Führungsproblem? Länger

Hallo an alle erfahrenen Chefs!

Vielleicht hat ja jemand von Euch eine Idee oder einen Rat, was ich tun kann:

Mir (Chef) ist es heute nun schon zum zweiten Mal passiert, dass ein Mitarbeiter sich bei meinem Chef darüber beschwerte, ich würde auf seine Not - vor allem Überlastung/Überforderung - nicht eingehen und mich nicht darum kümmern.

Auf die ganz genauen und umfangreichen Umstände kann ich hier nicht eingehen. Es sei soviel gesagt: Der Mitarbeiter kam mehrfach zu mir, allerdings immer zwischen Tür und Angel, um mir zu erzählen, dass er gerade ganz, ganz viele Fälle neu eingegeben ha, dass er soundsoviel neue XYZ hat, die Kundschaft schwierig ist und und und. Ich gebe zu, dass dies Signale waren, auf die ich nicht weiter eingegangen bin. Allerdings neigt dieser Mitarbeiter dazu, immer recht aufgeregt zu reagieren und „um alles viel Wind zu machen“ - was mich ehrlich gesagt nervt. Er ist trotz seines Alters (> 50) auch häufig sehr unsicher und fühlt sich scheinbar nicht richtig eingearbeitet/unterstützt.

Ich möchte wirklich eine gute Chefin sein (was auch immer das ist, soviel habe in den letzten Jahren gelernt)und habe trotzdem den Eindruck, immer irgendetwas falsch zu machen :frowning:
Dem Anspruch, ein Übermensch zu sein und keine Fehler zu machen, werde ich leider nicht gerecht.

Was ich allerdings nicht verstehe ist, warum die Leute so häufig nicht klar und deutlich sagen, was sie wollen. Z. B. „Ich möchte einen Termin bei Dir um meine Arbeitssituation zu besprechen“, „Mir ist es zuviel, gibt es für Lösungen?“, „Ich brauche Hilfe, hast Du morgen eine Stunde Zeit“.

Den besagten Mitarbeiter und mich verbindet nicht sehr viel - ich bin aber auch weit davon entfernt, ihn nicht leiden zu können. Trotzdem scheint er zu denken, ich wolle ihn loswerden.

Morgen werden wir miteinander reden. Vielleicht hat ja trotzdem noch jemand einen Rat.

Frustrierte Grüße,
D.

Hallo D,

Sag´s doch deinem Mitarbeiter genauso wie du es hier geschrieben hast.
Du kannst nicht gedankenlesen und unqualifizierte Jammerei zwischen Tür und Angel bringts einfach nicht.

Frage den Mitarbeiter auch, wie die Hilfe konkret aussehen soll. Wer ihm was abnehmen sollte.
Als Mitarbeiter hat man nicht nur das Recht zu jammern sondern man sollte sich auch Gedanken machen, wie etwas geändert werden kann um seinen Job wieder anständig erledigen zu können.
Auf diese Weise kann man auch gut Jammerer von wirklich Überforderten unterscheiden.
Viele Jammerer schreckt auch der Vorschlag ab, die erarbeiteten Lösungsmöglichkeiten dann mit dem gesamten Team zu besprechen, Leute die wirklich Entlastung brauchen schrecken davor sicherlich nicht zurück.

Und bitte verabschiede dich von der Vorstellung, hier den Übermenschen geben zu müssen.
Ich habe es in verschiedenen Seminaren (Als Teilnehmerin) immer wieder mitbekommen, dass dies ein typisches Frauenproblem ist.
Ich musste mir diesen Anspruch auch erst abgewöhnen.

Versuche eher grössere Ansprüche an deine Mitarbeiter zu stellen, Frauen verlangen oft (zu) viel von sich selbst und zuwenig von ihren Mitarbeitern…
Deshalb auch der Tip, lass den Typen die Lösung für sein Problem selber finden, er soll Lösungsvorschläge für sein Problem bringen, es ist sein Problem nicht deines. Deines ist seine Jammerei, die du abstellen musst.

Er kennt seinen Arbeitsplatz und seine spezifischen Probleme und sollte sich deshalb Lösungsmöglichkeiten überlegt haben.

Viel Kraft wünscht
dragonkidd

Hallo Daisy,

„also ich weiss wirklich nimmer was ich tun soll. Die ganze Sache hier wächst mir über den Kopf - ich glaub, ich kündige und guck nach nem anderen Job. Aber in meinem Alter? Da bleibt nur Hartz IV…
Aber mir wird echt grad alles zu viel und Daisy hat nie Zeit für mich, und wenn ich sie mal anspreche, hat sie keine Zeit oder ist genervt. Dabei könnte mir doch wirklich der Huber-Müller unterstützen, dem ist eh dauernd fad. Aber das kann ICH doch nicht entscheiden… So ein Schei**. Immerhin war ich heute bei Daisys Chef und morgen werden wir reden. Aber wahrscheinlich kommt da wieder nix raus.“.

So oder so ähnlich könnte das Dein Mitarbeiter gestern Abend seiner Frau erzählt haben. Das heisst - eigentlich seht Ihr beide die Situation gleich, nur kamt Ihr noch nicht zu einer fruchtbaren Diskussion, die mit einer guten Lösung endet. Dein Job ist es nun, Euer heutiges Gespräch zu sowas zu machen.

So wie Du den (meiner Meinung nach falschen) Anspruch hast ein fehlerloser Übermensch zu sein, hat Dein Mitarbeiter eine unglaubliche Angst davon, Unzulänglichkeiten (zu viel Arbeit, Überforderung) zuzugeben. Und das ist ja verständlich: wer gibt schon gerne dem Chef gegenüber zu, dass er mit einer Aufgabe (oder auch nur mit der Fülle der Aufgaben plus Zeitdruck) nicht zu Rande kommt? Denn irgendwie fürchtet man ja doch sehr schnell um seinen Job - auch wenn das objektiv betrachtet wohl eher nicht der Fall ist.

Das heisst, ich wenn Daisy wäre, würde das Gespräch etwa so anfangen:
Herr Mitarbeiter, ich möchte nochmal betonen, wie sehr ich Ihre zwei oder drei positive Punkte Arbeitsweise schätze. Gerade auf Ihre Erfahrung im Bereich x, y und z sind wir wirklich angewiesen.
Wenn Du dann magst, kannst Du betonen, dass Du Dich leider im Bereich z (seinem „Stargebiet“) gar nicht so gut auskennst und Dich freust, dass er das so kompetent und selbstständig betreut.
Damit sollte Deinem Mitarbeiter die Angst genommen sein, dass Du ihn „loswerden“ willst und im Idealfall spricht er dann offen über seine Bedenken.

Jetzt kommt der schwierige Teil - Du musst eine kluge Überleitung zu seinem Problem finden. Da kommt’s sehr auf Eure Firmensituation an, aber ich würde so anfangen „Sie hatten mir ja schon mehrfach gesagt, dass …, nun wollen wir schauen, was wir für eine Lösung finden“.

Ich für meinen Teil bin ja ein Listenfreak (man hat’s vielleicht im Brett schon öfters gemerkt *fg*). Schreibt gemeinsam auf ein Blattl Papier (kein Flipchart!) alle seine (aktuellen) Tätigkeiten auf. Versuch auf Zwischentöne zu hören „und NEBENHER kümmere ich mich noch um x und y“ oder „ausserdem MUSS ich Kollegen z unterstützen“ oder „die Software KOSTET VIEL ZEIT“ oder „Kunde b ist SEHR ANSTRENGEND“ oder sowas halt :wink: Das hörst Du Dir einfach an, und wenn Ihr eine halbwegs vollständige Liste habt, bist Du am Zug „Wie können wir Sie nun entlasten, Herr Mitarbeiter?“.

Und dann gehst Du auf die lautesten Zwischentöne ein „Vielleicht kann ja die Sekretärin die Eingaben in die Software machen und Sie schreiben das nur auf einen Zettel?“ oder „Vielleicht sollten wir Kollegen z auf einen Lehrgang zum Thema schicken, damit er Ihre Arbeit nicht immer durch Fragen unterbricht“ oder er geht selber zu einer Fortbildung um in diesem oder jenem Bereich sicherer zu werden.
Klar, Du kannst nicht die Häfte seiner Arbeit auf andere Leute verteilen, aber wenn Dein Mitarbeiter merkt, dass Du ernsthaft nach Lösungsmöglichkeiten suchst und er die eine oder andere ungeliebte/zeitraubende/zu schwere Aufgabe abgeben kann, sollte er mit einem Kompromiss einverstanden sein.

Ich gebe zu, dass dies
Signale waren, auf die ich nicht weiter eingegangen bin.

Wenn Du magst, sag ganz offen zu Anfang vom Gespräch „es tut mir leid, ich glaub ich hab da ein paar Ihrer Signale nicht ernst genug genommen, das ist mein Schwachpunkt - oft entgeht mir wie wichtig Ihr Anliegen war. Darf ich Sie bitten, mir zukünftig solche Sachen ungeschminkt vor den Latz zu knallen?“

*wink* und viel Erfolg.

Petzi

PS: Berichtest dann wie’s ausgegangen ist?

Hallo Daisy,

also ich erwarte von einer „Führungskraft“ schon, daß diese sich auch von sich aus rührt, wenn ein MA offensichtlich Probleme hat und nicht wartet, bis der MA um ein Gespräch bittet. Die Hinweise waren auch nach Deinen Angaben deutlich genug. Die Hol- und Bringschuld besteht auf beiden Seiten gleichmäßig.
Je länger Du wartest, desto mehr können sich Probleme verfestigen und Lösungen schwieriger werden. Je früher Du reagierst (ohne gleich den arbeitsrechtlichen Knüppel zu schwingen), desto eher können dann auch gegenseitige Erwartungen diskutiert werden.
Es tut mir leid, aber m. E. hast Du hier mit Deinem Abwarten nicht richtig gehandelt. Als BR habe ich oft genug mit derartigen Situationen in einem Stadium zu tun, in dem die „Fronten“ bereits sehr verhärtet sind. Meistens wären sie leicht lösbar gewesen, wenn beide Seiten früher reagiert hätten.
Du wirst damit leben müssen, daß Dir Dein MA zumindest z. Zt. keine Problemlösungskompetenz zutraut.

&Tschüß

Wolfgang

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Ergänzung …
Hallo nochmal,

und Danke für die unterschiedlichen Sichtweisen. Nicht alles passt auf die Situation, der ein oder andere Punkt ist jedoch hilfreich.

Mein Mitarbeiter hat mich heute um eine Verlegung gebeten, da er sich krank fühlt. Er ging dann auch früher heim. So hege ich die Hoffnung, dass es dann morgen etwas wird, denn ich trage so etwas ungern ewig mit mir herum.

Sehr informativ und auch hilfreich war jedoch das längere Gespräch mit dem früheren Vorgesetzten des besagten MA, das ich heute gesucht habe. Es hat mir zumindest geholfen, manches besser zu verstehen aber auch zu schauen, was nicht an mir liegt (weil schon „immer so“).

Interessant auch die unterschiedliche Sichtweise, die hier im Forum deutlich wurden.

Danke!

Hallo nochmal,

"also ich weiss wirklich nimmer was ich tun soll. Die ganze
Sache hier wächst mir über den Kopf - ich glaub, ich kündige
und guck nach nem anderen Job. Aber in meinem Alter? Da bleibt
nur Hartz IV…

Der Mitarbeiter ist beamtet (ich ja auch) und braucht wahrlich nichts zu befürchten. Ich denke aber, dass da (auch) der Hase im Pfeffer liegt. Er wurde im Rahmen des Personalabbaus in den letzten 2,5 Jahren von einer Stelle zu anderen geschoben - nicht in unserem Bereich - und war überall nach einiger Zeit nicht mehr gewollt. Nun ist er wieder hier, d. h. dort, wo die Odysse begann und man ihn ja nicht mehr haben wollte/konnte. Eine unglückliche Situation für beide Seiten, auch wenn ich selbst an alledem nicht beteiligt war.

Von daher kann ich seine Ängste schon verstehen. Nur frage ich mich auch, warum es bei keiner anderen Stelle klappte.

PS: Berichtest dann wie’s ausgegangen ist?

Klar!

Hallo Daisy,

und Danke für die unterschiedlichen Sichtweisen. Nicht alles
passt auf die Situation,

das ist klar :wink: Letzten Endes wissen wir nur das, was Du schreibst und was wir aus unserem jeweiligen Vorwissen draus interpretieren.

Mein Mitarbeiter hat mich heute um eine Verlegung gebeten, da
er sich krank fühlt. Er ging dann auch früher heim.

Au weh, das klingt aber gar nicht gut. Das kann nämlich zwei Dinge bedeuten

  1. die ganze Sache macht ihn wirklich krank
  2. er verfolgt Plan B

ad 1) Ich gehe mal davon aus, dass er sich nicht schon fieberglühend, hustend und prustend bzw. hexenschussgebeugt in die Arbeit geschleppt hat, sondern dass man ihm „von aussen“ kein Leiden angesehen hat.
Und da würden bei mir die Alarmglocken klingeln. Dabei ist es auch völlig schnurz, ob er eingebildet oder wirklich krank ist - da ist was faul im Staate Dänemark. Denn auch wenn ich wirklich krank bin, gehe ich NACH dem für mich ja wichtigen Gespräch heim bzw. ich komme gar nicht erst.
Sein „krank fühlen“ scheint mir also eher psychische Ursachen zu haben (Disclaimer: ja, es ist mir bewusst, dass sich solche in echten körperlichen Beschwerden äussern und keinesfalls „nur eingebildet“ sind. Trotzdem scheint mir die Ursache einfach am Arbeitsplatz und nicht körperlich zu sein).

ad 2) Plan B
Ich hab keine Ahnung, aber das kann vom Anwaltsbesuch über neue Bewerbungen bis zum Arztbesuch zwecks dauerhafter Krankschreibung allerlei sein :wink:

Unter den veränderten Voraussetzungen würde ich das Gespräch noch vorsichtiger führen und danach - egal wie’s ausgeht - darüber mit Deinem Chef und dem Ober-Chef (weiss ja nicht, wie Ihr strukturiert seid, auf jeden Fall sollte ein „fachübergreifender“ dabei sein) reden. Klug wäre es natürlich, wenn Du im Gespräch mit Deinem Mitarbeiter eine realistische Vision über seinen „idealen Job“ entwickeln könntest. Allerdings weiss ich nicht, ob das unter diesen Randbedingungen gelingt.

Habt Ihr eventuell eine Vertrauensperson (Betriebsrat?) oder sowas in der Firma, die bei Eurem Gespräch dabei sein könnte?

Du schreibst so sinngemäss, dass der Kerl sowohl vom menschlichen als auch von seinen Leistungen her nicht so gut ist. Solche Pfeifen gibt es, und sind die zumindest dazu nutze, um als schlechtes Beispiel zu dienen *fg* und zu sonst nicht viel. Trotzdem gibt es kaum Leute, die in einem grösseren Laden überall nutzlos sind, und ich glaube auch für Eure Pfeife gibt es eine solche Nische. Einzig gilt es die zu finden, was gerade bei „schwierigen“ und unkooperativen Mitarbeitern nicht unbedingt einfach sein muss… Diplomatisch sagt man dann natürlich, dass man ihm helfen möchte, eine Position zu finden, wo er seine Stärken bestmöglich einsetzen kann *fg*

Eben fällt mir noch was ein: gibt es einen Vorgesetzten mit dem Eure „Pfeife“ echt gut klar kommt? Du schreibst ja, dass er schon viele Abteilungen bei Euch „durch“ hat - war da eine dabei, wo er sich echt gut angestellt hat? Dann red mal mit dem :wink:

*wink*

Petzi

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