Zitat aus ‚Spiegel‘-Artikel zum Thema
Hallo Peter,
hier ein längeres Zitat aus einem „Spiegel“-Artikel („Als Feuer vom Himmel fiel“) zum Thema, Hervorhebungen von mir:
_(…)
Im Mai 1942 zog Churchill nach eigenem Bekunden „die Handschuhe aus“: Nachdem er seine Luftflotte mit einem Crash-Programm
kräftig aufgestockt und mit neuen Zielfindungsverfahren ausgestattet hatte, schickte er mehr als tausend Maschinen zur Operation
„Millennium“ nach Köln. Folge: 480 Tote, 5000 Verletzte, 3300 zerstörte Gebäude. Luftaufnahmen der rauchenden Ruinenskelette ließ
Exekutor Harris säuberlich in ein blaues Album kleben und Stalin überreichen.
Jede deutsche Stadt, kündigte Churchill an, solle fortan einer „Feuerprobe“ unterworfen werden, „wie sie kein Land an Unablässigkeit, Strenge oder Umfang bisher erlebt hat“.
Den Angriff auf die Domstadt - die bis Kriegsende weitere 261-mal bombardiert werden sollte - nannte er „die Vorankündigung dessen, was eine deutsche Stadt nach der anderen von uns hinnehmen muss“.
Trotz gelegentlicher Skrupel ließ sich Churchill von seiner Strategie der Zivilistenvernichtung nicht abbringen - auch nicht durch Proteste
aus der Kirche.
Vergebens richtete der Bischof von Chichester, George Bell, im Februar 1944 in einer tumultuarischen Oberhaus-Sitzung seinen
Bannstrahl auf die Flächenbombardierung: „Die Nazi-Mörder in die gleiche Reihe mit dem deutschen Volk zu stellen heißt, die Barbarei
voranzutreiben.“ Denn: „Eine ganze Stadt auszulöschen, nur weil sich in einigen Gebieten militärische und industrielle Einrichtungen
befinden, negiert die Verhältnismäßigkeit.“
Eine andere Strategie als die Briten verfolgten anfangs die Amerikaner, die ihre „Fliegenden Festungen“ vom Typ B-17 nach
Deutschland schickten: Während für die englischen Nachtbomber das Harris-Motto galt, die RAF müsse alles zerstören, um wenigstens
etwas zu zerstören („To be certain of destroying anything, it was necessary to destroy everything“), flogen die US-Tagbomber der USA
vorzugsweise Präzisionsangriffe auf Industrieanlagen.
Allerdings: Als die USA 1944 zwecks Vorbereitung der Invasion verstärkt zur Bombardierung von Bahnanlagen übergingen, verwischten
sich die Unterschiede zwischen britischen Flächen- und amerikanischen Punktabwürfen. An die Stelle gleichsam chirurgischer Schläge
trat nun auch bei den US-Luftkriegern der „radargeleitete flächendeckende Sättigungs- und Bombenteppichangriff“ (Groehler).
Gegen Kriegsende häuften sich neben taktischen Einsätzen, die der Bodeninvasion den Weg bereiten sollten, reine
Bestrafungsaktionen gegen militärisch unbedeutende Städte wie Dresden. Briten wie Amerikaner waren in dieser Kriegsphase
gleichermaßen darauf bedacht, größtmöglichen Schrecken zu erregen und größtmöglichste Verwüstungen zu hinterlassen.
Nachdem US-Flugzeuge noch im Frühjahr 1945 beispielsweise über dem 1500-Seelen-Kaff Ellingen bei Nürnberg 70 Tonnen Bomben
abgeladen hatten, räumte US-Luftwaffengeneral Frederick Anderson freimütig ein, solche Angriffe könnten den Krieg zwar nicht
verkürzen. Er glaube aber, „dass die Tatsache, dass Deutschland einfach überall getroffen wurde, noch vom Vater an den Sohn und
dann an den Enkel weitergegeben wird; und dass dies auf jeden Fall der Abschreckung für das Anzetteln künftiger Kriege dienen wird“.
Von Januar bis Mai 1945 töteten alliierte Bomber bei reinen Vergeltungs- und Strafaktionen im Tagesschnitt mehr als 1000 Zivilisten.
Ein Terrorangriff auf Würzburg, bei dem über Nacht 89 Prozent der Barockstadt zerbombt wurden, forderte noch am 16./17. März 1945
rund 5000 Tote.
Der Kriegsgegner war praktisch geschlagen, die Kriegsmaschinerie jedoch schien nicht gestoppt werden zu können: Dutzende Städte
wurden 1945 nur deshalb zerstört, weil sie noch unzerstört geblieben waren. Und Harris schreckte nach seinen eigenen Worten nicht
einmal davor zurück, „zerstörte Städte nochmals zu zerstören, um etwa darin wiedererstandene Industrien zu vernichten“.
Aus der Luft beiseite geräumt wurden kurz vor dem Waffenstillstand die historischen Stadtkerne unter anderem von Freiburg,
Heilbronn, Nürnberg, Hildesheim, Mainz, Paderborn, Magdeburg, Halberstadt, Worms, Pforzheim, Chemnitz, Trier, Potsdam und Danzig.
Erst Ende März, nach der Zerstörung Würzburgs, ging Churchill vorsichtig auf Distanz zu seinen fliegenden Terroristen - allerdings
keineswegs aus humanitären Erwägungen: „Der Moment ist gekommen, in dem die Bombardierung der deutschen Städte einfach zu
dem Zweck gesteigerten Terrors überdacht werden sollte. Sonst werden wir demnächst ein völlig ruiniertes Land kontrollieren.“
(…)_
http://www.niederelbe.de/boelsche/spiegel/hoelle.htm