprechenden
Serie.
Nicht ganz einfach für Nicht-Vulkanier, wenn sie den Job verlieren oder vom Partner verlassen werden …
Gruß
Kreszenz
Hallo Matthias!
Frust kann(oder sollte) man sowieso nicht auf Dauer tolerieren.
Kommt drauf an.
Es gibt Fehlschläge, bei denen meine Frustrationstoleranz fast grenzenlos ist, und die ich seit Jahrzehnten geduldig und gleichmütig toleriere, weil ich die Hoffnung habe, dass es irgendwann klappt.
Es gibt Fehlschläge, bei denen ich nach dem ersten oder zweiten Versuch aufgebe.
Und es gibt Dinge, da ist meine Frustrationstoleranz ABSOLUT NULL, und so was darf niemals passieren, weil ich damit nicht leben könnte.
Grüße
Andreas
Als ob man das trennen könnte!
Moin!
Also wie schon angedeutet, ich finde den Begriff schlecht. Er
bringt Frust(ration) und Toleranz zusammen, und Frust
kann(oder sollte) man sowieso nicht auf Dauer tolerieren.
Es geht dabei um einen graduellen Aspekt, denn es gibt Frust, mit dem man leben muss (bspw. keine Parklücke zu finden, wenn man dringend eine braucht oder mal wieder in der falschen Schlange an der Kasse zu stehen).
Ich empfehle da im Fall des Falles, von Emotionen lieber auf
Logik umzuschalten, wie Mr. Spock aus der entsprechenden
Serie.
Menschen bestehen aus Verstand und Emotionen und es war noch nie erfolgreich, Emotionen gänzlich ausschalten zu wollen. ImhO ist es sinnvoller mit seinen Emotionen bewusster umzugehen, und dazu gehört eben eine Frustrationstoleranz.
MfG und guten Rutsch(Vorsicht Dachlawine)
Guten Rutsch mag man bei dem Wetter gar nicht wünschen, höchstens ins Neue Jahr: So sei es!
Grüße
von der
Flaschenpost
Also ich sehe das genau umgekehrt wie Jule.
Aber nachdem ich die Geschichte von der Aufsichtsperson gelesen habe…
Frustrationstoleranz ist auch nichts anderes als ein Abwehrmechnismus. Ich versuche mir mein beschissenes Leben dadurch erträglicher zu machen, genauso wie die über ein ertrunkenes Kind witzelnde Aufsichtsperson.
Da die Gefahr besteht ( irgendjemand erwähnte doch Mr. Spok - genial ) auf unlogische Weise die Wirklichkeit zu verfälschen, kann ich einer übermäßigen Frustrationstoleranz absolut nichts positives abgewinnen ( wobei der „Mainstream“ ähnlich wie beim Selbstwertgefühl u.Ä. eher dahin geht : „zu viel gibt es nicht“ ). Na ja, jeder Despot in irgendeinem fernen Land freut sich über Menschen, die Frustration aus Demütigung und Gewalt hinnehmen …
Für befremdlich halte ich es, Kindern sowas auch noch antrainieren zu wollen, genause wie die häufig vertretene Auffassung, dass z.B. depressive Menschen nur zu wenig Frustrationstoleranz besitzen, und ein Mangel davon von manchen schon als psychische Störung oder gar Krankheit eingestuft wird…
Beste Grüße
Eric
Hallo Eric!
Sorry, das ist falsch.
Ich versuche mir mein beschissenes Leben dadurch erträglicher zu machen.
Nein, im GEGENTEIL! Jemand, der Frustrationstoleranz besitzt, versucht, dort HERAUS zu kommen.
Stephen King wurde unzählige Male von Verlagen abgelehnt und hat es mittels Frustrationstoleranz geschafft, sich so lange zu verbessern, bis er zu einem der weltweit meistgelesenen Autoren wurde.
Ohne Frustrationstoleranz würde kein Kind Laufen lernen. Es würde nach dem ersten Hinfallen aufgeben.
Ohne Frustrationstoleranz hätte Edison es nie geschafft, Tausende von Fehlversuchen zu erdulden, bevor er eine gut funktionierend Glühbirne hatte.
Und es gibt unzählige weitere Beispiele.
Ohne Frustrationstoleranz gäbe es keine Bücher, keine Erfindungen, kein Lernen, keine Mondlandung, ja nicht mal eine Zivilisation.
Grüße
Andreas