Hallo Wolfgang,
http://deuvet.de/fakt/hkennzeichen.htm
Offenbar sollen sehr kurzfristig die Anforderungen für das
H-Kennzeichen weiter verschärft werden.
Wie seht Ihr das?
Es gibt grundsätzlich verschiedene Betrachtungen und alle
Positionen sind aus Sicht der Betroffenen verständlich,
wenngleich man sie nicht teilen muß.
Das stimmt meistens…
Es gibt Leute, die ganz
einfach billig Auto fahren wollen. Mit einem brauchbar
erhaltenen Oldtimer der Oberklasse ist der Wunsch erfüllbar,
weil das H-Kennzeichen zu günstiger Versicherungseinstufung
und Steuerermäßigung führt.
Das sind die wenigsten. Einen Mercedes 450 SEL von 1976 z.B. kann man sehr günstig in schlechtem Zustand einkaufen. Man bekommt für diesen Wagen dann auch nach der aktuellen Regelung kein H-Kennzeichen mehr. Befindet er sich in gutem Zustand, kostet er deutlich mehr, so um 8.000€ aufwärts. Dazu kommt ein Spritverbrauch von 13-25 L. Dieses Auto setzt somit kein mensch ein, der nur billig Kilomter schrubben möchte.
Es geht um die Erhaltung automobilen Kulturgutes.
Und da ist der geforderte Top-Lack einfach Unsinn. Ein schön patinierter, aber fitter Wagen im Originalzustand ist ein Zeitzeuge. Wird er nicht gepflegt, verliert er sowieso beim nächsten TÜV die H-Berechtigung.
Steuerermäßigungen für gewöhnliche
Alltagsfahrzeuge sind aber schwer vermittelbar.
Es geht ja nicht nur um die Steuerermässigung, sondern eben auch um Sonderregelungen in Umweltzonen für ein paar wenige gepflegte Oldies.
Schwer
vermittelbar ist, technisch überalterte Fahrzeuge mit hohem
Schadstoffausstoß besonders zu begünstigen und Anreize zu
schaffen, sie im Straßenverkehr zu behalten.
Finde ich weniger. Der durchschnittliche Oldie wird vielleicht 5.000 Km p.a. gefahren.
Dafür muss dann kein neues Auto gebaut werden, was wiederum ressourcen und Schadstoffe bei der Produktion einspart. Das Gesamtbild zählt.
Dann gibt es Leute, denen es beim Oldtimer nicht um billiges
Autofahren geht. Diese Leute kämen nicht auf die Idee, ein für
einen fünf- oder sechsstelligen Betrag restauriertes Fahrzeug,
das im Neuzustand oder sogar besser ist, im Berufsverkehr zu
bewegen oder auf dem Karstadt-Parkdeck zwischen den
Einkaufswagen abzustellen. Solche Oldtimer sind Kostbarkeiten,
die dauerhaft erhalten werden sollen und eher musealen
Charakter haben. Man kann den Standpunkt vertreten, nur
solchen Fahrzeugen ein H-Kennzeichen mit den damit verbundenen
Vergünstigungen zu geben.
Das kann man. Der Zweck des H-Kennzeichens, automobiles Kulturgut zu erhalten, wird somit jedoch nur unzureichend erfüllt.
Es gibt Sammler, die den letztgenannten Standpunkt
unterstützen, vielleicht auch nicht ganz uneigennützig.
Das sind die auf Treffen allgegenwärtigen, graubärtigen Wichtigtuer, die unter einem Mercedes 190 SL nichts gelten lassen.
Ich bin auch dagegen, jeden Schrotthaufen mit einer H-Zulassung zu versehen.
Mein eigener Oldie wäre, weil Neulack in Originalfarbe und technisch mängelfrei (zumindest zur H-Abnahme in 2009 dann werden Heizung und Tacho wieder funktionieren…) auch gar nicht betroffen.
Der Alfa GT von 1972 meines Freundes jedoch dürfte dann probleme bekommen. Er hat eine H-Zulassung, aber wie lange? An dem Auto ist alles original, aber der Lack eben nicht mehr perfekt. gerade das macht den Wagen aber spannend. 35 Jahre ohne Restauration.
Die
Preise für alte Fahrzeuge mäßigen Zustands werden nämlich mit
Verschärfung der Bedingungen für ein H-Kennzeichen sinken. Man
kommt billiger an Restaurationsobjekte und Ersatzteilträger
für das Schätzchen, das hauptsächlich in der klimatisierten
Garage steht und höchsten zu besonderen Anlässen bei schönem
Wetter ein paar Meter bewegt wird.
Das trifft auf diese Leute nicht zu, denn die Autos, die die haben (ich vermeide bewusst „fahren“ zu schreiben, denn viele reisen sogar mit Hänger an), findet man nicht mehr als Teileträger.
Die normalen Autos wie Käfer, Alfa, Golf 1, Ford Capri, Mercedes 123 oder /8 u.s.w. findet man sowieso günstig. Die besseren sollten erhalten werden.
Aber mir ist klar, dass die Grenze hier fliessend ist. Schade ist nur, dass nun aufgrund kurzfristiger Erhöhungsbegehren der Steuereinnahmen stapelweise erhaltenswerte Autos den Weg alles Irdischen gehen werden, nur weil ein Bürokrat mit nagelneuem Dienstwagen kein Fingerspitzengefühl bewiesen hat.
Grüße,
Mathias