Hallo Daisy,
„also ich weiss wirklich nimmer was ich tun soll. Die ganze Sache hier wächst mir über den Kopf - ich glaub, ich kündige und guck nach nem anderen Job. Aber in meinem Alter? Da bleibt nur Hartz IV…
Aber mir wird echt grad alles zu viel und Daisy hat nie Zeit für mich, und wenn ich sie mal anspreche, hat sie keine Zeit oder ist genervt. Dabei könnte mir doch wirklich der Huber-Müller unterstützen, dem ist eh dauernd fad. Aber das kann ICH doch nicht entscheiden… So ein Schei**. Immerhin war ich heute bei Daisys Chef und morgen werden wir reden. Aber wahrscheinlich kommt da wieder nix raus.“.
So oder so ähnlich könnte das Dein Mitarbeiter gestern Abend seiner Frau erzählt haben. Das heisst - eigentlich seht Ihr beide die Situation gleich, nur kamt Ihr noch nicht zu einer fruchtbaren Diskussion, die mit einer guten Lösung endet. Dein Job ist es nun, Euer heutiges Gespräch zu sowas zu machen.
So wie Du den (meiner Meinung nach falschen) Anspruch hast ein fehlerloser Übermensch zu sein, hat Dein Mitarbeiter eine unglaubliche Angst davon, Unzulänglichkeiten (zu viel Arbeit, Überforderung) zuzugeben. Und das ist ja verständlich: wer gibt schon gerne dem Chef gegenüber zu, dass er mit einer Aufgabe (oder auch nur mit der Fülle der Aufgaben plus Zeitdruck) nicht zu Rande kommt? Denn irgendwie fürchtet man ja doch sehr schnell um seinen Job - auch wenn das objektiv betrachtet wohl eher nicht der Fall ist.
Das heisst, ich wenn Daisy wäre, würde das Gespräch etwa so anfangen:
Herr Mitarbeiter, ich möchte nochmal betonen, wie sehr ich Ihre zwei oder drei positive Punkte Arbeitsweise schätze. Gerade auf Ihre Erfahrung im Bereich x, y und z sind wir wirklich angewiesen.
Wenn Du dann magst, kannst Du betonen, dass Du Dich leider im Bereich z (seinem „Stargebiet“) gar nicht so gut auskennst und Dich freust, dass er das so kompetent und selbstständig betreut.
Damit sollte Deinem Mitarbeiter die Angst genommen sein, dass Du ihn „loswerden“ willst und im Idealfall spricht er dann offen über seine Bedenken.
Jetzt kommt der schwierige Teil - Du musst eine kluge Überleitung zu seinem Problem finden. Da kommt’s sehr auf Eure Firmensituation an, aber ich würde so anfangen „Sie hatten mir ja schon mehrfach gesagt, dass …, nun wollen wir schauen, was wir für eine Lösung finden“.
Ich für meinen Teil bin ja ein Listenfreak (man hat’s vielleicht im Brett schon öfters gemerkt *fg*). Schreibt gemeinsam auf ein Blattl Papier (kein Flipchart!) alle seine (aktuellen) Tätigkeiten auf. Versuch auf Zwischentöne zu hören „und NEBENHER kümmere ich mich noch um x und y“ oder „ausserdem MUSS ich Kollegen z unterstützen“ oder „die Software KOSTET VIEL ZEIT“ oder „Kunde b ist SEHR ANSTRENGEND“ oder sowas halt
Das hörst Du Dir einfach an, und wenn Ihr eine halbwegs vollständige Liste habt, bist Du am Zug „Wie können wir Sie nun entlasten, Herr Mitarbeiter?“.
Und dann gehst Du auf die lautesten Zwischentöne ein „Vielleicht kann ja die Sekretärin die Eingaben in die Software machen und Sie schreiben das nur auf einen Zettel?“ oder „Vielleicht sollten wir Kollegen z auf einen Lehrgang zum Thema schicken, damit er Ihre Arbeit nicht immer durch Fragen unterbricht“ oder er geht selber zu einer Fortbildung um in diesem oder jenem Bereich sicherer zu werden.
Klar, Du kannst nicht die Häfte seiner Arbeit auf andere Leute verteilen, aber wenn Dein Mitarbeiter merkt, dass Du ernsthaft nach Lösungsmöglichkeiten suchst und er die eine oder andere ungeliebte/zeitraubende/zu schwere Aufgabe abgeben kann, sollte er mit einem Kompromiss einverstanden sein.
Ich gebe zu, dass dies
Signale waren, auf die ich nicht weiter eingegangen bin.
Wenn Du magst, sag ganz offen zu Anfang vom Gespräch „es tut mir leid, ich glaub ich hab da ein paar Ihrer Signale nicht ernst genug genommen, das ist mein Schwachpunkt - oft entgeht mir wie wichtig Ihr Anliegen war. Darf ich Sie bitten, mir zukünftig solche Sachen ungeschminkt vor den Latz zu knallen?“
*wink* und viel Erfolg.
Petzi
PS: Berichtest dann wie’s ausgegangen ist?