im „Vocabulaire Juridique“ von Gérard Cornu bin ich über den französischen Begriff „le heimatlosat“ (= juristisch für den Zustand der Heimatlosigkeit, lt. Petit Robert auch Staatenlosigkeit) gestolpert. Der Petit Robert benennt 1922 als Jahr des frühesten Nachweises im Frz., doch dann verließen sie ihn.
Weiß jemand Genaueres darüber, wie dieses Monstrum ins Französische geraten ist?
Weiß jemand Genaueres darüber, wie dieses Monstrum ins
Französische geraten ist?
solche Monstren gibt es einige im französischen, zB
le leitmotiv (brauch ich wohl nicht zu erklären)
le wasistdas (das Guckfenster)
le kummel (Kümmelschnaps)
usw
dafür haben wir von den Russen das Bordell übernommen
Meiner Meinung nach wurde das Wort ins Französische und andere Sprachen (z.B. türkisch haymatloz als Bezeichnung für deutsche Exilanten vgl. http://www.wienerzeitung.at/DesktopDefault.aspx?TabI…) übernommen, da es diesen Begriff in diesen Sprachen nicht gab und/oder er Konnotationen beinhaltet, die ein eher nüchternern politisch-juristischer Begriff wie „staatenlos“ nicht vermitteln kann, da ja auch „Heimat“ nicht einwandfrei ins Französische zu übersetzen ist.
Das (ungefähre) französische Äquivalent zu „heimatlos“, apatride, taucht erst deutlich später auf, nämlich 1928 (vgl. http://www.cnrtl.fr/etymologie/apatride), und ist wohl neu geschaffen worden, um den Germanismus zu tilgen.
Das (ungefähre) französische Äquivalent zu „heimatlos“, apatride, taucht erst deutlich später auf,
nämlich 1928 (vgl. http://www.cnrtl.fr/etymologie/apatride),
und ist wohl neu geschaffen worden, um den Germanismus zu
tilgen.
Laut ebenjenem Larousse ist das Wort seit 1920 verbürgt, also ein knappes Jahrzehnt früher als deine Quelle angibt.
dafür haben wir von den Russen das Bordell übernommen
und die von uns den Parikmacher, den Woksal, die Buterbrody, die Granjeza und alle möglichen anderen Dinge, die es in der dortigen Barbarey erst gab, als die Deutschen ins Land kamen.
Und die Franzosen von den Russen das Bistrot…
Wie auch immer - monströs deucht mir die französische Ableitung des Zustandes auf -at, obwohl auch im Deutschen nebst seinen regionalen Varianten Analoges andersrum zu finden ist, wie etwa der „couragierte“ Kerl.
Nungut - eigentlich passt das schon, die Großneffen von Voltaire und Descartes müssen sich halt in Begriffen der Romantik (im allerweitesten Sinn) ein bissel helfen lassen.
Avec les meilleures salutations de l’hinterland, avec ou sans waldsterben…
Der Weg über das „Français Fédéral“ schaut plausibel aus, zumal mir aus den nördlichen Randgebieten des Alemannischen erinnerlich ist, daß dort die „Huamet“ gar nichts Sentimentalisches ist, sondern konkret definiert der Hof, von dem eine verheiratete Frau gebürtig stammt, und wo sie Wohnrecht behält, falls sie z.B. ihrem Gatten durchgeht, wenn der sie unzureichend ernährt, zu viel schlägt oder sowas: Was den Bogen vom Heimatlosen zum Staatenlosen auch auf der deutsch-alemannischen Seite schlüge.
damit hammer ja alles beinander, was quellenmäßig Rang und Namen hat und wenn man weiß wies geht leicht zugänglich ist (mir sind diese virtuellen Quellen leicht ein Buch mit sieben Firewalls).
Der Weg über die CH scheint ziemlich deutlich zu sein, und damit auch eine „sinngebende“ alemannische Randbedeutung von Heimat, die ich Jenny geschrieben habe.
Jetzt darf ich auch zugeben, wie heftig ich mich in ersten eigenen speculationibus verhauen habe:
Zuerst war ich ganz sicher, im „Vocabulaire Juridique“ das Osterei gefunden zu haben (das aus dem Potonnier kenn ich glaube ich). Dann hab ich mich angesichts der vielen „Google“-Funde doch geglaubt, daß der Begriff real existiert, und ihn in nach 1945 angesiedelt, als eine frühe Festung der Grande Nation gegen die einsetzende Anglisierung („displaced person“). Dann hab ich die Jahresangabe im Petit Robert gefunden, und die Chose ward mir so rätselhaft, daß ich dann doch lieber hier mein Glück versucht habe.
Und was tut Gott? Im Buch der Fragen, die die Welt nicht braucht, ist erfreulicherweise wieder ein Kapitel geschlossen…
und die von uns den Parikmacher, den Woksal, die Buterbrody,
die Granjeza und alle möglichen anderen Dinge, die es in der
dortigen Barbarey erst gab, als die Deutschen ins Land kamen.
Mal davon abgesehen, dass die Graniza, soweit ich weiß, ein i in der Mitte hat und kein je, habe ich das größere Problem mit dem Woksal. Wo hat der denn bitte einen deutschen Ursprung? Die russische Wiki gibt zwei Hypothesen zur Herkunft: Einmal vom Londoner Bahnhof Vauxhall und einmal als Kurzform von Vok almusik sal on, als welcher Bahnhöfe gedient haben sollen. Nichts Deutsches Erkennbar.
Verwunderte Grüße
Immo
zu Woksal ward mir eine Bildung zu Wartesaal, aber angelehnt an den leichter auszusprechenden Wachsaal angeboten. Freilich nicht von einem Philologen, sondern von einem Inschenjör, der das Russische halt von der Polytechnischen Oberschule und ein paar Jahren Studium in Leningrad kennt.