Führers Geburtstag

Hallo,

wahrscheinlich ist es manchem von euch heute (am 20.4.) so ähnlich
gegangen wie mir:
eine Reihe von Leuten, die gewiss keine Nazis oder Neonazis sind,
kamen so oder so darauf zu sprechen, dass heute „Führers Geburtstag“
sei. Dazu grinsen und weiter eigentlich nichts.
Wie könnte man das (tiefen-)psychologisch deuten ?

fragt
Nescio

so so…
… tiefenpsychologisch, ja?

eine Reihe von Leuten, die gewiss keine Nazis oder Neonazis
sind,

nicht?

kamen so oder so darauf zu sprechen, dass heute „Führers
Geburtstag“
sei. Dazu grinsen und weiter eigentlich nichts.
Wie könnte man das (tiefen-)psychologisch deuten ?

fragt
Nescio

vielleicht ist da gar nix bei denen, wenn man in die tiefe geht. im kopf, meine ich.
vielleicht sind sie nur sagenhaft oberflächlich, wollen vielleicht nur auch mal was sagen, weils zu mehr nicht langt, oder sie wollen sich als historische koryphäe ausgeben, indem sie ein vermeintlich bedeutsames datum von sich geben.
oder vielleicht ist es für sie ja wirklich wichtig…

gruß
ann

Ich erfuhr heute im Taxi, als der Fahrer beim Schreiben des Datums auf der Quittung es anmerkte, dass heute ADOLF HITLER’S Geburtstag sei.
Anders hat es der Herr nicht ausgedrückt.
Glaub aber nicht, dass Deine Beobachtung allzu viel bedeutet - Fidel Castro ist ‚el lider maximo‘, und wird sicherlich irgendwann mal nach seinem Tod weiterhin so genannt, etc etc, da dies die gängige Bezeichung für ihn ist, und somit auch nach seinem Tod bleiben wird.

Anyway, I may of course be wrong…
Gruss,
Isabel

AH beim wahrsager.
AH: wann werde ich sterben?
WS: an einem jüdischen feiertag.
AH: ach du liebe güte. welcher??
WS: das weiß ich es nicht, aber es wird ein jüdischer feiertag sein!

gruß
datafox

Kommt mir vor, als ob man einem verwesten Leichnam auf die Schulter klopft…

rolf

Seh ich ähnlich, Isabel owT
.

Der is jut owT
.

Darauf antworte ich normalerweise:
Hitler hat Gebutstag?

Und nicht nur er:

Geburtstage am 20. April
1980 Jasmin Wagner (in Hamburg), dt. Popsängerin, „Blümchen“
1979 Jussi Hautamäki, finn. Skispringer
1977 Joey Lawrence (in Philadelphia, Pa.), amerik. Sänger und Schauspieler, „Blossom“
1976 Vladimir Bogojevic (in Kraljevo), dt. Basketballspieler
1973 Anna Bosch (in Bayreuth), dt. Fernsehmoderatorin
1972 Carmen Electra (in Cincinnati, Oh.), amerik. Filmschauspielerin, „Baywatch“
1971 Alfonso Losa (in Hamburg), dt. Schauspieler
1971 Allan Houston (in Louisville, Ky.), amerik. Basketballspieler und Schauspieler
1970 Sven Benken, dt. Fußballspieler
1969 Marietta Slomka (in Köln), dt. Journalistin und Fernsehmoderatorin
1968 Daniel Teixeira, brasil. Fußballspieler
1967 Ingo Appelt, dt. Komiker
1963 Werner Koenig (in Miesbach), dt. Filmproduzent († 12.11.2000), „14 Tage lebenslänglich“, „Nichts als die Wahrheit“
1959 Veronica Cartwright (in Bristol), engl. Filmschauspielerin, „Die Hexen von Eastwick“, „Alien“
1959 Clint Howard (in Burbank, Calif.), amerik. Filmschauspieler, „Dillinger und Capone“, „Ein Licht in meinem Herzen“, „Der Grinch“
1956 Peter Chelsom (in Blackpool), engl. Filmregisseur, „Funny Bones“, „The Mighty“
1951 Luther Vandross (in New York City), amerik. Soulsänger
1949 Toller Cranston (in Hamilton), kanad. Eiskunstläufer, Dreifacher Kürweltmeister
1949 Jessica Lange (in Cloquet, Minn.), amerik. Filmschauspielerin, Oscar 1994 für „Blue Sky“
1949 Massimo D’Alema (in Rom), ital. Politiker, Regierungschef 1998-2000
1947 Alain Ohl (in Mühlhausen), dt. Pianist und Ensemble-Leiter
1947 David Leland (in Cambridge, England), brit. Filmregisseur und Drehbuchautor, „Wish You Were Here“
1946 Sabine Bergmann-Pohl (in Eisenach/Thüringen), dt. Politikerin
1945 Michael Brandon (in Brooklyn, New York), amerik. Filmschauspieler
1942 Paul Frey (in Toronto, Ontario), schweiz. Tenor
1942 Ryan O’Neal (in Los Angeles, Calif.), amerik. Filmschauspieler, „Love Story“, „Paper Moon“
1942 Ralf Schermuly (in Gelsenkirchen), dt. Schauspieler
1940 Marie-José Nat (in Bonifacio), franz. Filmschauspielerin, „Schuld und Sühne“, „Elise oder das wahre Leben“, „Schatten der Vergangenheit“
1940 George Takei (in Los Angeles, Calif.), amerik. Filmschauspieler, bekannt als „Sulu“ von Raumschiff Enterprise
1939 Gro Harlem Brundtland (in Oslo), norweg. Politikerin, Ministerpräsidentin 1981, 1986-89 und seit 1990
1937 Jiri Dienstbier (in Kladno), tschech. Politiker, Außenminister seit 1989
1937 Richard von Roell (in Schwochow/Pommern), dt. Schauspieler, „Kanal fatal“
1936 Beaver Harris (in Pittsburgh, Pa.), amerik. Bandleader und Jazzschlagzeuger († 22.12.1991)
1936 Heinz Schleußer (in Oberhausen), dt. Politiker († 12.7.2000)
1930 Renate Fischer (in Berlin), dt. Schauspielerin, „Der Untertan“
1927 Karl Alex Müller (in Basel), schweiz. Physiker, Nobelpreis für Physik 1987
1927 Phil Hill (in Miami, Fla.), amerik. Autorennfahrer, Formel 1 Weltmeister 1961
1924 Vor 80 Jahren
Nina Foch (in Leyden), amerik. Filmschauspielerin, „Die Intriganten“, „Spartacus“, „Zwei Singles in L.A.“
1922 Leslie Phillips (in London-Tottenham), engl. Filmschauspieler, „King Ralph“, „Scandal“
1920 Arthur Hailey (in Luton/England), engl.-amerik. Schriftsteller, „Airport“, „Hochspannung“
1918 Kai Siegbahn (in Lund), schwed. Physiker, Nobelpreis für Physik 1981
1910 Brigitte Mira (in Hamburg), dt. Filmschauspielerin und Sängerin, „Angst essen Seele auf“, „Drei Damen vom Grill“
1907 Ottomar Domnick (in Greifswald), dt. Filmregisseur († 14.6.1989), „Jonas“, „Ohne Datum“
1903 Josef Herrmann (in Darmstadt), dt. Bariton († 18.11.1955)
1902 Vesselin Stojanov (in Schumen), bulgar. Komponist († 29.8.1969)
1902 Donald Wolfit (in Newark, Nottinghamshire), engl. Filmschauspieler († 17.2.1968), „Svengali“, „Angriff der leichten Brigade“, „Lawrence von Arabien“
1900 John Jahr (in Hamburg), dt. Verleger († 8.11.1991), Mitbegründer der Gruner + Jahr GmbH., „Constanze“, „Brigitte“, „Petra“
1900 Reginald Stewart (in Edinburgh), schott. Dirigent und Pianist († 8.7.1984)
1900 Fred Raymond (in Wien), österr. Komponist († 10.1.1954), „Maske in Blau“, „Die Perle von Tokay“
1893 Harold Lloyd (in Burchard, Nebr.), amerik. Schauspieler († 8.3.1971), „Ausgerechnet Wolkenkratzer“
1893 Joan Miró (in Montroig), span. Maler, Graphiker und Bildhauer († 25.12.1893)
1890 Adolf Schärf (in Nikolsburg), österr. Politiker († 28.2.1965), Bundespräsident 1957-1965
1889 Adolf Hitler (in Braunau/Inn), dt. Diktator († 30.4.1945)
1874 Eugenio Balzan (in Badia Polesine), ital. Zeitungsverleger und Politiker († 15.7.1953)
1868 Adolf Warski-Warszawski (in Warschau), poln. Arbeiterführer († 21.8.1937)
1860 Pieter Zelles Troelstra (in Leeuwarden), niederl. Politiker und Dichter († 12.5.1930)
1857 Herman Joachim Bang (in Adserballe, Alsen), dän. Schriftsteller († 29.1.1912), „Hoffnungslose Geschlechter“
1851 Eduardo Acevedo Diaz (in Villa de la Union), uruguay. Schriftsteller und Politiker († 18.6.1921)
1839 Karl I. (in Sigmaringen), rumän. König († 10.10.1914), Herrscher 1881-1914
1837 Georg Ossian Sars (in Florö), norweg. Geologe und Zoologe († 7.4.1927)
1808 Napoleon III. (in Paris), franz. Kaiser († 9.1.1873), Herrscher 1852-70
1807 Aloysius Bertrand (in Ceva/Piemont), franz. Schriftsteller († 29.4.1841)
1786 Marc Seguin (in Annonay), franz. Techniker († 24.2.1875)
1764 Rudolf Ackermann (in Stollberg/Erzgebirge), dt.-brit. Industrieller und Buchhändler († 30.3.1834)
1745 Philippe Pinel (in Saint-André, Tarn), franz. Arzt und Psychiater († 26.10.1826)
1586 Rosa de Lima (in Lima), peruan. Nonne und Mystikerin († 24.8.1617), Namenspatronin am 23. August
1544 Renata von Bayern (in Frankreich), bayer. Herzogin († 22.5.1602), Namenspatronin am 22. Mai
1494 Johann Agricola (in Eisleben), dt. Reformator († 22.9.1566)
1492 Pietro Aretino (in Arezzo), ital. Schriftsteller († 21.10.1556)
(Quelle: Programm Chronik 5.20 http://www.chronik.ch)

Und was ist daran besonders?

Gruss
Armin

Kommt mir vor, als ob man einem verwesten Leichnam auf die
Schulter klopft…

…der noch dazu verkokelt riecht.

Gruss
Armin

Hallo Nescio,

eigentlich dachte ich, daß noch jemand etwas über den Bruch der „political correctness“ (oder des Tabus) sagt, wenn man vom Geburtstag des „Führers“ (und eben nicht nur von dem Hitlers) spricht. Denn dadurch, daß es verpönt ist, vom „Führer“ zu sprechen („man“ sagt das eben nicht), hat es einen gewissen Reiz, an dessen Geburtstag diesen Begriff zu benutzen. Das Grinsen weist auch darauf hin, daß der Sprecher weiß, daß es verpönt ist und er sich über eine soziale Norm hinweg setzt. Vielleicht hält sogar der gelegentliche kleine Tabubruch das Tabu aufrecht. Man denke in diesem Zusammenhang an die Reaktionen des Publikums, wenn Harald Schmidt solche Dinge in seiner Show ansprach („Hohohoho“). Selbst als nur ein Auto mit dem Kennzeichen von Dachau vorbei fuhr und Schmidt beim Kennzeichenraten „Dachau“ nannte, gab es diese Reaktionen.

Zu Armins Liste kann ich mir einen Kommentar nicht verkneifen:
Carmen Electra … Filmschauspielerin … hmm … eher … Bildmotiv

Gruß,

Oliver Walter

eine Reihe von Leuten, die gewiss keine Nazis oder Neonazis
sind,

nicht?

weiß man nie…

kamen so oder so darauf zu sprechen, dass heute „Führers
Geburtstag“
sei. Dazu grinsen und weiter eigentlich nichts.
Wie könnte man das (tiefen-)psychologisch deuten ?

fragt
Nescio

vielleicht ist da gar nix bei denen, wenn man in die tiefe
geht. im kopf, meine ich.
vielleicht sind sie nur sagenhaft oberflächlich, wollen
vielleicht nur auch mal was sagen, weils zu mehr nicht langt,
oder sie wollen sich als historische koryphäe ausgeben, indem
sie ein vermeintlich bedeutsames datum von sich geben.
oder vielleicht ist es für sie ja wirklich wichtig…

Kann auch sein,vielleicht kann sich jeder/die meisten daran erinnern weil es so schrecklich war, so ähnlich wie Schreckensnachrichten, die länger im Gemüt bleiben als wie Gute Nachrichten die eher jeder belächelt.Und da der Todestag ja eigentlich dann eine gute Nachricht war erinnert man sich wohl eher an den Geburtstag…

*g* Nur ein Beispiel…

gruß
ann

etwas off topic
Lieber Oliver,

Das Grinsen weist auch darauf hin, daß der Sprecher
weiß, daß es verpönt ist und er sich über eine soziale Norm
hinweg setzt.

Das erinnert mich an eine Geschichte mit meinem damals 3jährigen Sohn, der aus dem Kindergarten kam und mir freudestrahlend das Wort „ficken“ entgegen schleuderte. Obschon ich mich insgeheim königlich amüsierte spielte ich natürlich die Entrüstete, was ihn nur dazu bewog, dieses Wort bei jeder Gelegenheit (auch vor anderen Leuten) mit einem diebischen Grinsen auf dem Gesicht zu benutzen… Ich glaube man kann davon ausgehen, dass er keine Ahnung hatte, was er da sagte, alles, was er jedoch wusste, war, dass er mit diesem Wörtchen einen gewissen Aufruhr hervorrief - den er sichtlich genoss…
Gruß,
Anja

Hi,

wahrscheinlich ist es manchem von euch heute (am 20.4.) so
ähnlich gegangen wie mir eine Reihe von Leuten, die gewiss
keine Nazis oder Neonazis sind, kamen so oder so darauf zu
sprechen, dass heute „Führers Geburtstag“ sei.

Verdammt. Dieses Jahr hab ich doch tatsächlich den
Geburtstag Eures Führers vergessen. Wie konnte das
passieren? Unser Führer hat ja erst wieder kurz vor
Weihnachten Geburtstag.

Dazu grinsen und weiter eigentlich nichts.
Wie könnte man das (tiefen-)psychologisch deuten ?

Dass sie ambivalent eingestellt sind? Dass sie durch
Erziehung „wissen“, dass Hitler böse ist, aber sich
dennoch der Faszination der von ihm verkörperten/sym-
bolisierten Macht nicht entziehen können oder wollen?

Euer CMБ

Ich hab neulich gehört, daß bei einem Marathon o. ä. jemand nicht mit der Ziffer 113 auf der Vorderseite des Trikots antreten durfte, weil A der 1. und H der 13. Buchstabe des Alphabets sind - und das u. a. die Initialien Hitlers sind.

Ich mein - man kann’s aber auch übertreiben, hm?

H der 13. Buchstabe? owT

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Kommt mir vor wie ein blinder Fleck auf dem Spiegel in den man blickt, ihn nicht wegputzen kann und daher einen Smiley drübermalt.

Gruß
Merkur

Hallo Sylvia,

Ich mein - man kann’s aber auch übertreiben, hm?

ich gebe Dir absolut recht. Als ich zu meinen Anfangszeiten hier im Forum ein Posting mit „Mit Optimismus zu 18!“ beendete, wurden mir sofort Sympathien mit den Nazis unterstellt.

Ein bestimmter User würde dazu sagen: „Ich bin gleich richtig hier in w-w-w sozialisiert worden.“

Gruß,

Oliver Walter

1 „Gefällt mir“

Liebe Anja,

das, was Du beschreibst, hat in der Tat damit auch zu tun. Aufmerksamkeit zu erregen und damit eine gewisse Kontrolle über das Verhalten seiner Mitmenschen auszuüben, wirken oft positiv verstärkend, d.h. die Häufigkeit des aufmerksamkeitserregenden Verhaltens steigt an. Ob dies dem Sprecher „bewußt“ ist (wie in dem Fall mit Hitlers Geburtstag) oder nicht (wie im Fall Deines Sohnes), ist sicherlich eine weitere wichtige Einflußgröße.

Beste Grüße,

Oliver

*grübel*
Hi Sylvia

Ich hab neulich gehört, daß bei einem Marathon o. ä. jemand
nicht mit der Ziffer 113 auf der Vorderseite des Trikots
antreten durfte, weil A der 1. und H der 13.

Also in meinem Alphabet ist H der 8. Buchstabe.
Am Platz 13 ist das M.

Gruß
Edith

wahrscheinlich haben die sich nur unterbewusst darüber gefreut dass es auch
mein geburtstag ist *lach
und komm mir jetzt bloß keiner mit horrorskopen von wegen dann hätt ich wohl
die gleichen anlagen :confused: