Hallo Carmen,
vielleicht kann ich Dir ja damit helfen:
Unter Führungsstil wird das dauerhafte, der Persönlichkeitsstruktur der Führungskraft entsprechende Verhalten gegenüber seinen Mitarbeitern verstanden. Somit unterscheiden sich Führungsstile durch das Verhalten von Führungskraft gegenüber Mitarbeiter. Unterscheidungsmerkmale sind die Art des Handels, die Willensbildung und - durchsetzung, die Kommunikationsbeziehungen, die Kontrolle und die soziale Beziehung.
Erfolgreiches Führungsverhalten ist personen-, situations- und aufgabenabhängig. Führungsstile haben eine große Popularität erlangt. Sie charakterisieren typische Führungsverhaltensweisen. Im Führungsstil spiegelt sich die Einstellung des Vorgesetzten gegenüber seinen Mitarbeitern wider. Differenzieren lassen sich hier klassische Führungsstile, tradierte Führungsstile sowie mehrdimensionale,
managementbezogene und gruppenorientierte Führungsstile.
Klassische Führungsstile
Als klassische Führungsstile gelten der autoritäre und der kooperative Führungsstil, sowie der laissez-faire-Stil. Damit werden Eckpfeiler möglicher Führungsverhaltensweisen beschrieben.
-
Der autoritärer Führungsstil ist dadurch gekennzeichnet, daß der Vorgesetzte aufgrund seiner Stellung führt. Er wähnt sich im Besitz vertiefter Einsicht in Notwendigkeiten und Zusammenhänge und einer umfassenden Entscheidungs- und Problemlösungskompetenz. Geprägt wird der heute als überlebt und unangemessen empfundene Führungsstil durch ein menschenunfreundliches Menschenbild, das einseitig auf Distanz, Kontrolle, Druck und Sanktionen setzt.
-
Der kooperativer Führungsstil bevorzugt die Delegation. Mitarbeiter(innen) kön nen sich unter Berücksichtigung ihrer Kompetenz und Motivation in Planungs-, Entscheidungs- und Umsetzungsprozesse angemessen einbringen. Der Füh rungsstil führt von einsamen zu sachgerechten Entscheidungen, von fehlender Selbständigkeit und fehlendem Entfaltungsspielraum zu Engagement und zukunftsorientierter Mitgestaltung und von einer mit Nebensächlichkeiten überlasteten Führungskraft zu einem Vorgesetzten mit hinreichender Zeit für Grundsatzentscheidungen. Bei diesem nicht einheitlich gebrauchter Begriff wird die angesprochene Leistungs- und Mitarbeiterorientierung verbunden. Wichtige Merkmale sind die Mitarbeiterbeteiligung bei Willensbildung und -durchsetzung, einvernehmliche
Kontrolle, positives Mitarbeiterbild und bewußt eingeschränkter Steuerungsgrad durch ausgeweiteten Handlungsspielraum. Angesichts heutiger Rahmenbedingungen gilt der kooperative Führung heute als zeitgemäß.
-
Der Laissez-faire-Stil ist eine Verweigerung von Führung und kann mit „Machenlassen“ übersetzt werden. Informationsfluß und Kooperationsbeziehungen entfalten sich höchst zufällig. Erfahrungen mit diesem Stil sind denn auch unbefriedigend. In der Praxis hat der Laissez-faire-Stil kaum Bedeutung.
Üblicherweise stehen sich autoritäres und kooperatives Führungsverhalten extreme Formen gegenüber. In der Realität reicht die Spannbreite über vielfältige Zwischenstufen
- vom Befehl bis zur Information
- vom absolut überwachten Mitarbeiter bis zur reduzierten Kontrolle mit der Pflicht zur Ergebnisrückmeldung
- von der exakten Ausführung von Vorgaben ohne eigenen Entscheidungsspielraum bis zur weitestgehenden Entscheidungsfreiheit
- von der alleinigen Vorgesetztenverantwortung bis zur umfassenden Verantwor tungsdelegation an den bzw. die Mitarbeiter(in).
Mit dem dominierenden Führungsstil ist der Umfang der Beteiligungschancen von Mitarbeitern festgelegt.
Tradierte Führungsstile
Tradierte, d. h. überlieferte Führungsstile - ein anderer Erläuterungsansatz - basieren auf Verhaltensweisen, die außerhalb von Unternehmen festgestellt und von dort auf die Beziehung von Vorgesetzten und Mitarbeitern übertragen wurden. Tradierte Führungsstile sind:
- Der patriarchalische Führungsstil geht vom Leitbild der Autorität und der Güte des Familienvaters aus.
- Beim charismatischen Führungsstil wird mittels der Ausstrahlungskraft Gefolgschaft eingefordert.
- Auch der autokratische Führungsstil geht vom Alleinherrscher mit unbegrenzter Machtfülle aus, der sich eines hierarchisch gegliederten Führungsapparates bedient. Dem autokratischen Führungsstil fehlt die Wärme des Patriarchen und das Charisma.
- Im Rahmen des bürokratischen Führungsstils sind Vorschriften und Anordnungen zu beachten. Willkür wird durch Legalität und Gleichbehandlung abgelöst.
Mehrdimensionale und managementbezogene Führungsstile
Beziehungs- und Aufgabenorientierung bzw. Arbeitnehmer- und Produktionsorientierung kennzeichnen die beiden Führungsdimensionen, auf die unabhängig voneinander die Ohio- und die Michigan-Gruppe im Rahmen großangelegter Forschung gestoßen sind. Beide Dimensionen (Beziehungs- bzw.
Arbeitnehmerorientierung einerseits und Aufgaben- bzw. Produktionsorientierung anderseits) sind nach heutigem Erkenntnisstand nicht unabhängig voneinander.
Ferner stehen Führungssysteme des Management für ein charakteristisches personales Organisationsklima. Mit dem ausbeuterisch-autoritativen, dem wohlwollendautoritativen, dem konsultativen System und dem partizipativen Gruppensystem treffen wir auf Parallelen zu den klassischen Führungsstilen und ihren verschiedenen Abstufungen.
Gruppenorientierte Führungsstile
Gruppenorientierte Führungsstile sind eine Variante des Interaktionsansatzes und der zielgerichteten Kooperation. Die souveräne Führungskraft berücksichtigt hier die Persönlichkeit der Geführten und gruppeninterne Faktoren, aber auch Situation und Rahmenbedingungen. Wir differenzieren in diesem Zusammenhang anspornendes, förderndes, integrierendes und wertschätzendes Führungsverhalten.
Im einzelnen lassen sich zuordnen:
- Bremsender Führungsstil für Ehrgeizlinge, Intriganten, Freche, Rädelsführer und Gruppenclowns,
- Ermutigender Führungsstil für Schüchterne und Problembeladene,
- Wertschätzender Führungsstil für Frohnaturen und Ausgleichende,
- Integrierender Führungsstil für Neulinge und Außenseiter,
- Anspornender Führungsstil für Drückeberger und Faule, sowie
- Fördernder Führungsstil für Gruppenstars und Leistungsstarke.
Wie immer wir Führungsstile differenzieren: Die Differenzierung dient der Orientierung. In jeder konkreten Führungssituation vor Ort muß sich die Führungskraft bewähren. Und dies bedeutet, daß je nach Mitarbeitern (z. B. bei fehlender Einsichtsfähigkeit) und Situation (z. B. hohes Gefährdungspotential bzw.
erforderlichen klaren Vorgaben) auch bei einem im allgemeinen dominierenden kooperativen Führungsstil direktive (autoritäre) Maßnahmen angezeigt sein können.
Gruss
WALTER