Hallo!
Zu Kaiser und König:
Der Kaisertitel leitet sich von den Cäsaren des römischen Reiches ab. Monarchen, die sich in der Nachfolger dieser Cäsaren nannten sich „Kaiser“ (deutschsprachig) bzw. „Zar“ (russisch). Warum der oberste Monarch Japans auch als „Kaiser“ bezeichnet wird, weiß ich nicht.
Im Mittelalter und der „frühen“ Neuzeit (bis 1806) war es so, dass die Kurfürsten in Deutschland den Deutschen König auf Lebenszeit wählten. In der Regel wurde er anschließend vom Papst zum Kaiser ernannt. Er durfte dann das Heilige Römische Reich Deutscher Nation führen. Die Kaiserwürde war also eine Auszeichnung, die noch über das normale Königtum hinaus ging. (Ein ursprüngliches Ideal, das bestimmt nie ganz gestimmt hat: Papst und Kaiser üben auf der Erde gemeinsam die von Gott gegebene geistliche und weltliche Gewalt aus).
Später gab es auch noch andere, die den Titel „Kaiser“ für sich in Anspruch nahmen. Napoleon I. zum Beispiel. Er war ja von Geburt kein hoher Adliger und zunächst auch der Republik verpflichtet. Als er dann immer größenwahnsinniger wurde, ließ er sich zunächst zum 1. Konsul und später zum Kaiser ernennen. Darin eiferte er zum einen dem Römischen Reich nach und brachte andererseits zum Ausdruck, dass seine Legitimation eine andere war als die des alten, überholten, verhassten Regimes der Bourbonen. Da er für sich einen Titel wählte, der noch höher war als der Königstitel seiner Vorgänger, stellte er sich zudem auf eine höhere Stufe. Außerdem verteilte er noch großzügig Königstitel in Europa an seine Verbündeten (z. B. Württemberg und Bayern). Diese waren dann Könige „von Napoleons Gnaden“ im Gegensatz zu den alten Monarchen, die sich „von Gottes Gnaden“ nannten.
Der Kaiser des HRR dankte dann 1806 ab. Damit endete die oben beschriebene Tradition. Nach den napoleonischen Kriegen nahm man den Königen von Napoleons Gnaden ihre neu erworbenen Titel aber nicht mehr weg, so dass König Wilhelm von Preußen 1871 den Kaisertitel annehmen musste, um sich begrifflich von den Landesfürsten abzuheben, die zum Teil Könige waren. In Frankreich setzte man stattdessen wieder einen Bourbonen und damit einen König ein. Napoleon III. war dann - wen wundert’s? - wieder Kaiser. (Wie die Donaumonarchie zum Kaisertitel kam, weiß ich nicht. Die Zaren sahen sich vermutlich in der Tradition des Byzantinischen Reiches).
Es gibt also mindestens zwei Begründungen für den Titel „Kaiser“:
- In der Tradition der Cäsaren stehend.
- Herrscher über Könige
Interessant ist dann noch Großbritannien. Obwohl das Britische Empire nicht nur dem Namen nach ein wirkliches Imperium war, beanspruchte die Krone niemals den Titel „Kaiser von Großbritannien“ für sich, wohl aber „Kaiser von Indien“. Da kennen sich andere Leute jetzt bestimmt besser aus als ich. Ich könnte mir gut vorstellen, dass man die Indischen Monarchen formal in Amt und Würden ließ und sich selbst nur als Kaiser darüber stellte.
Michael