Für Ältere in Verkehrsmittteln aufstehen - wo lernt man das?

Hallo,

als ich noch Kind war, habe ich gelernt, wenn ein öffentliches Verkehrsmittel voll ist, ich habe einen Platz, und eine deutlich ältere Person steigt ein, muss ich ihr meinen Platz anbieten. Selbst wenn ich mich auch als müde empfinde.

Ich weiß nicht mehr, wer mir und uns das beigebracht hat: Die Eltern? Die Lehrer? Vermutlich beide, denn ich habe das als so etwas wie „Allgemeinwissen“ empfunden.

Heutzutage, ich bin über 70, sehe für viele noch älter aus, bekomme ich in Deutschland immer einen Platz angeboten - aber ausschließlich von jungen türkischen Männern. Niemals von deutschen.

Wird das deutschen Kindern heutzutage nicht mehr beigebracht? Wieso machen das dann die Türken? Die besuchen doch auch deutsche Schulen, da müssen es wohl die Eltern sein, die ihnen das beigebracht haben. Und deutsche Eltern machen das gar nicht mehr?

Fragt sich und euch
Carsten

Anstand ist zum Fremdwort geworden.

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Mir haben das meine Eltern beigebracht. Allerdings stehe ich nicht nur für ältere auf sondern grundsätzlich für alle, die so aussehen, als hätten sie ein Handicap. Es ist jetzt zwar schon einige Jahre her, aber ich hatte auch schon des öfteren Gebrechen, die offensichtlich waren, sei es das ich mit Krücken unterwegs war oder ein Arm eingegipst - da war man erstaunlich (ja, ich war wirklich überrascht) zuvorkommend, egal wo und wer.

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Früher war mehr Lametta. :stuck_out_tongue: Und es gab weniger Autos, es sind viel mehr Leute mit öffentlichen Verkehrsmitteln gefahren, auch Eltern mit Kindern. Weder mein Mann noch ich fahren mit unserer Tochter mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Selten mit der Bahn, aber da gibt’s in der Regel genug Plätze. Entweder bekommt sie den Anstand aus dem Alltag außerhalb der öffentlichen Verkehrsmitteln mit, oder eben nicht. Das geht vielen anderen sicherlich genauso.

Ich bin in Rumänien aufgewachsen, und wenn man da nicht genug Anstand besaß, haben die anderen Fahrgäste durchaus dafür gesorgt, dass man aufstand. Lehrer ganz sicher nicht, denn sie sind noch weniger als die Eltern dabei, wenn die Kinder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind.

Hallo,
entweder man hat es oder man hat es nicht - eine gut Erziehung nämlich und daran fehlt es eben immer mehr bei unseren jungen Mitbürgern und Mitbürgerinnen. Das sich da die Deutschen besonders „auszeichnen“ ist nicht verwunderlich. Ich habe vor einigen Tagen ein Gespräch zwischen Mutter und Tochter (Kindergartenkind) mitbekommen. Die KITA hatte offenbar an diesem Tag einen Ausflug gemacht und musste einen Bus benutzen. Die Tochter berichtete ihrer Mutter dass der Bus sehr voll war und die Kinder alle stehen mussten, auch die Begleiterinnen, worauf die Mutter ganz empört sinngemäss sagte -" was, und da ist keiner für Euch aufgestanden ?"
So ist es eben.
Gruss
Czauderna

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„terbiye“ eben.

Hallo,

wenn man denn nennenswerten ÖPNV hätte.
Erstmal wäre die inzwischen ach so klimafreundliche Politik dran, auch auf dem Land für solchen zu sorgen.
Wo kein Bus, kann auch niemand für andere aufstehen - im Schulbus können Kinder das kaum lernen.

Gruß,
Paran

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Wenn, dann würde man es von den Eltern lernen.

Wie hier schon teilweise erwähnt, kommt es auch drauf an, ob man überhaupt die Möglichkeit hat, es zu lernen, nämlich wenn man überhaupt mit öffentlichen Verkehrsmitteln fährt.
In einer Großstadt wohl eher als auf dem Land.

Beatrix

Das kommt noch erschwerend hinzu. Die Haltestelle, bei der meine Tochter einsteigt, ist die zweite im Dorf, und da kommt der („Schul“)Bus schon voll an, es gibt nur noch Stehplätze …

nein, das ist dem AGG zum Opfer gefallen.

Halli hallo und guten Morgen,

also genau wie hier, wird eher pessimistisch über junge Menschen geschrieben bzw. gesprochen und gedacht.

Meine Grundeinstellung ist, dass ich von meinen Mitmenschen nicht viel Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft erwarte.

Meine Lebenserfahrung ist aber, dass mir Türen gefühlt eher von älteren Menschen vor dem Kopf zugeschlagen werden.

Junge Menschen überraschen mich dann doch eher noch durch Freundlichkeit.

Aber Früher war sowieso alles besser, Ironie.

der liebe Peter

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Die meisten Deutschen fahren nicht Bus, sondern Auto, am liebsten SUV. Da bietet sich natürlich keine Gelegenheit, mit Kindern Anstand in Bus und Bahn zu üben. Die Schüler steigen, wenn überhaupt, ohne Eltern hordenweise in den Bus - da gbits keine Anleitung, wie man sich verhalten soll.
Stimmt, in der Türkei sind diese Werte viel wichtiger - nicht nur aufs Bahnfahren bezogen, sondern das zieht sich durch den ganzen Alltag.
Dass Kinder hier keinen Anstand haben, würde ich aber nicht sagen. Ich erlebe viele Kinder durchaus als höflich und hilfsbereit - wenn man bedenkt, wie oft Erwachsene Kindern negativ gegenüber stehen, eigentlich ein Wunder :slight_smile:

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das macht sicher die Teneriffa-Sonne, die gerbt die Haut und lässt sie altern.
:grinning:

Hi,

Dinge, die man „schon immer“ wusste, hat man als ganz kleines Kind beigebracht bekommen - man hat es gesagt und vorgelebt bekommen und wurde erinnert. So lernt man Grüßen, bitte und danke, Türen öffnen und aufstehen für andere.
Türkische Familien funktionieren noch so, und russische. Die Eltern sind Chef, Vorbild und Autorität und erziehen autoritativ - nicht mit Schlägen, sondern Vorbild, Geduld und Konsequenz
Moderne deutsche Eltern (also viele, aber nicht alle) erziehenihre Kinder als Individuen mit Rechten und einer eigenen Meinung. Sie leben vor, das seit eine Belastung ist und man für alles, was man tut, eine rechtliche Verpflichtung braucht. Und dann bleibt man sitzen, wenn eie Oma in den Bus steigt. Es sitzen ja Dutzende andere Passagiere da, die aufstehen können. Warum muss ich? Ich habe gearbeitet, mir tun die Füße weh. Und überhaupt, wer sagt, ich muss?
Voila, die neue Gesellschaft.

Die Franzi

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Hi,

Wenn ich lerne, an andere zu denken, und zwar von den Eltern, brauche ich keinen ÖPNV, um Höflichkeit zu lernen. Dort lerne ich ja auch nicht, die Tür aufzuhalten, weil nach mir jemand kommt, oder meine Hilfe anzubieten, wenn jemand schwer trägt.

Die Franzi

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Die Klagen über die Jugend ist so alt wie die Menschheit:

Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.

Sokrates

Naja, ich bin auf dem Land groß geworden und wohnte ca. 2 km von meiner Schule entfernt. Meine Eltern hatten stets ein Auto, ich ein Fahrrad, wir sind nie mit Öffis gefahren, da schon damals schlicht nicht existent.

Auch wenn es mir nicht vorgelebt wurde, habe ich es trotzdem gelernt. Allerdings frage ich mich gerade ernsthaft woher oder ob mir elterlicherseits henerell Anstand und Manieren vermittelt wurden, die ich auch automatisch auf solche Situationen übertragen habe.

Daran ist ja auch nichts falsch.
Aber das ist ja auch kein Widerspruch dazu, Respekt vor den Alten vorzuleben.
Das ist dann eine freiwillige Leistung, bei allen Rechten und aller Individualität die- ist eine gesunde Herzensbildung gelungen- ein Bedürfnis sein kann.
Wenn das nicht der Fall ist, dann mangelt es an Herzensbildung.
Solche gibt´s natürlich auch.
Was ich sagen will: So etwas sollte kein Muss sein, sondern ein Bedürfnis.Sonst stimmt was nicht.

Mir wurde als Kind das Aufstehen für Ältere - aus Kindersicht waren das alle(!) Erwachsenen - zuerst in den Wartezimmern vom Haus- und vom Zahnarzt beigebracht - von meinen Eltern.
Damals gabs noch keine Terminvergabe und die Praxen in einer Kleinstadt hatten ein großes Einzugsgebiet, somit waren beide Wartezimmer immer voll.

Gruß
.

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Hi,

Bedürfnisse anderer werden nur respektiert, wenn sie mit den eigenen nicht kollidieren. Grade vor zwei Stunden war ich auf dem Weihnachtsmarkt. Rechts von mir, 50cm Abstand, die Auslagen eines Standes, 1m vor mir Deko. Zu meiner linken der weg für die Besucher. Ca 5m vor und neben mir niemand. Ich stand so, damit ich in Ruhe eine Nachricht lesen konnte. Plötzlich von hinter mir eine Männerstimme: „Vorsicht!“ Ich bin sofort einen Schritt zur Seite. Kommt ein Papa von hinter mir vorbeispaziert, seine ca. 4jährige Tochter an der Hand zwischen ihm und mir. Ohne zu bremsen oder mir auszuweichen. Dank gab es erst recht nicht. Ich wäre auch mit einem Lächeln zufrieden gewesen. Ich bin dann zwischen zwei Buden ausgewichen, um in Ruhe fertig zu lesen. Als ich rauswollte, versperrte mir eine Rentnerin 70+ den Ausweg, sie wartete auf eine Freundin, mit der sie sich den Stand anschauen wollte. Sie sah mich und blieb im Weg stehen. Ich immerhin hat sie freundlich gelächelt. Da links und rechts Buden und hinter mir ein Zaun waren, konnte ich nur geradeaus. Hab mich durchgezwängt, gottseidank keine Kollision.

Die Franzi