Für ein Jahr weg

hallo liebe www-ler

ich habe eine frage zum umgang mit meinem freund.

mein freund ist depressiv, aber schon seit gut einem jahr in behandlung. ich finde, er hat riesen fortschritte gemacht.

nun ist er jedoch wieder total im loch - und diesmal wegen mir, denn sehr wahrscheinlich (nicht ganz sicher) werde ich für ein jahr ins ausland gehen. dass dies mal kommen würde, weiss er seit ca. 1.5 jahren, als wir noch nicht zusammen waren. ich habe ihn immer darauf hingewiesen, dass ich sehr wahrscheinlich weg gehen werde. aber anscheinend hat er dies erfolgreich verdrängt.
jetzt, da es aktuell werden könnte, ist er zusammen gebrochen. sein verhalten ähnelt dem eines kleinen verletzen kindes. er weint viel, ist total lustlos und irgendwie verwirrt.

was kann ich tun? einerseits tut es mir sehr weh, wenn ich ihn so sehe, andererseit nerve ich mich aber auch, dass er mir das nicht „gönnt“.

ich konnte ihn bis jetzt immer erfolgreich hochziehen, da seine depressionen nichts mit mir zu tun hatten. jetzt aber bin ja ich die „schuldige“. was kann ich ihm sagen?

danke für eure hilfe
coco

Hi Coco,

keine Ahnung, was Du ihm sagen kannst. Ist auf jeden Fall verständlich, dass es ihn ziemlich mitnimmt, dass Du weggehst, auch wenn er es die ganze Zeit wusste.

Du bist wahrscheinlich eine seiner Hauptbezugspersonen, wenn nicht sogar die wichtigste. Klar hat er Angst, das hätte sicherlich jeder Mensch, Dir fällt es ja bestimmt auch nicht ganz leicht, ihn ein Jahr lang nicht so oft sehen zu können wie im Moment, oder? Mit seinen Depressionen als Vorgeschichte ist er natürlich nochmal heftiger belastet. Er hat vielleicht Angst davor, dass es ihm wieder schlechter gehen könnte und Du bist dann nicht bei ihm. Und dann? Solche Sachen gehen ihm vielleicht durch den Kopf - habt Ihr das schon angesprochen?

Mir ist beim Lesen Deines Postings nur eins in den Kopf gekommen: Routine.

Vielleicht ist es eine kleine Entlastung, wenn Ihr jetzt, während Du noch hier bist, sowas wie Rituale einzuführen. Das könnte z. B. eine morgendliche SMS mit „Guten Morgen, mein Schatz“ sein, die derjenige schreibt, der zuerst wach ist. Das kann auch aus großer Entfernung geschrieben werden. :smile: Oder einmal in der Woche macht Ihr einen gemeinsamen Chat-Abend. Jetzt zu zweit nebeneinander, später dann miteinander. Oder - soweit das geldtechnisch möglich ist - Ihr schenkt Euch in regelmäßigen Abständen irgendwas Kleines, z. B. eine Rose oder zwei Kinderriegel oder was auch immer. Sicherlich habt Ihr gemeinsame Freunde, die das für Dich kaufen und ihm vorbeibringen würden, und umgekehrt findet sich auch ein Weg.

Ist es verständlich, was ich meine? Dann ist dieses Gefühl der Gemeinsamkeit nicht ganz verloren, das kann auf eine große Distanz sehr schnell entstehen. Wenn Ihr aber an solchen Gewohnheiten festhaltet, ist es vielleicht ein bissl einfacher, eben weil nicht „alles“ vom Partner weit weg ist. Auch wenn es „nur“ materielle Dinge sind in diesem Fall, manchmal ist sogar das besser als gar nichts. :smile:

Wünsche Euch viel Glück!
Natascha

Hallo Coco,

die Ursache dafür, daß es Deinem Freund jetzt nicht gut geht, ist nicht, daß er es Dir nicht „gönnt“, sondern damit, daß Dein Freund eine Krankheit namens Depression hat. Auch Deine Entscheidung, ins Ausland zu gehen, hat nichts damit zu tun, daß Dein Freund depressiv ist. Sie ist nicht die Ursache, sondern der *Auslöser* der jetzigen depressiven Phase. Versuche Dir darüber klar zu werden oder erinnere Dich daran, daß Depression eine Krankheit ist, für die weder Du noch Dein Freund verantwortlich sind. Es gibt daher keinen „Schuldigen“.

Ich nehme an, daß Du mit Deinem Freund über Deine Entscheidung bereits einmal ausführlich gesprochen hast. Jetzt würde ich ihn darauf hinweisen, daß Deine Ankündigung seine jetzige Situation ausgelöst hat, daß er sich wieder in einer depressiven Phase befindet und daß er professionelle Hilfe braucht. Deshalb sollte er umgehend mit seinem Therapeuten / Arzt in Kontakt treten. Du kannst auch anbieten, zu Therapiesitzungen mitzugehen.

Ich drücke euch die Daumen.

Oliver Walter

hallo natatza

ja, ich habe auch schon überlegt, ob er abhängig von mir geworden ist. momentan ist es für mich sehr schwierig dieses thema anzusprechen, weil 1. es noch nicht sicher ist und 2. weil er sofort „zu“ macht. aber ich sollte es vielleicht wirklich nochmals probieren und ihn fragen, vor was konkret er angst hat.

danke vielmals für deine vorschläge. das mit den geschenken könnte schwierig werden, aber sms schicken ist eine gute idee. wir haben das anfangs freundschaft viel gemacht, aber irgendwie hat es sich dann so ergeben, da wir öfters telefonierten.

hast du mich chatten gute erfahrungen gemacht? also ich hatte einmal eine fernbeziehung, und was wir uns da alles missverstanden haben… das war teilweise fast schlimmer, als wenn wir nichts voneinander gelesen hätten…

liebe grüssli
coco

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hallo oliver

mein freund ist schon länger depressiv, dass hat nichts mit der jetzigen situation zu tun. aber ich bin, wie du gesagt hast, der auslöser seines jetztigen downs und damit direkt involviert und auch nicht mehr objektiv.

und genau deshalb ist es für mich schwierig, die richtigen worte und taten zu finden. denn in seinen augen bin ich die „böse“ (natürlich unbewusst).

mein freund ist schon seit einem jahr in therapeutischer behandlung. allerdings habe ich keinen einfluss darauf, was er dort tut/bespricht (zum glück!).

liebe grüssli
coco

Hallo Coco,

die Ursache dafür, daß es Deinem Freund jetzt nicht gut geht,
ist nicht, daß er es Dir nicht „gönnt“, sondern damit, daß
Dein Freund eine Krankheit namens Depression hat. Auch Deine
Entscheidung, ins Ausland zu gehen, hat nichts damit zu tun,
daß Dein Freund depressiv ist. Sie ist nicht die Ursache,
sondern der *Auslöser* der jetzigen depressiven Phase.
Versuche Dir darüber klar zu werden oder erinnere Dich daran,
daß Depression eine Krankheit ist, für die weder Du noch Dei
Freund verantwortlich sind. Es gibt daher keinen „Schuldigen“.

Ich nehme an, daß Du mit Deinem Freund über Deine Entscheidung
bereits einmal ausführlich gesprochen hast. Jetzt würde ich
ihn darauf hinweisen, daß Deine Ankündigung seine jetzige
Situation ausgelöst hat, daß er sich wieder in einer
depressiven Phase befindet und daß er professionelle Hilfe
braucht. Deshalb sollte er umgehend mit seinem Therapeuten /
Arzt in Kontakt treten. Du kannst auch anbieten, zu
Therapiesitzungen mitzugehen.

Ich drücke euch die Daumen.

Oliver Walter

Huhu,

ja, ich habe auch schon überlegt, ob er abhängig von mir
geworden ist.

ups, das meinte ich so nicht - eher, dass er einfach weiß, dass Du für ihn da bist, wenn es ihm schlecht geht. Und wenn Du physisch eben nicht in der Nähe bist, kommen diese Gedanken, was wäre, wenn es ihm jetzt schlecht ginge und er Dich nicht erreichen könnte usw. Würde das aber noch nicht Abhängigkeit nennen.

momentan ist es für mich sehr schwierig dieses
thema anzusprechen, weil 1. es noch nicht sicher ist und 2.
weil er sofort „zu“ macht. aber ich sollte es vielleicht
wirklich nochmals probieren und ihn fragen, vor was konkret er
angst hat.

Wann weißt Du es? Und wie viel Zeit bleibt dann noch, bis Du gehst?

danke vielmals für deine vorschläge. das mit den geschenken
könnte schwierig werden, aber sms schicken ist eine gute idee.
wir haben das anfangs freundschaft viel gemacht, aber
irgendwie hat es sich dann so ergeben, da wir öfters
telefonierten.

Jau, oder einfach mal ne Karte schicken, gibts ja heute viel zu selten. :smile: Habe jahrelang von einem Ex ne Karte aus dem Sommerurlaub bekommen, habe mich immer tierisch drüber gefreut - bin inzwischen leider zu oft umgezogen, da kommt nix mehr an. Kontakt ist wech, aber das war auch ne nette Routine unter Freunden. :smile:

hast du mich chatten gute erfahrungen gemacht? also ich hatte
einmal eine fernbeziehung, und was wir uns da alles
missverstanden haben… das war teilweise fast schlimmer, als
wenn wir nichts voneinander gelesen hätten…

Nein, gechattet habe ich bisher noch mit keinem meiner Freunde. Was Fernbeziehungen angeht - hatte ich über ein Jahr lang, da wurde halt täglich telefoniert. Und SMS gabs natürlich auch. :smile:

Grüßlis
Natascha

Hallo Coco,

daß Dein Freund in Behandlung ist, habe ich bemerkt. Ebenso, daß Deine Wahrnehmung der Situation sehr von Deinen Gefühlen bedingt ist. Du suchst nach einer Möglichkeit, ihm die Situation irgendwie verständlich machen, so daß er aus seiner depressiven Phase bald wieder herauskommt. Wie Du an Natascha geschrieben hast, überlegst Du sogar, weitere Beziehungsaspekte mit Deinem Freund zu diskutieren.

Dafür ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. In der depressiven Phase ist Dein Freund damit überfordert. Du schreibst selbst, daß er sofort „zu“ macht. Das ist ein Signal, daß es jetzt nicht geht.

Beziehungsgespräche erhöhen momentan das Risiko, daß Dein Freund tiefer in die Depression rutscht. Deshalb rate ich Dir, Dir klarzumachen, daß Depression eine Krankheit ist, die man nicht mit „drüber reden“ - egal wie - so einfach aus der Welt schafft. Auch nicht, wenn Du Dir das so sehr wünschst.

Grüße,

Oliver Walter

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hi natatza

ja, ich habe auch schon überlegt, ob er abhängig von mir
geworden ist.

ups, das meinte ich so nicht - eher, dass er einfach weiß,
dass Du für ihn da bist, wenn es ihm schlecht geht. Und wenn
Du physisch eben nicht in der Nähe bist, kommen diese
Gedanken, was wäre, wenn es ihm jetzt schlecht ginge und er
Dich nicht erreichen könnte usw. Würde das aber noch nicht
Abhängigkeit nennen.

naja, es gibt vielleicht verschiedene arten von abhängigkeit. aber wenn eine eventuelle zukünftige handlung bei ihm dermassen starke gefühle auslösen kann, dann ist das doch eine art von abhängigkeit?

Wann weißt Du es? Und wie viel Zeit bleibt dann noch, bis Du
gehst?

ich denke noch diesen monat. dann würde noch 2-3 monate bleiben.

liebe grüssli
coco

Hallo Coco !

Wenn du ihn tatsächlich liebst, wirst du ihn nicht verlassen. Wie willst du es mit deinem Gewissen vereinbaren ?
Wenn du gehst für ein Jahr ins Ausland wird die Beziehung zu ende sein. Die Frage ist wie wichtig ist dir deine Beziehung u. ob er sich nicht vielleicht ein umstimmen deiner Meinung in Bezug auf Ausland erhofft hat.

Er wird leiden.

Gruss Esra