FSME Impfung noch haltbar ? (Zeckenbiss)

Hallo liebe Gemeinde,

ich hab auch mal wieder eine Frage, mich hat vor 4 Tagen eien Zecke gebissen, nun habe ich etwas Angst wegen FSME, laut Impfpass sehen meine Impfungen wie folgt aus:

  • 29.07.1999
  • 12.08.1999
  • 10.05.2001
  • 18.06.2001

als ich beim Arzt war, der mir die besagte Zecke entfernt hat, meinte dieser der Schutz sei noch ausreichend, ist das wahr ? weil ist ja doch schon so lange her !

gruß Daniel

Zitat:

Die aktive FSME-Impfung besteht aus drei Injektionen. Die ersten beiden werden im Abstand von ein bis drei Monaten verabreicht, die dritte Impfung folgt nach neun bis zwölf Monaten. Der Impfschutz beginnt etwa 14 Tage nach der zweiten Impfung und hält bei Personen unter 60 Jahren rund fünf Jahre an.

Bei Personen über 60 Jahren ist schon nach drei Jahren eine Auffrischung empfehlenswert. Wenn es schnell gehen muss, kann man auch zwei Impfungen im Abstand von einer Woche geben, die dritte folgt dann zwei Wochen später. Der Impfschutz besteht nach der dritten Impfung, hält allerdings nur 12 bis 18 Monate. Für einen Langzeitschutz von fünf Jahren muss man daher nach einem Jahr noch einmal impfen.

gruß

also hat mir mein Arzt „Müll“ erzählt ?

Hi,

vielleicht hilft dir
[http://www.rki.de/cln_100/nn_504704/sid_0/nsc_true/D…](http://www.rki.de/cln_100/nn_504704/sid_0/nsc_true/DE/Content/InfAZ/F/FSME/FSME node.html? nnn=true)

besonders

http://www.rki.de/cln_100/nn_467538/DE/Content/Infek…

VG
J~

Hallo,
das er Müll erzählt hätte kann man nicht sagen.
Tatsächlich scheint die Impfung länger wirksam zu sein als bisher angenommen. In der Schweiz wird eine Auffrischung mittlerweile nur noch alle 10 Jahre empfohlen.
Auch da du ja aus irgendwelchen Gründen „überimpft“ wurdest, kann man vermuten, dass du durchaus noch einen ausreichenden Impfschutz haben könntest, Aufklärung würde hier aber nur eine Antikörpertiterbestimmung bringen.

Gruß
Werner

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Das wollte ich nicht sagen. Das sind nur die Infos die ich habe.Will deinem Arzt aber nicht ins Gehe fahren :smile: Gerade wird darüber diskutiert ob man nicht längere Abstände zwischen den Impfungen lässt.
Evtl. rufst du deinen Arzt einfach nochmal an. Dann wirst du dich sicherer fühlen! Aber erst mal gehen wir davon aus, dass du impfschutz hast und dich sowieso nicht angesteckt hast. Zumal du ja keine Symptome hast.
Du musst dir erstmal keine Sorgen machen.

Gruß

Daniel, guten Abend,

also hat mir mein Arzt „Müll“ erzählt ?

Ja und nein gleichzeitig. Das was J~ schreibt stimmt. Ist aber nur die Regel. Denn es gibt Menschen, welche schneller und solche, welche langsamer den Impfschutz aufbrauchen. Meine Frau hat sich beispielsweise nach 5 Jahren eine FSME Auffrischung geben lassen und hatte danach ziemlich heftige Impfreaktionen. Das wurde dann genauer untersucht und dabei festgestellt, dass sie die Impfschutz länger „konserviert“ als der Durchschnitt der Bevölkerung. Daraufhin wurde ihr empfohlen, weitere FSME-Auffrischungen erst nach 8 Jahren machen zu lassen.

Und da nur Dein Arzt Dich gut kennt, kann er halbwegs realistisch beurteilen, ob Du vielleicht auch zu dieser Gruppe Menschen zählst, bei denen der Schutz länger hält (vielleicht ist in der Vergangenheit bei Dir irgend wann einmal eine Untersuchung - für oder gegen was auch immer - gemacht worden, wo dieses Faktum zu Tage kam). Daher würde ich Deinen Hausarzt drauf ansprechen, wie er denn auf diesen langen Zeitraum käme, und dass eben die Regel 5 Jahre seien.

Aber es ist noch dazu zu sagen, dass FSME (Viruserkrankung) zwar einen hohen Bekanntheitsgrad hat, aber innerhalb Mitteleuropas sehr ungleich im Vorkommen verteilt ist. Es gibt wirklich Regionen, die sind Hochrisikogebiete (Oberrheingraben, Schwarzwald, Bayerischer Wald, etliche deutsche Mittelgebirge) und andere Regionen, in denen FSME seltener vorkommt. Eine Vorsorgeimpfung ist sehr gut, versuche herauszubekommen, ob diese 8 Jahre noch für eine Auffrischungsimpfung ausreichen oder ob Du wieder neu anfangen musst.

Weißt Du, dass die Zecken eine Vielzahl von Krankheiten übertragen und dass die Gruppe der Borreliose-Erkrankungen (mit ca. 10 unterschiedlichen Einzelerkrankungen) sehr viel häufiger ist als eine FSME-Erkrankung? Untersuchungen haben einen ziemlich einheitlichen Durchseuchungssatz der Zecken in ganz Mitteleuropa ergeben. Dieser liegt zwischen 50% und 75%. Also ist das Risiko, sich eine Borreliose-Erkrankung durch einen Zeckenbiss zuzuziehen sehr hoch. (Dass die Krankheit nicht bei allen Personen ausbricht steht wieder auf einem anderen Blatt).

Die Borreliose (= in den meisten Fällen eine bakterielle Infektion) ist mit ihren Symptomen sehr variabel, es gibt ca. 130 verschiedene Symptome. Diese braucht aber natürlich nicht EIN Mensch alle haben: der Eine spricht eher auf diese(s) Symptom(e) an, ein Anderer auf jene.

Man hört immer wieder von der sogenannten „Wanderröte“. Dies ist eine Hautrötung um die Stelle des Zeckenstiches herum. Aber was man oft nicht hört oder liest, ist die Tatsache, dass nur bei etwa 50 bis 60% aller infizierten Patienten diese Wanderröte überhaupt auftritt. Somit ist es wie mit dem Amsel-Vogel-Beispiel: Wenn die Wanderröte auftritt, bist Du sicher infiziert. Aber anders herum gilt es eben NICHT: Hast Du keine Wanderröte, kannst Du keineswegs sicher sein, nicht infiziert zu sein.

Borreliose und die Co-Erreger-Erkrankungen sind sich in den Symptomen sehr ähnlich. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass alle Krankheiten dieser Gruppe noch sehr schlecht erforscht sind und obendrein über Bluttests nur sehr schlecht und unzuverlässig nachweisbar sind (Fehlerquote je nach Testverfahren bis zu 65%, manche sagen sogar bis zu 80% - somit auch hier wieder: Ein positiver Test IST positiv und eindeutig, aber ein negatives Testergebnis besagt nicht, dass keine Erreger vorhanden sind). Typische Anfangskennzeichen wären (neben der nicht immer auftretenden Wanderröte) ein gestörtes Temperaturempfinden (leichtes Fieber; sogenannte „grippeähnliche Symptome“), ein deutlicher Abfall der Leistungsfähigkeit (einhergehend mit Müdigkeit und teilweise nächtlicher Schlaflosigkeit), häufig kurzzeitige Beschwerden in den Großgeleken (Knie, Schulter, Hüfte), Kopfschmerzen.

Zu sagen ist, dass gerade bei einer frischen Infektion diese Symptome sehr schleichend daher kommen KÖNNEN, so dass der Betroffene es kaum selbst merkt.

Früher haben die meisten Ärzte prophylaktisch Antibiotika nach einem Zeckenstich gegeben. Dies ist heute aufgrund einer unglückseligen Unterschätzung des Risikos leider nicht mehr der Fall. Meist muss man als Patient mit Vehemenz auf der Antibiotika-Gabe bestehen und selbst wenn dann der Arzt widerwillig einwilligt missachtet er oftmals die notwendige Verabreichungsdauer und ignoriert eine richtige Dosierung. Die wenigen Spezialisten, welche deutschlandweit sich intensiv mit dieser Krankheitsgruppe beschäftigen (in ganz München ist beispielsweise kein einziger davon zu finden, auch wenn der Eine oder Andere behauptet er sei einer), sind durch intensive Studien zu dem Schluss gekommen, dass eine Dauer von 30 Tagen Antibiotika und eine Dosierung von 4 bis 5 mg pro Tag und kg Körpergewicht nicht unterschritten werden sollte.

Bei den wenigen Fällen, in denen ich mal eine Zecke hatte, habe ich auf die prophylaktische AB-Gabe bestanden. Denn im Anfangsstadium lässt sich die Borreliose noch recht einfach und gut behandeln, aber je länger die Infektion zurück liegt, um so schwieriger wird eine Behandlung oder gar Heilung. Leute, welche gar nicht oder gar falsch auf die Krankheit behandelt werden, landen nach einem langen Leidensweg und einer Ärzteodysse nicht selten in der Berufsunfähigkeit. Man sagt, etwa 3 Monate nach der Infektion hat man (ohne adäquate Behandlung) das Stadium einer chronischen Borreliose erreicht.

Noch kurz zur Häufigkeit und zu „klassischen“ Fehldiagnosen: Expertenschätzungen gehen davon aus, dass es alleine in Deutschland ca. 2,5 Millionen Personen gibt, welche chronisch an Borreliose (oder einer der Co-Erreger-Erkrankungen) leiden. Neuere Forschungen haben eine statistisch auffällige Wahrscheinlichkeit aufgedeckt, dass das, was unter „Multipler Sklerose“ gehandelt wird, oft ursächlich in einer bakteriellen Borreliose-Infektion zu suchen ist (Spirochäen-Erreger). Gleiches für die Alzheimer-Krankheit. Oft werden Borreliose-Kranke auch auf Rheuma und ähnliche Erkrankungen, auf psychische Probleme, auf orthopädische Erkrankungen (inklusive überflüssiger Operationen; z.B. Hüfte, Bandscheiben) hin behandelt, ohne dass die entsprechenden Behandlungen nennenswerte Wirkungen zeigen würden.

Schließlich möchte ich Dir den Link der Internet-Selbsthilfegruppe für Borreliosepatienten nennen. Dieses „Borreliose-Forum“ ist vom Deutschen Borreliose Bund und beinhaltet nicht nur betroffene Laien sondern auch Ärzte. Es ist eine Fundgrube an Wissen zu dieser Krankheitsgruppe. So sind dort beispielsweise über 1000 Krankengeschichten nachzulesen.

http://www.borreliose-forum.de/cms/html/index.php

Ich wünsche Dir, dass Du Dir diese heimtückische Krankheit nicht eingefangen haben mögest und wünsche Dir einen schönen Abend

Viele Grüße

Alexander